Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
Artikel drucken

»Zeitgeist« und Commons

[There is an english version of this article]

Vor einigen Wochen ist der Film »Zeitgeist Moving Forward« erschienen (online/torrent und offline), ich habe ihn jetzt (erst) gesehen. Wow, dieser Film hat es in sich. Radikal und zwingend erzählt er das Ende des Fetischs »Marktwirtschaft«. Das hatte ich nicht erwartet. Der Trailer vermittelt davon allerdings kaum den entsprechenden Eindruck:

Worum geht’s und was hat das mit Commons zu tun?

Der Film ist voll von Informationen, so dass man sich mächtig konzentrieren muss, um all den Fakten und Statements zu folgen (v.a. wenn man die deutschen Untertitel mitlesen will). Er besteht aus vier Abschnitten: »Menschliche Natur«, »Soziale Pathologie«, »Projekt Erde«, »Aufstieg«. In allem ist der Film sehr US-zentriert. Ich will mich hier auf einige ausgewählte Aspekte konzentrieren. Ich empfehle die Besprechungen von Franz Nahrada, Andreas Exner und Tomasz Konicz, die in treffender Weise wichtige Kritik-, aber auch Lobespunkte nennen: Kritik an Wissenschafts- und Technikfetischisierung, patriachalen Sichtweisen (achtet auch mal auf die klischeehaften Hintergrundbilder von »Familie« etc.), verkürztem Geldbegriff (Geld=Schuld) etc.; Lob dafür, dass die Systemfrage gestellt und radikal mit Tausch, Geld, Markt, Staat und Politik gebrochen wird. Mit leichter Hand hängt der Film deutlich eine »Verwaltungslinke« ab, die im Sumpf des Alten befangen ist, obwohl sie doch das Gleiche will.

Im Teil »Menschliche Natur« wird viel Zeit aufgewendet, um gegen einen genetischen Determinismus zu argumentieren, gegen das »Angeboren-sein« von nahezu allem und jedem: Kriminalität, Alkoholismus, Faulheit, Übergewicht, Armut etc. Die Dummheit in den USA ist in dieser Frage offenbar grenzenlos. Nicht, dass es solche Debatten hier nicht auch gäbe, allerdings benötigen sie mehr Aufwand, um einen genetischen Determinismus zu begründen. Hervorragend ist, wie der Film immer wieder die dahinter stehenden ökonomischen Interessen dechiffiert: Knast als Profitsystem, das davon »lebt«, immer mehr Menschen einzusperren; Gesundheitswesen als System, dass nur an dauerhaft leidenden und kranken Menschen verdient und keine Interesse an wirklicher »Heilung« hat etc.

Kurzsichtig ist hingegen, dass der genetische Determinismus durch eine Art Umwelt-Determinismus ausgetauscht wird: Die Umwelt macht aus den Menschen all das, was den Genen angedichtet wird. Angeblich habe das die Wissenschaft klar erkannt, nur werde es aus ideologischen Gründen nicht zugegeben. Doch auch der Umwelt-Determinismus ist Ideologie, ist Verkürzung, blendet aus, dass Menschen selbst diese Verhältnisse herstellen, unter denen sie leben und leiden. Sich auf die »andere Seite« der dualistischen Determinismus-Sicht zu stellen, verschlimmbessert die Lage nur.

So wird zwar richtigerweise festgehalten, dass es insgesamt das sozio-ökonomische System sei, das zu verändern sei — wobei sich die Menschen dann in neuer »Umwelt« wohl schon zum Besseren verändern würden, so die Hoffnung. Nur: Wer soll das machen, wenn doch alle »Opfer der Kultur« sind? Es gibt eine unlogische Antwort: die Wissenschaftler. Warum sollten gerade diese von der »Umwelt-Determination« ausgenommen sein? Was befähigt sie zu Einsichten, die anderen verwehrt sind? Dahinter steckt die (in den oben erwähnten Artikeln kritisierte) Vorstellung einer »Neutralität von Wissenschaft«, ja eines Begriffs von »der wissenschaftlichen Methode«, der sehr gefährlich ist. Denn wer »die Methode« inne hat, der hebt sich — völlig unwissenschaftlich — aus dem Kreis der Anderen heraus, begründet einen Status höherer Einsicht, legitimer Autorität, letztlich eines Elitismus. Das muss eigentlich nicht so sein, aber im Film ist es so, und das muss kritisiert werden (sicher ausführlicher als ich das hier tue).

Auch hier kann die Alternative nun nicht ein bloßer wissenschaftlicher Relativismus stehen, nach dem irgendwie alle recht und unrecht zugleich haben — je nach dem, was man halt als »Wissenschaft« ansehen will. Auch das wäre wieder nur eine bloße dualistische Abstoßung, die zwar als Kritik »der wissenschaftlichen Methode« ihre Berechtigung hat, nicht aber als Grundlage für den Standpunkt des Relativismus dienen kann: Dogmatismus und Relativismus sind nur zwei Seiten der gleichen Verkürzung (das habe ich von Sonja gelernt, danke!). Dem gegenüber ist der Begriff der Wahrheit zu verteidigen, der jedoch eine je dem Gegenstand entsprechende wissenschaftliche Herangehensweise erfordert. Methode und Gegenstand sind eben nicht voneinander getrennt, wie »wissenschaftliche Methodisten« behaupten, und die Methode ist auch nicht »subjektiv relativ« wie »postmoderne Relativisten« meinen, sondern von ihrem Gegenstand abhängig, auf diesen bezogen und nur mit diesem gültig.

Im Teil »Soziale Pathologie« werden die geistigen Wurzeln des modernen marktwirtschaftichen Paradigmas bei John Locke und Adam Smith aufgezeigt. Das ist im Einzelnen interessant (bei Locke etwa, dass das Privateigentum »genug für alle« übrig lassen solle). Allerdings ist die Geschichte kapitalistischer Marktwirtschaft nicht nur eine Geistesgeschichte, sondern eine Realgeschichte des qualitativen Übergangs von einer agrarisch-handwerklichen zur industriellen Produktionsweise — was im Film jedoch nicht thematisiert wird. Irgendwann ist die große Industrie, die Marktwirtschaft und das Geldsystem dann »da«, und deren systematisch produzierten strukturellen Ungleichgewichte, Ressourcen-Verschwendungen und Ineffizienzen werden kritisiert.

Hervorragend ist, wie der Kapitalismus als ineffizientes System der Produktion lebensnotwendiger Güter demaskiert wird, während die ideologische Eigenzuschreibung stets das Gegenteil behauptet. Das Geldsystem wird als systematische Überschuldung und Inflationen erzeugend beschrieben, das unweigerlich auf einen Kollaps zusteuern müsse, da der Staat nicht beliebig Geld aus dem Nichts schöpfen könne, um die jeweils vorher angewachsenen und exponentiell weiter wachsenden Schulden auszugleichen. Die Rückbindung an die reale Ökonomie sowie Geld als Wert und (fiktives) Kapital kommen hier viel zu kurz. Insgesamt wird am Begriff und Konzept von »Wirtschaft« festegehalten, nur wird die »knappheitsbasierte« Marktwirtschaft als »antiwirtschaftlich« kritisiert. Stark: »Knappheit« wird als soziale Form der Warenproduktion entlarvt, die nichts oder wenig mit der »Natur« der u.U. nur begrenzt verfügbaren Güter zu tun hat: »Knappheit« wird gemacht, sie ist nicht »da«.

