Kategorie: Theorie

Vom Livestream zum Lifestream (Teil 2)

Im ersten Teil dieser Serie habe ich behauptet, dass sich die Struktur der Öffentlichkeit nicht nur generell von Massenmedien hin zu Netzmedien wandelt sondern auch innerhalb der Netzmedien ein Wandel stattfindet von einem Öffentlichkeitsmodus der Diskussion zu einem der Inspiration. Das hat die Frage aufgeworfen, wie denn in diesem neuen Modus der Öffentlichkeit das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit sei. Auch hier will ich zunächst wieder alle vier Modi der Öffentlichkeit auf diese Frage hin untersuchen:

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Marx’ Theory of Value and Why Exchange Can Be “Equal” and Still Bad

Karl MarxThis post resulted from a thread on the p2presearch mailing list. The discussion started when a remark by Joseph Jackson’s “forced” me to clear up some frequent misunderstandings about the meaning of the labor theory of value, as formulated by Karl Marx. The thread then turned to Marx’ criticism of capitalism and I tried to explain why (according to Marx) the root cause of raising inequality and other detrimental effects of capitalism isn’t “unequal exchange,” but rather exchange per se, regardless of whether or not it’s equal.

Quotes from Joseph Jackson are indented and printed in italics:

Economics has no coherent Theory of Value and we must solve this problem if we are to establish the field of Abundance. The Labor Theory of Value has advantages in that it is objective and normative—it states that price should tend toward the cost of production; it also allows us to determine what constitutes equitable exchange.

Actually, the Labor Theory of Value, as first formulated by Adam Smith and Ricardo and later refined by Marx, is not normative, but descriptive: it describes the basics of price formation in capitalism. Of course, the value of goods is only their average price—actual prices will usually be somewhat below or above the average because of fluctuations in supply and demand etc.

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The question of transition and the role of money

A paragraph of my previous post about an article from Michel Bauwens in we_magazine lead to heavy reactions of Michel, cross-posted here and in Oekonux mailing list. Since some posts only go to the mailing list, I re-publish one of my responses here again. Here we go:

Hi Michel,

I try to answer your questions as best as I can, but I also take the freedom to question your questions, because they base on assumptions I don’t share.

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Peer-Ökonomie in der Diskussion II

Nach dem ersten Teil, dem Vortrag von Christian Siefkes, hier nun die aufbereiteten Mitschnitte des Workshops am nachfolgenden Tag. Mit 20 Teilnehmenden war die maximale Workshop-Größe ausgeschöpft. Die Diskussion war inhaltlich sehr kontrovers (»unbarmherzig«), im Ton und dem Aufeinandereingehen dennoch sehr freundlich und konstruktiv (»fortschreitend«). Zum Auftakt trug Uli Weiß eine sehr grundsätzliche Kritik am Modell der Peer-Ökonomie von Christian vor. Leider ist die Aufnahme dieses Teils misslungen 🙁

Daher gibt es nachfolgend nur die Notizvorlage von Uli, die Grundlage seines Beitrags war.

Die sich daran anschließende Diskussion wurde dann aber komplett aufgezeichnet. Ihr findet die drei Teile bei archive.org.
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Peer-Ökonomie in der Diskussion I

Die Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« Berlin hatte Christian Siefkes eingeladen, sein Konzept einer Peer-Ökonomie zur Diskussion zu stellen. Am Freitag, 13.2., gab es Abendveranstaltung mit einem Vortrag, und am Samstag, 14.2., folgte ein Tagesworkshop, bei dem das Konzept intensiv diskutiert wurde. Wir dokumentieren hier bei keimform.de beide Teile der Veranstaltung. Los geht es mit dem Vortrag von Christian am Freitag abend. Ihr könnt ihn hier als Slidecast (Präsentation plus Audio) ansehen und anhören, oder die Präsentation getrennt nutzen (HTML) und den Vortragsmitschnitt herunterladen (archive.org). Der zweite Teil der Workshop-Diskussion folgt in den nächsten Tagen gibt es hier.

Werner Imhof: Zur Kritik der Peer-Ökonomie II

Peer-Irrtum?Werner Imhof hat »eine ergänzende Kritik geschrieben, die sich vor allem mit Christians Methode und den „Gesellschaftlichkeitsdefiziten“ (Hubert) seines Konzepts befaßt, also einige neue Akzente und Argumente enthält« (aus einer E-Mail von Werner). Los geht’s:

Mit der Freien Software hat sich eine neuartige Form der Kooperation mit gemeinsam genutzten Produktionsmitteln entwickelt, die sich von traditionellen Formen gemeinschaftlicher Arbeit, die der Selbstversorgung im eng begrenzten familiären oder dörflichen Rahmen dienen, in mehrerer Hinsicht progressiv abhebt. Im Konzept der Peer- bzw. Peer-to-peer-Produktion hat diese Entwicklung einen theoretischen Ausdruck gefunden, der danach drängt, ihren Anwendungsbereich zu erweitern, sie womöglich gesellschaftlich zu verallgemeinern.

