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Peer-Produktion beim Elevate-Festival

Brigitte Kratzwald hat in ihrem Artikel »Das Potential der Peer-Produktion« einen sehr guten Überblick über die Diskussionen rund um die Peer-Produktion beim diesjährigen Elevate-Festival in Graz gegeben. Die Überschriften spiegeln die behandelten Inhalte in ihrem Artikel ganz gut wieder:

  • Peer-Produktion – alter Wein in neuen Schläuchen?
  • Produktive Arbeit?
  • Nicht was, sondern wie wir produzieren ist wichtig!
  • Von der Ware zum Commons
  • Der Kapitalismus braucht immer ein Außen
  • Entwicklung neuer Produktionsweisen + Aneignung der Ressourcen

Bei Nordwind lesen!

Noch ein schönes Zitat, auch von Brigitte teilweise genannt, es stammt von David D. Clark, dem Chef-Architekten der Internet-Protokolle:

We reject: kings, presidents and voting.
We believe in: rough consensus and running code.

Wir lehnen ab: Könige, Präsidenten und Abstimmungen.
Wir glauben an: groben Konsens und laufenden Code.

Rezension »Netz-Widerstand«

(Rezension erschienen in: »Das Argument«, Nr. 291/2011)

Winter, Rainer, u. Sonja Kutschera-Groinig, Widerstand im Netz. Zur Herausbildung
einer transnationalen Öffentlichkeit durch netzbasierte Kommunikation, transcript, Bielefeld 2010 (165 S., br., 18,80 €)

Mit dem Forschungsansatz der Cultural Studies wird die soziale Entfaltung von netzbasierten kommunikativen Praktiken jenseits einer globalen »Kontrollgesellschaft« (Deleuze) untersucht. Diese werden durch die Stichworte »Online-Aktivismus« und »Kosmopolitismus« umrissen. Zu den widerständigen Netzwerken zählen Verf. die verschiedenen Alternativ- und Kampagnenmedien von sozialen Bewegungen und Protestgruppen, aber auch solche von Subkulturen, Hobbyisten und Fans. Als Teil der Zivilgesellschaft haben sie ihren medialen Netzraum neben Markt und Staat errungen und leisten »symbolischen Widerstand gegen neoliberale marktwirtschaftliche Ideologien« (74).

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Rezension »Google-Komplex«

(Rezension erschienen in: »Das Argument«, Nr. 291/2011)

Röhle, Theo, Der Google-Komplex. Über Macht im Zeitalter des Internets, transcript,
Bielefeld 2010 (261 S., br., 24,80 €)

Während in bekannten Dystopien wie Orwells 1984 der Staat als allmächtiger Moloch über die isolierten Individuen herrscht, hat sich diese Funktion im neoliberalisierten Kapitalismus eine private Firma gesichert: Google. Doch statt Dämonisierung ist kühle Analyse angebracht, denn »Macht im Zeitalter des Internets« sei nicht mit unidirektionalen Top-Down-Konzepten zu begreifen, sondern als Gouvernementalität statt als Souveränität, mit Foucault statt mit Hobbes, lautet Röhles argumentative Leitlinie. (mehr …)

Stigmergie

Stigmergie ist ein Begriff zur Beschreibung, wie Kommunikation in einem dezentral organisierten System, das eine große Anzahl von Individuen umfasst (etwa einem Schwarm, vgl. Schwarmintelligenz), koordiniert wird: Die Individuen des Systems kommunizieren miteinander, indem sie ihre lokale Umgebung modifizieren. Das gemeinsam Erstellte wird gleichsam zur allgemeinen Anleitung dafür, wie mit dessen Erstellung fortzufahren ist. Produkt und Dokumentation des Produktionsprozesses sowie die Planung der weiteren Ausrichtung der Produktion fallen in eins.

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Copy.Right.Now!?

Die Böll-Stiftung legt nach: Kaum ist der wirklich gute Gemeingüter-Report erschienen, kommt schon der nächste Reader: »Copy.Right.Now. Plädoyer für ein zukunftstaugliches Urheberrecht« (in Zusammenarbeit mit iRights.info). Offensichtlich haben hier zwei Teams ziemlich parallel gearbeitet, denn das merkt man dem Copyright-Reader an: Zwar wird im Vorwort auf die Gemeingüter-Broschüre verwiesen — und das war’s dann auch schon. Anschließend wird bestenfalls von »öffentlichen Gütern« gesprochen (Jeanette Hoffmann), weder Gemeingüter noch Commons (außer als CC-Lizenz) kommen sonst vor. Das ist erstaunlich.

