Kategorie: Commons

Elsevier akzeptiert Open Access

Auch die Global Player sind irgendwann dran: Elsevier, einer großen proprietären Wissenschaftsverlage, akzeptiert die erstmals das Einstellen in einem Open-Access-Archiv — sechs Monate nachdem der Artikel als Druckfassung erschien. Diese Vereinbarung schlossen das Howard Hughes Medical Institute und Elsevier für das PubMed Central Archiv mit Wirkung ab September 2007.

Elsevier hat mit seiner aggressiven Preispolitik — »Die Journalbranche hat Gewinnraten wie der Waffen- und Drogenhandel« (Gerhard Fröhlich, Universität Linz, vgl. Freie Netze – Freies Wissen) — nicht nur die Zeitschriftenkrise im Bibliothekswesen mit verursacht, sondern sich selbst auch das erste kleine Sargnägelchen zurechtgehämmert: Der Weg zu Open Access Global ist vorgezeichnet — auch wenn er noch weit ist.

Reblogged from Science Commons Blog.

Hintergrundartikel 1: Die Farbenlehre des Open Access

Hintergrundartikel 2: The Access/Impact Problem and the Green and Gold Roads to Open Access

Kampagne für Zugang zu essentiellen Arzneimitteln

Wie das bei Kampagnen so ist, haben sich die Ärzte ohne Grenzen einen Fall herausgesucht, der ein Schlaglicht auf den Zusammenhang zwischen geistigem Eigentum und Krankheit wirft. Novartis, der Pharmakonzern, verklagt zur Zeit die indische Regierung, weil sie das Patent auf das einem Krebsmedikament zugrundeliegenden Wirkstoff verweigert hat.

Der Hintergrund: Laut Ärzte ohne Grenzen waren bis 2006 Medikamente in Indien nicht patentierbar. Das hat sich mit TRIPS, WTOs Vereinbarung zum Schutz geistigem Eigentums im Handel, geändert. In Indien warten zur Zeit knapp 10.000 Pharmaziepatente auf ihre Ratifizierung, was das Ende der Produktion vergleichsweise billigerer Generika bedeuten würde. Auf diesen indischen Generika, d.h. der billigeren Version anderenorts patentierter Medikamente, beruht nicht nur teilweise das indische Gesundheitswesen sondern auch z.B. Teile der Aidsbekämpfung in anderen „Entwicklungsländern“. Mehr Info gibts auf der Kampagnenwebsite.

Diese Links habe ich übrigens von Benjamin Mako Hills Copyrighteous Blog, er schreibt da:

From a certain perspective, some of the core calls for access to knowledge share common ground with free software, free culture, and anti software patent advocacy that I’ve been involved in. Of course, it puts things in perspective to see Mika and others in the AEM community point to millions of people and say that those people will die because of an IP maximilist position.

Umsonstnetzwerk Give-Get-Nation

Scheinbar zumindestens nicht ganz trafficfrei: Give-Get-Nation

Für meinen Geschmack etwas zu sehr esoterisch aufgemacht und wohl etwas US-lastig. Aber vielleicht kann man die Software verwenden oder sonst irgendwie kooperieren? Für die Nutzigemleute müsste das doch interessant sein? Aber wahrscheinlich kennen sie es eh schon.

RFC*: Universalgut

Ich schreibe gerade an einem Artikel für das nächste Krisis-Heft. In Diskussion mit der Redaktion bin ich auf ein terminologisches Problem gestoßen: Sind Universalgüter und Allgemeingüter das selbe? Im folgenden versuche ich den Begriff des Universalguts entsprechend eines Vorschlags von Ernst Lohoff zu fassen. Kritik und Hinweise willkommen!

*RFC: Request for comments

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John Perry Barlow über zivilen Ungehorsam

Markus Beckedahl veröffentlicht in netzpolitik.org ein Interview mit John_Perry_Barlow auf dem 23C3:

Während Lessig pessimistisch die nächsten 20 Jahre abgeschrieben hat, was eine Veränderung des Urheberrechtssystems betrifft, geht Barlow radikaler vor: “Break the System” ist seine Ansage und er fordert zum massiven zivilen Ungehorsam in Fragen des Urheberrechts im digitalen Raum auf:

[…]If you wanna share something – share it. If you wanna use something – use it. Try to do so ethically in the sense of don´ t take things without attribution.[…] Pay no attention to these people when it comes to being creative. Go ahead and do the stuff that Larry showed in the beginning of his talks and do lot of it. And every time they put a lock on – break it. And every time they pass a new law – break that.[…]

