Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
Artikel drucken

Kapitalismus der Dinge

Für mich waren die Commons in vielerlei Hinsicht eine Erleuchtung. Wenn Commons nicht bloß eine »Sache« ist, sondern vor allen die soziale Art und Weise, eine »Sache« herzustellen und zu erhalten, dann gilt das auch für die kapitalistische Elementareinheit, die Ware. Auch die Ware liegt nicht bloß im Regal und wartet darauf gekauft zu werden, sondern sie steht für die soziale Beziehung, die erforderlich ist, sie herzustellen (um Erhalten geht es selten).

Wenn das so ist, dann müsste man die »Sozialität« den Waren oder den Commons als Sachen auch ansehen. Sie müssten die sozialen Beziehungen, die »in sie geflossen sind« auch in ihrer Gestalt zeigen, dachte ich mir. Es ist so. Auf drastische Weise zeigt das der Film Behind the Screen.

Wieso soll man den Handy- und Computer-Waren ihre »Sozialität« ansehen, sie sehen doch im allgemeinen ganz schick aus, oder? Eben. So wie über die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Mantel des Schweigens gedeckt wird, erhält die Ware eine schickes Outfit. Do not open!  Nicht hingucken und nicht reingucken.

Was man sieht, wenn man mal hinguckt

… davon handelt der Film Behind the Screen. Er zeigt die zwei Seiten der Warenproduktion: vor der Nutzung durch einen Käufer und danach. Vor der Nutzung geht es um werbewirksame Leistung und Outfit. Für Handys und Computer werden weltweit seltene Rohstoffe eingekauft, die unter für Mensch und Umwelt unvollstellbar zerstörerischen Methoden gewonnen werden. Der Zusammenbau erfolgt in abgeschotteten Fabriken, die nur dann Schlagzeilen machen, wenn die Selbstmordrate der Arbeiterinnen ein gewisses Maß überschreitet.

Und schließlich das Ende der Waren. Ungefähr drei Viertel des Elektronikschrotts landet im Süden — deklariert als Gebrauchtgeräte, denn Müllexport ist verboten. Kinder brennen aus dem Schrott einige Metalle heraus, Kupfer und anderes, und setzen dabei Gifte frei, die sie töten werden: »Eine Menge der Kinder, die hier arbeiten, werden ihren 20. Geburtstag wohl nicht erleben«. Auch das zeigt der Film.

Was man sieht, wenn man reinguckt

… dazu muss man schon den eigenen Blick schärfen. Sieht ja alles so schick aus, auch unter der Haube. Doch was sehen wir dort: Extrem hohe Integration der kleinsten Bauteile. Die Ware ist ein monolithischer Klotz. Unreparierbar mit in der Regel inkompatiblen Komponenten, sobald man die Grenzen des Geräts verlässt, und das soll auch so sein. Neukaufen bringt Profit, nicht selbst reparieren. Modularität, Kompatiblität, Interkonnektivität, Langlebigkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit sind Fremdworte.

Ökonomen nennen die gemacht-unerwünschten Effekte Externalitäten. In Wikipedia-Worten sind es die »unkompensierten Auswirkungen ökonomischer Entscheidungen auf unbeteiligte Marktteilnehmer«. Unkompensiert, eine Verniedlichung, die das gängige Denkmuster zeigt. Denn wäre durch Kompensation etwas gewonnen? Wenn die Umwelt bereits zerstört ist und die Menschen schwer erkrankt oder gestorben sind? Sicher könnte man etwas »ausbessern« und »helfen«, im Nachhinein, aber eine Lösung wäre das nicht, eher eine Befestigung des schlechten Zustands.

Eine Lösung braucht eine neue Produktionsweise. Doch dieser Gedanke liegt völlig ausserhalb des ökonomischen Denkens. Wie eine Produktionsweise ohne destruktive Externalitäten aussehen kann, habe ich anderswo vorgestellt.

Für mich haben die Commons einen wichtigen Beitrag geleistet, um zu verstehen, dass es nicht reicht, innerhalb der bestehenden Produktionsweise andere Waren herzustellen, sondern dass die Produktion von Waren selbst das Problem ist. Warenproduktion ist nicht neutral, sondern sie verkörpert im unmittelbaren stofflichen Sinne — in den Produktionsmitteln und den Produkten — wozu sie dient: aus Geld mehr Geld zu machen. Der Film Behind the Screen liefert das (unkommentierte) Anschauungsmaterial.