Im Teil »Projekt Erde« wird die Zeitgeist-Alternative der Ressourcenbasierten Wirtschaft (RBW) als »wahrhafte Wirtschaft« vorgestellt. Der Ansatzpunkt ist so schlicht wie richtig: Menschen brauchen für ihr Leben Dinge, die sie unter Nutzung von Ressourcen herstellen. Der Verbrauch der Ressourcen, also die Produktion der Güter, muss sich an der Regenerationsfähigkeit und begrenzten Verfügbarkeit der Ressourcen ausrichten, um für alle Menschen auf der Erde ein gutes Leben zu ermöglichen — heute und für zukünftige Generationen. Um das zu erreichen, müsse der Ressourcenbestand der gesamten Erde erfasst und kartiert werden, um dann wissenschaftlich begründete — und nicht politisch getriebene — Entscheidungen über den Aufbau der Produktion zu treffen. Nervig ist, dass genau an dieser Stelle die deutschen Untertitel penetrant falsch von »Waren« (anstatt von Gütern) sprechen, wo im englischen Original eindeutig von »goods« die Rede ist.

Als Beispiel wird eine Stadt des Venus-Projekts vorgestellt, die nach ingenieurmäßig-optimierten Konzepten entwickelt wurde. Nun, ich wollte in so einer Stadt nicht wohnen. Hier schlägt wieder die vorgeblich »Neutralität von Wissenschaft« durch, die sich von den Bedürfnissen der Menschen entbunden sieht — obwohl immer wieder betont wird, dass es um die Befriedigung der Bedürfnisse aller Menschen gehe. Schleicht sich hier ein, dass Experten über die Bedürfnisse anderer entscheiden? Das wäre sehr schnell eine Schreckensvision, die das Zeitgeist-Projekt gar nicht nötig hat. Genau genommen stehen kreisrunde optimierte Venus-Städte gar nicht zur Debatte, denn bei einem gesellschaftlichen Wandel zu einer RBW ginge es um ein gigantisches Transformationsprojekt der gewachsenen Strukturen in vernünftige, ressourcensparende neue Strukturen, die von den umfassenden Bedürfnissen der Menschen ausgeht. Die richtige Idee, dass Infrastrukturen möglichst effektiv eingerichtet sein müssen (daher die kreisrunde Form der Venus-Stadt), würde für real-vorhandene Städte sicherlich immense Einspareffekte ergeben ohne diese in eine kreisartige Form bringen zu müssen: Alles umzubauen wäre aus Ressourcengründen sinnlos.

Die Bedürfnisse der Menschen als Motor für eine gesellschaftliche Transformation kommen eindeutig zu kurz. Hier zeigt sich kein großes Vertrauen in die Menschen, was nicht jedoch verwundert, sieht man diese nur als »Opfer der Kultur« an. Der Gedanke, dass gerade die Separation und getrennte Befriedigung von Bedürfnissen durch »Konsum« dazu geführt hat, dass die Handlungen der Menschen hochgradig widersprüchlich und selbstschädigend sein müssen, wird zwar im ersten Teil erkannt, aber hier nicht genutzt. Denn umgekehrt würde es bedeuten, dass eine gesellschaftliche Form, die es erlaubt, die vorher getrennten Bedürfnisse wieder in einem Prozess der kommunikativen Vermittlung zusammen kommen zu lassen, zu einer gleichgewichtigen und nachhaltigen Berücksichtigung aller Bedürfnisse führen wird. Sobald Menschen real Einfluss auf die Bedingungen haben, nutzen sie diese auch. Eine »Kaufentscheidung« ist jedoch kein Einfluss, sondern Einfluss muss sich direkt auf die Produktion beziehen. Grundsätzlich ist dies in einer RBW möglich, da hier auf wesentliche separierende Elemente verzichtet wird: Geld, Markt, Staat, Politik, Herrschaft.

Im letzten Teil »Aufstieg« geht es schließlich um die mögliche Ablösung des gegenwärtigen »sozio-ökkonomischen Systems« (von Kapitalismus wird fast nie gesprochen). Hier tut sich »Moving Forward« genauso schwer wie alle, die eine neue, bedürfnisorientierte Gesellschaft wollen. Das kann auch nicht anders sein. So wird also nochmals drastisch vor Augen gefügt, wie sehr dieses globale System »Marktwirtschaft« versagt hat: Ressourcenausbeutung bis zum Ende, Entwaldungen, Hunger (jeden Tag verhungern 18.000 Kinder), Vertreibung, Klimakatastrophe — nichts, was nicht alle irgendwie wissen. Aber wer kann das schon täglich aushalten ohne es zu verdrängen oder die »Schuld« den Opfern zuzuschieben?

Es ist auch nichts, was nicht andere engagierte Menschen beklagen würden, nur zieht Zeitgeist daraus die einzig richtige und logische Konsequenz: Wenn das aktuelle sozio-ökonomische System dies alles produziert hat, dann kann eine Lösung niemals in diesem System gefunden werden. Es reicht eben nicht, einige Hebel innerhalb des Systems zu verlängern oder zu verkürzen oder neu zu stellen, sondern eine neue Art und Weise, die Lebensgrundlagen für alle Menschen zu schaffen, muss in die Welt gesetzt werden. Diese neue Produktionsweise kann nicht auf den Mechanismen des Alten — Geld, Markt, Staat, Waren, Tausch — beruhen. Ob damit tatsächlich alle »Mechanismen des Alten«, wie ich das hier genannt habe, in Frage gestellt sind, ist fraglich. Wahrscheinlich kommt noch einiges hinzu — inklusive der Zeitgeist-eigenen Neutralitätsgläubigkeit in die Wissenschaften. Aber die zentralen Punkte, die in der Regel »linken« Ansätzen entgehen, sind benannt.

So ist das Schlussbild des Films, in dem die Herrschenden die Macht und die Beherrschten das Geld fallen lassen, eben das: ein Bild im Medium des Films. Also Kunst, denn anders als künstlerisch kann man das Szenario nicht zeigen. Jede konkretere Imagination wäre unglaubwürdig. Es wird sich zeigen, ob Zeitgeist tatsächlich eine globale Bewegung werden kann. Warum sie gerade in D-Land kaum existiert, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht, weil hierzulande die Illusionisten, die glauben, man könne mit immanenten Reformen etwas retten, noch den Ton angeben. Mit untauglichen Mitteln drücken sie jedoch den gleichen Wunsch aus wie ihn Zeitgeist verkörpert: Dass die Gesellschaft menschlich werden möge.

Hier gibt’s eine Aufzeichnung einer Diskussion nach der Premiere des Films in Österreich.

Was hat das nun mit Commons zu tun?

Die einfache Antwort lautet: Commons sind eine RBW im Kleinen. Platt gesagt, so wie die RBW »von oben« guckt, so gucken die Commons »von unten«. Die RBW sind schwach in der Frage, wie denn die Menschen tatsächlich dazu kommen, vernünftige und menschliche Verhältnisse zu schaffen — die Commons haben das im Kleinen an unzähligen Beispielen gezeigt. Die Commons sind schwach darin, die Frage zu beantworten, wie denn das Commons-Prinzip gesamtgesellschaftlich ausgedehnt werden könne — die RBW stellt einen solchen gesamtgesellschaftlichen Ansatz dar.

