Open Source Biotech?

Rob Carlson schreibt in einem Artikel, dass es jede Menge Parallelen zwischen Moores Law und der technologischen Entwicklung im Biotech-Sektor gäbe. Die Fähigkeiten der Gen-Sequenzer verdoppeln sich seiner Ansicht nach genauso wie Transistoren auf dem Chip.

Die Folge: Das Gen-Labor in der Küche für jeden der will ist nicht mehr weit weg. Das wirft natürlich enorme Probleme auf. Gatacca erscheint bei dieser Perspektive eher als harmlose Zukunftsvision.

Carlson setzt auf einen Open-Source-Ansatz um diesen Problemen gerecht zu werden, weil Verbote die billige Biotech nur in einen unkontrollierbaren Schwarzmarkt treiben würden:

The best way to keep apprised of the activities of both amateurs and professionals is to establish open networks of researchers, perhaps modeled on the Open Source Software (OSS) movement, and potentially sponsored by the government during their embryonic phases. The Open Source development community thrives on constant communication and plentiful free advice. This behavior is common practice for professional biology hackers, and it is already evident on the Web amongst amateur biology hackers.14 This represents an opportunity to keep apprised of current research in a distributed fashion. Anyone trying something new will require advice from peers and may advertise at least some portion of the results of their work. As is evident from the ready criticism leveled at miscreants in online forums frequented by software developers (Slashdot, Kuro5hin, etc.), people are not afraid to speak out when they feel the work of a particular person or group is substandard or threatens the public good. Thus our best potential defense against biological threats is to create and maintain open networks of researchers at every level, thereby magnifying the number of eyes and ears keeping track of what is going on in the world.

Ich bin da ja eher skeptisch. Auch Handfeuerwaffen sind billig und ich wünschte mir, sie wären verbotener als sie es sind.

Bald: Zwei Jahre keimform.de!

Tux gibt neuer Stasi keine ChanceBis zum Zweijährigen am 22. September ist es noch etwas hin, aber wir feiern schon mal vor 🙂

Und das geht so: Am Freitag, den 25. Juni 2008, treffen wir uns um 19:00 Uhr im »Litehouse«, einer Kneipe in Lichterfelde-Ost. — OMG, wo ist denn das? JWD. Also genau genommen hier. Adresse: Ferdinandstr. 31, 12209 Berlin. Anreise bequem mit einer Nord-Süd Regional-Bahn oder mit der S-Bahn Linie S25 bis Lichterfelde-Ost.

Was machen wir? Wir blicken auf (fast) zwei Jahre keimform.de zurück, feiern das Diplom von emias, bereiten die Peerconomy vor — und solche Sachen. Wer Lust hat, kann (ein paar von) uns hier treffen — IRL — einfach hinkommen!

P.S. Am 11. Oktober soll in Berlin die nächste große Demo gegen den Überwachungswahn stattfinden — wie vor einem Jahr bei unserem ersten Jubiläumstreffen.

Einladung zum Peer-Ökonomie-Wochenende in Hiddinghausen

Titelbild des deutschen Peerconomy-BuchsIn Uli Franks wunderschönem (und als Veranstaltungsort beliebtem) Haus in Hiddinghausen wird es Ende August ein langes Diskussionswochenende zur Peer-Ökonomie geben. Hier der Ankündigungstext, großteils geschrieben von Uli Frank:

„So geht das nicht weiter!“ oder: „Das ganze System wird zusammenbrechen!“ kann man inzwischen häufig hören. Unter Kritikern gibt es schon die Wette, ob das „System“ eher an ökologischen Problemen oder ökonomisch – also an seinen eigenen Widersprüchen – zugrunde gehen wird.

Aber ganz unpopulär scheint die Debatte darüber, WIE es ANDERS weitergehen könnte. Zukunftsentwürfe finden kaum Aufmerksamkeit. Und es ist ja durchaus vernünftig, gegenüber irgendwelchen „Visionen“ und Phantasien skeptisch zu sein: Wie wir aus der Geschichte der utopischen Literatur wissen, sind die großen Entwürfe oft fast lächerlich eng der Welt ihrer Autoren verhaftet.

Wenn wir wirklich etwas NEUES meinen, so kann das nicht das alte sein.

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Geplanter Kapitalismus

Cockshott/Cottrell: Alternativen aus dem RechnerJetzt muss ich doch schon mal über den »New Socialism« von Cockshott/Cottrell schreiben, obwohl das entsprechende Buch (deutsch: »Alternativen aus dem Rechner«, englisch: »Towards a New Socialism«) noch immer auf dem Stapel ungelesener Bücher liegt. Anlass ist ein Interview von Allin Cottrell in der »jungen Welt«. Cottrell vertritt dort die These, dass die Planwirtschaft der Sowjetunion an zu geringen Rechnerkapazitäten gescheitert sei. In der Rüstungsindustrie hätten sie das ja noch ganz gut hinbekommen:

Aber sie hatten nicht die Computerressourcen, um eine detaillierte Planung auf die gesamte zivile Wirtschaft auszudehnen; sie konnten sich nur auf eine kleine Teilmenge der Produkte konzentrieren.

