Kategorie: Commons

Hamburger Projekt »Saatgut für alle«

Der Arbeitskreis Lokale Ökonomie Hamburg, über dessen Aktivitäten wir schon mehrfach berichteten, hat ein neuer Projekt gegründet: Saatgut für alle!

In einem Infobrief schreibt der AK LÖk:

Wir sammeln ab jetzt alles mögliche an Saatgut in kleinen Tüten, mit Beschriftung, Sorte, Name, Datum usw.  Wer es über hat, gibt es ab, wer es braucht und wieder aussäen möchte in Haus, Balkon oder Garten, bekommt es in kleinen Mengen. Also, das läuft wie im Umsonstladen, ein frei verknüpftes Geben und Nehmen auf der Grundlage der Nützlichkeit der Dinge.

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Landgrabbing ist Agrarimperialismus

… stellt der Wirtschaftsjournalist Tomasz Konicz fest. Damit weist er ungenannt die Überlegungen der bekannten Commons-Forscherin Ruth Meinzen-Dick zurück, die im großflächigen Aufkauf von Land (Landgrabbing) eine Chance für Investitionen und Jobs in Entwicklungsländern erblicken wollte — und damit Irritationen in der Commons-Community ausgeöst hat.

Konicz stellt klar, dass die neuen Agrarstrukturen — Abbau von Subventionen, Landverkauf, Marktöffnung — den armen Ländern im Rahmen des Washington Consensus aufgezwungen wurden. Sie führten zur Zerstörung der ursprünglichen eher subsistenz- und commons-orientierten lokalen Produktionsstrukturen. Die jetzige Hungersnot ist Ostafrika hat nicht nur Trockenheit und Bürgerkrieg als Ursachen, sondern ist wesentlich »marktgemacht«. Wer jedoch den Markt nur als neutrale Austausch-Instanz betrachtet, muss diesen Zusammenhang übersehen. Konicz bringt es auf den Punkt:

Das kapitalistische Marktsystem versagt …: Derzeit besteht in Somalia oder Äthiopien keine gesteigerte Marktnachfrage nach Lebensmitteln, obwohl dort Menschen massenhaft verhungern, [da] (…) »Marktnachfrage« »kaufkräftige Nachfrage« ist und nicht etwa der Deckung menschlicher Grundbedürfnisse dient, sondern nur eine Etappe im Rahmen der Kapitalverwertung ist.

[Update] Eine weitere Kritik an der Marktideologie.

The Emergence of Benefit-driven Production

OKCon logoThe following paper was written for the Proceedings of the 6th Annual Open Knowledge Conference (OKCon 2011) which took place about a month before in Berlin. It is also available in PDF format.

Abstract

The free software and free culture movements have radically changed the ways of producing software and knowledge goods. In many cases, participation in such project is benefit-driven rather than profit-driven. Participants get involved in order to realize some practical or social benefit, not because of monetary gains. Another difference from market- and firm-based production is that peer production is non-hierarchical: people voluntarily cooperate as peers; there are no fixed employer/employee or client/contractor relationships. And peer production is based on commons: goods which are jointly developed and maintained by a community and which are shared according to community-defined rules.

Peer production is not just about producing knowledge: Hackerspaces and Fab Labs are the first forerunners of a commons-based production infrastructure. While commons-based peer production reaches beyond capitalism, the preconditions of its development are created by capitalism itself. The paradoxical relationship of capitalism to human labor leads to developments that might make the concept of labor (as we know it today) obsolete, and with it capitalism itself.

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Die Wiederaneignung der Gemeingüter…

ist

einfach Ausdruck der Sehnsucht der Individuen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederzufinden, der sie aus ihrer Isolation erlöst — ohne ihnen dabei ihre Freiheit zu nehmen

schreibt der italienische Historiker Piero Bevilacqua in einem TAZ-Kommentar. Der Fortschrittsmythos sei endgültig an Ende, die moderne Politik habe »ihre Karten ausgespielt, ob von konservativer oder linker Seite«. Nach der Niederlage der sozialistischen Erzählung, gehe nun auch die neoliberale Erzählung unter. Was bleibe, sei eine Zerstörung des Sozialen. Die Gemeingüter seien hingegen in der Lage, das Soziale wieder herzustellen — siehe Zitat oben.

Der Kommentar von Piero Bevilacqua zeigt viel Richtiges auf. Trotz teilweise kritisch-linker Rhetorik bekommt der Text jedoch einen kulturpessimistischen und rückwärtsgewandten Tonfall — die »Sehnsucht der Individuen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederzufinden«. Die Sehnsucht nach dem »Wiederfinden« kann schnell gestrige Züge annehmen. Geht es stattdessen nicht vielmehr um eine Herstellung einer neuen Form der Sozialität auf Grundlage der Gemeingüter als um eine wie auch immer geartete Rückkehr?

Producir sin dinero y coerción

¿Otros mundos posibles?[Deutsche Version]

El texto que sigue es mi ponencia para la conferencia “¿Otros mundos posibles?” que tuvo lugar en Medellín (Colombia) en mayo del corriente. Todas las ponencias de la conferencia se van a publicar en una antología
de la Fundación Rosa Luxemburgo, en alemán y español.