Allerdings, da bin ich mir ziemlich sicher, würde es zu einem gravierenden »Clash of Cultures« kommen, wenn antimonetaristische, technikgläubige Zeitgeistler_innen auf geldignorante, technikskeptische Commonist_innen stoßen — sehr holzschnittartig gesagt. Das passiert ja schon innerhalb der Commons, wenn etwa »digitale« auf »naturale« Commonist_innen treffen.

Aber warum soll das nicht auch sehr spannend werden, sofern man geneigt ist, voneinander zu lernen?

Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Medientipp, Reichtum & Knappheit

Tags: , , , , , ,

6. März 2011, 06:58 Uhr   52 Kommentare

1 Klaus Steiner (06.03.2011, 08:46 Uhr)

Ja, leider ist die ganze Arbeit des Films Umsonst, Der Film Bewirbt ein System (RBE) dass davon abhängig ist das ALLE Menschen auf der Welt es auch wollen und darauf hinarbeiten werden. Und selbst der naivste wird zugeben müssen das die Menschheit noch lange nicht so reif ist sowas ohne Druck von aussen zu machen. Und mit Druck von aussen egal in welcher form Manipulierent oder Kontrolierent wäre es nix anders wie ne Diktatur.

Ausserdem ist vieles nur Theorie die, die Seele des Menschen nicht berücksichtigt und von einer Gottlosen Realität aus geht. Auf grund einer Theorie die ganze Wirtschaft auf ein System umzustellen das Glaubt das Thechnologie die Lösung für alle Probs sein wird. Wirkt sehr halbherzig durchdacht. Und somit schlägt sich die RBE selbst ins aus.

Technologie kann sehr wohl die lösung für einiges sein, besonders für Probs die erst die nutzung von Technologie verursacht wurden 😉 aber die löung für alle Probs ist es auf keinen Fall, wie auch.

Der Mensch ist mehr als ein Tier das Glücklich und zufrieden ist wenn die ganze Arbeit von Maschienen erledigt wird. Das hatten wir ja schon mal die ganze Arbeit wurde von Sklaven erledigt, und waren die Sklavenhalter deswegen Glücklicher ? War ihr leben wirklich so toll?

Wie du schon richtig schreibst die natur des Menschen ist sehr komplex sie auf die äußeren Einflüsse zu beschränken ist beschränkt 😉 Schöne heile welt, durch schöne heile umwelt, ist auch die Theorie von Amerikanischen Vorstätden , das es aber in der realität anders ausschaut als in der Theorie ist wohl kein geheimnis.

Klar wenn die leute nicht mehr im Dreck leben müssen und Hungern werden sie Friedlicher sein, dennoch dann wird es magel anderer Art geben der sie zu „Aufruhr“ treibt.

Es ist trauig das es so gut wie keine reale Erprobung der RBE gibt, nicht mal im Sozialem Bereich. Doch Propagiert wird sie von deren Jügern wie die Bibel. Alles nur leichtgläubige Menschen die ihre Religion durch Wissenschaft ersetzt haben. Manche wirkich noch naiver wie Kirchengläubige..

2 Benni Bärmann (06.03.2011, 11:57 Uhr)

Ich bin zunehmend irritiert davon, dass auf einmal alle in unserem Dunstkreis von diesem Film reden ohne seine antisemitischen, verschwörungstheoretischen Vorläufer auch nur zu nennen. Wenn die selben Leute, die die ersten Zeitgeist-Filme produziert haben oder auch nur gut finden, die jetzt diesen Film gemacht haben/gut finden ohne explizit ihre eigenen ersten Filme zu kritisieren, die vor esoterischem Quatsch und Verschwörungstheorie nur so strotzen, will ich ehrlich gesagt mit denen _nichts_ zu tun haben. Ich finde auch, man muss diese Haltung nicht auch noch dadurch unterstützen in dem man über diese ersten Filme einfach den Mantel des Schweigens hüllt, wenn man sie denn schon rezensiert.

Nunja, ähnliche Probleme gibt es ja auch in der Commons-„Bewegung“ zuhauf. Mir stößt das zunehmend auf.

Generell finde ich auch dieses Bewegungsmodell irgendwelche Filme rauszuhauen ziemlich bizarr. Wie ist denn da das Verhältnis von Film-Machern zu Mitgliedern der „Bewegung“? Oder ist diese Bewegung am Ende gar keine, sondern nur ein Haufen Leute, die mal bei YouTube auf diesen Film geklickt haben? Scheinbewegungen sind ja wohl gerade en vogue, siehe Guttenberg-Fans.

3 StefanMz (06.03.2011, 12:36 Uhr)

@Benni: Die von mir explizit genannten Rezensionen haben auf die verschwörungstheoretischen Aspekte der Vorläufer hingewiesen, inkl. der Würdigung, dass das jetzt überwunden ist. Das ist kein Mantel des Schweigens, sondern ich wollte das (und anderes) nicht wiederholen. Finde ich langweilig. Warum man seine eigenen Vor-Filme kritisieren muss, verstehe ich nicht.

4 Benni Bärmann (06.03.2011, 13:36 Uhr)

@Stefan: Haben sie teilweise, ja. Aber mehr im Sinne des Abhakens und weniger im Sinne mal zu gucken, wo da eigentlich die Kontinuitäten sind. Das wäre doch mal interessant. Irgendwas müssen die alten Filme ja mit dem neuen zu tun haben.

Seine eigenen Vorfilme muss man kritisieren, wenn man seine Meinung geändert hat. Wenn man das nicht hat, natürlich nicht. Dann müssen sie sich aber auch nicht wundern, wenn ich sie weiterhin für Spinner halte.

5 Klaus Steiner (06.03.2011, 15:43 Uhr)

Welche Verschwörungen wurden im ersten teil aufgedeckt?

Das mit Hilfe von Geld die Menschen Kontrolliert und Manipuliert werden?

Das die Kirche ihr Macht missbraucht ?

kann mich nicht mehr so erinnern.

6 Benni Bärmann (06.03.2011, 16:41 Uhr)
7 StefanMz (06.03.2011, 23:28 Uhr)

@Benni: Na, das ist ja ne Logik: Man muss die eigenen Vorfilme kritisieren, wenn man seine Meinung geändert hat wenn nicht, dann haben sie immer noch die gleiche Meinung. Aber du hast dich wohl schon festgelegt. Ungewohnt.

8 libertär (07.03.2011, 01:36 Uhr)

Verschwörungstheorien sind genauso überprüfenswert wie andere Theorien. Zur Erklärung des 11. 9. keine Verschwörungstheorie heranzuziehen wäre absurd. Sollen die vier Flugzeuge etwa rein zufällig am selben Tag entführt worden sein, ohne jede Absprache der Entführer?

