Kategorie: Arbeit & Freiheit

Basarökonomie oder Überproduktion – wo kommt die Krise her?

Ist die seit 2000 schwelende Dauerkrise der Wirtschaft – die von der scharfen, mit Problemen im Finanzsektor in Verbindung gebrachten Abwärtsbewegung von 2008, von der wir uns bereits wieder erholen, zu unterscheiden ist – eine Überproduktionskrise (auch hier, 2.)? In den letzten Jahren herrschte massive Konkurrenz unter den Warenproduzenten, es setzte ein starker Preiskampf ein. In Deutschland bildete sich eine Wirtschaft heraus, die auf Sonderangeboten, Vergünstigen, hartem Preiskampf und euroweisem Unterbieten (beispielsweise auf Basis der täglich aktualisierten Preisvergleichs-Seiten im Internet, wo man vorne dabei sein muss) basiert.

Für die Kunden mag dies angenehm sein, weil viele Dinge (gerade Markenware) deutlich billiger geworden ist: Im Internet bekommt man nicht selten aktuelle Elektronikprodukte für die Hälfte des Listenpreises. Für die Unternehmen bedeutet es die Notwendigkeit zur entschlossenen Umstellung, Gewinnmargen schrumpfen und können nur durch unerbittliche Preisdrückerei aufrechterhalten werden. Die Zeche zahlen oft genug die Arbeiter und Arbeiterinnen (mehr …)

Von Abschaffung und Aufhebung

Georg Seeßlen hat im aktuellen »Freitag« einen bitter-realistischen Artikel zur Zukunft der Autorenschaft geschrieben: »Die letzte Avantgarde«. Zunächst erklärt er die Long-Tail-These für gescheitert. Long-Tail bedeutet, dass in der Summe Nischen-Kulturgüter mehr Profit bringen, als die Top-Seller in der Spitze. Seeßlen hält dagegen, dass »in Deutschland nur mit 4 Prozent der publizierten Bücher echtes Geld verdient [wird]. Der Rest besteht aus Spekulation und Imitation, aus Subvention und aus einem System des selbstausbeuterischen Prekariats«.

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Peer-Ökonomie im Fernsehen

Helden der NichtarbeitAm Freitag, 25.9., kommt die Peer-Ökonomie ins Fernsehen – zumindest in Berlin: ich gebe der OKB-Sendung »Helden der Nichtarbeit« ein Interview zum Thema »Beitragen statt tauschen« und Peer-Ökonomie. Gesendet wird am Freitag von 14:30-15:30 Uhr auf dem Offenen Kanal Berlin.

Theoretisch lassen sich die Sendungen des OKB auch per Livestream im Internet verfolgen – bei mir funktioniert’s nicht, aber das liegt vielleicht an meinem Linux? Downloadmöglichkeiten und freie Lizenzen scheinen beim OKB noch nicht angekommen zu sein 🙁

In der Sendung wird es neben einer kleinen Einführung in die Grundlagen – Freie Software, Wikipedia, Peer-Produktion, Commons… – darum gehen, warum die Peer-Ökonomie eine grundsätzliche gesellschaftliche Alternative ist und wie und wohin sich Peer-Produktion in Zukunft ausbreiten kann.

Peer-Ökonomie – das Ende von Selektion und Normierung?

Wir leben in einer hochgradig selektiven Gesellschaft. In Schule und Universität, bei Wettbewerben in Kunst, Literatur und Musik, bei der Einwanderung, im Sport, bei Zeitschriften und Kongressen, bei Projektförderungen und in sozialen Netzwerken: Allenthalben wird (aus)sortiert, was das Zeug hält.

Oft werden vor das Erreichen attraktiver Ziele mehrere Auswahlstufen gesetzt. (mehr …)

Reopening the Commons: Reversing the Enclosure

Nowadays, almost everybody is forced to sell their labor power in order to survive (or, at least, to avoid hardship and official harassment). This necessity seems so natural to us that we seldom think about why it exists and how it came about.

Yet, historically the situation that (almost) everybody has to sell their labor power is rather new—it only emerged with capitalism. Wage labor and capitalism depend on each other: Without capitalist companies, there would be nobody (by and large) to sell your labor power to, so wage labor could only be an occasional phenomenon (as it was before capitalism). And without wage workers, capital accumulation would be impossible, since their surplus labor is the source of profit (and of its derived forms, interest and rent).

That wage workers are forced to sell their labor power (due to a lack of alternatives) is just one side of the coin. The other side is that they are allowed to do so—in contrast to slaves, who cannot sell their labor power since they themselves have already been sold by others.

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Kapitalismus abwracken! – aber was kommt dann?

