Wenn die EU dich fragt…

Piratenpartei lädt zur EU-Umfrage zum Urheberrecht einDa dachte ich mir, da kannst du doch mal mitmachen. Wenn die EU meine Meinung zum Urheberrecht wissen will, dann kann ich mich nicht verweigern. Ein wenig war ich durch die zarten Andeutungen in der Einladung der Piratenpartei (»teilweise schwer zu beantworten«, »Verwertungsindustrie … ihre Meinung in die Umfrage einfließen«) schon vorgewarnt, was ich aber dann präsentiert bekam, war schon ein starkes Stück. Es ist ein Musterbeispiel für die Manipulation von Umfragen.

Auf zum »Fragebogen zum Urheberrecht, DRM und kreative Online-Inhalte«

(mehr …)

Ohne Kampf kein Mampf?

Jüngst kommt eine neue Ausgabe der Zeitschrift »Exit« auf den Markt, in deren Editorial es heisst:

»Einen parallelen Versuch ähnlicher Art [wie John Holloway] haben Stefan Meretz und Ernst Lohoff in Krisis 31 vorgeführt. Die Szene, die damit bedient werden soll, ist die als „Ökonux“ firmierende Ideologisierung der „Freien Softwarebewegung“. Dort wird (etwas allgemeiner gefasst unter www.keimform.de) schon länger die Wunschidee vertreten, der Kapitalismus würde hinter dem Rücken seiner Subjekte „das Neue im Alten“ hervorbringen, das dann unverändert in die befreite Gesellschaft übernommen werden oder diese gar auf dem Wege einer kampflosen Ausbreitung herbeiführen könne.«

Damit ist in der Tat ein wichtiger Punkt angesprochen, nämlich der nach den Vorstellungen gesellschaftlicher Transformation. Dabei scheinen sich zwei Pole herauszukristallisieren: Einerseits die Vorstellung, eine Befreiung könne nur durch den bewussten Umsturz der alten Verhältnisse und rückstandlose Entfernung derselben geschehen; andererseits die Vorstellung, die alten Verhältnisse wachsen in neue Verhältnisse hinüber, befördert durch das mehr oder weniger bewusste Handeln der Menschen.

(mehr …)

Material peer production—Part 4: What Difference Does It Make?

'From Exchange to Contributions' Cover[Diesen Artikel gibt es noch nicht auf Deutsch. Wenn du dazu beitragen willst, das zu ändert, beteilige dich bitte an der Übersetzungs-Werkstatt.]

Previous part: Commons and Possession

We have seen that it is indeed possible to generalize peer production to material production in such a way that its essential traits—it is based on contributions, on free cooperation, and on commons and possession—are preserved. So far, peer production has been largely limited to the immaterial sphere of information goods, but this limitation is not essential and might sooner or later disappear.

At this point, the reader might be inclined to ask: So what? So we can either have an economy based on markets (a market economy, a.k.a. capitalism) or an economy based on peer production (a peer economy), but, in the end: what difference would it make?

(mehr …)

Material peer production—Part 3: Commons and Possession

Book Cover[Diesen Artikel gibt es noch nicht auf Deutsch. Wenn du dazu beitragen willst, das zu ändert, beteilige dich bitte an der Übersetzungs-Werkstatt.]

Previous part: Free Cooperation.

Peer production is based on commons and possession, not on property. As long as you use something (by yourself), there is no obvious difference between possession and property. The difference only becomes visible when you stop using it: your property still remains your property, allowing you to sell it to someone else (in return for money or some other equivalent). But possession is bound to usage—if you no longer need something, you cease possessing it and somebody else can start possessing it.

One issue where this becomes relevant is the question of long-term vs. short-term usage. When projects expect people to make contributions in order to get the things they want, there are cases where the length of usage should be taken into account. Otherwise, people who want to use something for a limited period of time would be put at a serious disadvantage, since they would have to contribute just as much as if they wanted to use it “forever.” When the expected “lifespan” of a good exceeds the expected time of usage by any given person, it might thus be appropriate to tie the required contributions to the length of usage, sharing the overall effort between all who use it over time. For example, a project or local association organizing housing for its members might prefer to require contributions for living in a house or apartment for a certain amount of time (instead of for living there forever), thus spreading the effort necessary for building and maintaining houses among all the people who live there over time.

The difference between property and possession is also relevant for the problem of resource allocation. In an economy where everything is based on commons and possession instead of property, it would not make sense to treat natural resources as property—to rely on buying and selling to allocate them. In fact, it would not even be possible: if nothing apart from resources is sold, how should those who lack them be able to buy them?

