Kategorie: Freie Software

Softwarefreiheit — weltweit

Heute ist Software-Freedom-Day! Hier die Gruppen im deutschsprachigen Raum, die sich mit Aktivitäten beteiligen:

Alle Teams weltweit: hier.

Tiziana Terranovas freie Arbeit

Rather than retracing the holy truths of Marxism on the changing body of late capital, free labor [das Konzept, das dieser Text behandelt, TB] embraces some crucial contradictions without lamenting, celebrating, denying, or synthesizing a complex condition. It is, then, not so much about truth-values as about relevance, the capacity to capture a moment and contribute to the ongoing constitution of a nonunified collective intelligence […].

So endet ein Text von Tiziana Terranova, den ich euch in anbetracht der (mit Verlaub: sehr deutschen) Theoriedebatten der letzten Wochen ans Herz legen möchte. Es gibt ihn eigenwillig formatiert aber umsonst hier. Zudem ist er in der Zeitschrift Social Text (18.2, 2000) erschienen.

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NoseRub — Killerapp für dezentrale soziale Netzwerke?

NoseRubWeb-2.0-Anwendungen sind ja ganz nett, aber permanent muss ich meine Daten eingeben, und oft bekomme ich sie nicht mehr einfach zurück. Wenn ich dann ein Portal verlasse, verliere ich zudem alle meine Kontakte. Geht das nicht auch anders?

Ja, und der Gedanke zur Lösung ist naheliegend: Statt stets erneut meine Daten und die Kontrolle über ihre Verwendung abzugeben, behalte und verwalte ich meine Daten selbst. Die Web-2.0-Anwendungen sind dann für mich nur noch Funktionen, aber nicht mehr Datenverwalter.

Das ist die Grundidee von NoseRub. NoseRub hat die Potenz zu einer Killer-Applikation, sie erfüllt die Anforderungen, die wir auch schon hier und hier diskutierten.

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Tausende neue Freie Webanwendungen auf einen Schlag?

Ein sehr spannendes freies Software-Projekt steht kurz vor der Veröffentlichung: IQuiP. Es geht darum, einen Aufsatz für die existierende wiki(QT)-Bibliothek zu schaffen, die es ermöglicht aus normalen wiki(Desktopanwendung)en wiki(Webanwendungen) zu machen, einfach durch neukompilieren. Das klingt sehr technisch, aber es könnte einen echten Unterschied machen. Warum?

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Prosumerträume und Kernelschäume

Wir heben hier ja immer wieder als eine Besonderheit von Freier Software hervor, dass die Grenzen zwischen Produzenten und Konumenten verschwinden. Zumindestens theoretisch kann jeder zum Kernelhacker werden. Ich bin gerade über ein Interview gestolpert, in dem der ehemalige Linux-Kernel-Hacker Con Kolivas seine Gründe darlegt, warum er angefangen und warum er aufgehört hat. Das ist eine geradezu beispielhafte Prosumerstory. Frustriert davon, dass heutige Computer zwar 1000 mal schneller sind als vor 20 Jahren aber trotzdem oft 10 mal langsamer zu bedienen, hat er sich auf Ursachensuche begeben und ist im Kernel fündig geworden. Die dafür nötigen Kenntnisse hat er sich im Laufe dieses Prozeßes einfach selbst beigebracht. Die allermeisten seiner Patches haben jedoch nicht den Weg in den Mainstreamkernel gefunden obwohl sie von vielen Leuten eingesetzt wurden.

Seiner Meinung nach liegt das daran, dass die allermeisten Kernelentwickler bezahlt werden von Firmen, die wenig Interesse an Desktop-Performance aber umso mehr an Serverfähigkeiten haben und schließlich kommt er zu der Aussage:

If there is any one big problem with kernel development and Linux it is the complete disconnection of the development process from normal users.

meine holprige Übersetzung: Wenn es irgendein großes Problem in der Kernelentwicklung gibt, dann ist es die komplette Verbindungslosigkeit des Entwicklungsprozesses mit den normalen Benutzern.

Was bleibt also in der Praxis übrig von den Prosumerträumen?

Eben Moglen faltet Tim O’Reilly zusammen

Eben Moglen hatte wirklich schlechte Laune, als er von Tim O’Reilly auf das Podium der OSCON zum »Executive Briefing« gebeten wurde. Eigentlich sollte es um Lizensierungsprobleme in Zeiten von Web 2.0 gehen, was wir hier auch schon diskutierten. Aber ziemlich angefressen griff Moglen O’Reilly an, warf ihm vor, sich nur um seinen eigenen Kommerz zu kümmern und Zeit zu verschwenden, die Freiheit der Freien Software zu verteidigen:

»Wir haben dein Wasser getragen, und was hast du getan?«

Wenn sich O’Reilly jetzt angesichts von Web 2.0 Sorgen um die Freie Software mache, dann sei das nur eine Eigenwerbung für seine egoistischen Ziele. SaaS und zentralisierte Datenbestände seien in der Entwicklung hin zu Dezentralisation und mehr Freiheit nicht mehr als »themisches Rauschen«. Man könne nicht alle Fragen mit Lizenzen lösen, sondern es gibt Widersprüche, die als Konflikt von Rechten begriffen und politisch angegangen werden müssen. Die GPLv3 hat der Bewegung nun erneut 10 Jahre Raum verschafft, um die wirklich ernsten Bedrohungen der Freiheit endlich anzugehen (Patente, Monopole, Gesetze etc.).