Cablegate hat zwei Fakten aufgezeigt, die Verschwörungstheorien auch für einen großen Kreis von Verschwörern plausibel machen. Das Hauptargument gegen solche Theorien war ja immer, dass eine Verschwörung von vielen (hunderten, tausenden) Menschen nicht geheimzuhalten sei. WikiLeaks hat (1.) gezeigt, dass es erst eines Leakers bedurfte, um Informationen zu veröffentlichen, auf die vorher schon Millionen Menschen Zugriff hatten. Wie oft in der Weltgeschichte hat wohl so ein Leaker bei viel kleineren Personenkreisen mit Geheimnissen gefehlt? Wenn sich bei Millionen Geheimnisträgern nur einer findet, der den Mut und die Technologie hat, etwas zu leaken, wie viel unwahrscheinlicher ist es, dass es solche Leaker gegeben hat, die trotz härtesten Sanktionen und ohne moderne Technologie aus einem Kreis von wenigen hundert Geheimnisträgern etwas veröffentlicht hätten?

(2.) hat WikiLeaks gezeigt, dass sich die Herrschenden und das Kapital in- und miteinander zu unfassbaren Grausamkeiten verschworen haben. Wäre alles transparent gewesen, hätte WikiLeaks nichts mehr zu enthüllen gehabt. Verschwörungstheorien sind daher durchaus plausibel, nicht von vornherein widerlegt wie es von „Skeptikern“ seit Jahrzehnten gepredigt wird. Verschwörungstheorien sind wieder salonfähig geworden und erfordern, wie jede andere Theorie auch, eine wissenschaftliche Überprüfung, um sie dann zu verwerfen oder als vorläufig wahr zu stützen.

Was „Skeptiker“ auch regelmäßig vermissen lassen, ist eine Begründung, warum Gruppen von Menschen ab einer gewissen Größe nicht mehr miteinander kommunizieren können und keine gemeinsamen Interessen gemeinsam verfolgen können. Ich bin überzeugt, dass – wie alle anderen Menschen auch – sich auch die Herrschenden zusammenschließen, sich absprechen, abgestimmt handeln und all das für sich behalten. Sie wären blöd, wenn sie es nicht täten. Dies ohne weitere Untersuchung auszuschließen, es als Theorie von (antisemitischen??) Spinnern abzutun, ist sowohl höchst naiv als auch fernab jeder Wissenschaftlichkeit.

Und jetzt zum Film, genauer zum zweiten Zeitgeist-Film (Zeitgeist Addendum): Wo soll da eine Verschwörungstheorie vorkommen? Welche ist falsch? Etwa dass Religionen über Jahrtausende gewachsene Erzählungen sind, die jeder empirischen Grundlage entbehren, und mit ihnen Milliarden Menschen geistig unterdrückt werden und sich Millionen Agitatoren (Theologen, Prediger, Sektenführer etc.) dazu verschworen haben? Wäre doch toll, wenn sich diese verschwörungstheretische Erkenntnis verbreiten würde!

9 Brigitte Kratzwald (07.03.2011, 09:50 Uhr)

Ganz abgesehen von den vielen Schwächen des Films, die ohnehin schon ausreichend erwähnt wurden: Ich würde dem nicht zustimmen, dass commons eine RBW im Kleinen sind, zumindest nicht im Sinne des im Film verwendeten Modells einer RBW, weil dort nämlich die Natur ganz eindeutig als „Ressourcenpool“ gesehen wird, der nach rationalen Kriterien und mit technologischen Instrumenten „verwaltet“ werden kann – du hast es ja selbst angesprochen. Das Naturverständnis von RBW ist eines, das ganz klar zwischen „Natur“ und „Sozialem“ trennt, die Natur etwas ist, dass uns gegenüber steht, RBW ist eine ausgeklügelte Form von Ressourcenverwaltung. Während es bei Commons darum geht, dass WIR TEIL der Natur sind und das Commons die Ressourcen + die NutzerInnen + die Regeln darstellen, dass es auf die sozialen Beziehungen ankommt, ob wir mit natürlichen Ressourcen so umgehen können, dass alle genug haben.

Wie die sozialen Beziehungen in dieser seltsamen, computergesteuerten Welt ausschauen, wie Entscheidungen getroffen werden, usw. das kommt in dem Film überhaupt nicht vor, ist aber das zentrale Element wenn wir von Commons sprechen. Daher finde ich es nicht sinnvoll sondern eher missverständlich, diesen Begriff in die Commons-Debatte einzuführen.

10 StefanMz (07.03.2011, 10:51 Uhr)

@Brigitte: Ich stimme dir zu. Das fände ich aber einen Grund mit einander zu sprechen und voneinander zu lernen. Denn immerhin geht die RBW von den Ressourcen aus und hat auch das Ziel, dass alle genug haben. Das unterscheidet sie grundsätzlich von der Marktwirtschaft.

11 Klaus Steiner (07.03.2011, 19:17 Uhr)

911 ist keine Verschwörungstheorie sondern eine Verschwörung die frage ist nur wer waren die Verschwörer!

@Brigitte wo steht das Commons festlegen das wir teil der Natur sind, sie legen doch bestenfalls fest das die Natur nachhaltig genutzt werden muss damit man einen langfirstigen „Common“ aufrecht erhalten kann.

RBE ist eine Globale Resourcen Verwaltung die im kleinen nicht realisierbar ist, und somit nur ein Theoriemodel das auf Grössenwahn und nicht auf Realität aufgebaut ist. Die Realität besagt eindeutig das die Menschen sich ncht auf 1 System eininge werden nur weil paar hanseln sagen es ist das beste …

im gegenteil selbst wenn eindeutig nachgewissen wäre das es das beste ist wird es immer Menschen geben die es anders machen wollen.. das ist auch der grosse Fehler der RBE ,, es beruht auf den Irglauben das alle Menschen gleich sind wenn nur die äusseren Umstände stimmen.

12 Benni Bärmann (07.03.2011, 22:37 Uhr)

@Stefan: Ich hab mich nicht festgelegt, ich bleibe nur skeptisch so lange ich dazu nix höre. Da geht es ja nicht um irgendeine Meinung zu irgendeinem anderen Thema, sondern um die Präsentation eines verschwörungsideologischen Weltbilds. Und ich werde eine obskure „Bewegung“, die im wesentlichen aus YouTube-Clicks besteht, auch nicht abfeiern, nur weil sie neuerdings nicht mehr komplett hohl ist, sondern die einfachsten Zusammenhänge kapiert hat.

@All: Wo hat jemand behauptet, dass es keine Verschwörungen gäbe? Aber schon lustig, wie selbst der Fakt, dass in Millionen von Geheimdokumenten offensichtlich kein einziger Hinweis auf 9/11 als Inside-Job zu finden ist von manchen als Argument _für_ einen solchen verdreht wird. Man will das wohl glauben, weil man nicht glauben kann, was offensichtlich ist.

