Kategorie: Commons

Kaskade

[alle Texte der Broschüre „ich tausch nicht mehr – ich will mein Leben zurück“]
Cover der Broschüre "ich tausch nicht mehr - ich will mein Leben zurück"

Eine Kaskade (von italienisch cascare „fallen“) ist … ein Wasserfall, … der über mehrere Stufen fällt.“ (Wikipedia)

Alle geben ihre Überschüsse in eine gemeinsame Schale, alle können sich bei Bedarf aus der Schale nehmen. Was dann noch übrig bleibt, fließt in die nächste Schale. Aus dieser werden dann Projekte aus dem direkten Kaskaden-Umfeld unterstützt. Auch von hier kann Geld in die nächste Schale für Projekte in weiterer Entfernung zur Kaskade fließen.

Das Ziel ist die Absicherung der Menschen,
die in nichtkommerziellen Projekten aktiv sind

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Bedürfnisse statt Waren – geht das so einfach?

Konzeptuelle Probleme einer unkritischen Bedürfnisorientierung in der Phase der Koexistenz mit der kapitalistischen Warenproduktion

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Vorbemerkung:

Ausgangspunkt für meinen Beitrag waren Probleme und Mängel, die ich in der Theorie und Praxis des NK-Projekts Lokomotive Karlshof zu erkennen glaubte. Ein theoretischer Mangel unseres Konzeptes einer „nichtkommerziellen Landwirtschaft“ (NKL) war, dass wir zwar eine gesellschaftliche Zielvorstellung entwickelt hatten und diese mit unserer NKL exemplarisch und auf der gesellschaftlich untersten Ebene direkter sozialer Beziehungen in eine experimentelle Praxis umsetzen wollten. Eine theoretische Vorstellung von der Ausweitung des NK-Gedankens auf weitere gesellschaftliche Ebenen – unerlässlich für die Entwicklung zu einer echten Alternative zur kapitalistischen Warenproduktion – hatten wir jedoch absichtlich nicht entwickelt. Wir wollten nicht noch einen weiteren „Königsweg“ heraus aus dem Kapitalismus entwerfen.

Vielmehr waren wir überzeugt, dass es in einem solchen Aufhebungsprozess eine Vielzahl von möglichen Praxiswegen geben würde, solange darauf geachtet würde, dass diese nicht wieder in die Verwertungsökonomie zurück führten. Da sich mit der dauerhaften Begrenzung der NK-Praxis auf unser kleines Experiment aber keine emanzipatorische Vorstellung verbinden ließ, führte diese Weigerung, eine Ausweitung theoretisch zu formulieren, bei den Beteiligten zur Entwicklung relativ vager und individuell unterschiedlicher Vorstellungen von einem sich (qualitativ und quantitativ) ausdehnenden Netzwerk nicht wertvermittelter Austauschbeziehungen. Beflügelt von unserem Erfolg gesellte sich dazu bald die Vorstellung, dass sich solche nichtkommerzielle „Inseln“ gesellschaftlich vervielfältigen und wir allein dadurch unserem Ziel näher kommen würden. Da diese Vorstellungen aber keiner theoretischen Überprüfung unterzogen wurden, kamen auch die Probleme und Widersprüchlichkeiten, die sie für die Theorie einer gesamtgesellschaftlichen Aufhebung der Wertvergesellschaftung beherbergen könnten, nicht in unser Blickfeld. Dies ist jedoch nicht das Thema des hier vorgelegten Beitrags.

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Zur Auseinandersetzung mit verinnerlichten Herrschaftsverhältnissen oder Stichprobe einer NK*Innerei

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Dieta: Die Sensoren zeigen chronometrische Partikel, die die Sphäre verlassen!
Pieta: Die wiederum erzeugen einen Zeitwirbel.
Namba One: Booaah! Eine Zeitreise!
Pieta: Halten sie Kurs, Mr. Hawk! [1]

Nachdem sich das Raumschiff Enterprise durch einen Zeittunnel mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit verirrt hatte, erklärt der Kapitän des Raumschiffs einer Erdenbewohner*in, dass in der Zukunft, aus der er kommt, die Menschheit das Geld längst abgeschafft habe.

Die Menschen strebten schon lange nicht mehr nach Reichtum und Macht, sondern nach individueller Verbesserung und nach der Entwicklung der gesamten Menschheit.

Die Szene stammt aus dem Film Star Trek: First Contact.

In einer militärisch-hierarchisch organisierten Welt wie in dieser Filmstory bleibt diese Utopie für mich jedoch nichts weiter als eine romantisierte Illusion.