(mehr …)

Howard Rheingold über Keimformen

Howard Rheingold, der alte High-Tech-Hippie, spricht bei TED über Spieltheorie, die Tragik der Allmende, neue Formen der Kooperation und wie daraus eine neue Ökonomie mit neuem Wohlstand jenseits von Markt und Staat entstehen kann. Ein sehr prägnanter, kurzer Vortrag, der viel auf den Punkt bringt auch wenn er mit komischen Biologismen durchsetzt ist:

Brockhaus aus-kooperiert

Brockhaus-Lexikon (cc-by-sa-2.0 Jan van der Crabben)Das Literaturcafé sagt es sehr deutlich: »Wikipedia zerstört den gedruckten Brockhaus – 50 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeitsplätze«. Gegen Wikipedia war kein Kraut gewachsen, auch nicht in der Qualität und schon gar nicht in der Quantität und Aktualität. Ein klassischer Fall von aus-kooperieren. Die verärgerten Reaktionen zeigen: Das darf nicht wahr sein, das Management ist schuld, normaler Medienwandel und so weiter.

Das ist Quatsch.

(mehr …)

Material peer production—Part 2: Free Cooperation

'From Exchange to Contributions' Cover[Diesen Artikel gibt es noch nicht auf Deutsch. Wenn du dazu beitragen willst, das zu ändert, beteilige dich bitte an der Übersetzungs-Werkstatt.]

Previous part: Effort Sharing.

Cooperation Between Projects

In the previous part, I have discussed how a project can distribute the effort required for production among those who want to benefit. With these effort sharing models, it is not necessary for participants to produce by themselves what they want to consume—if a project produces different goods (bicycles, cars, etc.), you can take part in producing a good A, and in return get access to any other good(s) B produced by the same project. This allows you to get access to various goods without having to get involved in the production of all of them.

But so far these models have only been considered in the context of a single project, which poses a problem: as consumers, people generally have many diverse needs and desires. In order to satisfy them all, you would either need a project that produces a lot of very different goods, and such a huge project might become inflexible and hard to maintain. Or you would have to contribute to lots of different projects, which would complicate your life enormously.

We can understand this problem better by regarding the different aspects which the participants of a project need to handle:

(mehr …)

Peer-Economy: Offene Fragen

Jetzt liegt ja Christians Vorschlag zur Peer-Economy schon eine ganze Weile vor. Ich schätze diesen Ansatz, weil er zumindestens in der Theorie den häufig gehörten Einwand gegen Keimformen, dass diese spätestens an der Grenze zur materiellen Ökonomie verlieren müssten, entkräftet. Darin hat er für mich eine ähnliche Rolle wie die Freie Software, die für mich vor allem ein Argument ist, dass globale Produktion in selbstorganisierter freier Kooperation auf hohem technischen Niveau möglich ist. Nun ist es leider so, dass praktische Argumente wesentlich besser funktionieren als theoretische. „Guckst Du hier“ überzeugt halt einfach mehr als „liest Du hier“.

Ich habe ja schon relativ früh meine Kritik, oder besser meinen Erweiterungsvorschlag zu seinem Konzept dargelegt. Meiner Meinung nach kann es keine dauerhaft funktionierende Peer-Economy geben ohne Grundauskommen. Dazu stehe ich auch weiterhin, auch wenn Christian dazu mal sagte, dass Grundauskommen sei eben genau das Ziel der Peer-Economy und könne deswegen nicht schon als Vorraussetzung gesetzt werden. Scheinbar beißt sich da eine Katze in den Schwanz.

(mehr …)

Copy me! Die Krise der Musikindustrie

Jungle World: Copy me!Die Wochenzeitschrift »Jungle World« hat den aktuellen Schwerpunkt auf die Musik und ihre Reproduktionsformen gelegt. Es sind interessante Beiträge entstanden [via].

Hier eine kleine Komplilation mit Zitaten.

(mehr …)

Historische Bilder durch Tags anreichern

Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (LOC)Die Bibliothek des US-Kongresses (Library of Congress LOC) hat rund eine Million Fotos und Drucke gesammelt, die bereits seit zehn Jahren online öffentlich zugänglich sind. Nun hat die LOC ein Pilotprojekt gestartet, um ausgewählte Fotos via Flickr öffentlich taggen zu lassen. Die Sammlung wird dadurch reicher und besser zugänglich. Crowdsourcing im besten Sinne, denn das Resultat bleibt freies Allgemeingut (Commons) — für alle Bilder gilt: »Keine Urheberrechtsbeschränkungen bekannt«. [via]

Foto: Homesteader feeding his daughter at the Pie Town, New Mexico Fair free barbeque (src) — vgl. dazu auch den Artikel über die Fotos aus Pie Town