Autor: Stefan Meretz

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 7)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6]

Neal Gorenflo: Auf welche Initiativen oder Veranstaltungen würdest du verweisen, um zu veranschaulichen, wie die soziale Produktion von Software die allgemeine Kultur beeinflusst? Das ist ein Thema, was David Bollier in Viral Spiral untersucht hat, aber mich interessiert, welche direkten Verbindungen du zwischen diesen Communities und anderen Lebensbereichen siehst.

Der Einfluss der peerproduzierten Software ist so weitreichend, dass es nahezu unmöglich ist, ihre breite kulturelle Wirkung nicht zu bemerken. Peerproduzierte Software war die wesentliche Inspirationsquelle, die Jakubowskis vorher erwähntes globales Dorf geprägt hat. Sie war ein Einfluss für das weltweite Netzwerk der unabhängigen Medienzentren Indymedia, die 1999 mit dem Ziel ins Leben gerufen wurden, die Aktionen der Antiglobalisierungsbewegung zu koordinieren. (mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 6)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5]

Neal Gorenflo: Was könnten ortsgebundene Communities, die nach einer Peer-Ökonomie streben, von den Communities lernen, die Software mittels Peer-Produktion herstellen? Welche Hindernisse siehst du bei der Übertragung der Online-Ökonomie in einen Offline-Kontext wie eine Stadt?

Die Communities der Peer-Produktion lehren uns, dass es unterschiedliche Wege gibt, menschliche Arbeit – und allgemeiner: menschliche Aktivitäten – zu organisieren. Peer-Produktion organisiert Enthusiasmus, nicht Gehorsam. Es zeigt sich, dass Manager_innen und Aufseher_innen nicht erforderlich sind. Auch wenn Hunderte von Personen teilnehmen, können diese in einem nicht-hierarchischen Rahmen koordiniert werden. In der Tat gibt es kaum ein Prinzip des traditionellen Business-Mangements, dem das lebende Beispiel der Peer-Produktions-Projekte nicht widerspricht.

(mehr …)

Was sind Commons? Infomaterial (nicht nur) für Schulen

Die Sparkassen unterhalten seit 1975 einen SchulService, um einen »Beitrag zur ökonomischen Grundbildung in den Schulen« zu leisten. Monatlich erscheinen Foliensätze samt Begleitmaterial für Lehrer_innen.

Im Dezember 2011 lautete das Thema »Was sind Gemeingüter?« Sichtlich steckt viel Arbeit in dem Material. Das Ergebnis ist eine ansprechend geschriebene Kurzreise von der Güterklassifikation der klassischen Ökonomie, über Elinor Ostrom bis zur Wissensallmende und dem Urheberrecht. Auf nur zwei Seiten. Alle Achtung! Ganz aktuell ist das Material allerdings nicht. Insbesondere dem Begleitmaterial (PDF) ist anzumerken, dass die Commons vor allem durch die verstaubte Brille des homo oeconomicus betrachtet werden.

(mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 5)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4]

Michel Bauwens: Bitte nenne uns einige Details Deiner Einsichten in Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den FLOSS-Stiftungen. Angesichts der gegenwärtigen Entwicklung von Open Hardware: In welchem Ausmaß bewegt sich die Logik der Peer-Produktion von Software in das Feld von Open Hardware? Siehst du die Herausbildung vergleichbarer sozialen Dynamiken und Institutionen oder gibt es Unterschiede? Gibt es auch Open-Hardware-Stiftungen, die eine ähnlichen Rolle spielen?

Die meisten großen FOSS-Projekte haben Stiftungen gebildet, um administrative Aufgaben zu bewältigen, die nicht direkt mir dem Entwicklungsprozess der Produkte verbunden sind. So organisiert zum Beispiel die FreeBSD-Stiftung Konferenzen und Entwickler_innen-Treffen und ist für die finanziellen (z.B. Spenden sammeln) und rechtlichen Aspekte des FreeBSD-Projekts sowie für Firmenkontakte zuständig. (mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 4)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2, Teil 3]

Michel Bauwens: Welche Beziehung siehst du zwischen der Peer-Produktion und der aufkommenden Ökonomie des Teilens, einschließlich der gemeinschaftlichen Nutzung, die das Hauptthema von Shareable ist? Sind beide Ausdruck von etwas noch Breiterem?

Ich denke nicht, dass gemeinschaftliche Nutzung oder die Ökonomie des Teilens etwas neues ist. Bücher aus der Bibliothek auszuleihen hat eine Jahrtausende lange Tradition. Und es sind nicht nur Bibliotheken. Das Konzept der „Umsonstläden“ ist sehr alt: Leute bringen Dinge, die sie weggeben wollen, etwa Kleidung und Möbel, und andere können sie umsonst mitnehmen. Was ich wichtig finde, ist das breite Spektrum von Motivationen, das hinter der Ökonomie des Teilens steht. (mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 3)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1, Teil 2]

Michel Bauwens: Peer-Produktion umfasst Communites von Beitragenden, die zum Teil dafür bezahlt werden und zum Teil nicht, gemeinnützige Vereinigungen wie die FLOSS-Stiftungen sowie beteiligte Unternehmen. Wie sind die Beziehungen zwischen diesen drei Gruppen? Gibt es einen Punkt, wo die Rolle der Unternehmen die P2P- und Commons-Dynamiken so stark verzerrt, dass man nicht länger von Peer-Produktion sprechen kann?

