Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Die Peer-to-Peer-Ökonomie und eine neue commonsbasierte Zivilisation

[Beitrag aus dem Commons-Buch (Commons – Für eine neue Politik jenseits von Markt und Staat, Hg. Silke Helfrich/Heinrich-Böll-Stiftung); Lizenz: CC BY-SA.]

Michel Bauwens und Franco Iacomella

Die Peer-to-Peer-Vision (P2P) für Wirtschaft und Gesellschaft basiert nicht auf einem utopischen Ideal; sie besteht vielmehr in der Verallgemeinerung jener Formen von Peer-Produktion, Peer-Governance und Peer-Besitz, die derzeit schon im Entstehen sind.1 Die Vision einer neuen Zivilisation und eines neuen Wirtschaftssystems beginnt mit der Analyse der grundlegenden Fehler dessen, was ist. Die Kritik an den Fehlfunktionen des gegenwärtigen Wirtschaftssystems lässt sich in drei wesentlichen Punkten zusammenfassen:

  1. Die gegenwärtige Politische Ökonomie basiert auf einer falschen Vorstellung von materieller Fülle. Wir bezeichnen sie als Pseudo-Fülle. Sie beruht auf den Zielsetzungen andauernden Wachstums, endloser Kapitalakkumulation und einer schuldengetriebenen Zinsdynamik. Ein solches Wirtschaften kann natürlich nicht nachhaltig sein, da endloses Wachstum in einem physikalisch begrenzten, endlichen System logisch und physikalisch unmöglich ist.2
  2. Die gegenwärtige Politische Ökonomie basiert auf einer falschen Vorstellung von immaterieller Knappheit. Sie glaubt, dass sich mit einer übertriebenen Menge und Vielfalt von Monopolrechten, die auf der Idee des »Geistigen Eigentums« beruhen – etwa Urheberrechte, Marken und Patente – das Teilen wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Innovationen verhindern ließe.3 Daher untergräbt sie die Grundlagen der menschlichen Zusammenarbeit, schließt viele Menschen von der Nutzung von Innovationen aus und behindert das gemeinsame Lernen. In einem Zeitalter enormer globaler Herausforderungen führt diese Art des Wirtschaftens dazu, dass viele praktikable Alternativen hinter privaten Schutzwällen eingeschlossen bleiben oder gar nicht erst finanziert werden, weil sie keinen ausreichenden Profit versprechen.4
  3. Pseudo-Fülle, die die Biosphäre zerstört, und künstliche Knappheit, die Innovationen gezielt blockiert oder verlangsamt, bringen uns in Sachen sozialer Gerechtigkeit nicht voran. Zwar mögen die Menschen in Bezug auf ihre bürgerlichen und politischen Rechte gleichgestellt sein, aber die zunehmende materielle Ungleichheit macht diese Rechte häufig zur Makulatur. Und ein weiteres Extrem ist, dass die Gesellschaft dem juristischen Konstrukt des profitorientierten Unternehmens Rechte zugesteht, die eigentlich nur Einzelpersonen besitzen können.5 Dabei ist das profitorientierte Unternehmen aus der Perspektive unserer Rechte pathologisch, da es ausschließlich den eigenen Shareholdern verpflichtet ist und das Allgemeinwohl gar nicht berücksichtigen kann. Diese Unternehmensform funktioniert wie eine Maschine, die die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft so weit wie möglich ignoriert. Mithin ist der von solchen Institutionen getriebene Kapitalismus selbst ein Mechanismus, der nicht nur auf Knappheit beruht, sondern künstliche Knappheit sogar gezielt herstellt; steril gemachtes Saatgut, das sogenannte Terminator-Saatgut, das von Monsanto entwickelt wurde, ist dafür ein eindrückliches Beispiel.6 Terminator-Saatgut wird so manipuliert, dass es sich nicht selbst reproduzieren kann, wodurch nicht nur die Kreisläufe der Fülle spendenden Natur unterbrochen werden, sondern die Bauern auch in dauerhafte Abhängigkeit der Unternehmen geraten, die Saatgut verkaufen.

Diese Analyse legt nahe, dass jede Alternative für den gegenwärtigen Kapitalismus die drei genannten Punkte gemeinsam angehen muss: Die Produktionsweise muss das dauerhafte Überleben, die nachhaltige Nutzung und das Gedeihen der Biosphäre sichern. Sie muss das Teilen von Wissen und sozialen Innovationen fördern. Und sie muss auf der Erkenntnis aufbauen, dass soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit nur unter Berücksichtigung der tatsächlichen Begrenztheit der Natur und der tatsächlichen Fülle von Wissen und Innovationen möglich sind.

Vision, Werte und Ziele

Die gegenwärtige Gesellschaft besteht aus drei Sphären: einer öffentlichen Sphäre, die durch den Staat und die Behörden dominiert wird; einer privaten Sphäre der profitmaximierenden Unternehmen; und einer Sphäre der Zivilgesellschaft, in der die weniger Privilegierten mit erheblichen Mühen ihre Rechte und Interessen zum Ausdruck bringen und durchzusetzen versuchen.

Auch die Vision einer Peer-to-Peer-Zivilisation beruht auf diesen drei gesellschaftlichen Sphären – Staat, Markt und Gesellschaft –, aber in anderen Rollen und in einem neu austarierten Gleichgewicht. Im Zentrum dieser neuen Gesellschaft steht hier die Zivilgesellschaft, die im Wesentlichen nach Commons-Prinzipien organisiert ist und funktioniert. Sie schafft durch die Peer-Produktion außerhalb der Marktlogik gesellschaftlichen Nutzen. Dabei schöpft sie aus den Gütern, die uns gemeinsam gehören – sowohl aus dem natürlichen Erbe der Menschheit (Meer, Atmosphäre, Land usw.) als auch aus jenen Commons, die durch kollektive Innovationen erzeugt und häufig aufgrund ihrer immateriellen Natur frei geteilt werden können (Wissen, Software und Design, Kultur und Wissenschaft). In der Zivilgesellschaft gibt es eine große Spannbreite von Aktivitäten, die strukturell vorteilhaft für die Commons sind – nicht nur indirekt und hypothetisch, wie die Metapher der »unsichtbaren Hand« es behauptet, sondern ganz direkt. Denn Verfasstheit und Strukturen vieler sozialer Organisationen sind direkt darauf ausgerichtet, dem Gemeinwohl zu dienen. In dieser Sphäre gibt es Institutionen wie Trusts7, die materielle Ressourcen für die gemeinsame Nutzung verwalten (beispielsweise Land-Trusts8 und Naturschutzgebiete), und gemeinnützige Organisationen, die dazu beitragen, die kooperative Infrastruktur kultureller und digitaler Commons zu erhalten. Ein sehr bekanntes Beispiel aus dem Bereich des Freien Wissens ist die Wikimedia Foundation, die die technologische Fortentwicklung der Wikipedia finanziert. In ähnlicher Weise unterstützen die Linux Foundation und die Apache Foundation zwei der wichtigsten Communitys der Freien Software. Diese Organisationen funktionieren nicht wie klassische NGOs, die mit hierarchischen Befehlsstrukturen und bezahltem Personal Mittel an Projekte verteilen; vielmehr nutzen sie ihre Ressourcen und ihre Glaubwürdigkeit, um bezahlten und unbezahlten Beitragenden zu helfen, ihre Commons auf der Grundlage gemeinsamer Entscheidungen weiterzuentwickeln.

Um diesen Kern einer neuen Zivilisation herum gibt es weiterhin eine private Sphäre, in der Marktteilnehmer mit privater Agenda und privaten Kontrollmechanismen Mehrwert im Umfeld der Commons erzeugen. Jedoch wird aufgrund der pathologischen und destruktiven Natur profitmaximierender Unternehmen in der Peer-to-Peer-Wirtschaft der private Sektor so reformiert werden müssen, dass er ethischeren Zielen dient: durch geeignete Besteuerung und verschiedene Modelle, um Einkommen zu teilen und Nutzungsmöglichkeiten zu fördern, die positive externe Effekte haben (zum Beispiel Infrastruktur, geteiltes Wissen); sowie durch Steuern und Nutzungsgebühren, die nach Möglichkeit negative externe Effekte verringern (zum Beispiel Verschmutzung, Übernutzung kollektiver Ressourcen).9

Kooperative Unternehmen sind in dieser neuen Ökonomie die prominentere und am besten entwickelte Form der privaten Organisation. Unternehmen existieren also weiterhin, aber ihre Funktionslogik verändert sich so, dass sie den Wertvorstellungen der Commons entspricht. Stehen Commons und Commoners erst einmal im Zentrum der Produktion, werden sie sich vermutlich für jene Institutionen entscheiden, die dem Wertesystem der Commons am nächsten kommen. Heute existieren die Open-Source-Ökonomie, die auf geteilten Innovationen beruht, und die »ethische Ökonomie« reformorientierter Marktteilnehmer getrennt voneinander. Doch beide müssen sich weiterentwickeln und reifen, um zusammenkommen zu können. Als ein frühes Beispiel dafür kann die Anpassung von IBM an die Werte und Regeln der Linux-Community gelten, die zeigte, dass sogar Großunternehmen des alten Stils sich verändern können.10

Es ist davon auszugehen, dass sich in dieser Dynamik neue Formen der Kooperation und des »verteilten Eigentums« herausbilden werden; dieser Trend wurde von Matt Cropp in dem Artikel »The Coming Micro-Ownership Revolution«11 beschrieben. Cropp verdeutlicht die direkte Verbindung zwischen der P2P-bedingten Verringerung der Transaktionskosten12 und der Verschiebung hin zu stärker verteilten Formen des Eigentums. Die neuen Unternehmensformen werden nicht mehr auf dem Eigentum von Shareholdern beruhen, sondern auf gemeinsamem Grundkapital, das von den Commoners selbst eingebracht wird. Daraus entsteht eine dritte Art von Commons, nennen wir sie »hergestellte materielle Commons«. Sie kommen zu den ererbten materiellen, natürlichen Commons und den hergestellten, »immateriellen« kulturellen Commons hinzu und bilden den Produktionsapparat der Menschheit (mit anderen Worten: ihr Kapital). Die neuen Formen verteilten individuellen Eigentums, welches freiwillig in gemeinsame Vorhaben und Projekte eingebracht wird, ähneln mehr den aggregierten Beiträgen, wie sie in der Peer-Produktion bereits üblich sind, als älteren Formen von Gemeineigentum.

Wie unterscheiden wir nun zivilgesellschaftliche Organisationsformen von privaten Einheiten, die sich irgendwie sozial engagieren? Erstere orientieren sich insgesamt an der Idee der Commons, und sie tragen institutionell Verantwortung für die Commons, die wesentlich auf nichtmarktförmiger Kooperation beruht; die privaten Akteure dagegen sind freiwillige Zusammenschlüsse von Commoners, die unter Nutzung von Commons Güter und Dienstleistungen für den Markt produzieren, um damit ihre gesellschaftliche Reproduktion als Individuen oder als Gruppe zu sichern. Beide »Sektoren« verbindet das gemeinsame Interesse am Erhalt der Commons.

Über der zivilgesellschaftlichen Sphäre und der Marktsphäre liegt eine öffentliche Sphäre, die für das Allgemeinwohl insgesamt verantwortlich ist (da auch Commoners in erster Linie mit je »ihren« Commons beschäftigt sind). Der öffentliche Sektor etabliert die Parameter und die unterstützenden Strukturen, innerhalb derer die Commons operieren und mit deren Hilfe sie gedeihen können. Der öffentliche Sektor der P2P-Ökonomie ist jedoch weder eine Versorgungseinrichtung für Unternehmen im Dienste einer Finanzelite13 noch ein Wohlfahrtsstaat in paternalistischer Beziehung zur Gesellschaft, sondern vielmehr ein »Partnerstaat«, der der Gesellschaft dient und Verantwortung für die übergreifende Kontrolle der drei Sphären übernimmt. Der Partnerstaat unterstützt »die gemeinsame Produktion von gesellschaftlichem Nutzen in der zivilgesellschaftlichen Sphäre«, den »Markt« und damit die an gesellschaftlichen Zielen orientierten Aktivitäten der neuen privaten Sphäre, und er kümmert sich überdies um die öffentlichen Dienstleistungen zum Wohle aller.