La “producción entre pares basada en bienes comunes” (commons-based peer production)

Traducción: Raul Celik; redacción: Laura Rojas

Imaginémonos un mundo en donde la producción y la reproducción se basan en las necesidades de todos y son organizadas por personas libres que se reparten voluntariamente las actividades necesarias. Esta sociedad llamo commonism (deducido de commons, en español bienes comunes), considerando que los bienes comunes, jugarán un rol importante en ella.

Ahora se podrá objetar que tal sociedad será imposible porque todavía no ha existido o porque contradice a la naturaleza del ser humano. Pero del que una sociedad de este carácter todavía no haya existido, no se puede deducir que sea imposible. De igual manera, los argumentos sobre la “naturaleza del ser humano” desconocen que no solo los seres humanos hacen la sociedad sino que, a la inversa, los seres humanos también son influenciados y marcados por la sociedad. Es decir, los cambios de las estructuras también cambian el comportamiento de las personas.

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Produzieren ohne Geld und Zwang

¿Otros mundos posibles?[Versión en español]

Dieser Text ist mein Beitrag für die Konferenz „Andere mögliche Welten?“ (¿Otros mundos posibles?), die im Mai in Medellín (Kolumbien) stattfand. Alle Beiträge der Konferenz werden in einem Sammelband der Rosa-Luxemburg-Stiftung erscheinen, der Ende des Jahres in deutscher sowie in spanischer Sprache veröffentlicht werden soll.

Die Bewegung zum Commonismus

Stellen wir uns eine Welt vor, in der Produktion und Reproduktion bedürfnisorientiert zum Wohle aller stattfinden, organisiert von Menschen, die sich niemandem unterordnen müssen und sich freiwillig in die erforderlichen Tätigkeiten teilen. Ich nenne eine solche Gesellschaft Commonismus, weil ich glaube, dass darin die Commons, die Gemeingüter, eine wichtige Rolle spielen werden.

Man mag einwenden, dass eine solche Gesellschaft unmöglich sei, weil es sie noch nicht gab oder weil sie der Natur des Menschen widerspreche. Doch daraus, dass es etwas noch nicht gab, kann man nicht schließen, dass es unmöglich ist; und Argumente zur „Natur des Menschen“ übersehen, dass die Menschen nicht nur die Gesellschaft machen, sondern umgekehrt auch durch die Gesellschaft beeinflusst und geprägt werden. Ändern sich die Strukturen, ändert sich auch das Verhalten der Menschen.

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Understanding Commons and Peer Production

These are the slides of my presentation at OKCon 2011 in Berlin. Unfortunately, I have to present them here in proprietary flash format slidesshare uses, because I was not able to find HTML5-flashfree alternatives (hints are welcome). Alternatively, you can download the respective PDF file or the source in Open Document Format ODP.

Energieautonomie statt grüne Titanenprojekte

Die Frage, ob die Energieversorgung als Commons organisiert werden kann, hat mich schon einmal beschäftigt. Dabei ging es mir zunächst mal darum zu verstehen, wie die alte Logik der Energiemärkte funktioniert und welche Rolle die Erneuerbaren Energien darin spielen. Annette Schlemm hat diese Gedanken in einer ausgezeichneten Analyse der sogenannten »Energiewende« aufgenommen und weiter getrieben. Sie fasst zusammen:

Während sich bisher die meiste Aufmerksamkeit auf die Laufzeitlänge der Kernkraftwerke konzentriert, ist im Hintergrund der um die Energienetzarchitekturen eröffnet. Und dabei geht es selbstverständlich nicht nur um die Alternative zwischen zwei Techniken (zentrale oder dezentral orientierte Netze), sondern um soziale Praktiken: Machen wir uns in der Energieversorgung auch auf Basis der Erneuerbaren von großtechnischen, monopolistischen Strukturen abhängig oder übernehmen wir auf regionaler, bzw. kommunaler Basis den Großteil unserer Energieversorgung selbst?

DESERTEC und andere grüne Titanenprojekte (wie der umstrittenen Hochspannungstrassen) haben die Funktion, frühzeitig neue zentralistische und kapitalintensive Megastrukturen zu etablieren, die langfristig Fakten setzen werden. Das und mehr ausführlich im Philosophenstübchen lesen.

Zwölf Vorteile commons-basierter Ansätze

Kevin Hanson, ein Filmemacher, Wissenschaftler und Erfinder aus der Nähe von Philadelphia (USA), extrahiert in seinem Film Common Healing (Gemeinsame Heilung) zwölf Punkte, die seiner Aufassung nach commons-bezogene Ansätze auszeichnen. Der Dokumentarfilm befasst sich mit der Frage, was und wie wir aus den Erfahrungen vor allem traditioneller Commons lernen können. Nachfolgend die zwölf Punkte in deutscher Übersetzung — abgeschlossen von einem kurzen Kommentar. [via]

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