Warenproduktion ist getrennte Privatproduktion. Diese Trennung erzeugt die Externalitäten, unter denen wir letztlich alle leiden (unbesehen der erheblichen Unterschiede). Commons bedeuteten im Kern Aufhebung der Trennung und Vermittlung der unterschiedlichen Bedürfnisse bevor produziert wird. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Diese Potenz der Commons gilt es allerdings erst noch zu entfalten, aber sie wird auch weltweit immer mehr erkannt.

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Theorie

Tags: , , , , , , , ,

15. Juni 2012, 07:19 Uhr   15 Kommentare

1 Benni (15.06.2012, 09:54 Uhr)

Du betonst immer so sehr das „davor“ oder „danach“ der Gesellschaftlichkeit der Produktion. Ich finde das ein bisschen den falschen Fokus. Es gibt in beiden Produktionsweisen Fälle von „davor“ und von „danach“. So gibt es ja durchaus auch bei CbPP den Fall, dass sich erst im Nachhinein feststellen lässt, welches Projekt den jetzt den Itch von genügend Leuten scratcht um am Leben zu bleiben. Und umgekehrt gibt es ja auch so was wie Marktforschung, die versucht im Vorhinein zu ermitteln, wer was haben will.

Letztlich sind beides rekursive Prozesse aus Bedürfnis und Produktion. Wo in diesem Kreislauf das „vorher“ und wo das „hinterher“ ist, finde ich nicht ganz so entscheidend (auch wenn es eine klassische marxistische Kritikfigur ist). Wichtiger finde ich, dass bei den Commons der rekursive Prozess _selbst_ das Ziel ist und eben nicht nur ein Abfallprodukt, das mal klappt und mal nicht und im Zweifel mindestens so viel kaputt macht wie erschafft so lange nur die Kasse stimmt.

Disclaimer: Den Film selbst hab ich jetzt noch gar nicht gesehen, nur Deinen Artikel dazu gelesen.

2 Jakob B. (15.06.2012, 21:49 Uhr)

Ein sehr klarer Beitrag … schön kommt mir schwer über die Lippen. Ich finde es schwierig, daran nicht zu verzweifeln, dass alles so langsam geht. Das ertragen zu müssen … .

3 Stefan Meretz (16.06.2012, 00:40 Uhr)

@Benni: Nach meiner Erfahrung ist es keine klassische marxistische Kritikfigur, oder wenn, dann wurde sie vergessen. Es wird alles irgendwie auf die Machtfrage runtergebrochen: Wenn wir die Macht haben, dann regeln wir das schon und planen die Bedürfnisse (mal platt gesagt).

Ich halte das mit dem »davor« und »danach« tatsächlich für wesentlich. Denn es geht ja nicht um irgendwas »davor« oder »danach«, sondern um die Frage der Vermittlung unterschiedlicher oder gar gegensätzlicher Bedürfnisse. Das kann der Kapitalismus schlicht gar nicht, wenn man ihn nicht dazu zwingt (z.B. durch Gesetze). Der Kapitalismus externalisiert Bedürfnis-Differenzen, und das ist nix harmloses, sondern kostet Leben und Umwelt (siehe Artikel).

Die Rekursion finde ich auch nichts spezifisches der Commons, die Ware ist extrem rekursiv, und sie ist sich selbst das Ziel (und das Mittel gleichzeitig).

Marktforschung ist natürlich ein Versuch, vor der Produktion etwas über die Bedürfnisse rauszubekommen, aber das hat nichts mit der Vermittlung von Bedürfnis-Differenzen zu tun, sondern im Gegenteil geht’s isoliert nur um jene Bedürfnisse, die auf eine Ware passen könnten.

@Jacob: Mir geht’s da mit dem »schwer nicht daran zu verzweifeln« wie dir.

4 Hermann Wick (16.06.2012, 11:25 Uhr)

Eine Möglichkeit Waren oder Produkte zu hinterfragen ist z.B. die Liste
von Kriterien die der Schweizer Soziologe und Designkritiker Lucius Burckhardt schon 1977 für neues (gutes) Design zusammenstellte. 
Er fragte:
Besteht es aus Rohstoffen, die ohne Unterdrückung
gewonnen werden?
Ist es in sinnvollen, unzerstückelten Arbeitsgängen hergestellt?
Ist es vielfach verwendbar?
Ist es langlebig?
In welchem Zustand wirft man es fort, und was wird dann daraus?
Lässt es den Benutzer von zentralen Versorgungen oder Services anhängig
werden, oder kann es dezentralisiert gebraucht werden?
Privilegiert es den Benutzer, oder regt es zur Gemeinsamkeit an? 
Ist es frei wählbar, oder zwingt es zu weiteren Käufen?