Es ist hier sehr wichtig, Markt und Kapitalismus voneinander zu unterscheiden. Märkte gibt es schon länger als den Kapitalismus, sie sind eine einfache Form zur Verteilung von Ressourcen, wobei Angebot und Nachfrage über ein Tauschmedium zusammengebracht werden. Dieser Verteilungsmechanismus ist an sich mit einer großen Spannbreite von Systemen kompatibel, die ihn schließlich dominieren können: etwa »gerechte Preise«, die Berechnung der echten Kosten (also die Internalisierung aller gesellschaftlichen Kosten), fairer Handel und andere. Der Markt setzt nicht voraus, dass Arbeit und Geld als Waren angesehen oder dass die Arbeiter von den Produktionsmitteln separiert werden. Märkte können auch anderen Logiken und Modalitäten untergeordnet werden – etwa jener des Staates oder jener der Commons.

Der Kapitalismus dagegen, der von manchen als »Anti-Markt« (Braudel 1986) angesehen wird, erfordert unter anderem: erstens die Trennung der Produzenten von den Produktionsmitteln; zweitens unendliches Wachstum (entweder durch Konkurrenz und Kapitalakkumulation, wie von Karl Marx beschrieben, oder durch die Dynamik von Zins und Zinseszins, wie von Silvio Gesell dargestellt).

In der Vision einer commonsbasierten Gesellschaft wird der Markt der Logik der Commons untergeordnet und durch den Partnerstaat reguliert. Er ist dann nur eine der hybriden Organisationsformen, die mit den Commons kompatibel sind. Diese Vision schließt auch die Entwicklung einer Gesellschaft nicht aus, die den Markt überflüssig macht, indem beispielsweise eine ressourcenbasierte Ökonomie an seine Stelle tritt.14 Wichtig ist jedoch, den Commoners und Bürgern die Freiheit zu geben, zwischen verschiedenen Mechanismen zu wählen und experimentell die besten Lösungen für die Verteilung knapper Ressourcen herauszufinden.

Wesentliches Merkmal des neuen Systems: Die Commons bilden den neuen Kern, mit dem eine Reihe hybrider Mechanismen in produktiver Weise koexistieren können, darunter auch reformierte Markt- und Staatsformen.

Individualität, Relationalität und Kollektivität

Eine commonsorientierte Gesellschaft stellt nicht die Rückkehr zum vormodernen Holismus dar, bei dem das Individuum dem Ganzen untergeordnet wird; vielmehr beruht eine solche Gesellschaft auf der Anerkennung des Bedürfnisses nach Relationalität und Kollektivität freier und gleicher Individuen. Es ist demnach eine Gesellschaft des »kooperativen Individualismus«, nicht des Kollektivismus. Bereits heute lässt sich in der Peer-Produktion beobachten, wie Individuen ihre Beiträge freiwillig in einem gemeinsamen Projekt bündeln. Dies ist möglich, weil heutige Peer-Produzenten größere Kontrolle über ihre eigenen Produktionsmittel haben, als das in der Vergangenheit der Fall war. Sie verfügen über ihre Kreativität, ihre Computer und über Netzwerkzugang. Wir schlagen nun vor, diese Vision und Realität auf die Gesamtheit der Produktionsmittel zu erweitern. Sie sollte alle Bürger als Peer-Produzenten einbeziehen, so dass diese ihre Ressourcen einschließlich des physikalischen und finanziellen Kapitalbedarfs zusammentun und ihre Ziele in Abstimmung miteinander verfolgen können. Der Prozess, sich zusammenzuschließen, wird von dem Bedürfnis getragen, auf nachhaltige Weise gute Lebensbedingungen für alle herzustellen. In diesem Zusammenhang ist verteiltes Eigentum eine Garantie gegen den möglichen Missbrauch des Gemeineigentums, da die Individuen sich jederzeit zurückziehen und ihre immateriellen und materiellen Beiträge »forken«15 können. Die Vision: In einer künftigen Commons-Gesellschaft entsteht durch ein gleichmäßig verteiltes produktives Kapital eine gewisse Unabhängigkeit von den jeweils vor Ort verfügbaren materiellen Ressourcen.

Wie lässt sich all das erreichen?

Treibende gesellschaftliche Kraft der commonsbasierten P2P-Gesellschaft sind jene, die sich selbst als autonome Produzenten geteilten Wissens und Werts verstehen. Das könnte der große Beitrag der Wissensarbeiter und der Hacker zur Geschichte der modernen Arbeiterbewegung und der sozialen Bewegungen sein: Die Innovationen der Wissensarbeiter werden mit den historischen Traditionen des Widerstands, der Kreativität und Emanzipation der traditionellen Arbeiterklasse und der Bauern sowie mit den progressiven Teilen anderer Klassen zusammengebracht.

Ganz neue Bündnisse sind denkbar: zum Beispiel das Zusammengehen konstruktiver und in allen Lebensbereichen verankerter Peer-Produktionsgemeinschaften, die die Saat der neuen Gesellschaft in der alten produzieren; mit sich neu mobilisierenden Massenbewegungen, die politische Vorschläge zur Veränderung zum Besseren machen, die in unserer Zeit tiefer kapitalistischer Krisen oft fehlen. Mit anderen Worten: Es geht um die Konvergenz jener gesellschaftlichen Kräfte, die sich der »Konstruktion des Neuen« und dem »Widerstand gegen das Alte« widmen. Diese Konvergenz wird die Energie und politisch-programmatische Vorstellungskraft hervorbringen, die die globalen Reform- und Veränderungsbewegungen wieder aufleben lassen.

Auch das Zusammenwirken verschiedener globaler Kräfte kann zu neuen politischen und kulturellen Bündnissen führen: erstens diejenigen, die gegen das »Wegschließen« und die Privatisierung von Wissen kämpfen und zugleich neue Wissens-Commons produzieren; zweitens diejenigen, die sich für den nachhaltigen Umgang mit der Umwelt einsetzen; drittens diejenigen, die auf lokaler und globaler Ebene für soziale Gerechtigkeit kämpfen. Mit anderen Worten: Wir brauchen eine weltweite Allianz der neuen »Offenheits«-Bewegungen, der Umweltbewegungen und der traditionellen Bewegungen für soziale Gerechtigkeit und Emanzipation. Wir brauchen ein »großes Bündnis für die Commons«.

