Eine Erde für alle!!

Der neue Bericht an den Club of Rome fordert Gemeingüter in einer Wohlergehensökonomie

Es gibt einen neuen Bericht an den Club of Rome. Ja, das war das, was unter dem Titel „Grenzen des Wachstums“ vor genau 50 Jahren zwar berühmt wurde, aber keine Abkehr vom „Business as usual“ erreichen konnte. Nach 20, 30 und auch nach 40 Jahren gab es jeweils neue Versionen, bei denen die Annahmen über die Ressourcenverfügbarkeit und neues Wissen über die Gefahr des Klima-Umbruchs eingearbeitet wurden. Die natürlichen Lebensgrundlagen schwinden, soziale Stabilität geht verloren, die Krisen schaukeln sich auf…

Der neue Bericht an den Club of Rome, der unter dem Titel „Earth for All“ gerade erschien, hat den Fokus ausdrücklich auf gesellschaftliche Probleme gelegt. Um dem verhängnisvollen Szenarium „Too little too late“ zu entkommen, sei ein „Giant Leap“ notwendig, der fünf disruptive Kehrtwenden erfordert. Diese Kehrtwenden fordern die Beendigung der Armut, die Beseitigung der eklatanten Ungleichheit, die Ermächtigung der Frauen, den Aufbau eines für Menschen und Ökosysteme gesunden Nahrungsmittelsystems und der Übergang zu „sauberer“ Energie. Die Frage der ungleichen Verteilung der Vermögen wie auch der Verursachung der Schäden steht immer wieder im Mittelpunkt. Gefordert wird eine progressive Einkommenssteuer, die Stärkung der Verhandlungsmacht von Arbeitnehmer:innen, und die Verteilung einer allgemeinen Grunddividende. Die Wirtschaft wird im negativen Sinn auch als „kapitalistische“ bezeichnet, ohne einen ausreichenden Begriff davon zu haben. Gefordert wird sachlich neben der „Umverteilung des Wohlstands“, der „nicht verhandelbar“ ist, auch eine „Umstellung auf bewusstere Produktion und geringeren Konsum“ in einer allgemeinen Kreislaufwirtschaft. Es soll nicht mehr darum gehen, „Geld zu bewegen, sondern den Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen“, so dass eine „Wohlergehensökonomie“ entsteht.

Die eben genannte Umverteilung soll darauf beruhen, dass der „Privatsektor“ für die „Nutzung nationaler und globaler Gemeingüter“ zahlen soll. Diese Einnahmen fließen in einen nationalen Bürgerfond, der „mittels einer allgemeinen Grunddividende gleichmäßig an alle Bürgerinnen und Bürger ausgeschüttet“ wird. Auf diese Weise kann „ein allgemeines Grundeinkommen in Form einer Global Commons Dividend“ entstehen. Auch die an Kohlenstoffemissionen gebundenen Abgaben sollen an alle Bürgerinnen und Bürger umverteilt werden. Der Bezug auf die Commons wird auch mit der historischen „Einhegung der Allmende“ unterfüttert: „Sollte das durch die Einhegung von Land, Daten und öffentlich finanziertem Wissen generierte Vermögen nicht vielleicht von einer großen Gruppe von Menschen, vielleicht sogar von allen Bürgerinnen und Bürgern, geteilt werden?“ Unter der Zwischenüberschrift: „Eine neue Sicht der Gemeingüter im Anthropozän“ wird auch mit Verweis auf E. Ostrom geschrieben: „Wenn man die Wirtschaft weiter zurückverfolgt oder in der modernen Welt nach alternativen Modellen sucht, stößt man auf ein wirtschaftliches Organisationsprinzip, das dem heutigen Rentierkapitalismus diametral entgegengesetzt ist. Es beruht auf dem ursprünglichen Narrativ, dem zufolge das Wohlergehen der Menschen durch die Sicherstellung der ihnen allen gemeinsamen Güter, der Commons, hergestellt werden soll.“

Dabei geht es auch nicht nur um eine Umverteilung der Dividende, sondern auch um Teilhabe. Es geht nicht nur um Ressourcen, sondern um „soziale Prozesse, die kooperative Beziehungen fördern und vertiefen […], eine neue Logik der Produktion und neue Produktionsprozesse“ sowie einen „Paradigmenwechsel, der die Commons als einen Fortschritt gegenüber dem klassischen binären Gegensatz Markt/Staat oder öffentlich/privat begreift“.

„Die Herausforderung besteht heute im Wiederaufbau eines wirtschaftlichen Betriebssystems, das die Gemeingüter wertschätzt und das unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts funktioniert.“

Leider sind die Autor:innen des Berichts nicht in der Lage, diese Commoning-Strategien klar von kapitalistischen Strukturen zu trennen. Sie meinen, „dass viele der Instrumente, die diesen Übergang ermöglichen, in unserem bestehenden System verwurzelt sind“. Die Wurzeln des Kapitalismus sollen also nicht in Frage gestellt werden, sondern es werden illusionäre Hoffnungen darauf entwickelt, dass sich auch „viele prominente Millionäre und Milliardäre“ zu einer gerechtere Vermögensverteilung überreden lassen.

Falls es überhaupt dazu kommt, dass dieser neue Bericht an den Club of Rome in eine größere Debatte kommt, sollten mehr Menschen dazu kommen, über die Bedeutung der Gemeingüter nachzudenken. Allerdings muss diese Debatte aufgefangen und in unserem radikaleren, antikapitalistischen Sinne umgedeutet werden.

Quelle:
Dixxon-Decléve, Sandrine; Gaffney, Owen; Ghosh, Jayati; Randers, Jørgen; Rockström, Johan; Stoknes, Per Espen (2022): Earth for all. Ein Survivalguide für unseren Planeten. Der neue Bericht an den Club of Rome, 50 Jahre nach „Die Grenzen des Wachstums“. München: oekom.

Verwandte Artikel

Schlagwörter:,

Einen Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert