Autor: Christian Siefkes

Selbstorganisierte Fülle

Beitragen statt tauschen[This article is also available in English.]

Angeregt durch meine Erfahrung der letzten Jahre und durch Überlegungen, die ich in meiner englischsprachigen Serie „The Earth’s the Limit“ (Teil 1, Teil 2) niedergelegt habe, habe ich meine Überlegungen zu einer möglichen künftigen Peer-Ökonomie weiterentwickelt. Anders als früher gehe ich nicht mehr von der Notwendigkeit einer Kopplung zwischen Geben und Nehmen aus. Der wichtigste Grund dafür ist, dass ich nicht mehr im menschlichen Tun, sondern in der Endlichkeit der natürlichen Ressourcen die kritische Grenze sehe, mit der jede emanzipatorische Gesellschaft wird umgehen müssen.

Meine Ideen für ein solches „entkoppeltes“ Modell einer verallgemeinerten Peer-Produktion habe ich erstmals am 5. Mai in einem Vortrag in Fulda dargestellt; seit Anfang letzter Woche folgten mehrere Vorträge in Baden-Württemberg. Dieser Beitrag dokumentiert meine Vortragsfolien (in Form eines Handouts); in näherer Zukunft hoffe ich auch eine verschriftlichte Version des Vortrags vorlegen zu können. Ich hoffe, dass das Handout schon einige Anregungen geben kann, wie es ohne Kopplung von Geben und Nehmen (und natürlich ohne Zwang oder Geld) gehen kann.

Selbstorganisierte Fülle

Gemeingüter und Peer-Produktion als Grundlagen einer nichtkapitalistischen Gesellschaft

Das Internet als Ort der Fülle

Zwei Auffassungen von Fülle:

(mehr …)

Wenn Peers produzieren: Von Freier Software zu Freier Hardware und darüber hinaus

Der folgende Artikel ist in der FIfF-Kommunikation 1/2010 erschienen. Er ist als Dokumentation zu der Arbeitsgruppe entstanden, die ich auf der FIfF-Jahrestagung 2009 gestaltet habe. Der Artikel wird unter den Bedingungen der Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Deutschland-Lizenz (CC-BY-SA) 3.0 veröffentlicht.

Das Beispiel Linux

Das Linux-Maskottchen Tux1991 hatte der junge finnische Informatikstudent Linus Torvalds eine verblüffende Idee: er begann damit, auf seinem neuerworbenen PC ein Betriebssystem zu schreiben. Zunächst ging es ihm nur darum, einige fehlende Funktionen für seinen Rechner nachzurüsten, doch nach einigen Monaten Bastelei bemerkte er, dass er ein System entwickelt hatte, das auch für andere Leute nützlich werden könnte. Er kündigte seine Arbeit öffentlich im Internet an – „Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur ein Hobby…)“ – und bat um Rückmeldungen, welche Eigenschaften sich die anderen von einem solchen System wünschten. Einige Wochen später stellte er die Software ins Internet, was es jedem ermöglichte, Torvalds’ Code herunterzuladen, zu verwenden und (bei entsprechenden Programmierkenntnissen) auch den eigenen Bedürfnissen anzupassen.

(mehr …)

Veranstaltungen im April und Mai

Nachdem ich längere Zeit verreist war, stehen in den kommenden Monaten nun wieder allerhand öffentliche Veranstaltungen an.

Zunächst halte ich am Donnerstag, 15. April um 19 Uhr einen Vortrag mit Diskussion beim sympathisch benamsten Jenny-Marx-Club in Koblenz (Teil der rheinland-pfälzischen Rosa-Luxemburg-Stiftung). Der genaue Ort wird noch bekannt gegeben. Veranstaltungsort ist das Gasthaus „Zum Rebstock“, Burgstraße 29, 56112 Lahnstein. Es geht um die Thematik meines Buches: Beitragen statt tauschen.