Literatur

Bollier, David (2009): Viral Spiral. How the Commoners Built a Digital Republic of Their Own, New York.

Botsman, Rachel/Rogers, Roo (2010): What’s Mine is Yours. The Rise of Collaborative Consumption, New York.

Braudel, Fernand (1986): The Perspective of the World, New York.

Brown, Marvin (2010): Civilizing the Economy. A New Economics of Provision, Cambridge.

Carson, Kevin (2010): The Homebrew Industrial Revolution. A Low-Overhead Manifesto, Eigenverlag.

De Ugarte, David: Phyles. Economic Democracy in the Network Century, online unter: http://deugarte.com/gomi/phyles.pdf (
Zugriff am 17.12.2011).

De Ugarte, David: The Power of Networks, online unter: http://deugarte.com/gomi/ the-power-of-networks.pdf (Zugriff am 17.12.2011).

De Ugarte, David/Quintana, Pere/Gomez, Enrique/Fuentes, Arnau: From Nations to Networks, online unter: http://deugarte.com/gomi/Nations.pdf (Zugriff am 17.12.2011).

Gansky, Lisa (2010): The Mesh: Why the Future of Business is Sharing, New York.

Hands, Joss (2011): @ Is For Activism, New York. Hecksher, Charles/Adler, Paul S. (2006): The Firm as a Collaborative Community. Reconstructing Trust in the Knowledge Economy, New York.

Hoeschele, Wolfgang (2010): The Economics of Abundance. A Political Economy of Freedom, Equity, and Sustainability, London.

Hyde, Lewis (2010): Common as Air. Revolution, Art, and Ownership, New York. Kane, Pat (2003): The Play Ethic. A Manifesto for a Different Way of Living, London.

Kleiner, Dmytri (2010): The Telekommunist Manifesto. Institute for Network Cultures.

Krikorian, Gaelle/Kapczynski, Amy (Hg.) (2010): Access to Knowledge in the Age of Intellectual Property, New York.

Lessig, Lawrence (2006): Freie Kultur – Wesen und Zukunft der Kreativität, München.

O’Neill, Mathieu (2009): Cyberchiefs. Autonomy and Authority in Online Tribes, London.

Schor, Juliet (2010): Plenitude. The New Economics of True Wealth, New York.

Shirky, Clay (2010): Cognitive Surplus: Creativity and Generosity in a Connected Age, New York.

Stallman, Richard (2002): Free Software, Free Society, Boston.

Vaden, Tere/Suoranta, Juha (o.J.): Wikiworld: Political Economy of Digital Literacy, and the Road from Social to Socialist Media, Eigenverlag.

Von Hippel, Eric (2004): The Democratization of Innovation, Cambridge.

Walljasper, Jay (2010): All That We Share: A Field Guide to the Commons, New York.

Wark, McKenzie (2004): A Hacker Manifesto, Cambridge.

Weber, Steve (2004): The Success of Open Source, Cambridge.

Anmerkungen

1 | Siehe auch den Beitrag von Christian Siefkes in diesem Buch (Anm. der Hg.).

2 | In dem Gespräch zwischen Brian Davey, Silke Helfrich, Wolfgang Höschele und Roberto Verzola wird das Thema Fülle aus der Perspektive der Commons vertieft (Anm. der Hg.).

3 | Wie dies geschieht, beschreiben neben anderen Autoren insbesondere Beatriz Busaniche und David Martin in diesem Buch (Anm. der Hg.).

4 | Ein Beispiel dafür ist das Thema Medikamente für vernachlässigte Krankheiten. Christine Godt, Christian Wagner Ahlfs und Peter Tinnemann greifen es in ihrem Beitrag auf (Anm. der Hg.).

5 | Vgl. dazu verschiedene Beiträge in diesem Buch wie die von Scherhorn, Padilla oder Alden Wily (Anm. der Hg.).

6 | Mehr dazu in der Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Genetic_Use_Restriction _Technology (Zugriff am 15.10.2011).

7 | Zu diesem Begriff siehe den Beitrag von James Quilligan in diesem Buch (Anm. der Hg.).

8 | Siehe dazu den Artikel von Geert de Pauw in diesem Buch (Anm. der Hg.).

9 | Siehe auch Gerhard Scherhorns Vorschlag in diesem Buch, ein commonsbasiertes Wettbewerbsrecht zu entwickeln (Anm. der Hg.).

10 | Ende der 1990er-Jahre begann IBM damit, seine Großcomputer für Linux zu entwickeln, was entsprechende Anpassungen in neuen Linux-Versionen (beginnend mit dem Linux Kernel 1.16.1 vom Dezember 1999) erforderlich machte. Im Januar 2000 verkündete IBM dann, eine Milliarde Dollar in Linux investieren zu wollen, und arbeitet seitdem eng mit der Linux-Community zusammen, siehe unter: http://www.linux-magazin.de/NEWS/Gegen-alle-Widerstaende-IBM-feiert-10-Jahre-Linux-auf-System-z (Zugriff am 02.12. 2011) (Anm. der Hg.).

11 | Siehe unter: http://cuhistory.blogspot.com/2011/05/coming-micro-ownership-revolution.html (Zugriff am 15.10.2011).

12 | Ökonomen bezeichnen jene Kosten, die entstehen, um Tauschaktionen auf dem Markt anzubahnen, abzuwickeln und abzusichern, als Transaktionskosten. Dazu gehören etwa Informationsbeschaffung und Kommunikation, Kosten der Vertragsanbahnung, -gestaltung und -änderung, der Koordination und Abwicklung, Qualitätsund Terminkontrolle, Preisgestaltung und vieles mehr. Kurz: alle Kosten, die mit der Durchsetzung von Verfügungsrechten verbunden sind (Anm. der Hg.).

13 | Siehe dazu den Beitrag von Antonio Tricarico und Heike Löschmann in diesem Buch (Anm. der Hg.).

14 | In ressourcenbasierten Wirtschaftsformen werden Ressourcen direkt dorthin geleitet, wo sie benötigt werden, oder sie werden direkt oder durch transparente Buchführung geldlos getauscht. Man kann argumentieren, dass eine Kombination vernetzter Kooperation mit offenem Management und Transparenz in Buchführung und Produktion die Nutzung von Geld zum Tausch von Ressourcen überflüssig macht.