In angestrebt hierarchiefreien, selbstorganisierten Gemeinschaften wird die Vision eines Miteinanders, welches nicht auf Geld, einem anderem Gegenwert oder Zwang beruht, für mich schon eher denkbar. In den bisherigen Versuchen „nicht-kommerziellen Lebens“ [2], denen ich beiwohnen durfte, entdeck(t)e ich allerdings viele Probleme.

Diese Probleme will ich grob unter dem Begriff „verinnerlichter Kapitalismus[3] zusammenfassen, wenngleich auch andere Prägungen, wie z.B. religiöse und kulturelle eine Rolle spielen. In der Begrenzung des hier gesetzten Rahmens werde ich jedoch nur stichprobenartig einen Einblick in diese Probleme versuchen und bin mir der Begrenztheit dessen bewusst.

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Bedürfnis – und Prozessorientierung

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Ich habe mich entschlossen, einen Text zu genau diesem Thema zu schreiben, weil es mir in meiner ganz persönlichen NK-Praxis immer wieder begegnet.

Mir scheint, NK ist als Experimentierfeld bestens geeignet, um darin auch den eigenen Bedürfnissen auf die Spur zu kommen. Die Auseinandersetzungen im Kost-Nix-Laden Schenke [1], meine Besuche auf dem Karlshof [2], die Entwicklungen rund um Ko.Sy [3], die Problemstellungen, die sich in meiner gemeinsamen Ökonomie ergeben und vieles mehr zeigt mir immer wieder auf, wie wichtig es ist, mir meiner Bedürfnisse bewusst zu sein. Denn präsent sind sie so oder so. Einfluss auf mein Handeln und Verhalten haben sie auch. Jetzt brauch ich sie mir nur noch bewusst zu machen und dann klar kommunizieren und dann noch andere in ihren Bedürfnissen wahrnehmen und dann schaun, wie das zusammen passt und schwubbs, haben wir ein großartiges Zusammensein. Wenns denn so einfach wäre, was?

Aber nochmal von vorne:

Wenn von Bedürfnisorientierung gesprochen wird, entstehen ganz unterschiedliche Bilder. Vielleicht gibt es unter jenen, die sich mit gewaltfreier Kommunikation (GFK)[4] beschäftigt haben, ein spezifischeres Bild als bei jenen, denen diese nicht geläufig ist. Denn in der GFK werden Bedürfnisse von Wünschen und von Strategien zur Bedürfnisbefriedigung abgegrenzt. Ein Bedürfnis ist in der GFK allgemein gültig und nachvollziehbar. So kann zum Beispiel ein Auto besitzen oder Party machen kein Bedürfnis sein, sondern dies wären Strategien zur Befriedigung derselben. Bedürfnisse sind zum Beispiel Anerkennung, Selbstverwirklichung oder Nahrung [5].

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Commons Sommerschule 2016

BechstedtNach einem Jahr Pause ist sie wieder da: die Commons-Sommerschule. Zentrale Fragen sind in diesem Jahr sind unter anderem “Wem gehört das Land? Wem der Raum? Wem die (Kultur-)Landschaft?” Die vierte Ausgabe der Sommerschule findet vom 19. – 25. Juni 2016 wie immer im thüringischen NaturKulturHof Bechstedt statt. Alle Informationen zu Teilnahmebedingungen, Anreise, Veranstaltungsort und Programm finden sich im Sommerschul-Wiki. Die Teilnehmer*innen-Zahl ist dieses Jahr auf 18 limitiert. Anmeldeschluss ist am 12. März 2016.

„So selbstverständlich“ oder Das Problem mit dem Geben und Nehmen

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„Nimm!“

Ich drücke meiner Freundin den Schein in die Hand beim Abschied.

„Nein, nein…“

„Ja sicher, bitte, will jetzt nicht wieder drüber reden.“

Unsere ritualisierte Handlung hat begonnen.

„Nein, ich kann nicht… Und du brauchst es auch.“

Sie nimmt meine Hand, in der ich vorher das Geld gehalten hab. Ich mag wie sich ihre raue, mit Blasen bedeckte Handfläche auf meiner Haut anfühlt.

„Ich hab genug. Und du brauchst es mehr. Nimm jetzt bitte.“

Sie weiß es, ich werde insistieren, ich werde drauf bestehen, sie hat keinen Ausweg.

Sie nimmt den grünen Schein mit Sternchen. Sie schaut mich verschämt an, ihr Kopf senkt sich nach unten. Es kommt ein leises „Danke“. Danach kommt noch ein „bald werde ich mehr verdienen“ oder „bald werde ich einen Job in meiner Profession finden“.

Ich lache sie an, schaue ihr tief in die Augen. Ich lasse ein leises „sicher“ raus. Die Unglaubwürdigkeit meines Wortes fügt mir einen kurzen stechenden Schmerz im Bauch zu.

