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Veranstaltung: Klima und Klassenkampf

Im Anschluss an unseren Podcast zum Thema neulich wurde ich eingeladen eine Veranstaltung zur Klimakrise in Berlin mit zu gestalten. Hier die Einladung:

Klima und Klassenkampf: Vortrag und Diskussion

Zeit: Dienstag, 2.7., 20 Uhr
Ort: Berlin, Schwester Martha
(Ex-Rauchhaus – Mariannenplatz 1a, Eingang über Bethaniendamm)

Alle reden über das Klima. Viele Linke sind auch dafür. Aber meistens nur verbunden mit einem “, aber sozial muss es sein!” oder mit einem “Im Kapitalismus kann das halt nicht funktionieren!”. Benni Bärmann (keimform.de) erzählt euch ein bisschen was dazu, warum er das für den falschen Ansatz hält und wie Klassenkampf fürs Klima statt dessen aussehen und was das mit der Konstruktion des Kommunismus zu tun haben könnte.

Der Raum ist nicht barrierefrei und über vier Stufen zu erreichen. Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt. Es wird veganes Essen und viel Zeit zum Vernetzen im Anschluss der Veranstaltung geben.

Update: Hier gibts eine Audioaufzeichnung.

Kategorien: Commons, Reichtum & Knappheit, Termine

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28. Juni 2019, 08:07 Uhr   12 Kommentare

1 Silke (28.06.2019, 14:20 Uhr)

Kurze Frage: welcher Gedanke steckt hinter dieser Formulierung: „Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt“. Hab ich da was verpasst?

2 Benni Bärmann (28.06.2019, 22:37 Uhr)

@silke: die formulierung ist nicht von mir aber gemeint ist vermutlich dass die veranstaltung auf deutsch ist und es auch keinen gebärdendolmetscher gibt.

3 Silke Helfrich (29.06.2019, 10:40 Uhr)

ah, ja, das ist logo. Danke.

4 Benni Bärmann (11.07.2019, 13:56 Uhr)

Hier gibts ne Audioaufzeichnung: https://www.freie-radios.net/96231

5 Wolf (22.07.2019, 09:57 Uhr)

Ganz schnell irgendwie aktiv werden?

Ich habe mir den ersten Teil angehört. Einige Notizen, die, bevor ich sie kommentiere, gern von anderen besprochen werden können. Auffällig ist, soviel sei vorab gesagt, dass da eine Menge Naivität und Unklarheit herüberkommt. „Irgendwie“ soll alles Mögliche geändert werden. Dieser Begriff ist schon lange ein Sprachdenkmal und passt gut zur Abneigung der Moderatorin gegen wissenschaftliche Diskussionen.
>Wir alle verdrängen den Klimawandel. Das geht bis zu den Linksradikalen, die sagen, wir müssen den Kapitalismus beseitigen, nur dann kann man klimafreundlich agieren. Nun bezweifle ich, dass wir in den achteinhalb Jahren, die für eine klimafreundliche Politik vielleicht noch zur Verfügung stehen, den Kapitalismus abschaffen können. Und ich kann mir vorstellen, dass auch in nicht kapitalistischen Staaten eine klimafreundliche Politik betrieben werden kann.
Grüne und Linkspartei bieten bei diesem Thema überhaupt noch irgendetwas an. Doch da sieht man, dass das viel zu wenig ist.
Streiken. Streiken macht Druck und an jedem Tag, an dem gestreikt wird, wird auch das Klima entlastet. Natürlich am besten global streiken.
Es kann nicht darum gehen, die Staatsmacht zu übernehmen, sondern herrschaftsfreie Strukturen zu schaffen.
Ich glaube, das Wachstum und Ressourcenschonung auch irgendwie zusammen gehen können. Es ist falsch, in die Klima Bewegung antikapitalistische Gedanken hinein bringen zu wollen. Wir müssen unsere Forderungen klarmachen, unsere Ansprüche auf eine erträgliche Umwelt. Darum geht es. Und nicht darum, die politische Macht zu erringen.<

6 Wolf (22.07.2019, 11:12 Uhr)

Diskussion: In der Diskussion werden einige wichtige Punkte benannt, die mir viel aus dem Mund nehmen. Gut so.