15 | Als »forken« wird die Abspaltung eines Softwareprojekts von einem anderen bezeichnet, wobei der bisher entwickelte Code in das abgespaltete Projekt (»fork«) übernommen wird. Der Begriff wird vor allem in der Freien Software verwendet, wo »forken« aufgrund freier Lizenzen prinzipiell möglich ist, siehe unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Abspaltung_(Softwareentwicklung) (Zugriff am 02.12.2011) (Anm. der Hg.).

Michel Bauwens (Belgien/Thailand) ist Gründer der P2P Foundation, einem weltweiten kollaborativen Forschungsnetzwerk über Peer-Produktion, und Mitbegründer der Commons Strategies Group. Er lebt in Chiang Mai/Thailand und ist zurzeit Primavera Research Fellow an der Universität zu Amsterdam.

Franco Iacomella (Argentinien) ist Aktivist zu Peer-Produktion und Commons. Er ist Mitglied verschiedener Organisationen im Bereich Offene Bildung, Freie Software und commonsbasierte Peer-Produktion und bloggt auf http://www.francoiacomella.org.

Kategorien: Commons, Theorie

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3. Dezember 2012, 06:07 Uhr   12 Kommentare

1 Hans-Hermann Hirschelmann (03.12.2012, 11:46 Uhr)

Die gegenwärtige Politische Ökonomie basiert auf einer falschen Vorstellung von materieller Fülle. Wir bezeichnen sie als Pseudo-Fülle. Sie beruht auf den Zielsetzungen andauernden Wachstums, endloser Kapitalakkumulation und einer schuldengetriebenen Zinsdynamik

Naja, die typische Wahrnehmungsumkehr von gesellschaftlichem Sein und dem dabei zutage tretenden Bewusstsein (bzw. dem gesellschaftlichen Werden und den Ideen, die das ermöglicht, notwendig macht usw.). 

Die politische Ökonomie basiert nicht auf falsche Vorstellungen von materieller Fülle sondern produziert diese Bewusstseinsgrenzen und zwar auf Basis der „verdinglichten“ Produktionsverhältnisse, bzw. „verdinglichten“Vermittlung von Produktion und Konsum seitens voneinander isoliert handelnder (planender, abwägender, sich rechtfertigender usw.) Vergesellschaftungssubjekte.

Die „schuldengetriebene Zinsdynamik“ ist zunächst einmal auch Ausdruck des Vergesellschaftungsgrads.

Entsprechend heftig kommt der von Marx/Engels hervorgehobene Grundwiderspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter kapitalistischer Produktion und den privateigentümlichen Formen seiner Aneignung zum Ausdruck.Vorstellungen, die im Rahmen von Debatten um eine Solidarische Ökonomie  zu Besten gegeben werden, nach der sich Betriebe nur mit Eigenmittel entwickeln können sollen, halte ich jedenfalls für keine sinnvolle Neuerung. 

2 Hans-Hermann Hirschelmann (04.12.2012, 09:55 Uhr)

Die gegenwärtige Politische Ökonomie basiert auf einer falschen Vorstellung von immaterieller Knappheit. Sie glaubt, dass sich mit einer übertriebenen Menge und Vielfalt von Monopolrechten, die auf der Idee des »Geistigen Eigentums« beruhen – etwa Urheberrechte, Marken und
Patente – das Teilen wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Innovationen verhindern ließe.

Auch hier wird die aus den kapitalistischen Produktionsverhältnissen unwillkürlich hervor gehende Verkehrung der Wahrnehmung gesellschaftlicher Grundlagen sichtbar. 

In Wirklichkeit basiert die gegenwärtige politische Ökonomie nicht auf falsche Vorstellungen von immaterieller Knappheit, sie produziert diese falsche Vorstellungen. 

Dieses (geistige) „Produkt“ gerät zunehmend in die Krise, weil eine vernünftige  Mehrung bzw. Wahrung des gesellschaftlichen Reichtums (bei Vermeidung ökologisch bzw. sozial betrachtet unverantwortlicher Voraussetzungen oder Wirkungen = Kosten) an Grenzen stößt. Und zwar an Grenzen, die die privateigentümlichen Formen der Aneignung setzen bzw. die dabei zutage tretenden Abhängigkeitsverhältnisse, sprich die gewohnte Kopplung von Leistungen bei der Her- und Bereitstellung eines nachgefragten (dem  Bedürfnis anderer entsprechenden) Nutzens an die Aneignung der Mittel, die  ein Leben entsprechend der eigenen Bedürfnisse ermöglichen sollen. Glücklicherweise wird die gesellschaftliche Irrationalität der so produzierten  Reichtumsbremse zunehmend nachempfunden z.B. in der Form, dass Piraterie in der Sache zunehmend als etwas grundsätzlich vernünftiges gesehen wird (oder als Rückzuggefecht heftiger Aktionalismus an den Tag gelegt wird, um diesen „moralischen Dammbruch“ zu verhindern).

Allerdings zeigt auch eine allzu unbekümmerte Schlaraffenlandperspektive bis zur Verachtung der Bedürfnisse derjenigen Menschen, deren gewohnte Existenzgrundlagen durch die (auf dem Gebiet der „immateriellen Güter“ prinzipiell vernünftig gewordene) Umsonstökonomie zerstört wird, dass eine produktive Emanzipation aus den alten (prinzipiell für große Mehrheiten zumindest auf diesem Gebiet nachvollziehbar unvernünftig gewordenen) Aneignungs- bzw. Abhängigkeitsverhältnissen AM ENDE keine Zerstörung der gesellschaftlichen Vermittung von Produktion und Konsum (und daran gekoppelte Behauptungs- bzw. Rechtfertigungsbedingungen) heißen kann.