Kapitalismus abwracken!Unter dem Titel Kapitalismus abwracken! das schöne Leben gewinnen veranstalten die Falken, die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Bildungswerk Berlin eine Konferenz für junge Leute von etwa 16 bis 26 Jahren.

Jenseits des Kapitalismus: Wie wollen wir leben, arbeiten, vergnügt sein?

Jugendkonferenz zu Kapitalismus und dem ganz Anderen
vom 3. – 5. Juli 2009
in der Bildungsstätte Kurt Löwenstein bei Berlin

Nicht erst seit der momentanen Krise gibt es eine Kritik am Kapitalismus. Schon seit seiner Entstehung werden Alternativen für eine andere Gesellschaft diskutiert. In der Geschichte gab und gibt es einige Versuche anders zu wirtschaften und neue Formen des kooperativen Zusammenlebens auszuprobieren.

Als vor 20 Jahren die Mauer fiel, sprachen viele vom »Ende der Geschichte«. Damit war gemeint, dass das westliche Modell von Marktwirtschaft und Demokratie gesiegt hat und von nun an die beste aller möglichen Welten sein wird. Wir wollen auf unserer Jugendkonferenz diesen Mythos in Frage stellen und mögliche Alternativen diskutieren.

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ox4 Notes IV: Case Study of a Large Free Software Project

The BSD daemonThis post finally concludes my coverage of the ox4 conference (part 1, part 2, part 3). On the third day, George Dafermos presented a case study of the FreeBSD project. He talked mainly about how the project is structured and how division of labor emerges.

The core team comprises 9 people which are elected by the committers and who, in turn, decide who gets commit rights. There are about 250 committers (who have the right to commit code to the code base) and about 5500 contributors (who have to filter their contributions through one of the committers). This confirms the 1-9-90 rule of thumb: less than 1% of participants steer the project (the core team), less than 10% contribute regularly (the committers), the rest contributes occasionally (the contributors). Officially, the core team also has the task to resolve conflicts, but there are very few conflicts, and usually the involved people resolve them by themselves.

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Brief an Genevieve Vaughan

I share this letter with the Keimform community because I think it is a part of necessary and fruitful dialogues that we have to start. In a different colour (blue)  I also included Genevieves answer which came rather swiftly and hopefully shows that dialogue is not only possible but also might lead to results.

genevieve

Genevieve,

we met up shortly after your Friday evening speech at the „Matriarchy-Gift Economy – Subsistence“ seminar at the Vienna University of Agriculture and we had the opportunity to have a little chat afterwards at the buffet generously offered by Gerda Schneiders Institute of Landscape Planning. I talked to you about the feelings that I had as a strong advocate of non-monetary economics about your speech. And I announced that I would make them more precise in a letter. I share this letter with some friends that are at the heart of the matter.

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ox4 Notes III: Money and Patterns

Franz Nahrada (photo by Phoebe)This post continued my coverage of the ox4 conference (part 1, part 2). The topic of Raoul Victor’s talk was Money and Peer Production. He pointed out that money as a dominant social relation emerged only with capitalism. In pre-capitalist societies, most social relations weren’t based on money and symmetric exchange. That’s an important reminder since people often believe that money and markets are more or less neutral tools which can be used for non-capitalist purposes, since they are far older than capitalism. They forget that money and markets have never been the primary means of organizing production in any non-capitalist society, they only played minor, supporting roles. Money cannot become the dominant social form outside of capitalism, and capitalism cannot exist without money.

Raoul also explained that money is just the incorporation of symmetric exchange; you cannot abolish money without abolishing exchange, and vice versa. Money emerges spontaneously when it is needed, e.g. cigarettes were used as a substitute money in times of war. When markets are forbidden but there is no other adequate way of organizing production and distribution, black markets appear—markets in their worst form. So money can only be abandoned by getting rid of its root cause: exchange.

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Commonsnet gegründet

Motto: „herstellen, verknüpfen, nutzen, reflektieren“

Das Commonsnet ist ein Zusammenschluss waren- und erwerbsarbeits-kritischer Gruppen. Es ist am 15. März 2009 auf dem „Umsonstladentreffen Gib und Nimm 2009“ in Köln gegründet worden. Bislang sind Gruppen aus vier Städten beteiligt, mit weiteren Gruppen werden Kontakte aufgenommen.

Ziel von Commonsnet ist eine Zusammenarbeit mit allen Menschen, denen eine Ausweitung einer verabredeten gemeinsamen Produktion und Nutzung von Dingen und Diensten — Commons — wichtig ist.

Die Website von Commonsnet befindet sich im Aufbau: www.commonsnet.de

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