Freie Software für die Landwirtschaft

Von einer interessanten Dissertation berichtet Netzpolitik:

Die Landwirtschaft in den Entwicklungsregionen wird oft durch ländliche und abgelegene Situationen, Armut sowie geringes Bildungsniveau einhergehend mit einer hohen Rate von Analphabetismus charakterisiert. Vor diesem Hintergrund werden die theoretischen Rahmenbedingungen für die Anwendung von Free/Libre Open-Source-Software (FLOSS) in den Entwicklungsregionen aufgezeigt sowie die Herausforderungen analysiert.

Es wird aufgezeigt, dass mit Hilfe von FLOSS aktuelle Entwicklungsziele, insbesondere auch für die ländliche Entwicklung, unterstützt werden können. Exemplarische Beispiele dafür sind Verbesserung der Kommunikationsinfrastruktur, Schaffung von zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten und Fernbildungsprogramme.

Die Dissertation wurde von Martin Voß geschrieben und an der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin eingereicht.

Fork des deutschsprachigen Bereichs von Wikitravel

Das als private Initiative gestartete Wiki-Projekt Wikitravel wurde verkauft. Darauf hin beschloss ein Teil der deutschsprachigen Nutzer einen Fork, der dazu dienen soll, eine „demokratische“ Trägerschaft (in Form eines Vereins) sicherzustellen.

Eine Diskussion mit den Betreibern des neuen Projekts (Wikivoyage) gibt es im GründerWiki.

Die Inhalte von Wikitravel und Wikivoyage sind unter CC-by-sa-1.0 lizensiert.

Streifzug-Review 4: »Wissensallmende«

Antipolitk: Gegen-Politik.Die vierte Ausgabe der Kolumne »Immaterial World« in der Wiener Zeitschrift »Streifzüge« schien ziemlich langweilig gewesen zu sein: Niemand hat einen Kommentar geschrieben. Vielleicht auch deswegen, weil besprochene das Attac-Büchlein »Wissensallmende. Gegen die Privatisierung des Wissens der Welt durch ‚geistige Eigentumsrechte’« langweilig ist? Oder weil es einfach langweilig ist, durch Attac immer wieder auf den Staat als Retter in der Not verwiesen zu werden? Wer weiss das schon. Es lohnt sich trotzdem, das Buch zu lesen:-)

Der Geist des Kopierens

In einem schon etwas älteren – August 2006, also ewig her -, aber immer noch onlinigen Text schreibt Peter Glaser über die „Zivilisationsstrategie“ des Kopierens und gibt zu bedenken, dass die digitale Kopie ja eigentlich keine mehr sei, da sie „den Unterschied zwischen Original und Kopie auslöscht“. – Noch nie was von Remix gehört, Peter? (Danke an Heike für den Hinweis!)

»End Enclosures – build Commonism!«

Hey, kanntet ihr schon die Online-Zeitschrift »The Commoner«? Ich bin durch Zufall darauf gestoßen. Die Zeitung scheint stark durch den Post-/Operaismus und John Holloway inspiriert – die Zielbeschreibung liest sich sehr hollowayisch. Leider schlägt in einigen Artikeln dann ein wenig der alt-operaistische Klassenkampfismus durch, zum Beispiel in dem ansonsten lesenswerten Artikel über proprietäre und Freie Software (PDF).

Dabei ist der Ansatz sehr inspirierend: Die Zeitung sieht die historischen und aktuellen Auseinandersetzungen bestimmt durch den Gegensatz »Commons« vs. »Enclosures« bzw. »Allmende« vs. »Exklusion«. Genau darum ging und geht es: Die Menschen von der unmittelbaren Produktion ihrer Lebensbedingungen auszuschließen und zu entfremden, um die Ware-Geld-Beziehung als einzige Reproduktionsform durchzusetzen. Das erinnert mich an unsere Debatte über »Knappheit«.

Insofern fände ich die Bezeichnung »Commonism« für eine »Freie Gesellschaft« ganz passend:-) Leider ist die englische Wikipedia sich nicht zu doof, gleich auf »Communism« zu redirecten. Auch Google fragt einen »Meinten Sie: communism«, und dann landet man mit den ersten beiden Treffern auch gleich bei der Hardcore US-Propaganda. Bei der deutschen Wikipedia ist »Commonismus« noch frei!