Erforderlich ist eine ANDERE Form der Vermittlung, die eben einen wirklich gesellschaftlichen Charakter hat, d.h. die Isoliertheit der verschiedenen Behauptungs- bzw. Rechtertigungszusammenhänge voneinander (die den Kapitalismus charakterisieren) aufhebt. Was meiner Ansicht nach auch als reale Vergemeinschaftung aufgefasst werden kann. Und wiederum die Notwendigkeit offenbart, über moderne, d.h. freiheitliche Formen von Gemeinschaftlichkeit nachzudenken, die über den Horizont hinaus reichen vor dem sich Tönnies und Weber über „Gesellschaft und Gemeinschaft“ geäußert hatten. Und die natürlich die schlechten Erfahrungen mit den vielen tragischen bis verbrecherischen Formen „moderner“ Zwangsvergemeinschaftung (z.B. im Faschismus oder Stalinismus) berücksichtigen.

3 Hans-Hermann Hirschelmann (05.12.2012, 19:55 Uhr)

Daher untergräbt sie die Grundlagen der menschlichen Zusammenarbeit, schließt viele Menschen von der Nutzung von Innovationen aus und behindert das gemeinsame Lernen.

So wie das da steht, ist in idealistischer Art als Möglichkeit gesetzt, dass immer alle von allem profitieren können. Würde eher sagen, dass die menschliche Zusammenarbeit auf kapitalistischer Grundlage mehr Menschen als notwendig bzw. vertretbar von der Nutzung (und Schaffung) von Innovationen ausschließt und das gemeinsame Lernen behindert.

4 Hans-Hermann Hirschelmann (05.12.2012, 21:06 Uhr)

Und ein weiteres Extrem ist, dass die Gesellschaft dem juristischen Konstrukt des profitorientierten Unternehmens Rechte zugesteht, die eigentlich nur Einzelpersonen besitzen können. Dabei ist das profitorientierte Unternehmen aus der Perspektive unserer Rechte pathologisch, da es ausschließlich den eigenen Shareholdern verpflichtet ist und das Allgemeinwohl gar nicht berücksichtigen kann

Ist der utopische Bezug auf eine nicht näher erklärte Eigentlichkeit oder ein ebenso abstraktes Allgemeinwohl nicht vielmehr Ausdruck der Schwierigkeit, auf Basis kapitalistischer  (Re-) Produktionsverhältnisse über die Entwicklung mitmenschlicher Formen der Bestimung von Produktions- bzw. Konsumzzwecke nachzudenken,  die gemeinsames  (z.B. auch weltgemeinschaftliches) Reflektieren der gesellschaftlichen bzw. ökologischen Voraussetzungen und (Neben-) Wirkungen nicht weiter behindern sondern diese zur Voraussetzung haben?  

„Profitorientiert“ als ein moralistisch gebrauchtes (abwertendes) Adjektiv für Unternehmen (Produktionsagenturen) halte ich für suboptimal. Es wäre im Prinzip nichts dagegen zu sagen, dass Unternehmen  aufgrund gesellschaftlicher Erfolge ihres Tuns auch ihre eigenen Möglichkeiten erweitern. 

Die große Freiheit, die der privateigentümlichen Interessiertheit (noch) zugstanden wird, (so lange zugestanden wurde) ist auch Ausdruck von deren historischer Rolle als Antrieb zur Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums.

Dies zu konstatieren heißt nicht, die negativen Seiten dieser Freiheit zu vergessen und nach guten Gründen für die Etablierung besserer Vergesellschaftungsweisen bzw. -antriebe, Ausschau zu halten, die ein hinreichend solidarisches bzw. (auch ökologisch betrachtet) vernünftiges Miteinander erlauben. Und vor allem auch nach Ansätzen zu suchen, die zu Voraussetzungen für so einen Systemchange werden könnten.

5 Hans-Hermann Hirschelmann (05.12.2012, 21:49 Uhr)

Die gegenwärtige Gesellschaft besteht aus drei Sphären: einer öffentlichen Sphäre, die durch den Staat und die Behörden dominiert wird; einer privaten Sphäre der profitmaximierenden Unternehmen; und
einer Sphäre der Zivilgesellschaft, in der die weniger Privilegierten mit erheblichen Mühen ihre Rechte und Interessen zum Ausdruck bringen und durchzusetzen versuchen.

Damit wird allerdings sowohl die Zivilgesellschaft als auch die Privatspähre häuslicher Lebensgemeinschaften idealisiert. Auch die vergesellschaften sich innerhalb privateigentümlicher Behauptungsbedingungen, greifen etwa selbstverständlich auch dann zum billigsten Angebot wenn der soziale bzw. ökologische Preis Zersörung von Lebensgrundlagen ist. Auch die Zivilgesellschaft ist wesentlich privateigentümlich organisiert. Wenn soziale Bewegungungen im gewissen Sinne auch einen im Ansatz „kommunistischen“ Gegenpart bilden, wenn sie als moralische Unternehmen explizit soziale (und eben nicht private) Belange verfolgen – und so als Element gesellschaftlicher Aneignung bzw. Ausrichtung von Verfügungsgewalt über die Produktionsbedingungen gesehen werden können. 

Zum öffentlichen Leben gehören außerdem die Medien, die selbst in dem Widerspruch zischen gemein-und privateigentümlicher Interessiertheit befangen sind.

Jedoch wird (…) der private Sektor so reformiert werden müssen, dass er ethischeren Zielen dient: durch geeignete Besteuerung und verschiedene Modelle, um Einkommen zu teilen und Nutzungsmöglichkeiten zu fördern, die positive externe Effekte haben (zum Beispiel Infrastruktur, geteiltes Wissen); sowie durch Steuern und Nutzungsgebühren, die nach Möglichkeit negative externe Effekte verringern (zum Beispiel Verschmutzung, Übernutzung kollektiver Ressourcen

Dem stimme ich zu.

6 Hans-Hermann Hirschelmann (06.12.2012, 00:10 Uhr)

Eine commonsorientierte Gesellschaft stellt nicht die Rückkehr zum vormodernen Holismus dar, bei dem das Individuum dem Ganzen untergeordnet wird; vielmehr beruht eine solche Gesellschaft auf der
Anerkennung des Bedürfnisses nach Relationalität und Kollektivität freier und gleicher Individuen. Es ist demnach eine Gesellschaft des »kooperativen Individualismus«, nicht des Kollektivismus.

Könnte ich aus der Perspektive eines (welt-)kommunistischen Individualismus im Prinzip so unterschreiben, wobei ich zu bedenken gebe, dass sich auch ein moderner Holismus vorstellen ließe in dem Sinne, dass prinzipiell die gesamten Wirkungszusammenhänge als Gegenstände gemeinsamer (wenn auch unterschiedlicher) Verantwortung betrachtet werden.