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Vom Livestream zum Lifestream

bleeper_logoIn meinem letzten Post habe ich ja ein bisschen fürs Microblogging getrommelt. Unklar blieb dabei sicherlich, was das Ganze denn mit Keimformen zu tun hat. Dazu muß ich etwas weiter ausholen.

Das, was wir heute mit „Öffentlichkeiten“ bezeichnen, unterscheidet sich vor allem hinsichtlich zweier Parameter. Das eine ist die Größe der Öffentlichkeit. Eine Kneipenrunde ist in einem ganz anderen Sinne öffentlich als dieses Blogposting – alleine schon aufgrund ihrer schieren Menge an Adressaten (das hoffe ich zumindestens!).

Wichtiger scheint mir aber noch der Modus der Öffentlichkeit zu sein. Diese unterschiedlichen Modi kamen alle zu allen Zeiten und an allen Orten vor. Jedoch sind bestimmte historisch auftretende Gesellschaftsformen von jeweils einem Modus der Öffentlichkeit hegemonial geprägt. Ich benutze dabei die Wörter, die normal für Staatsformen („Monarchie“,“Diktatur“,…)  reserviert sind, als auf die Gesellschaft bezogen, weil die Weise, wie die Zivilgesellschaft funktioniert, mindestens genauso entscheidend für die Öffentlichkeit ist wie der Staat. Den Modi der Öffentlichkeit entsprechen jeweils Handlungsmodi, die angeben, welche Art von Handlungen von den Mitgliedern einer Gesellschaft, in der ein entsprechender Öffentlichkeitsmodus wirkt, normalerweise und im Durchschnitt erwartet werden. Ich unterscheide zunächst mal provisorisch vier Modi von Öffentlichkeiten, die sich vor allem in ihrem Bezug zur Legitimität von Herrschaft unterscheiden:

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Inclusive Democracy

DE: Das »Projekt Umfassende Demokratie« von Takis Fotopoulos von 2003 kann als Vorläufer des »Peer-Ökonomie-Modells« von Christian Siefkes gelten. Es ist erstaunlich, wieviele Ideen ähnlich sind (etwa die Ablehnung von Markt und Staat, die Belohnung der Übernahme von unbeliebten Tätigkeiten oder die nicht-repräsentationalen Räte von der lokalen bis zur globalen Ebene). Im folgenden Video erklärt Takis Fotopoulos sein Modell (deutsche Übersetzung der Untertitel hier). [Update: Deutsche Untertitel können in der schwarzen Klickliste in der unteren Menüleiste des Videos gewählt werden]

EN: The »Inclusive Democracy Project« of Takis Fotopoulos may be regarded as forerunner of the »Peer Economy Model« of Christian Siefkes. It is amazing that many ideas look similar (e.g. the rejection of markets and state, awarding of taking over unpopular efforts, or the non-representational assemblies from the local to the global level). Takis Fotopoulos is explaining his model in the following video. [Update: English subtitles can be chosen using the black drop down list in the bottom menu bar of the video]

Thanks to Libertäre Reihe

Was sind Commons?

Logo der Wikimedia CommonsUnter dem Stichwort Commons findet sich in der Wikipedia nur eine Disambiguierungsseite, unter Gemeingut gibt es dürre und inhaltlich problematische Informationen, die vor allem auf Kostenlosigkeit abzielen (“Ein Gemeingut oder Kollektivgut ist ein Gut, das für alle potenziellen Nachfrager frei zugänglich ist.”)

Tatsächlich ist es nicht leicht, zu klären oder zu erklären, was Commons (auf Deutsch oft als “Gemeingüter”, manchmal auch als “Allmende” übersetzt) eigentlich sind. Aus dem von Silke Helfrich initiierten Allmende-Salon heraus ist jetzt eine kleine Initiative entstanden, die versuchen will, es trotzdem zu machen und eine griffige Charakteristik des Commonsbegriffs hinzukriegen (oder zumindest eine Textgrundlage, anhand derer man sich dann später besser über die Bedeutung dieses Begriffs streiten kann 😉 ).

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Vom Tausch zur Produktion nach Bedürfnissen

[Repost der Veranstaltung der Gruppe »Wege aus dem Kapitalismus« am 13./14. Februar 2009]

Peer-Produktion – eine mögliche Grundlage einer Gesellschaft ohne Kapital, Markt und Staat?

In den letzten Jahrzehnten ist jenseits der kapitalistischen Warenproduktion eine neue Produktionsweise entstanden, die auf Kooperation und Teilen beruht. Diese Peer-Produktion hat ausgereifte Betriebssysteme wie GNU/Linux, unzählige andere Freie Softwareprogramme, Wissenssysteme wie die Wikipedia, die Bewegung Freier Kultur und die sogenannte Blogosphäre hervorgebracht. Siefkes diskutiert die Frage, ob die bisherige Beschränkung auf die Produktions von Informationsgütern notwendig ist oder ob die Form von Peer-Produktion verallgemeinerbar ist und damit eine Gesellschaft materiell tragen könnte, die nicht auf der Warenproduktion gründet.

Freitag, 13. Februar 2009, 19.00 Uhr, Helle Panke, Kopenhagener Straße 9 76, Berlin-Pankow, einführender Vortrag von Christian Siefkes zum Thema, anschließend Diskussion

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