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Vorauseilender Gehorsam bei SourceForge?

Das große Plattform für die Entwicklung Freier Software, SourceForge, sperrt seit einigen Tagen Nutzer mit IP-Adressen aus Syrien, Kuba, Iran, Nordkorea und dem Sudan aus. SourceForge rechtfertigt den Schritt damit, dass diese Länder auf der »Schurkenstaat-Liste« der US-Regierung stehen und man sich an US-Gesetze halten müsse.

Netzpolitik.org weist darauf hin, dass US-Außenministerin Clinton die Freiheit des Internet beschwört. Das liest sich so:

EN: We stand for a single internet where all of humanity has equal access to knowledge and ideas. And we recognize that the world’s information infrastructure will become what we and others make of it.

DE: Wir stehen für ein einziges Internet, mit dem die ganze Menschheit gleichen Zugriff auf Wissen und Ideen hat. Und wir erkennen, dass die Informationsinfrastruktur der Welt das werden wird, was wir und andere aus ihr machen.

Oder ist der zweite Satz doch als versteckte Drohung zu lesen?

SourceForge hat keinen Grund voreilig und untertänig vermeintliche Wünsche der US-Administration zu erfüllen. SourceForge verstößt damit explizit gegen Grundregeln der Freien Software: Nutzung der Software zu jedem Zweck — und durch alle, die es wollen.

Retro-Bibliothek — alte Nachschlagewerke zugänglich machen

retro|bibDas Projekt retro|bib hat sich zum Ziel gesetzt, in Fraktur gesetzte Nachschlagewerke um 1900 herum zu retrodigitalisieren und im Internet verfügbar zu machen. Mit Retrodigitalisierung ist gemeint, sowohl die Faksimiles wie auch den aufbereiteten Text bereit zu stellen. Erfassung und Korrektur der Texte erfolgt durch Freiwillige. Das System ist auf gemeinschaftliches Korrigieren ausgelegt und arbeitet mit einem Lock-Prinzip: KorrektorInnen können Seiten aus dem System auschecken (»ausklinken«), wodurch diese dann für andere KorrektorInnen gesperrt sind, aber für LeserInnen sichtbar bleiben. Wird eine korrigierte Seite wieder eingecheckt (»einklinken«), ist sie wieder für andere KorrektorInnen verfügbar. Von »Meyers Konversationslexikon« über das »Handbuch der Drogistenpraxis« bis zum fundamentalen Werk »Ueber die schrecklichen Wirkungen des Aufsturzes eines Kometen auf die Erde und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art« sind interessante Fundstücke zu entdecken. [via]

Über rechtsfreie Räume und andere Scheidewege

CC-BY-SA von ksuehring

Die Debatten um die Gestaltung der digitalen Zukunft werden schärfer. Man kriegt den Eindruck die alten Eliten merken erst jetzt so langsam, was da auf sie zu rollt. Deswegen ist ihr zwar nicht mehr ganz so neuer Schlachtruf, der der Netzgemeinde nun aus allen Ecken entgegenschallt:

„Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“

Die nachvollziehbare Reaktion aus dem Netz lautet meist in tausendfacher Variation:

„So ein Unsinn! Hier gibt es jede Menge Gesetze die zu beachten sind!“

und vielleicht dann auch noch mit einem defensiven

„Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!“

So weit so richtig. Jedem der sich mal mit Publizieren im Netz beschäftigt hat wird mulmig bei dem zu beachtenden Dschungel an Lizenzen und AGBs, Impressumpflichten und Störerhaftung, Datenschutz und Urheberrechten. Jedoch meinen die alten Eliten im Grunde etwas anderes und zu anderen Gelegenheiten ist das der Netzgemeinde auch völlig bewußt: Im Kern ist das Netz unkontrollierbar, oder wie es John Gilmore schon 1993 so treffend und tausendfach zitiert sagte:

„The Net interprets censorship as damage and routes around it.“

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