Der Prozess, sich zusammenzuschließen, wird von dem Bedürfnis getragen, auf nachhaltige Weise gute Lebensbedingungen für alle herzustellen.

Zustimmung.

In diesem Zusammenhang ist verteiltes Eigentum eine Garantie gegen den möglichen Missbrauch des Gemeineigentums, da die Individuen sich jederzeit zurückziehen und ihre immateriellen und materiellen Beiträge
»forken« können.

Vielleicht ist es an der Zeit, statt über Eigentum, Privateigentum, Gemeineigentum usw. von Verantwortungsbereichen zu sprechen (privaten, individuellen, gemeinsamen usw.).  Mit der Vokabel „verteiltes Eigentum“ kann ich in dieser Abstraktheit nichts anfangen.  Es kommt m.E. auf die Form der Aufteilung von Verantwortungsbereichen, von Aneignungs- und Zweckbestimmungvermögen an und wie sich diese aufeinander beziehen (können), dass dies als eine gesellschaftliche Aufgabe ist,  bei der gemeinsame und persönliche Ziele auf Basis freier (nicht von erniedrigenden Abhängigkeitsverhätnissen diktierten) Übereinkommen geregelt werden.   

Die Vision: In einer künftigen Commons-Gesellschaft entsteht durch ein gleichmäßig verteiltes produktives Kapital eine gewisse Unabhängigkeit von den jeweils vor Ort verfügbaren materiellen
Ressourcen

Kapital ist in meinem Verständnis privateigentümliches Bereicherungsvermögen. Die Vision  einer „geichmäßiger Verteilung“ privateigentümlichen Bereicherungsvermögens sagt mir jetzt nicht so viel. „Unabhängigkeit von der jeweils vor Ort verfügbaren materiellen Ressourcen“ ist ja nun das Ergebnis kapitalistischer Globalisierung. Immerhin besser als krude Regionalismusphantsaien. Aber was für eine Vision  damit verbunden sein soll verstehe ich nicht so ganz. 

7 Hans-Gert Gräbe (06.12.2012, 08:44 Uhr)

Könnte ich aus der Perspektive eines (welt-)kommunistischen
Individualismus im Prinzip so unterschreiben, wobei ich zu bedenken
gebe, dass sich auch ein moderner Holismus vorstellen ließe in dem
Sinne, dass prinzipiell die gesamten Wirkungszusammenhänge als
Gegenstände gemeinsamer (wenn auch unterschiedlicher) Verantwortung
betrachtet werden.

„Aber wie haben wir diese Freiheit zu verstehen, wenn sie nicht die törichte Freiheit sein soll, das Falsche zu tun? Wie bewahren wir uns und die Welt mit uns vor unserer Willkür, nachdem wir ein Stück weit aus dem Bedingungsgefüge der ‚Ko-evolution’ herausgetreten sind?“ (Quelle)

8 Hans-Hermann Hirschelmann (06.12.2012, 10:24 Uhr)

Aber wie haben wir diese Freiheit zu verstehen, wenn sie nicht die törichte Freiheit sein soll, das Falsche zu tun?

Ein System, das keine Fehlertoleranz erlaubt, keine Experimente und Abweichungen zulässt,  ist unmenschlich. Rational kann die Frage des Fehlermachenkönnens  aber nur im jeweiligen Kontext behandelt werden.

Passaggiere eines Flugzeuges  sollten sich z.B. darauf verlassen können, dass sie unversehrt an ihr Ziel kommen. Das Sicherheitssystem muss also ein lernendes sein, das vergangene Fehler zur eigenen Vervollkommnung nutzt – und dazu gehören Mechanismen, die Pilotenfehler oder technische Pannen möglichst auffangen können. (Diese Frage zu einer öffentlich diskutierten gemacht zu haben, ist oft Verdienst von Medien, die sich, wenn auch selbst privateigentümlich verfasst, immerhin einem sozialen Auftrag verpflichtet fühlen.)

Im Hinblick auf die von mir gesehene Notwendigkeit der Etablierung eines am Ende weltgemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagement  mit Festlegungen zu sozial bzw. ökologisch betrachtet vertretbaren Produktionsstandards, und -zielen (inklusive Mengenbegrenzungen) gilt es, herauszufinden, was die am dringendsten zu erledigenden Aufgaben globaler Natur sind, d.h. die nur im globalen Rahmen zufriedenstellend gelöst werden können.Und das dürften nicht zuletzt Dinge sein, die nicht ohne weiteres rückgängig zu machen sind und wobei schon recht klar ist, dass es ein fataler Fehler sein wird, sie nicht GEMEINSAM in den Griff zu bekommen:

Dazu gehören der rapide Verlust an fruchtbaren Ackerböden, an Wiesen und Naturräumen, Regenwald und anderen einmaligen Ökosystemen, von Biodiversität, (was einmal ausgerottet ist, ist weg),  die Gefahr der Überschwemmung weiter Küstengebiete, einer mörderischen  Steigerung von Wasser- und Nahrungsmittelkrisen aufgrund  zunehmend heftigerer Wetterextreme, das Schmelzen der Polkappen, Absterben der Korallen und Versauerung der Meere bis zu einem Punkt, wo sie kein C02 mehr absorbieren sondern dieses freigeben.        

Klar sollte sein, dass diese Herausforderungen nicht per Ökodiktatur bewältigt werden können und schon der Versuch katastrophale Konsequenzen in Bezug auf die (Un-) Möglichkeiten Fehler zu machen und deren Konsequenzen haben kann. (Bis hin zu „Endlösungsvarianten“ nazionalkapitalistischer Natur). Es bedarf Mechanismen, die  es möglich machen, dass immer mehr Menschen und Institutionen die dringendsten Herausforderungen globaler Natur zu ihrer höchstpersönlich eigenen Angelegenheit (und damit zu einer Angelegenheit globalistischer Kultur) machen können. Partizipation statt Diktatur. Wie das etwa in zarten Ansätzen bei der Formulierung von Nachhaltigkeitszielen und -maßnahmen im Rahmen von Nachhaltigkeitsstrategien von der internationalen bis zur lokalen Ebene geprobt  – wenn auch meist an zu viel Diktatur des kapitalistisch Faktischen erstickt – wurde.  (Ein von den linken Propheten sozialer Emanzipation in der Regel sträflich unbeackertes Feld).