Mit dieser Liste im Kopf kann man einen großen Teil der heutzutage angebotenen Waren knicken. Andererseits stellt sie auch ein gutes Instrument für die Entwicklung neuer Produkte dar.

5 Hans-Hermann Hirschelmann (17.06.2012, 00:52 Uhr)

„Nach meiner Erfahrung ist es keine klassische marxistische Kritikfigur, oder wenn, dann wurde sie vergessen.“

Für Marx war vorausschauendes, die (wahrscheinlichen) Früchte der Anstrengungen antizipierendes Zusamenwirken das spezifisch Menschliche, und die  Entwicklung und Verallgemeinerung des Vermögens, dies zu tun, der Kern weiterer Menschwerdung bzw. Menschheitswerdung. Aber natürlich ist nach dem Spiel stets auch vor dem Spiel. 

Was verbessert werden, wachsen oder schrumpfen soll, muss immer wieder neu zur Disposition stehen und auch wirklich entschieden werden können, wenn eine Gesellschaft rational handeln können soll, was ja vor allem Lernfähigkeit voraussetzt.

Produktlinien, -qualitäten und Mengen, Standortkonkurrenz um Arbeitsplätze, Steuereinnahmim usw. müssten durch Ausschreibungen ersetzt werden mit Vorgaben im Hinblick auf soziale bzw. ökologische Produktionsbedingungen, Reperatur- und Wiederverwendungsfreundlichkeit der Produkte und ihrer Komponenten, nach dem zur ihrer Herstellung, ihres Verbrauchs und ihrer Entsorgung notwendige Ressourcenverbrauch bzw. was der jeweils sozial bzw. ökologisch bedeutet,  wie die Produktion in regionale bis – miteinander auszuhandelnde – globale Entwicklungspläne bzw. -ziele passt…. 

6 Hans-Gert Gräbe (17.06.2012, 11:57 Uhr)

Hallo Stefan, du wirfst in dem Aufsatz die Frage nach den epistemischen Grundlagen unseres „Storytellings“ auf – einerseits eine uralte Frage, das Grundthema von Philosophie schlechthin, andererseits bist du mit diesem Aufsatz nicht der Einzige, der die Grenzen unserer bisherigen Art des „Storytellings“ thematisiert. Neben dem von dir thematisierten Filter, den wir offensichtlich einschalten, gibt es noch viele andere. Wäre natürlich die Frage nach der Bedeutung solcher Filter (auch der traditionsmarxistischen) und eines „Storytellings“, in dem solche Filter (die ja zudem offensichtlich eine hohe subjektive Komponente haben) überhaupt vorkommen. Horst Müller wies mich dazu vor einiger Zeit auf Meads und dessen Konzept der Perspektiven auf eine (im dialektischen Sinne) widersprüchliche Praxis hin. Verdrängte Negativität von Praxis ist auch ein zentraler Punkt in Volker Caysas Aufsatz „Hegel im Bann des anamnestischen Materialismus; contra Ernst Blochs materialistische Anamnesis des Hegelschen Philosophie, in: Volker Caysa u. a.: »Hoffnung kann enttäuscht werden.« Ernst Bloch in Leipzig, Frankfurt am Main 1992. Siehe auch hier

7 Hans-Hermann Hirschelmann (17.06.2012, 12:28 Uhr)

Die oft zitierte Passage zur spezifisch menschlichen Art des vorausschauenden Gestaltens:

„Wir unterstellen die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschließlich angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.

Nicht dass er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muss.“

K. Marx, Kapital I, MEW 23, 193. Zitiert nach http://www.marx-forum.de/marx-lexikon/lexikon_a/arbeit.html

8 Stefan Meretz (17.06.2012, 14:31 Uhr)

@Hans-Hermann: Der Inhalt des Marx-Zitats ist auf zweifache Weise zu unspezifisch: (1) Es bezieht sich auf individuelle Antizipationen. (2) Es handelt sich um anthropologische Aussagen, die in jeder Gesellschaft gültig sind. Auch im Kapitalismus.

Dass Marxist_innen diese Art des »Storytelling« betreiben (da können noch viele mehr Zitate beigebracht werden) und mir es aber darum geht, den verselbstständigten Kanon des sich wechselseitigen Versicherns des immer Gleichen aufzubrechen, hat Hans-Gert klar erkannt.