Am Dienstag, 20. April um 20 Uhr geht es dann in Leipzig (EEG im Westwerk, Karl-Heine-Straße 93, Tor B) um die Frage: Ist Commonismus Kommunismus?, in Anlehnung an meinen Artikel aus der Prokla 155.

Zwei Wochen später, am Mittwoch, 5. Mai um 19:30 Uhr spreche ich in Fulda (Café Chaos in der Hochschule) über das Thema Freie Software als Keimform.

(mehr …)

The Earth’s the Limit (2): Peak Oil—Peak Energy?

[First part]

During the last years, humanity has consumed about 500 exajoules of energy per year (an exajoule is a million million megajoules, or 1018 joules). As usual, levels of energy consumption vary strongly from country to country. While the average consumption per person is about 70 GJ (gigajoules), the inhabitants of Bangladesh, Eritrea, and Senegal use less than 10 GJ on average.

At the other extreme, the inhabitants of the United Arab Emirates and Iceland use 450–500 GJ per year, while per-capita usage in the small emirate of Qatar is a whopping 900 GJ. Germany uses about 180 GJ per person—more than twice the global average. Other Middle European countries are similar, while the United States and Canada use twice as much (330–350 GJ).

Is it realistic that in the future, everybody will reach the consumption level of Germany or the USA, or even more? (mehr …)

Oya: Wovon wir alle leben

Der Gemeingüter-Virus greift weiter um sich. Die neue Zeitschrift Oya widmet sich in ihrer ersten Ausgabe dem Thema „Allmende, Gemeingüter, Commons – Wovon wir alle leben“. Das auch grafisch sehr ansprechend gestaltete Magazin hat dabei ein umfangreiches und tiefschürfendes Programm zusammengestellt.

Oya-Titelkopf (Klicken um die gesamte Titelseite zu sehen)

Die unermüdliche Silke Helfrich führt in den Schwerpunkt ein und erklärt „Was Gemeingüter sind und wie wir mit ihnen umgehen müssen“ (S. 10ff). Daran anknüpfend stellt der Kassel Wirtschaftswissenschaftler Achim Lerch Elinor Ostroms wesentliche Erkenntnisse vor, die ihr den Wirtschaftsnobelpreis eingebracht haben (S. 22f).

(mehr …)

Gemeingüterreport: Wohlstand durch Teilen

Titelseite des GemeingüterreportsSilke Helfrich, Rainer Kuhlen, Wolfgang Sachs und ich haben ein kleines Buch – einen Report – geschrieben. Es geht darin – wieder einmal – um die Gemeingüter. Während Silkes letztes Buchprojekt zum Thema (in dem ich mit einem Beitrag [PDF] vertreten bin) recht dick und wissenschaftlich ausgefallen ist, ging es uns diesmal um eine leicht verständliche und gut lesbare Einführung ins Thema.

Wir erzählen die Geschichte und Philosophie der Commons in vielen kleinen Geschichten, die insgesamt hoffentlich ein gutes Bild davon vermitteln, was Gemeingüter ausmacht, wie sie funktionieren und warum sie wesentlich sind. Auf 50 mit vielen Zitaten, Grafiken und bunten Bildern geschmückten Seiten führen wir so in ein Thema ein, das in der Öffentlichkeit zuletzt mit dem Nobelpreis für die Commons-Forscherin Elinor Ostrom Schlagzeilen gemacht hat. Keimform-Leser/innen sind die Commons natürlich bestens vertraut, trotzdem glaube ich dass bei Lektüre des Reports jede/r noch die eine oder andere Erkenntnis oder Anregung finden wird!
(mehr …)

The Earth’s the Limit (1)

The vision of post-scarcity is a popular but controversial meme in the debates of peer production. Post-scarcity envisions a world where everything is free as in free beer, where no payment or accounting is requirement for anything you use. Post-scarcity ideas usually rely very strongly on advanced technology, postulating that almost everything can be automated—or at least, everything that’s not fun and pleasant to do. Post-scarcity theorists also believe that advanced technology can provide enough natural resources and enough energy in order to satisfy everyone’s needs and wishes, possibly through extracting resources from space or through speculative future technologies such as nuclear fusion power.