13 Nikola Winter (08.03.2011, 00:46 Uhr)

Hallo, ich bin Niko aus Wien und bin momentan aktiv in der Zeitgeist Bewegung. Danke Stefan für Deinen Artikel und danke den Kommentatoren für ihre Stellungnahmen. Ich bin froh, dass Du, Stefan, die Schwächen des Films siehst, aber Dich nicht in einer Kritik darin verbeißt, sondern dass Du die Richtung zu erkennen bereit bist, in die der Film weist: Dass es hier um die Forderung geht, das uns derzeit beherrschende sozioökonomische Gefüge basierend auf Demokratie & Marktwirtschaft hinter uns zu lassen und zwar radikal. Das kann nur funktionieren, wenn wir erkennen, wie tief wir in allen Lebensbereichen von dem Denken, das diesem „System“ zugrunde liegt, geprägt sind:

abstrakter Wert -> abstrakte Gleichheit/Auf- und Abrechenbarkeit -> „Gerechtigkeit“ durch Tausch, Bestrafung, „Gleichbehandlung“,…

abstrakte Zeit -> Lohnarbeitszeit vs. Freizeit, vorgezeichnete Lebensphasen mit bestimmten Rollen;

abstrakte Identität -> Staatsbürger*in, Konsument*in, Besitzer*in, Beruf, soziales Geschlecht,…

Natürlich kann weder ein Film noch eine Theorie und auch keine Bewegung jemals die einzig richtige Lösung für alle Menschen und für alle Zeiten hervorbringen. Dieser Anspruch wäre lächerlich – oder gefährlich, wenn zu viele Menschen die Unsinnigkeit einer solchen Anmaßung nicht erkennen.

Die Forderung der Zeitgeist Bewegung nach einer radikalen Neugestaltung der Gesellschaft ist doch nicht neu, sie wurde nur wiedermal neu formuliert. Es geht hier um einen weiteren Versuch von vielen erst einmal systematisch zu analysieren, was heute alles falsch (d.h. mit unnötig negativen Konsequenzen für den Planeten und die Lebewesen darauf) läuft, und was die zugrundeliegenden Ursachen dafür sein könnten, ohne zu lange an der Oberfläche der Symptomebene zu bleiben (das spigelt auch die persönliche Weiterentwicklung von Peter Joseph wider, der in seinem ersten Film diese Oberfläche nicht durchbrochen hat, und er selbst betont immer wieder, dass seine Filme seine persönliche künstlerische Äußerung und die Folge seiner kontinuierlichen persönlichen Weiterentwicklung sind, z.B. http://whoispeterjoseph.com/ ca. Minute 11 ).

Eine kritische Analyse ist ein notwendiger Ausgangspunkt, aber es braucht auch den Mut, daraus Konsequenzen zu ziehen und Handlungsvorschläge zu machen, wie die kritisierten Zu- und Umstände überwunden werden könnten. Das kann natürlich nur in dem Bewusstsein passieren, dass jeder Lösungsvorschlag wieder menschengemacht also nur so gut ist, wie er nützlich ist und so schlecht ist, wie er schädliche Auswirkungen nach sich zieht. Es ist die Aufgabe und Verantwortung von uns wenigen Menschen, die das Privileg haben, uns mit solchen Gedanken überhaupt auseinanderzusetzen und gegebenenfalls vielleicht sogar tatkräftig an einer großen Veränderung mitzuwirken, gemeinsam (oder parallel?) Wege in eine neue Richtung (neue Richtungen) zu suchen, zu testen und zu verbessern, die auch für all die Menschen und Mitlebewesen eine Verbesserung der Lebensumstände bewirken, welche sich nicht an diesem Prozess beteiligen können, das inkludiert auch zukünftige Generationen.

Ich möchte zu diesem Prozess beitragen, bei dem es nicht ums Rechthaben, um das linientreue Nachbeten von „Parteiprogrammen“ oder das blinde Folgen von Heilsversprechungen geht, sondern um einen kritischen, handlungsorientierten Diskurs basierend auf gegenseitiger Achtung und Wertschätzung; um das gemeinsame (oder parallele) Weiterdenken und Weiterentwickeln von Konzepten, um das Eröffnen von neuen Perspektiven und um gegenseitige Inspiration. Alles andere ist Zeitverschwenung, finde ich.

Sincerely,

Niko

14 lookaround (08.03.2011, 11:09 Uhr)

hallo keimform-blog,

ich lese den blog seit langer zeit mit spannung und interesse, und jetzt ist zeit für meinen ersten kommentar: wenn hier leute aus dieser „zeitgeist-bewegung“ unterwegs sind und (mindestens strukturell) antisemitische inhalte abgebildet sind (leute! der erste zeitgeist film war nicht einfach nur kritikwürdig, das war eine antisemitische katastrophe!!! mit nationalistischen und völkischen anklängen!), fliegt der blog ganz schnell aus meinem feedreader.

soli-grüße

15 StefanMz (09.03.2011, 09:52 Uhr)

@Benni & lookaround: Ich habe über das alte Zeug nicht geschrieben, sondern über den Film »Moving Forard«. Da sind weder »antisemitische Inhalte« (lookaround) abgegildet, noch gibt es ein »verschwörungstheoretisches Weltbild« (Benni), sondern explizit das Gegenteil: eine systemische Ursachenfindung (»sozioökonomisches System«). Eine Beurteilung des neuen Films anhand alten Materials finde ich nicht richtig, soviel Lernen muss man einfach jedem zugestehen. Skeptizismus ist völlig ok, Festnageln aufgrund von Vergangenheit nicht. Sonst hauen wir uns nur noch unsere Fehler vergangener Zeiten um die Ohren.

16 Benni Bärmann (09.03.2011, 11:53 Uhr)

@Stefan: Ja, ich gestehe ja jedem zu, zu lernen. Nur möchte ich dass dann auch nachvollziehen können. Und so lange ich das nicht kann, gehe ich davon aus, dass die alten Äußerungen weiterhin Gültigkeit haben. Und je absurder und gefährlicher die alten Äußerungen sind, um so sehr wünsche ich mir diesen Prozess nachvollziehen zu können. Für mich ist immer noch nicht klar, dass er stattgefunden hat. Es ist ja nun leider auch nicht so, dass da ein expliziter Widerspruch erkennbar ist.

Kleine Anmerkung: „verschwörungsideologisch“ != „verschwörungstheoretisch“. Letzteres bezeichnet eine Theorie über eine Verschwörung, die zutreffen kann oder auch nicht, ersteres eine strukturell antisemitische Welterklärung. Beides tritt oft, aber nicht immer gemeinsam auf.

17 Neoprene (09.03.2011, 12:07 Uhr)

Ja, Benni, so wie ich bei jeder Software auf der Homepage ein vernünftiges Change Log erwarte, so erwarte ich von Leuten, die was Politisches sagen, daß sie es einem sagen, warum sie jetzt was Anderes sagen als früher. Leider ist es eine weitverbreitete Unart, bei Positionswechseln entweder das alte nunmehr abgelehnte Zeugs sang- und klanglos zu entsorgen, z.B. bei einer Webseite einfach runterzunehmen, bei einem Buch keine Neuauflage mehr zu machen; oder, was noch ärgerlicher ist, alles einfach so stehen zu lassen, was dann den Leser/Benutzer erfordert, der rausfinden muß, zumindest was da denn nun anders geworden ist, ein Warum bleibt dann aber immer noch offen.

18 Klaus Steiner (09.03.2011, 13:05 Uhr)

Zeitgeist film 1 ist immer noch verlinkt auf der Zeitgeist film seite! und der Peter ist nach wie vor stolz drauf..

Die frage die sich die meisten hier stellen müssen, ist ob sie diesen vermeintlichen Antisemitismus einfach nur sehen wollen. Es ist immer leicht etwas als antisemitisch abzutun.

anstelle sich mit der Problematik aussendender zu setzen.

wer hat den diese schlagwort antisemitisch geschaffen und was wurde damit bezweckt?

es sagt doch gar nix aus! es hilft nur dabei aussagen von gewissen Personen schnell in eine Schublade zu stecken und fertig.