Also nochmal: Es geht nicht um bloße »Vorausschau«. Das kann der Kapitalismus auch. Sondern es geht um die Vermittlung ex ante von unterschiedlichen Bedürfnissen bei der Herstellung der Lebensbedingungen, so das niemand mehr unter die Räder kommt. Das kann der Kapitalismus nicht und wird er auch nie können. Staatliche Vorgaben (Gesetze o.dgl.) können die Exklusions- und Externalisierungslogik nur geringfügig mildern, aber nicht ändern oder gar abschaffen.

9 Hans-Gert Gräbe (17.06.2012, 16:41 Uhr)

Das Zitat #7 ist mindestens auf eine dritte Weise unspezifisch – es thematisiert die Genese dieses „Zwecks“ nicht jenseits eines platten „Geld um des Geldes willen“ – aber ist es das, was den Baumeister vor der Biene auszeichnet? Und das macht Marx auch nirgends im Kapital.  Damit verpasst er einen entscheidenden Moment in der politökonomischen Unterlegung seines Versuchs, „vorausschauendes, die (wahrscheinlichen) Früchte der Anstrengungen antizipierendes Zusamenwirken als spezifisch Menschliches, und die Entwicklung und Verallgemeinerung des Vermögens, dies zu tun, als Kern weiterer Menschwerdung bzw. Menschheitswerdung“ zu thematisieren. Über diesen Punkt ist traditionsmarxistisches Storytelling nie hinausgegangen. Ulbrichts „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles im Griff haben“ zeigt das Dilemma solchen Storytellings mit apriori gesetztem Zweck. Marx hat das an der zitierten Stelle sicher nicht so gemeint, wie es nachher praktisch umgesetzt wurde (nicht nur von Lenin, Stalin, Ulbricht, sondern auch von Marx selbst, siehe die „Sache Bakunin“).

10 Stefan Meretz (17.06.2012, 19:16 Uhr)

@Hans-Gert: Was meinst du mit der »Sache Bakunin«?

11 Hans-Gert Gräbe (17.06.2012, 21:00 Uhr)

Wikipedia: „Bakunin entwickelte die Idee des kollektivistischen Anarchismus. In der Internationalen Arbeiterassoziation war Bakunin die Hauptfigur der Antiautoritären und mit Generalratsmitglied Karl Marx im Konflikt, was zur Spaltung der Internationale führte und gleichzeitig zur Trennung der anarchistischen Bewegung von der kommunistischen Bewegung und der Sozialdemokratie„. Details dazu sind einfach zu ergoogeln.

12 Hans-Hermann Hirschelmann (17.06.2012, 23:27 Uhr)

Über diesen Punkt ist traditionsmarxistisches Storytelling nie hinausgegangen. Ulbrichts “Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles im Griff haben” zeigt das Dilemma solchen Storytellings mit apriori gesetztem Zweck.

Na, wer betreibt hier bloßes „Storytelling“? Den Stalinismus aus Marx anthropologische Reflexionen in den Pariser Manuskripten abzuleiten, ist jedenfalls ein schönes Schauermärchen. Von Ulbricht und Konsorten ist vor allem die Schmähkritik auf Basis von Unterstellungen als Methode der „Auseinandersetzung“ in Erinnerung. 

Was im Übrigen – ebenso wie die Unmöglichkeit eines öffentlichen Diskurses über Ziele und Mittel der Produktion – den Grad der Abwesenheit von Kommunismus in den Ländern des so genannten „Realsozialismus“ demonstrierte.

Interessant auch, was nach euren Meinung „der Kapitalismus“ alles kann. Die Unmöglichkeit der kapitalistisch vergesellschafteten Individuen und ihrer Institutionen, Produktion und Aneignung nach mitmenschlichen Maßstäben, d.h. auf gemeinsam definierte Ziele  hin zu organisieren zeigt sich ja bestens beim Umgang mit dem anthropogenen Treibhauseffekt.

13 yt (21.06.2012, 07:35 Uhr)

Vom C64 bis zu meinem heutigen („Büro“)-PC konnte & kann ich bei jedem Gerät defekte Komponenten tauschen. 

Nur Laptops und Smartphones weigern sich hartnäckig, zumal hier eine Fehleranalyse schon an mehrtägigen Voodoo grenzt. Und das ist aus meiner Erfahrung vom Design her gewollt. Statt einer verschraubten Öffnung dort wo die Sicherungsbatterie sitzt oder die empfindlichen Buchsen, ist dort alles hermetisch abgeriegelt.Man muss zuvor sämtliche Schrauben lösen, alles Verbindungen kappen um an die häufigsten Fehlerquellen zu gelangen.Ich unterstelle den Herstellern pure Absicht, Profitsucht, Habgier.Die Firmen sind bekannt dafür. Die Geräte sollen nur bis zum nächsten neuen Hype halten.

