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Gesellschaft nach dem Geld – Den Commonismus simulieren

Annette, Stefan und ich sind ja in diesem großartigen Projekt ‚Gesellschaft nach dem Geld‘ tätig, indem wir mit tollen Leuten (es macht wirklich sehr viel Spaß 🙂 ) versuchen den Commonismus mathematisch mit Agency Based Modelling (ABM) zu simulieren. Das ist etwas seltsam, aber auch sehr spannend. Bei der Soziologiekonferenz „The Great Transformation“ konnnten wir unser Projekt vorstellen. Hier findet ihr nun alle Vorträge und Folien. Die von Stefan pack ich nochmal extra hier rein:

  • Hanno berichtet über die sozialistische Planungsdebatte der 20er Jahre und inwiefern wir dort etwas lernen können.
  • Simon stellt die Utopie vor.
  • Ernest führt in evolutionäre Ökonomik und Agency Based Modelling (ABM) ein.
  • Stefan erläutert das Narrativ, also den quasi-Code wie wir die Utopie als ABM modellieren könnten.
  • Lena führt in den tatsächlichen Code anhand einiger Beispiele ein.

Kategorien: Commons, Freie Software, Praxis-Reflexionen, Theorie

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2. November 2019, 09:51 Uhr   5 Kommentare

1 Serdar Günes (03.12.2019, 23:34 Uhr)

Apropos Geld. Ich hatte lange Zeit nichts mehr von Eske Bockelmann (Im Takt des Geldes) gehört. Neulich ist ein Artikel von ihm in der ZEIT erschienen, eigentlich eine Beitrag aus dem Merkur, der in der Zeitung abgedruckt wurde:
Was wir vom Geld wissen, aber nicht glauben wollen
Ist zwar für viele nichts neues, was da steht, aber trotzdem nett zu sehen, das sowas in einer bekannten Zeitung erscheint.
Ein neues 10 minütiges Video mit ihm zum Thema Geld gibt es auch:
Im Gespräch mit Eske Bockelmann

2 Christian Siefkes (09.12.2019, 19:52 Uhr)

@Serdar: Leider macht Bockelmann da auch einigermaßen unhaltbare Behauptungen, etwa:

Bis ins europäische Mittelalter blieben Kauf und Verkauf überall auf der Welt periphere Ereignisse, und das aus dem offensichtlichen Grund, dass die Verteilung von Gütern und Lebensmitteln konstant auf eine andere Weise eingerichtet war.

Es reicht aber ein Blick etwa ins Römische Reich, ins alte China, in mittelalterliche europäische Städte und im Grunde wohl auf fast jede Gesellschaft, deren Komplexität über die von Jäger-und-Sammler-Gruppen hinausging, um festzustellen, dass das Geld so peripher dort auch wieder nicht war. Dem vom Bockelmann zurecht kritisierten Mythos vom „urtümlich-ursprünglichen Tauschhandel zwischen Affenmensch und Affenmensch“ einen ebenso falschen Mythos von der weitgehenden Bedeutungslosigkeit von Geld und Tausch in vorkapitalistischen Gesellschaften entgegenzusetzen, mag theoretisch erstmal reizvoll erscheinen. Der Wahrheitsfindung dient es aber nicht.

(Für eine differenziertere Sichtweise siehe etwa Das Geld, eine historische Anomalie? und Geld im Mittelalter.)

3 Serdar Günes (09.12.2019, 22:14 Uhr)

Danke für die Antwort. Nun ich fände es schade, wenn Bockelmann solche Kritik nicht mit in seine Arbeiten miteinbezieht. Am Ende des Artikels steht nämlich das 2020 ein neues Buch rauskommt. Das er mit der Geschichte an einigen Stellen falsch liegt hab ich schon oft gehört. Und die Kritik scheint richtig zu sein. Es ist schon schwer mit alternativen Sichtweisen in den Mainstream Medien Gehör zu finden, da wäre es schlecht, wenn man dies durch nicht sauber recherchierte Artikel Zunichte macht.
An anderer Stelle in diesem Blog habe ich gelesen (leider kann ich mich nicht erinnern, bei welchem Artikel es war), das die Existenz von Geld nicht zwangsläufig den Kapitalismus bedingt. 
Ich weiß nicht ob so eine Spekulation hier her gehört aber ich bin sehr an Alternate History interessiert und habe neulich in einem Video das Szenario verfolgt, wie es wäre, wenn statt des Römischen Reiches Karthago endgültig gesiegt hätte (oder erst gar nicht entstanden wäre) und was das für die Geschichte bedeuten würde. Und da Karthago im Gegensatz zu Rom ein Handelsimperium war, kam die Frage auf, ob sich in diesem Fall der Kapitalismus (oder ähnliches) viel früher entwickelt hätte.
Was denkt ihr? 

4 Benni Bärmann (10.12.2019, 09:21 Uhr)

@serdar: Ich finde Alternate-History spannend als Gedankenexperiment. In dem konreten Fall glaube ich, dass es was den Kapitalismus angeht keine großen Unterschied gemacht hätte und wenn dann eher in die andere Richtung. Im römischen Kaiserreich wurde Handel betrieben in einem weit größeren Maß als es die Karthager je erreicht haben. Der Kapitalismus entsteht auch nicht einfach durch Handel, dass ist eine These, die „Kommerzialisierungstheorie“ genannt wird. Also die Vorstellung wenn nur viel gehandelt werden würde, würden sich daraus automatisch irgendwann kapitalistische Verhältnisse entwickeln. Das Problem an dieser These ist, dass sie nur Sinn macht wenn man vom Kapitalismus als der natürlichsten Gesellschaftsform von Menschen ausgeht. Gehandelt haben Menschen nämlich schon immer.

5 Christian Siefkes (11.12.2019, 18:38 Uhr)

@Serdar: Zur Alternate History sehe ich es wie Benni. Die Kritik an der „Kommerzialisierungstheorie“ stammt von Ellen Wood, siehe dazu z.B. Wie der Kapitalismus entstand hier im Blog.

Nun ich fände es schade, wenn Bockelmann solche Kritik nicht mit in seine Arbeiten miteinbezieht.

Ich bin da leider nicht sehr optimistisch. Ich habe „Im Takt des Geldes“ gelesen und mein Verdacht ist, dass seine Thesen wie ein Kartenhaus zusammenfallen würden, wenn er versuchen würde, sie zeitlich sorgfältig mit realen Veränderungen abzugleichen. Oder selbst wenn er sich die Mühe machen würde, stringent zu argumentieren anstatt bloß mit Behauptungen und vagen Assoziationen.

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