Kategorie: Theorie

Provisorische Gedanken über Commons, Krise, ursprüngliche Akkumulation und Feminismus

Trotz unerträglicher Hitze versuche ich mich mal an einem weiterer Beitrag zur Debatte um Gemeingüter und die ursprüngliche Akkumulation.

Stefan schrieb in seinem Artikel ja nicht ganz unrichtig, dass man nicht alles in einen Topf werfen solle, dass es also signifikante Unterschiede zwischen der „ursprünglichen Akkumulation“ wie sie Marx beschreibt, der „fortgesetzten ursprünglichen Akkumulation“ wie sie Luxemburg beschreibt und der Einhegung der Commons damals und heute gibt. Ich habe dazu ein paar noch ziemlich ungeordnete Gedanken (wie schon der Titel deutlich machen sollte). Und wie es so meine Art ist, mißbrauche ich euch, um sie zu ordnen.

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Ist doch logisch!

Wertkritisches Magazin »Streifzüge« aus WienVom »Logischen« handelt meine aktuelle »Immaterial World«-Kolumne in den Wiener »Streifzügen«. Inspiriert wurde ich zu dem Thema unter anderem durch Diskussionen hier im Blog und durch Sahra Wagenknecht (»Vom Kopf auf die Füße? Zur Hegelrezeption des jungen Marx«), die lieber bei der Philosophie hätte bleiben sollen, als Politikerin zu werden.

Ach ja: Die Literaturangabe »MEW 23« in der Kolumne ist das Werk »Das Kapital« von Karl Marx — damit Benni nicht schimpft 😉

Planned capitalism

[This is a translation of the corresponding german post]

Now I have yet to write about the »New Socialism« of Cockshott/Cottrell, although the respective book (german: »Alternativen aus dem Rechner«, english: »Towards a New Socialism«) is still lying on the pile of unread books. Motive of this post is an interview with Allin Cottrell in »junge Welt« (leftwing german daily newspaper). There Cottrell argues, that the planned economy of the Soviet Union has failed due to its limited capacities of computing power. However, within the arms industry they had done well.

But they did not have computing resources, in order to extend detailed planning to the entire civil economy; they only could concentrate on a small subset of the products. [own translation of all quotes]

How do Cockshott/Cottrell view the new socialism, for which they see a chance of realization in Venezuela and Bolivia?
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Utopistik

Immanuel Wallerstein, UtopistikIch habe gerade das kleine Büchlein „Utopistik“ von Immanuel Wallerstein gelesen. Der Untertitel „historische Alternativen des 21. Jahrhunderts“ klingt natürlich für uns vielversprechend. Die Analyseseite ist auch sehr interessant, seine Vorschläge für die „historischen Alternativen“ fallen dagegen aber stark ab. Ok, das Buch stammt auch schon von 1998, vielleicht ist in den letzten zehn Jahren halt doch einfach auch schon eine ganze Menge passiert wovon Wallerstein keine Ahnung haben konnte.

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Einladung zum Peer-Ökonomie-Wochenende in Hiddinghausen

Titelbild des deutschen Peerconomy-BuchsIn Uli Franks wunderschönem (und als Veranstaltungsort beliebtem) Haus in Hiddinghausen wird es Ende August ein langes Diskussionswochenende zur Peer-Ökonomie geben. Hier der Ankündigungstext, großteils geschrieben von Uli Frank:

„So geht das nicht weiter!“ oder: „Das ganze System wird zusammenbrechen!“ kann man inzwischen häufig hören. Unter Kritikern gibt es schon die Wette, ob das „System“ eher an ökologischen Problemen oder ökonomisch – also an seinen eigenen Widersprüchen – zugrunde gehen wird.

Aber ganz unpopulär scheint die Debatte darüber, WIE es ANDERS weitergehen könnte. Zukunftsentwürfe finden kaum Aufmerksamkeit. Und es ist ja durchaus vernünftig, gegenüber irgendwelchen „Visionen“ und Phantasien skeptisch zu sein: Wie wir aus der Geschichte der utopischen Literatur wissen, sind die großen Entwürfe oft fast lächerlich eng der Welt ihrer Autoren verhaftet.

Wenn wir wirklich etwas NEUES meinen, so kann das nicht das alte sein.

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Geplanter Kapitalismus

Cockshott/Cottrell: Alternativen aus dem RechnerJetzt muss ich doch schon mal über den »New Socialism« von Cockshott/Cottrell schreiben, obwohl das entsprechende Buch (deutsch: »Alternativen aus dem Rechner«, englisch: »Towards a New Socialism«) noch immer auf dem Stapel ungelesener Bücher liegt. Anlass ist ein Interview von Allin Cottrell in der »jungen Welt«. Cottrell vertritt dort die These, dass die Planwirtschaft der Sowjetunion an zu geringen Rechnerkapazitäten gescheitert sei. In der Rüstungsindustrie hätten sie das ja noch ganz gut hinbekommen:

Aber sie hatten nicht die Computerressourcen, um eine detaillierte Planung auf die gesamte zivile Wirtschaft auszudehnen; sie konnten sich nur auf eine kleine Teilmenge der Produkte konzentrieren.