Wie stellen sich Cockshott/Cottrell den neuen Sozialismus vor, für den sie in Venezuela und Bolivien eine Chance zur Umsetzung sehen?
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Commons-Werkstatt Jena

Die rührige Zukunftswerkstatt Jena hat ein neues Projekt gestartet: Die Commons-Werkstatt. Die Commons-Werkstatt beteiligt sich an der Alternativ-Uni Jena und hat für die erste Veranstaltung einen sehr schönen Text geschrieben: »Commons und Peer-Ökonomie« (zur Zeit leider nur als PDF). Darin werden unter anderem die Debatten hier auf keimform.de reflektiert und zu einem übersichtlichen Text zusammengestellt — der Stand der Debatte sozusagen. Und die Perspektive ist klar:

Die Commons-Debatte lebt vor allem davon, endlich wieder eine antikapitalistische Sichtweise und Praxis begründen zu können, ohne sich in alte Kämpfe zu verwickeln. Es besteht die Hoffnung, dass die Dynamik der Commons den Kapitalismus überwindet, sie soll sich nicht wie die früheren Alternativprojekte in Nischen festsetzen, sondern durchaus „aggressiv und expansiv“ [Nick Dyer-Witheford: Commonism] wirken. (Seite 11f)

Weiter so!

[Update]

Dazu schrieb auch der CommonsBlog — viel ausführlicher 🙂

Peer-Economy: Noch eine offene Frage.

Titelbild des deutschen Peerconomy-BuchsVor einiger Zeit führten wir hier eine interessante Diskussion über offene Fragen der Peer-Economy. Dabei ist ein Punkt noch nicht zur Sprache gekommen, der mir damals als nicht so wichtig erschien, den ich aber inzwischen als ein zentrales Problem betrachte.

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Moores Law und die Vermessung der Maßlosigkeit

Der Kapitalismus ist eine maßlose Veranstaltung. Der sich selbst verwertende Wert kennt keine Grenze. Das ist ja eines seiner großen Probleme. Denn dem entgegen stehen ja die menschlichen Bedürfnisse, die immer endlich sind. Der Kapitalismus misst dabei alles in seiner Maßlosigkeit. Nur was Wert hat, hat eine Existenzberechtigung. Menschliche Bedürfnisse verhalten sich genau umgekehrt: Sie haben immer Maß, sind aber nie zu messen. Zumindestens nicht vollständig. Kein menschliches Bedürfnis geht in seiner Meßbarkeit auf. Es mag sein, dass ich soundsoviel Wasser, soundsoviel Kalorien und soundsoviel Vitamine am Tag brauche zum Leben, aber das beschreibt niemals vollständig und qualitativ mein Bedürfnis nach Essen. Der Kapitalismus ist also die Vermessung der Maßlosigkeit, aber die menschlichen Bedürfnisse haben ein unmeßbares Maß.

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Dieses Wochenende: Linke Buchtage in Berlin

Logo der Linken Buchtage 2008Heute Abend beginnen im Berliner Mehringhof (Gneisenaustr. 2a) die Linken Buchtage 2008. Zweieinhalb Tage lang (Freitag 17-21, Samstag 11-21, Sonntag 11-17 Uhr) stellen 30 linke Verlage sich und ihr Programm vor.

Der Verlag AG SPAK Bücher – und damit mein Buch – wird auch vertreten sein, auf dem Gemeinschaftsstand von aLiVe, der Assoziation Linker Verlage.

Es gibt auch ein begleitendes Veranstaltungsprogramm (PDF) mit Lesungen und Diskussionen, darunter eine zu/mit Bini Adamczak über sein Buch “Gestern Morgen”, das hier schon Thema war.

Crashkurs zum Crashkurs

Der Förderverein Krisis lädt ein zum Seminar »Crashkurs – Finanzmarktkrise, Peak Oil und die Grenzen der Warengesellschaft«, 3. bis 5. Oktober 2008, in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, 91472 Ipsheim.

Am Samstag halte ich einen Vortrag zur Begründung der »Universalgüterthese« (vgl dazu: 1|2|3|4), die ich aus dem Begriff der »allgemeinen Arbeit« bei Herrn Marx (mit freundlicher Unterstützung von Herrn Hegel) entwickle. Ganz knapp besagt die Universalgüterthese, dass digitale Informationsgüter grundsätzlich ökonomisch wertlos sind, obwohl sie durchaus einen Preis haben können (aber nicht müssen). Die These wurde von Ernst Lohoff entwickelt, der sie im Kern damit begründet, dass digitale Informationsgüter nicht getauscht, sondern verbreitet werden, da kein »Händewechsel« stattfindet (der Verkäufer gibt nichts her, sondern kann Kopien beliebig oft »verkaufen«).

Das »Wissensthema« ist eingebettet in das Hauptthema des Seminars: die aktuellen Krisen und ihre subjektive Verarbeitung.

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Open-Access-Tage: Freier Zugang zu Wissen

open accessDer freie Zugang zu wissenschaftlicher Information ist das Ziel der Open-Access-Bewegung. Am 9. und 10. Oktober 2008 finden an der FU Berlin die Open-Access-Tage Berlin mit Open-Access-Messe statt.Während sich der erste Tag eher an Entscheider richtet und für die Open-Access-Idee wirbt, wendet sich der zweite Tag an die deutschsprachige Open-Access-Community, um praktische Umsetzungsschritte zu diskutieren. Mehr dazu steht im Programm.