Das einzige was Zeitgeist 1 macht ist Religion zu kritisieren und zwar heftig, die Motivation dahinter ist wohl eher Atheismus..

19 Demonetarisieren! | Gemeingüter (09.03.2011, 15:44 Uhr)

[…] des Profits und staatlicher Machterhaltung. Und so nimmt es wenig Wunder, dass Stefan Meretz einen Post zu Commons und dem neuen Film des Zeitgeist-Movement, “Moving Forward” geschrieben hat, […]

20 Andreas Exner (10.03.2011, 14:39 Uhr)

@benni – antisemitismus? – vorfilme zeitgeist

ich habe nicht den ersten, dafür den zweiten peter joseph film gesehen. darin ist nichts antisemitisch. inhaltlich fällt auf: 1. es ist sehr auf attac-linie (kritik der weltbank etc.), 2. es gibt darin einen sichtbaren inneren widerspruch, da einerseits anti-imperialistisch und globalisierungskritisch argumentiert wird, andererseits jedoch radikal markt, staat und kapital kritisiert werden. die „politische“ schlussfolgerung passt im zweiten film also mit der analyse nicht zusammen.

mein persönlicher eindruck ist, dass diese leute von vornherein mehr das gefühl als die analyse hatten, dass markt und staat weg müssen. da dies theoretisch aber kaum jemand in der geschichte der systemoppositionellen kräfte untermauert hat, brauchten sie selbst erst einige zeit, sich darüber einigermaßen klar zu werden, was denn nun die rational nachvollziehbaren argumente für ihre „politische“ ausrichtung sind. auf den „wertkritischen marx“ zum beispiel sind sie bis jetzt nicht gekommen (da unterstelle ich den zeitgeist-leuten auch gar nicht hauptsächlich „politische“ borniertheit, sondern, neben taktischen überlegungen, wirklich unwissenheit).

soweit jedenfalls mein eindruck.

zum dritten film hab ich mich schon auf http://demonetize.it geäußert, auch dazu, dass in der tat die bewegung, die sich da aktiviert oder auch nicht, entscheiden wird.

21 Andreas Exner (10.03.2011, 14:45 Uhr)

@brigitte – commons – RBE

dass commons bedeuten, dass „wir teil der natur sind“, ist für dich so und für mich, aber das heißt keineswegs, dass alle leute, die von commons reden, die auch so verstehen.

ganz im gegenteil war mein eindruck immer, dass im üblichen commons-begriff eigentlich stark zwischen den „ressourcen“ und „den menschen“ getrennt wird. das kommt nicht zuletzt darin zum ausdruck, dass zwar die bekannte weide, nicht jedoch die maschinen, fabriksgebäude, spitäler, infrastrukturen, straßen als „commons“ bezeichnet werden.

die grundidee der RBE ist in der tat meines erachtens jene, die auch in der commons-Debatte weiterführt: dass es einen sozialen organismus gibt, der bewusst regelt, wie „ressourcen“ (hier steckt ja schon, wie in der commons-debatte die naturalistische verkürzung der frage, die du zurecht thematisierst, drinne) genutzt werden.

dass der weg, den peter joseph vorschlägt, nicht taugt, ist die eine sache. die andere ist, dass die problemstellung, die er im film aufmacht, exakt den punkt trifft.

22 Andreas Exner (10.03.2011, 14:47 Uhr)

PS @brigitte: fabriken etc. sind selbstverständlich derzeit keine commons… wollte sagen, dass auch nicht in erwägung gezogen wird, sie zu „commonisieren“, eben weil man offensichtlich bewusst oder unbewusst zwischen ressourcen und dem sozialen zusammenhang in einem ontologischen, wesenhaft-substanziellen sinne trennt. (es gibt selbstverständlich unterschiede zwischen „natur“ und „kultur“.)

23 Andreas Exner (10.03.2011, 14:54 Uhr)

@benni again

nachdem ich dein letztes posting auch gelesen habe: sie dir einfach film 2 und 3 mal an, dann sind du und ich am selben kenntnisstand. es gibt in film 3 eine EXPLIZITE äußerung (vermutlich im film eingebaut, damit die botschaft für anhänger_innen von film 2 wirklich unmissverständlich ist), dass es um keine verschwörung geht. hier liegst du einfach falsch. sieh dir den film an.

24 Andreas Exner (10.03.2011, 15:00 Uhr)

@neoprene, benni, lookaround

ich denke die debatte krankt ein wenig daran, dass offenbar niemand film 1 hier gesehen hat und nur wenige film 2 und 3. das ist für eine sich kritisch gebende debatte nun nicht ein gutes zeichen. ich persönlich werde mir auf absehbare zeit film 1 nicht ansehen, weil ich film 2 nicht schlechter als attac und film 3 für ambivalent aber einen medialen durchbruch halte.

die entwicklung von film 2 zu 3 hab ich schon kurz skizziert. zu ergänzen wäre, dass es auf mich (und vermutlich auch auf andere zuseher_innen) so wirkt, dass man sozusagen von der oberflächlichen erscheinung zu den wirklichen wurzeln (dem sozioökonomischem system) vorgestoßen ist und das, was man in film 2 TEILWEISE (es gibt dort ja ebenso, aber unvermittelt, die systemisch-strukturelle ebene) verkürzte auf die machenschaften der weltbank etc. (die übrigens fraglos eine entscheidende rolle spielen), in film 3 nun vermittelt wird mit den strukturellen systemeigenschaften.

was gibt es daran viel zu erklären? aus meiner sicht nichts. die filme 2 und 3 sprechen – jedenfalls aus meiner sicht – hier für sich.

25 lookaround (10.03.2011, 15:31 Uhr)

bei film eins reicht es eigentlich sich die ersten 10 minuten anzusehen, dann sollte man wissen worum es dort geht. ansonsten ist er ein paradebeispiel für verkürzte kapitalismuskritik, so wie auch zum beispiel der „goldschmied fabian“. für mich ist die reihe damit unten durch. (wenn dann die filmemacher_innen tatsächlich was dazu gelernt haben sollten sie ihre nachfolgefilme nicht schon namentlich an den ersten anlehnen.)

26 Andreas Exner (10.03.2011, 19:31 Uhr)

@lookaround – 10 min film 1

sprechen wir vom selben film? was man in den ersten 10 minuten von film 1 sieht, ist eine darstellung verschiedener schrecklichkeiten und eine beißende kritik an der religion.

?

(ein thema übrigens, das in film 2 auch ziemlich breiten raum einnimmt und in film 3 ganz zurücktritt – der hintergrund ist der szientistische charakter von zeitgeist.)

um missverständnissen vorzubeugen: was ich mit meinem bericht von den ersten 10 min (mehr sehe ich mir erst an, wenn es notwendig sein sollte) sagen will: es wäre schön, mehr auf argumente einzugehen.

verkürzte kapitalismuskritik, ja, sind wir uns alle einig. verkürzte kapitalismuskritik, da sollten wir uns freilich auch einig sein, ist nicht gleich antisemitismus. das ist ein wichtiger unterschied. „fabian der goldschmied“ habe ich nicht gesehen, der dürfte aber – man korrigiere mich – rechtsextrem sein.