A weak form of post-scarcity thinking is present in one of the founding documents of the free software movement, Richard Stallman’s GNU Manifesto (“weak” because there are still necessary tasks that are neither fun nor automated away):

(mehr …)

Copyleft für Hardware – ein kniffliges Problem

[This article is also available in English.]

Das Copyleft hat beim Erfolg Freier Software eine wichtige Rolle gespielt. Copyleft stellt sicher, dass alle Versionen einer Software bzw. eines Dokuments frei bleiben. Es hindert Firmen daran, »verbesserte« Versionen eines Freien Programms zu privatisieren und als proprietäre Software zu verkaufen. Die erste und bekannteste Copyleft-Lizenz ist die GNU General Public License (GPL). Die GPL ist beliebter als alle anderen Lizenzen für Freie Software zusammen – sie wird für etwa 50–70% aller Freien Programme genutzt.

Auf den ersten Blick mag die Situation in den neu entstehenden Bereich Freie Hardware ähnlich aussehen. Auch hier sind Copyleft-Lizenzen wie die GPL und die Creative Commons BY-SA-Lizenz (Namensnennung + Weitergabe unter gleichen Bedingungen) sehr beliebt (siehe unten für eine detailliertere Analyse). Aber tatsächlich ist es um Freie Hardware ganz anders bestellt, denn das Copyleft stützt sich auf das Copyright bzw. Urheberrecht, und Hardware ist (in den meisten Fällen) nicht urheberrechtlich geschützt.
(mehr …)

The Tricky Business of “Copylefting” Hardware

[Diesen Artikel gibt es auch auf Deutsch.]

It’s probably safe to say that the copyleft principle has been essential for the success of free software. Copyleft means that all versions of a software or document will remain free, preventing companies from creating “value-added” versions of free programs and selling them as proprietary, non-free software. The GNU General Public License (GPL)—the first and most well-known incorporation of the copyleft principle—is used for about 50–70% of all free programs, making it more popular than all other free software licenses together.

At first sight, the situation in the newly emerging field of free and open hardware might seem similar—here, copyleft licenses such as the GPL and the Creative Commons Attribution-ShareAlike License (BY-SA) are very popular too (see below for a more detailed analysis). But actually, the situation is very different for hardware design, since copyleft relies on copyright, and hardware is (in most cases) not protected by copyright law.
(mehr …)

Von kopierbaren Dingen, offenen Produktionsstätten und berührbaren Bits

Das Projekt »Tangible Bit« (»berührbares Bit«) will für materielle Produkte möglich machen, was für Freie Software schon geht: jede/r soll sie sich problemlos besorgen können, jede/r soll sich an ihrer Weiterentwicklung und Verbesserung beteiligen können, und jede/r soll sie an andere weitergeben und mit anderen teilen können

Wenn ich (z.B. bei einem Freund) eine Software sehe, die mich interessiert, kann ich sie ganz einfach selber installieren – entweder er kopiert sie mir oder ich besorge mir eine Kopie auf der Homepage der Software. Unter freien Betriebssystemen wie Linux und BSD geht es noch einfacher: dort gibt es sogenannte Repositories (Verzeichnisse) der verfügbaren Software. Dort muss ich nur den Namen des Softwareprogramms eingeben und auf Knopfdruck beginnt mein Computer mit der Installation desselben. Oft bestehen noch »Abhängigkeiten« zwischen Programmen: um eine Software B nutzen zu können, muss ich zunächst ein anderes Programm A installieren. Unter Windows habe ich mich darum selber zu kümmern – unter Linux nicht, da erledigt das Repository das automatisch.

(mehr …)