Der gerade in Doha verhandelte Klimafond könnte zu einem Moment der Entwicklung eines – am Ende weltgemeinschaftlichen – Nachhaltigkeitsmanagement werden. 

Eine Voraussetzung für eine solche (Weiter-) Entwicklung wäre allerdings, dass sich superlinke NGO-Funktionäre, Anti-Kapitalisten und Anti-HerschaftistInnen nicht weiter darin gefallen, die ganze Klimadiplomatie für überlüssigen Tand zu erklären – und so die nationalkapitalistischen Hemmnisse einer ökologisch bzw. sozial betrachtet vernünftigen Begrenzung des Produzierens um des Produzieren Willens noch verstärken.  

9 Stefan Meretz (06.12.2012, 11:54 Uhr)

@HHH:

Der gerade in Doha verhandelte Klimafond könnte zu einem Moment der Entwicklung eines – am Ende weltgemeinschaftlichen – Nachhaltigkeitsmanagement werden.

Na, dann ist ja bald alles in Butter.

Eine Voraussetzung für eine solche (Weiter-) Entwicklung wäre allerdings, dass sich superlinke NGO-Funktionäre, Anti-Kapitalisten und Anti-HerschaftistInnen nicht weiter darin gefallen, die ganze Klimadiplomatie für überlüssigen Tand zu erklären…

Ah, jetzt hab ich verstanden, wer an der Klimakatastophe Schuld ist.

Mal ernst: Ich verstehe nicht, warum du zu solchen denunziatorischen Aussagen greifst. Es spricht nichts dagegen, wenn der Kapitalismus seinen eigenen Untergang klimafreundlich gestaltet, im Gegenteil, nur ich fürchte: Das schafft er nicht. Das heißt schlicht, wir können nicht darauf hoffen oder gar darauf setzen.

Es ist derzeit recht wahrscheinlich, dass das vom Global Carbon Project prognostizierte RCP8.5-Szenario eintreffen wird (4-6,1°C Erwärmung bis 2100, eine Übersicht hier zum Download). Es wird vermutlich nur deswegen nicht dazu kommen, weil der globale Kapitalismus vorher kollabiert. Aus Klimasicht ist nämlich eine Krise das effektivste Mittel zur Reduktion der CO2-Emissionen (Portugal z.B. steht derzeit ausgezeichnet da wg. des Produktionsrückgangs; oder vgl. auch der DDR-Crash). Nur für die Menschen ist das eine Katastrophe, ebenso wie das Fortbestehen der Warenproduktion. Eine andere Produktionsweise ist daher eine Frage des Überlebens. Aber nochmal: Das spricht nicht gegen Klimaverhandlungen.

10 Hans-Hermann Hirschelmann (06.12.2012, 17:26 Uhr)

Na, dann ist ja bald alles in Butter.

Ne, wieso? Wie kommst du darauf, dass bald alles in Butter sein könnte?

Mal ernst: Ich verstehe nicht, warum du zu solchen denunziatorischen
Aussagen greifst.

Schade, dass du das so wahrnimmst.

Es spricht nichts dagegen, wenn der Kapitalismus seinen eigenen Untergang klimafreundlich gestaltet, im Gegenteil, nur ich fürchte: Das schafft er nicht. Das heißt schlicht, wir können nicht darauf hoffen oder gar darauf setzen.

Das ist mir jetzt ein wenig zu hoch. Wieso soll „der Kapitalismus“ seinen eigenen Untergang gestalten wollen? Uberhaupt: das hört sich an, als ob du Kapitalismus für ein höheres Wesen mit einem subjektiven Willen hälst.

Eine andere Produktionsweise ist daher eine Frage des Überlebens

So ist es, und das ist keine Frage, die sich für eine ferne Zukunft stellt, (deshalb vielleicht unser beider Gereiztheit). 

Die Kontroverse scheint zu sein, dass du in den nächsten Jahren den Zusammenbruch des Kapitalismus erwartest und meinst, die Common Based Peer Production könnte das vielleicht beschleunigen und hätte dann auch sogleich die Produktionsweise parat, die ein vernünftiges Klimaregime (1,5 Grad-Ziel oder so) ermöglicht.

Ich halte das für nicht ganz ausgeschlossen, aber auch für nicht ungefährlich. Ich meine,dass sich die Alterative am Ende – auch – aus der Mitte der Gesellschaft heraus entwickeln muss und zwar aus ernsthaften Bemühungen um Fortschritte in Richtung eines globalen Nachhaltigkeitsmanagement – sowie einer entsprechend produktiven Verarbeitung dabei auftauchender Hemmnisse systemischer Art.  

11 Commons-Buch komplett online — keimform.de (06.04.2013, 06:52 Uhr)

[…] Michel Bauwens und Franco Iacomella: Die Peer-to-Peer-Ökonomie und eine neue commonsbasierte Zivilisation […]

12 Wolfram Pfreundschuh (16.11.2014, 08:03 Uhr)

„Diese Analyse legt nahe, dass jede Alternative für den gegenwärtigen Kapitalismus die drei genannten Punkte gemeinsam angehen muss: Die Produktionsweise muss das dauerhafte Überleben, die nachhaltige Nutzung und das Gedeihen der Biosphäre sichern. Sie muss das Teilen von Wissen und sozialen Innovationen fördern. Und sie muss auf der Erkenntnis aufbauen, dass soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit nur unter Berücksichtigung der tatsächlichen Begrenztheit der Natur und der tatsächlichen Fülle von Wissen und Innovationen möglich sind.“

Das ist ja inzwischen so populär, dass das Buch sicher in den bürgerlichen Mainstream z.B. durch Jeremy Rifkin aufgenommen werden kann. Auch aus der politischen Klasse kommt hier schon eifriger Zuspruch – z.B. von Frau Merkel. Markus Hoffmann und ich haben daher diese Position und die damit verbundenen Konstrukte dieses Buchs genauer analysiert in dem Artikel „Das Volk der Commons – zur Kritik der Peer-to-Peer-Ökonomie“ auf der http://kulturkritik.net.

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