27 lookaround (10.03.2011, 20:51 Uhr)

zugegeben, die ersten 10 min sind hauptsächlich gute (oder schlechte) unterhaltung. was sollen die ersten bilder? emotionen wecken und nen bezug zu den usa herstellen? bild- und lautsprache sind entweder esoterisch angehaucht oder einfach nur schlecht. dann die rede von „man hat uns belogen“, „religiöse institutionen“, „bankenkartelle“, „unsere herrscher“, „alles was sie interessiert ist die gesammte verdammte erde kontrollieren“, und dann die „wahrheit“, und da kommt die gier ins spiel, und das geld. was soll ich denn noch sagen? wenn es da tatsächlich nur um religionskritik geht, wieso dann die ersten 5 minuten? szientistisch is da recht euphemistisch oda? mit den themen geld und wahrheit, krieg und religion am anfang sind für mich die weiteren inhalte klar vorhersehbar, für mich beginnt da die verkürzte kapitalismuskritik, und danach wirds nur noch schlimmer. der strukturelle antisemitismus wird zwar nicht platt, is aber halt da.

na gut fabian der goldschmied is nochmal ne andere liga, esoterisch (scientology) und faschismus-nah. inhaltlich find ich sind sie aber nicht so weit auseinander! (das auseinander zu klamüsern werd ich jetz aber nicht mehr.) nur so viel: die eso-nazi-seite infokrieg.tv findet den film toll, und in der deutschen version bei youtube wird diese website auch eingeblendet.

28 lookaround (10.03.2011, 20:57 Uhr)

vllt noch: m.e. wird die verkürzte kapitalismuskritik da zum strukturellen antisemitismus, wo suggeriert wird, dass eine kleine geheime elite wegen gier mit unlauteren mitteln sehr viel geld und macht aquiriert. zeitgeist 1 die ersten 10 minuten!

29 Andreas Exner (11.03.2011, 09:16 Uhr)

@first 10 min of zeitgeist 1

wenn von gier die rede ist, dann jedenfalls mit bezug auf religiöse institutionen, womit vorrangig die christliche religion gemeint ist.

was den „strukturellen antisemitismus“ angeht: inzwischen finde ich diesen begriff nicht mehr gut, weil er nämlich den qualitativen unterschied zwischen einer oberflächlichen kapitalismuskritik und dem antisemitismus einebnet. aber ich weiß, was du meinst. verkürzt ist die kritik in film 2 teilweise, aber nicht zur gänze. film 2 ist wie gesagt eher widersprüchlich als oberflächlich. die ersten 10 minuten von film 1 zeigen mir jedenfalls nichts, was mir nicht aus film 2 nicht bekannt wäre.

richtig ist, dass diese filme alle in der art von „aufdecker-dokus“ gemacht sind. das ist eine übliche kulturindustrielle schablone. solange der inhalt passt, und grundsätzlich passt der in film 3, habe ich nichts dagegen, dies so darzustellen, nicht der methode wegen, sondern weil es darum gehen muss, den – in der tat: kulturindustriellen – schleier wegzuwischen, der es bis dato unmöglich gemacht hat, grundsätzliche strukturzusammenhänge der kapitalistischen produktionsweise auch nur darzustellen, und das tut film 3.

die frage 1. des diskurses innerhalb der zeitgeistcommunity, 2. der bezüge, die andere strömungen zu zeitgeist herstellen, sind denke ich gesondert zu behandeln von der frage, ob film 3 nun gut ist oder nicht bzw. was daran gut ist und was nicht.

30 Thorsten (13.03.2011, 23:40 Uhr)

Hallo Diskussionsteilnehmer*innen,

vorneweg: spannende Debatte. Zur Vorgeschichte: Ich habe Teil 1 und Teil 3 gesehen und hatte schon eine ausgiebige Debatte mit Nikola, Andreas und anderen. Ich kann lookaround und Benni ganz gut nachvollziehen (aber das wissen ja die vorherigen Debattenteilnehmer*innen). Kritisch habe ich mich dahingehend ausreichend geäußert. Eines muss ich jedoch erwähnen, denn vergessen kann ich das bis jetzt nicht: der Beitrag des sog. Zeitgeistkoordinators für Schland, der die Kritik „langweilig“ fand, auf die bereits „1000 Mal“ in Foren und sonstigen Beiträgen eingegangen worden sei, ohne sich freilich die Mühe zu machen einen Link in die Mail als Beweis zu setzen. Aber immerhin, schneint mitlerweile eine Diskussion in Gange zu sein in der Gruppe, dennoch: der besagte Beitrag hat gesessen, also warte ich auf die Ergebnisse…

Dennoch war/bin ich bereit jedem Menschen die Fähigkeit zu Denken zuzubilligen. OK, der Regisseur hat einen Prozess durchlaufen, aber ist das was da jetzt transportiert wird wesentlich besser? Halt anders. Im Artikel wurden schon einige Kritkpunkte benannt, die nicht wiederholt werden müssen. Ich verstehe einfach den Hype nicht. Fundierte kapitalismuskritische Dokus gibts auch auf arte und wir sind hier nicht in der usa (deren Verhältnisse ich nicht beurteilen kann). Kurz und provakant gesagt: ich sehe weiße, Akademiker, ausschließlich männlich, aus einem westlichen Industrieland. Und ich denke mir: wenn sich die zeitgeist-gruppe nicht positionieren will, also weder links noch rechts sein will, post-politisch oder so, dann ist sie sicherlich auch nicht pro-feministisch. Naja und so rasen meine Gedanken weiter: Diverse Sexismen verschwinden nicht mit dem Ende der Warengesellschaft. Und… für die autoritär-Kommis war/ist das auch nur ein Nebenwiderspruch und ich möchte nicht so viel mit denen zu tun haben. Warum sich dann mit Zeitgeist so intensiv beschäftigen? Die MLPD kann man trotz x-1000 Mitglieder auch links liegen lassen oder lieber links überholen. Und ob mir jetzt die Partei sprich die Führung sagt was Kommunismus zu sein hat, oder ein Architekt mir seine fertige Geselllschaftsvision präsentiert. Hat beides wenig mit zukunftsweisender Herrschaftskritik zu tun. Ich habe nicht viel Ahnung von Architektur und Stadtplanung, vernünftig erscheint mir der Weg einer partizipativen Planung mit möglichst kleinen Eingriffen a la Lucius Burckhardt. Mein Unverständnis für den Hype wächst weiter, weil ich nicht sehe, dass nur ansatzweise in dem Film ein Weg, ein Prozess, oder gar menschliches Handeln vorkommt.

Ich sehe nicht worauf Zeitgeist eine Antwort hätte. Die Auseinandersetztungen um Stadt – um nur mal dabei zu bleiben – finden jetzt in unseren Städten statt. Bsp.: Die Planung zu Campuserweiterung an der Uni Kassel will die Terasse des Kollektiv-Cafés, die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt (gegen Spende) und den dazwischenliegenden Bouleplatz (an dem auch jeden Tag gespielt wird) mit Bänken einer Bauauffahrt opfern. Dieser Platz mit all diesen beteiligten und betroffenen Menschen ist ein common im besten Sinne (danke für den Input Brigitte), hier findet Entschläunigung und Solidarische Ökonomie statt. Darum geht es. Eine Gruppe die nicht politisch sein will hat hierauf jedoch keine Antwort und das Venus-Projekt bringt uns nicht einmal in die Nähe.