(Dazu einige Notizen zu dem Gesagten, meine Kommentare in Klammern)

Minute

Das große „irgendwie“ wird in einem Kommentar ab Minute 4.30 angegriffen. Da wird gesagt, dass man umziehen muss, wenn der Meeresspiegel steigt, ist eigentlich kein Problem. Nur, wenn die ganze Welt aus Privateigentum besteht, dann ist das Problem da. Da kann nicht jeder einfach umziehen, weil den meisten die Mittel dazu fehlen. Man muss also erst mal erklären, was Kapitalismus ist. Da kommt man nicht drum herum.

Antwort von Bärmann: Du gehst auf das Bewusstsein. Ich glaube, Geschichte funktioniert zum großen Teil unbewusst. Das ist auch gut so. Sonst müsste man ja verzweifeln.
Andererseits, man kann an den vielen Protestbewegungen sehen, dass da ein, wenn auch oft sehr abstrakter und schlecht begründeter Antikapitalismus vielfach unterwegs ist.

(Bärmann solte sich entscheiden, ob Geschichte „unbewusst“ passiert, oder ob da ein „schlecht begründeter Antikapitalismus“ (was soll das sein?) unterwegs ist. Antikapitalismus setzt ja ein Bewusstsein voraus, mag es falsch oder richtig sein. Dass die meisten Leute, die heute protestieren, Kapitalismus höchstens immanent angreifen, also lauter verbesserungsvorschläge anbringen wie „sozial gerecht“ solls zugehen, will Bärmann nicht auffallen.)

11. Minute. Ich halte die FFF- Bewegung für ein enormes Potential. Damit lässt sich einiges anfangen.

(Komisch, der weltweite Hunger, fortgesetzte Kriege, zunehmende Armut, all das und die Proteste dagegen sollen gar nicht so ein enormes Potenzial haben wie die große Panik vor dem Klimawandel. Woher soll denn plötzlich ein Bewusstsein für die Ursachen der ganzen Misere kommen, wenn allein die Tatsache, dass Millionen Menschen täglich hungern und vorzeitig sterben, gar nicht soviel Proteste auslöst, der das Potential hat, dass sich da an den Ursachen etwas ändert? Denn die reale Not, das, was auch in den Nachrichten zu sehen ist, scheint gar nicht genug Protest Basis herzugeben. Erst, wenn die Abstraktion „Weltuntergang“ vor Augen steht, da sollen ganz viele Menschen politisch aktiv werden?)

16. Wissenschaftler empfehlen in vielfach den Protestlern, sich mit
ihren Forderungen an den Staat zu wenden. Dabei organisiert der Staat
doch eben das, was die Schäden verursacht. Da muss man sich erstmal
darüber klar werden. Der Staat kann nicht gegen seine Interessen
handeln. Er kann versuchen, Schäden zu mildern oder Katastrophen
hinauszuschieben. Die Gründe für die Schäden wird er nicht beseitigen.

(Ein sehr vernünftiger Gedanke. Staatsinteressen werden von den meisten Protestlern, auch von linken, gar nicht thematisiert)

Minute
18. Es hilft total viel, wenn man weniger arbeiten geht. Denn mit
unserer Arbeit sind wir Teil der Kraft, welche die Natur zerstört.

(Ja, man braucht auch gar nicht das Geld, das man für die Arbeit erhält… )

Minute
22. Streik ist bei denen am effektivsten, die mitten in der Produktion
stehen. Wenn etwa ein Baggerführer streikt. Doch der Baggerführer wie
auch das Flughafenpersonal haben wenig Interesse am Streik.

(Ja,
sie wollen ihren Job um jeden Preis behalten. Denn sie halten den Lohn
für ein gutes Mittel für ein schönes Leben. Vielleicht sollte da mal die
Aufklärung beginnen. Und vielleicht sollten sich Studenten Mitarbeitern
unterhalten und nicht nur in ihren ich sage mal böse elitären Zirkeln
bleiben)

Minute 23. Es gibt extrem viele Aktionsformen, und ich finde, dass die alle extrem wichtig sind.