Wer mitmacht, besinnungslos konsumiert, trägt mit Verantwortung. Sich einfach davon zu stehlen, mit fadenscheinigen Argumenten, verklausulierten Begründungen, ist billig. So billig wie die Produkte selbst. Kinder werden dahingehend erzogen, zur Wegwerfgesellschaft. Tetrapack statt Trinkflasche. Wertschätzung findet man immer seltener.

Selbst Menschen die es sich leisten könnten auf „billig“ Anbieter zu verzichten, fühlen sich benachteiligt wenn man ihnen aufbürdet doch mal Qualität aus dem Hochpreis-Segment zu kaufen. Bei den Anbietern die ihre Mitarbeiter „anständig“ entlohnen. Viele Menschen verstehen es nicht und können nicht erfassen, dass ein langlebiges Produkt ihnen sogar Geld einspart.

Und wie bei fast allen Computerproblemen sitzt das größte direkt davor. Denn eine Reperatur eines MidiTower PCs ist oftmals nicht schwieriger als eine Fahrradreparatur. Aber mit so etwas will sich ja heute scheinbar  niemand mehr die Finger schmutzig machen. Statt eines Netzteiltausches, eines neuen Mainboards oder passendem Speicher, Bios Batterie Tausch, wird ein komplett neues Gerät gekauft. Hauptargument: „Der alte war eh zu langsam.“, gefolgt von „Reparatur lohnt nicht“. 

Bequemlichkeit einer Wohlstandsgesellschaft.Das Problem bleibt nach dem Kauf eines neuen Computers, denn der alte Dickschädel bleibt.

Verantwortung beginnt bei jedem mündigen Bürger selbst.Ich fasse mich da gern auch an meine eigene Nase, denn es macht Spass an diesem Fortschritt teilzuhaben und auch wieder den Wert unserer alltäglich gewordenen Dinge zu begreifen.

Mit vernetzten Grüßen,
yt

14 Hans-Gert Gräbe (21.06.2012, 08:44 Uhr)

@yt: Früher konnte ich Grafiksoftware noch selber kompilieren, an meinem nVidia GeForce-Chip kann ich leider auch nicht mehr rumschrauben. Echt Mist, diese Art „Fortschritt“ … 🙁

15 Hans-Hermann Hirschelmann (21.06.2012, 17:33 Uhr)

Was die Story mit Marx und Bakunin angeht, ist vielleicht dieser Text von Interesse.http://www.mlwerke.de/me/me18/me18_327.htm

Aber zur Sache.  Ich würde nicht auf die Idee kommen, zu behaupten, die von mir zitierte Textpassage aus dem Kapital enthielte eine hinreichende Definition der Marxschen Perspektive einer nach mitmenschlichen Maßstäben organisierten Weltgesellschaft. Zentral ist dabei die Entwicklung und Verallgemeinerung der Fähigkeit, das globale Füreinander miteinander, d.h. als Gesellschaft zu organisieren.  (Am Ende als Weltgemeinschaft).    Es geht in der Tat um ein vorausschauendes, die (wahrscheinlichen) Früchte der Anstrengungen (inklusive der dabei zu erwartenden oder möglichen Nebenwirkungen) antizipierendes Zusamenwirken.  als Kern weiterer Menschwerdung bzw. Menschheitswerdung.

Es geht bei der Marxschen Perspektive zwar durchaus um eine Wiederherstellung der Möglichkeit zur individuellen Antizipation der Arbeitsergebnisse, aber eben dadurch, dass die Individuen teilhaben an der (welt-)gesellschaftlichen Abstimmung der Bedürfnisse und der Mittel und Zwecke sie zu realisieren bzw., sie mit den sozialen/ökologischen Kosten ihrer Befriedigung ins Benehmen zu setzen.  

Dass es im Kapitalismus Planungselemente gibt, ist richtig, und eben auch eine der Voraussetzungen dafür, dass sich das kapitalistische (ausbeuterische) Füreinander in ein kommunistisches (solidarisches) Miteinander tranformieren lässt. Das hier angeführte Beispiel einer geplanten Reperaturunfreundlichkeit beweist natürlich vor allem die Notwendigkeit einer solchen Transformation.   

Schreibe einen Kommentar