Hier das Video des Gesprächs (Theora-OGG, 30 Minuten, 44,3 MB)

Hier der Blog-Eintrag mit Debatte dazu.

Frei Statt Facebook?

Seit ein paar Monaten gibt es im Web-2.0-Umfeld einen neuen Hype: Facebook. Gestartet ist es als soziales Studenten-Netzwerk (ähnlich dem hierzulande bekannteren studiVZ). Inzwischen hat sich aber nicht nur die Nutzergemeinschaft über das ursprüngliche Studi-Millieu hinausbewegt, sondern es kam vor allem eine soziale und technische Innovation hinzu, die es so bisher noch nicht gab: Das Portal wurde geöffnet zur Integration von Software von Drittanbietern. Das klingt erstmal unspektakulär, hat aber vermutlich weitreichende Folgen. Vermarktet wird das unter dem Schlagwort „Betriebssystem fürs Social Web“. Soll heißen: Jetzt muss nicht mehr jeder Anbieter sein eigenes Portal aufmachen und sich mühsam eine kritische Maße an Benutzern erarbeiten, man kann mit deutlich weniger Aufwand sich einfach in das bestehende soziale Netz von Facebook einklinken (und sich die Werbeeinnahmen teilen). Also ganz ähnlich wie bei der Einführung der ersten Betriebssysteme, die es ermöglichten nicht mehr die Hardware selber ansteuern zu müssen. Tatsächlich kommen nun täglich Dutzende neue Anwendungen und 150.000 User dazu. Viele neue Portale fangen gleich bei Facebook an und viele alte binden ihren Service dort ein.

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Software Freedom Day

Software Freedom Day

Der 15. September ist der Software Freedom Day (SFD). Weltweit informieren an diesem Tag Basisinitiativen über Bedeutung, Vorteile und Einsatzmöglichkeiten Freier Software. Der SFD formuliert folgende Ziele (eigene Übersetzung):

  1. die Freiheit der Software und der Menschen dahinter feiern
  2. ein allgemeines Verständnis von Software-Freiheit fördern und den Einsatz Freier Software und offener Standards unterstützen
  3. den gleichen Zugriff auf die technischen Möglichkeiten durch Nutzung partizipatorischer Technologien schaffen
  4. den konstruktiven Dialog über Verantwortung und Rechte in der Informationsgesellschaft befördern
  5. Organisationen und Individuen einschließen, die unsere Vision teilen
  6. pragmatisch, transparent und verantwortlich als Organisation handeln

Gesucht werden Teams, die Aktionen vor Ort durchführen: Info-Stände, Veranstaltungen etc. Das Team, das sich bis zum 31. Juli anmeldet, erhält eine Materialpaket von den Organisatoren. Mit heutigem Tag haben sich 150 Teams angemeldet, darunter erst ein Team aus D-Land — dürftig.

GNU AGPL — Copyleft für das Web 2.0

GNU GPL Version 3Die neue Version 3 der GNU General Public License (GNU GPL) löst viele aktuelle Anforderungen an den Schutz der Freiheit der Nutzer_innen und Entwickler_innen Freier Software. Zwar meint (mal wieder) Microsoft, dass die GPL V3 für sie nicht gelte, auch wenn sie nach dem Deal mit Novell selbst zum Distributor von GPL V3 lizensierter Software werden könnten — aber das wird sich ggf. vor Gericht zeigen.

Ein wenig komplizierter ist die Lage bei Web-Anwendungen. Zwar kann eine entsprechende Web-Software durchaus unter der GPL stehen — etwa weil sie selbst auf GPL-Software aufbaut –, jedoch muss der Quellcode nicht notwendig zur Verfügung gestellt werden. Warum? Weil die Software selbst gar nicht verteilt wird — nur dann greift die GPL –, sondern nur als Dienst läuft, auch SaaS genannt. Aus diesen Grund wurde die Affero General Public License (AGPL) geschaffen.

Die bisherige AGPL war jedoch inkompatibel zur GNU GPL V2. Das ändert sich jetzt mit der neuen GPL V3, die in §13 explizit die Kompatibilität der nun in die GNU-Obhut übernommene GNU AGPL festhält. Die GNU AGPL befindet sich noch im Entwurfsstadium und kann noch für eine gewisse Zeit diskutiert werden. Auch wenn die genaue Formulierung damit noch nicht feststeht, ist das Ziel klar: Bei Web-Software muss der Quellcode verfügbar gemacht werden.

GPL v3 veröffentlicht

Das Update der mit Abstand wichtigsten Freie-Software-Lizenz ist fertig: Nach anderthalben Jahren Diskussion hat die FSF gestern die neue Version 3 der GPL veröffentlicht, die v.a. mehr Schutz vor DRM und Softwarepatenten bringen soll. Außerdem wurden die Kompatibität zu anderen Lizenzen und die internationale Rechtsicherheit verbessert. In einem ergänzenden Artikel wirbt Richard Stallman für den Umstieg auf die neue Version:

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