(Wieder wird die richtige Theorie umgangen und aktionistisch
polemisiert. Wie kann man ohne die richtige Theorie richtig handeln ?)

7 Benni Bärmann (22.07.2019, 14:21 Uhr)

@wolf: Sorry, da antworte ich jetzt nicht drauf. Du willst mich offensichtlich nicht verstehen. Zu all dem hab ich hier und andernorts schon oft was gesagt. Mag das jetzt nicht alles wiederholen nur um Deine Strohmänner zu entkräften.

8 Wolf (23.07.2019, 09:18 Uhr)

@Benni Bärmann: Danke für Deine Antwort. Du scheinst Probleme damit zu haben, mit einer ausgeführten Kritik umzugehen. Wo versteckt sich Dein Argument? Mit Verschwörungstheorien („Strohmänner“?) kommst du in politischen Diskussionen nicht weit. Aber schön, dass Du antwortest, obwohl du „nicht antwortest“.

9 Benni Bärmann (23.07.2019, 19:06 Uhr)

@wolf: hä? verschwörungstheorie? offensichtlich weisst du nicht wovon du redest: https://de.wikipedia.org/wiki/Strohmann-Argument

ich werde nicht meine zeit verschwenden zu widerlegen, was ich gar nicht gesagt hab. hör halt erst mal richtig zu.

10 Smells like Paco Rabanne (28.07.2019, 18:16 Uhr)

@Wolf

Erst, wenn die Abstraktion „Weltuntergang“ vor Augen steht, da sollen ganz viele Menschen politisch aktiv werden? – „Wolf“

Naja, 68 sind viele über den Vietnamkrieg politisiert worden. Damals konnten die Studenten sich theoretisch jedoch nur von Habermas und ähnlichen bedienen lassen. Das Angebot ist heute besser – nämlich gerade die Theoriebedürftigen von damals. 
Ich gebe dir aber recht „Wolf“, da muss man was tun, und nicht einfach zuschauen, was daraus wird. Denn Homobewegung, Frauenbewegung, Friedensbewegung, Grünen etc. sind alle im System angekommen.

11 Benni Bärmann (29.07.2019, 07:14 Uhr)

@smells: Ja klar, die Leute brauchen nur die nötige Theorie und jemand muss sie ihnen erklären, dann wird der Kapitalismus wanken. Glaub ihr da ernsthaft dran?

Vielleicht geht es einfach gar nicht darum wie sehr wer „im System ankommt“ (als seien wir nicht alle immer schon „im System“), sondern einfach darum, dass relativ klar ist, was getan werden muss auf einer materiellen Ebene um eine globale Katastrophe in Zeitlupe von noch nie dagewesenen Ausmass zu verhindern? Vielleicht geht es darum, dass es Leute gibt, die das verstanden haben und andere, die das verdrängen? Es scheint mir euer vermeintlich radikal-kritischer Umgang mit dem Thema ist auch eine solche Form des Verdrängens.

12 Wolf (29.07.2019, 07:55 Uhr)

@Smells like Paco Rabanne
Das theoretische Angebot war vor hundert Jahren mit der Kritik der politischen Ökonomie von Marx schon recht konkret und umfassend. Es gab viele Arbeiter, die wussten, was Kapitalismus bedeutet und wie er ihnen schadet. Blöderweise haben sich immer mehr Leute von der Sozialdemokratie vereinnahmen lassen, die damals schon mit lauter Verbesserungsvorschlägen antrat. (Was die von dir genannten Bewegungen nicht anders machen)

Habermas und die Frankfurter Schule waren leider auch solche Kapitalismusverbesserer. Hier eine konkrete Betrachtung dazu, von einem der letzten ernstzunehmenden Vereine, der ehemaligen „Marxistischen Gruppe“ (MG):
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/juergen-habermas-werk

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