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Ein Gespräch über Utopie

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Eigentumsfragen, Medientipp, Theorie

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4. April 2020, 21:53 Uhr   1 Kommentar

1 Stefan Meretz (05.04.2020, 11:57 Uhr)

Cool, danke für das Gespräch an euch beide!

Drei Anmerkungen 😉

(1) Auch hier wieder gewann ich den Eindruck, dass es öfter interpersonale Antworten auf transpersonale Fragen gab. Eine Frage zielte auf globale Kooperation, die Antwort war, wie die Beteiligten eine inkludierende Haltung einnehmen. Doch transpersonale Kooperationen sind eben transpersonal, da erklärt die Haltung, die eine Person, die am Ende da was tut, einnimmt, nicht viel, weil die Person austauschbar ist. Es ist irgendeine (=allgemeine) Person, die da die Kooperation realisiert. Und da geschieht leicht die Vermischung: Weil eine allgemeine Person in transpersonalen Beziehungen was tut, kippt die Erklärung ins Interpersonale, wo es aber nicht um allgemeine, sondern konkrete Personen geht. Deswegen halte ist es für besser, Vorschlag, nicht von Personen, sondern von Kooperationen (Commons, Betriebe, Gruppen etc.) zu reden. Also nicht Personen kooperieren, sondern Kooperationen kooperieren. Das mag zu Lasten der Anschaulichkeit gehen, aber ich halte es an dieser Stelle für unabdingbar, weil sonst das erforderliche Theorieniveau (die Gesellschaft als transpersonalen Zusammenhang zu begreifen) unterschritten wird. Ungewollt, aber unterschritten.

(2) Dann frage ich mich, ob du, Simon, zwar das ethische Narrativ brechen möchtest, gleichzeitig aber (immer noch) ethisch argumentierst. Und zwar an der Stelle, wo du vom „social shaming“ sprichst. Funktioniert „soziales Beschämen“ nicht nur dann, wenn du eine Ethik als Referenz hast, auf die sich das Beschämen bezieht? Vor allem, wenn du es als Aktivität gegen Menschen („beschämen“) betrachtest. Das ist wirklich eine offene Frage für mich. Ich würde nämlich das „Beschämen“, also das zweckgerichtete Auslösen von Scham bei Anderen, unterscheiden von Gefühlen der Empathie, die negativ sein können (die oft auch Scham genannt werden). Da würde mich einfach deine/eure Meinung interessieren.

(3) Ich fand die Zusammenfassung von Benni gut auf den Punkt gebracht, dass, wenn die Reichweite der Kommunikationsmittel der Reichweite der Kooperation entspricht, die Bedingungen für Inklusionsverhältnisse gegeben sind (das sind jetzt meine Worte, korrigiert mich, wenn ich es aus dem Kopf nicht treffend zusammengefasst habe). Das ändert zwar nichts an dem Fakt, dass es heute das globale Internet ist, das der globalen Kooperation entspricht (und sie ja auch ermöglicht), aber es historisiert die Frage nach den Produktivkraft-Voraussetzungen für den Commonismus. Ich fände es spannend, die gleiche Frage nach den subjektiven Voraussetzungen zu stellen – nicht nur als menschliche Möglichkeit (das haben wir geklärt :-)) -, sondern als konkret-historische Voraussetzung. Denn Produktivkraft ist nicht nur Technik, sondern das Verhältnis Subjektivität-Technik.

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