„Ich werd dich auch bald erhalten können“, sagt sie.

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Die Rebäcka …

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… ist all das, was in der „ganzen Bäckerei“ [1] in Leipzig rund ums Brotbacken läuft.

Begonnen hat dies vor vier Jahren, als zur Megabaustelle im Haus auch ein Altmärck‘scher zwei-etagiger Holzbackofen und die dauergeliehene Knetmaschine installiert wurden. Förderndes Umfeld und angezapfte Fördertöpfe sorgten für Mühlen und allerlei Schätze aus Backstubenauflösungen gesellten sich dazu. Bald soll ein zusätzlicher Elektroofen plus Gärschrank das Backen erleichtern.

Diese toll ausgestattete Backstube bietet verschiedenen Menschen Raum für ihre unterschiedlichen Backbedürfnisse.

So konnte einige Monate euphorisch gebacken werden. Nach einiger Zeit drohte der Ofen jedoch auseinanderzufallen und mit dem erkalteten Ofen lag nun auch das Backen auf Eis, löste Überforderung aus und es trat ein mehrmonatiger Stillstand ein. Irgendwann war diese Durststrecke dann aber zum Glück überwunden, der Ofen wurde repariert und die Gruppe bekam Zuwachs. Seitdem wird kräftig weiter gebacken und auf allen Ebenen an der „Struktur“ gebastelt.

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SISSI – SommerInfraStrukturSuperInitiative

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Den ganzen Sommer über, von Mai bis September, treffen sich auf dem Wukania-Projektehof Gruppen, um dort ihre Treffen, Seminare oder Feste zu machen. Sie nutzen dafür einen eigenen Bereich auf dem Projektehof, die Sissi. Es gibt zwei Zeltwiesen, eine überdachte Sommerküche, Kompostklos, Solarduschen und einen Lehmbackofen. Die Sissi ist attraktiv und fast den ganzen Sommer ausgebucht. Es lockt der Badesee, die Möglichkeit Wukania kennenzulernen, die gute Verkehrsanbindung und die Nähe zu Berlin. Sicherlich lockt die Gruppen aber auch, dass die Nutzung der Sissi grundsätzlich nichts kostet. Die Sissi ist ein „nicht-kommerzielles“ Projekt.

Der Aufbau der Infrastruktur hat natürlich Geld gekostet und auch die Erhaltung und der Betrieb verursachen einiges an Kosten. Dafür werden Spenden gesammelt. Bisher spenden vor allem die Nutzer_innen der Sissi. Nur wenige zusätzliche Spender_innen konnten bisher gewonnen werden. Doch grundsätzlich sind Nutzung und Spenden voneinander entkoppelt. Es ist egal, wer spendet, wichtig ist nur, dass genug Geld zusammenkommt und das funktioniert zur Zeit.

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Nicht-Kommerzialität im Gesundheitsbereich: die Friedelpraxis

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Friedelpraxis ist ein Experiment unter dem Motto „Gesundheit für Alle“, das wir in unserer Praxis für chinesische und osteopathische Medizin in Berlin-Neukölln im März 2013 gestartet haben. Ziel ist es, Menschen bedarfsorientiert ganzheitliche medizinische Behandlungen unabhängig ihrer ökonomischen Hintergründe zu ermöglichen. Dabei wollen wir als Behandelnde weder bedeutende materielle Einbußen erleiden, noch wollen wir, dass unsere Arbeit ein individueller Akt der Wohltätigkeit ist. Die Reflexion unseres ersten Jahres hat Anfang 2014 ergeben, dass wir weitermachen wollen.

Wesentlich dazu beigetragen hat eine wirksame Unterstützung durch Menschen, in deren Zusammenhang unsere Praxisidee entstanden ist. In regelmäßigen Abständen treffen wir uns, um alle auftauchenden Fragen und Probleme gemeinsam zu bearbeiten, politische Visionen mit unserem Handeln abzugleichen und Informationstexte zu formulieren. Die kontinuierliche Begleitung ist für uns zwei Behandelnde in vielerlei Hinsicht ein tragendes Fundament.

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Entstehung und Überwindung des Geldes

Fabian Scheidler und ich haben beim Stuttgart Open Fair Forum 2016 einen Kombi-Vortrag gehalten zur Entstehung und Überwindung des Geldes. Da Fabian erkrankt war, konnten wir ihn nur per Skype zuschalten. Hier Audio-Aufzeichnung von Fabian (OGG, MP3) sowie Folien (ODP, PDF) und Audio-Aufzeichnung (OGG, MP3) meines Beitrag (jeweils ohne Diskussion).

Teil 1 (Fabian Scheidler):

Teil 2 (Stefan Meretz):