Wie stellen sich Cockshott/Cottrell den neuen Sozialismus vor, für den sie in Venezuela und Bolivien eine Chance zur Umsetzung sehen?
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Commons-Werkstatt Jena

Die rührige Zukunftswerkstatt Jena hat ein neues Projekt gestartet: Die Commons-Werkstatt. Die Commons-Werkstatt beteiligt sich an der Alternativ-Uni Jena und hat für die erste Veranstaltung einen sehr schönen Text geschrieben: »Commons und Peer-Ökonomie« (zur Zeit leider nur als PDF). Darin werden unter anderem die Debatten hier auf keimform.de reflektiert und zu einem übersichtlichen Text zusammengestellt — der Stand der Debatte sozusagen. Und die Perspektive ist klar:

Die Commons-Debatte lebt vor allem davon, endlich wieder eine antikapitalistische Sichtweise und Praxis begründen zu können, ohne sich in alte Kämpfe zu verwickeln. Es besteht die Hoffnung, dass die Dynamik der Commons den Kapitalismus überwindet, sie soll sich nicht wie die früheren Alternativprojekte in Nischen festsetzen, sondern durchaus „aggressiv und expansiv“ [Nick Dyer-Witheford: Commonism] wirken. (Seite 11f)

Weiter so!

[Update]

Dazu schrieb auch der CommonsBlog — viel ausführlicher 🙂

Moores Law und die Vermessung der Maßlosigkeit

Der Kapitalismus ist eine maßlose Veranstaltung. Der sich selbst verwertende Wert kennt keine Grenze. Das ist ja eines seiner großen Probleme. Denn dem entgegen stehen ja die menschlichen Bedürfnisse, die immer endlich sind. Der Kapitalismus misst dabei alles in seiner Maßlosigkeit. Nur was Wert hat, hat eine Existenzberechtigung. Menschliche Bedürfnisse verhalten sich genau umgekehrt: Sie haben immer Maß, sind aber nie zu messen. Zumindestens nicht vollständig. Kein menschliches Bedürfnis geht in seiner Meßbarkeit auf. Es mag sein, dass ich soundsoviel Wasser, soundsoviel Kalorien und soundsoviel Vitamine am Tag brauche zum Leben, aber das beschreibt niemals vollständig und qualitativ mein Bedürfnis nach Essen. Der Kapitalismus ist also die Vermessung der Maßlosigkeit, aber die menschlichen Bedürfnisse haben ein unmeßbares Maß.

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Crashkurs zum Crashkurs

Der Förderverein Krisis lädt ein zum Seminar »Crashkurs – Finanzmarktkrise, Peak Oil und die Grenzen der Warengesellschaft«, 3. bis 5. Oktober 2008, in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, 91472 Ipsheim.

Am Samstag halte ich einen Vortrag zur Begründung der »Universalgüterthese« (vgl dazu: 1|2|3|4), die ich aus dem Begriff der »allgemeinen Arbeit« bei Herrn Marx (mit freundlicher Unterstützung von Herrn Hegel) entwickle. Ganz knapp besagt die Universalgüterthese, dass digitale Informationsgüter grundsätzlich ökonomisch wertlos sind, obwohl sie durchaus einen Preis haben können (aber nicht müssen). Die These wurde von Ernst Lohoff entwickelt, der sie im Kern damit begründet, dass digitale Informationsgüter nicht getauscht, sondern verbreitet werden, da kein »Händewechsel« stattfindet (der Verkäufer gibt nichts her, sondern kann Kopien beliebig oft »verkaufen«).

Das »Wissensthema« ist eingebettet in das Hauptthema des Seminars: die aktuellen Krisen und ihre subjektive Verarbeitung.

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Der alte Marx und die Probleme des Kapitalismus

In einem seiner letzten Artikel hat Stefan den jungen Karl Marx lobend zitiert:

Marx geht hier von einem “menschlichen Wesen” aus, das unter den Bedingungen der Privatproduktion nicht zur Geltung kommen kann und dadurch sich selbst fremd werde. In der Entfremdung sieht Marx den Antrieb für die Aufhebung des (frühen) Kapitalismus.

Der alte MarxSpäter hat Marx diese frühe Auffassung als idealistisch und idealisierend kritisiert (und damit immer auch normalisierend – wie geht man mit Menschen um, die dem postulierten “menschlichen Wesen” nicht entsprechen oder entsprechen wollen?). In seinen späteren Texten hat Marx es deshalb konsequent vermieden, überhaupt mit irgendwelchen Annahmen über ein “menschlichen Wesen” zu argumentieren (abgesehen von tautologischen Annahmen wie dass Menschen so leben möchten, wie sie leben möchten, oder dass sie möglichst wenig von dem tun wollen, was sie nicht tun wollen).

Stefan kritisiert, dass dieser Verzicht auf ein postuliertes Menschenbild dazu führt, dass nicht mehr klar wird, warum man den Kapitalismus überhaupt überwinden solle. Eine positive “Quelle der Veränderung” könne “nur die entfaltete Individualität des Menschen sein”, die es (gemäß dem angenommenen Menschenbild) genießen, gemeinsam für andere zu produzieren und dabei deren Bedürfnisse zu befriedigen, wie das bei der freiwilligen Entwicklung Freier Software der Fall ist. Wenn es darum gehen soll, andere zu überzeugen, hat diese Argumentation allerdings einen doppelten Haken.

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