Ihrem Wesen nach ist Peer-Produktion eine Produktionsweise, die weder auf den Markttausch abzielt, noch durch Firmenhierarchien gesteuert wird. Daher unterscheidet sich die Peer-Produktions-Projekten zugrunde liegende Motivation wie auch die Ausrichtung der Produktion in solchen Projekten radikal von den Merkmalen profitorientierter Unternehmen. (mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 2)

[Fortsetzung des Interviews mit George Dafermos: Teil 1]

Michel Bauwens: Charles Leadbeater hat in We Think eine sehr starke Aussage über die Steuerung von Open-Source- und kollaborativen Online-Communities formuliert: „Unter keinen Umständen handelt es sich dabei um egalitäre selbstgesteuerte Demokratien“. Glaubst du, dass das stimmt – warum oder warum nicht – und wie sollen wir die Peer-Steuerungs-Praktiken solcher Communities beurteilen? Kannst du uns etwas über deine Sicht auf die Spannung zwischen Gleichheit und Hierarchie in der Peer-Produktion erzählen? Was hältst du von dem Konzept des „gütigen Diktators“?

Ich habe Leadbeaters Buch nicht gelesen, aber ähnliche Argumente wurden auch von anderen geäußert. Gewöhnlich ist der Tenor des Arguments, dass informelle Formen der Organisation – wie sie in vielen Projekten der Peer-Produktion zu finden sind – für die Bildung von administrativen Klüngeln anfällig sind und dadurch den Nährboden für Korruption und Machtmissbrauch bereiten.

(mehr …)

Die soziale Steuerung von Open Source (Teil 1)

Quelle: Shareble, aus dem Englischen übertragen von Stefan Meretz und Christian Siefkes. Einige Begriffe haben im Deutschen keine direkte Entsprechung. Der Begriff „governance“ umfasst allgemein die Art und Weise der sozialen Regelung und Steuerung von Organisationseinheiten, im Falle der Peer-Produktion von Communities. Hier wird die lange Fassung „soziale Regelung und Steuerung“ oder abkürzend „soziale Steuerung“ oder einfach nur „Steuerung“ verwendet.

George Dafermos im Interview

Während der Begriff der Peer-Produktion nach den Pionierarbeiten von Yochai Benkler und dem offensichtlichen Erfolg von Open-Source-Software wohl bekannt ist, ist die soziale Regelung und Steuerung dieser Communities in weit geringerem Maße Gegenstand von Debatten und Studien. Doch die Untersuchung der sozialen Steuerungsmechanismen ist wesentlich, da es keine wirkliche Peer-Produktion geben kann, wenn die Verteilung der Ressourcen nicht Ergebnis der sozialen Beziehungen selbst ist, sondern von kommerziellen Interessen und Herrschaft bestimmt wird. Tatsächlich treten viele kommerziell getriebene und gemanagte Projekte als Open Source auf, aber wenn sie auf klassische Weise gemanagt werden, ist das Potenzial für soziale Veränderungen ziemlich begrenzt. George Dafermos von der Technischen Universität Delft ist einer der wenigen Forscher, der sich auf die soziale Regelung und Steuerung von Communities Freier Software spezialisiert und klarere Kriterien für echte Peer-Produktion vorgeschlagen hat.

(mehr …)

Will Capitalism Survive »Value Abundance«?

Michel Bauwens, founder of the P2P-Foundation, wrote a great article on Al Jazeera website on the expansion of sharing economy and peer production — and the problems for capitalism it causes.

The headline taken from Bauwens article is somewhat vague, because it is not clear what type of value is meant there. In the text he distinguishes between use value and exchange or monetary value. He explains, that the more use value is produced by way of open source and peer production, the more exchange value has been removed from the market:

Thus, the open-source economy destroys more proprietary software value than it replaces. Even as it creates an explosion of use value, its monetary value decreases.

(mehr …)

Android befreien!

FSF, FSFE und der FoeBuD haben eine Kampagne zur Befreiung des Smartphone-Systems Android von proprietären Apps gestartet. Während Android als weitgehend frei eingeschätzt wird, ist dies bei vielen Programmen im Android-Market nicht der Fall, auch wenn diese kostenlos sind. Das Ziel wird daher so definiert:

Diese Kampagne kann Ihnen helfen, die Kontrolle über Ihr Android-Gerät und Ihre Daten zurück zu gewinnen. Sie sammelt Informationen über einen möglichst freien Android-Betrieb und will die Erkenntnisse in diesem Bereich koordinieren.

Nur wenn die Software frei ist, können die Quelle von unabhängiger Seite unter die Lupe genommen werden. Bislang sind verdeckte Datenübertragungen und Spionagefunktionen nur zufällig ans Licht gekommen. Kontrolle heißt, reingucken können (auch wenn man das nicht selber macht) und sicher zu sein, dass das so bleibt.

Ob sich die Entwickler_innen von Apps massenhaft überzeugen lassen, ihre Apps frei zu geben? Dazu gab’s auch hier schon mal eine Diskussion. Immerhin gibt’s schon ein Repository für freie Apps. Unabhängig davon, kann man noch einiges anderes tun.