31 Klaus Steiner (14.03.2011, 12:20 Uhr)

„lookaround“ hat voll den durchblick das sind nazis, die in jedem Chepter „Schwarze“ Juden und was weiss ich was alles noch haben um davon abzulenken wie sehr sie antisemiten sind. Voll durchdachte Verschwörung ist hier im gange. und lookaround hat sie aufgedeckt..

32 Jakob (18.03.2011, 20:17 Uhr)

@lookaround ich finde es macht sehr viel sinn sich andauert auf den ersten Film zu beziehen wenn es in der Review um den dritten geht…

besonders deine persönlichen Darstellungen und Spekulationen sind sehr troll haft… Es ist immer sehr einfach Leute in irgend welche Schubladen zustecken, besonders wenn man sich nicht richtig informieren will..

33 Traumspinner (19.03.2011, 09:05 Uhr)

ist das der selbe Lookaround der bei der Zeitgeistbewegung dabei war ?

34 NoName (19.03.2011, 19:53 Uhr)

@lookaround Wir müssen doch bedenken, so etwa wie „Antisemitismus“ gibt es doch praktisch gar nicht (mehr)! Sicher, da waren die Nazis, aber das ist lange her! Und viele, die bei „zeitgeist“ dabei sind, sind selber Juden. Na also! Von wegen Antisemitismus! Gerade in diesen Kreisen hier (Tauschringe, Subsistenz, solidarische Ökonomie) gibt es nie und nimmer Antisemitismus. Was es natürlich gibt, ist der Staat Israel. Deshalb bedarf es der Israelkritik. Die wird auch von Juden geübt! Z. B. Noam Chomsky. Also nicht und nie Antisemitismus. Da macht die Heinrich-Böll-Stiftung eher noch eine Veranstaltung zum Dialog mit dem glorreichen Iran (auch hier: Israelkritik ja, Antisemitismus nein).

35 Christian Siefkes (19.03.2011, 21:14 Uhr)

@NoName: hat das, was du da schreibst, irgendetwas mit dem dritten Zeitgeist-Film zu tun? (Sonderlich viele Tausch- und Subsistenzbefürworter dürftest du hier übrigens nicht finden.)

36 Traumspinner (20.03.2011, 19:41 Uhr)

Doch mich, ich würde gerne Zeitgeist gelaber gegen RBE umsetzung, tauschen 😉

37 Benni (25.03.2011, 11:25 Uhr)

Das hier könnte man gutwillig tatsächlich als Distanzierung von früheren Äußerungen verstehen. Ist wohl aus dem Film und mir beim ersten gucken entgangen.

„Make no mistake: the greatest destroyer of ecology, the greatest source of waste & depletion & pollution, the greatest purveyor of violence, war, crime, poverty, animal abuse & inhumanity, the greatest generator of personal & social neuro…sis, mental disorders, depression, anxiety, not to mention the greatest source of social paralysis stopping us from moving into new methodologies for personal health, global sustainability & progress on this planet is not some corrupted government or legislation, not some rogue corporation or banking cartel, not some flaw of human nature & not some secret hidden cabal that controls the world – it is, in fact, the socio-economic system at its very foundation.“

38 Andreas Exner (25.03.2011, 11:30 Uhr)

hi benni

von dieser stelle war schon die ganze zeit die rede

39 Andreas Exner (25.03.2011, 11:30 Uhr)

danke fürs posten, sodass wir sie nun im o-ton vorliegen haben. das ist übrigens nur der aspekt der „distanzierung“. die aussage des dritten films insgesamt bietet schlicht keinen anlass für verschwörungstheorien und schon gar nicht für antisemitismus.

40 Interview zur »Zeitgeist«-Bewegung — keimform.de (28.03.2011, 11:13 Uhr)

[…] neue Film »Zeitgeist: Moving Forward« startete zeitgleich in 60 Ländern. Du hast die Premiere für Österreich […]

41 StefanMz (01.04.2011, 13:39 Uhr)
42 Vom Ende des Geldes — keimform.de (18.04.2011, 07:32 Uhr)

[…] Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuni Wien, hat mit seinen Thesen vom Zusammenbruch des Währungssystems schon einigen Staub aufgewirbelt. Dieses Jahr soll’s passieren. Und dann? WienTV hat ein Interview mit Hörmann gemacht (im Anschluss an eine Veranstaltung zum Zeitgeist-Film Moving Forward): […]

43 »Zeitgeist« and Commons — keimform.de (25.04.2011, 16:24 Uhr)

[…] [Es gibt auch eine deutsche Version des Artikels] […]

44 Anfang vom Ende des Geldes? « Serdargunes' Blog (29.04.2011, 08:16 Uhr)

[…] Keimform.de gibt es eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem im Video genannten Film Zeitgeist moving forward   LikeSei der Erste, dem dieser […]

45 Beobachterin (10.05.2011, 19:00 Uhr)

http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=0&posnr=515

Unter obigem Link ein Text, der sich kritisch mit den „Zeitgeist“-Filmen (und dem Hype um diese) auseinandersetzt. StudiVZ hat inzwischen alle Zeitgeist-Gruppen geschlossen. Aus der Begründung:

„Sogenannte Zeitgeist-Gruppen werden im VZ nicht länger akzeptiert. Allerdings möchten wir auch darlegen, weshalb wir uns zu diesem Schritt entschieden haben. Es ist nicht unsere Absicht alternative Meinungen und Nachrichten zu behindern oder zu unterbinden, aber wir beobachten seit einige[r] Zeit mit großer Sorge die Entwicklung der Theorien, die z.B. durch die Zeitgeist-Filme angestoßen wurden. Die Ideen von grauen Eminenzen, Eliten oder Geheimbünden, die im Hintergrund die Fäden ziehen, ist nicht neu. Die Zeitgeist-Filme weiten diese Idee auch auf das Wirtschaftswesen aus. Und da schließt sich ein Kreis innerhalb der Geschichte der Verschwörungstheorien: Latenter Antisemitismus, der immer wieder in vielen der formulierten Theorien durchscheint. Zum Beispiel in der Idee vom bösen, raffenden Kapital, welches ja letztlich für die Wirtschaftskrise verantwortlich [sei] und über Mäzenatentum und ähnliche Mittel der Einflussnahme auf die Weltpolitik einwirk[t], um diese nach [seinem] Interesse zu lenken. Wir sehen davon ab den Antisemitismus zu erklären oder zu diskutieren, weil wir von unseren Gruppengründe[r]n erwarten, dass sie sich mit den Problemfeldern ihrer Gruppenthemen auseinandergesetzt haben.“

46 Gesundheit: nicht genetisch determiniert | Solidarisch G'sund (17.07.2011, 07:05 Uhr)

[…] Stefan Meretz, Franz Nahrada, Tomasz Konicz und ich haben die Schwächen und Defizite des Films kritisiert. Dennoch hat er ein großes Verdienst: Er analysiert mit nüchternem und mutigem Blick die krankmachende Wirkung der Marktwirtschaft. Dabei ist er zugleich gut verständlich gemacht und gratis im Netz erhältlich. Mit 6,4 Millionen Sichtungen (Stand Mai 2011) auf youtube ist der Streifen der bisher größte nicht-kommerzielle Erfolg der Filmgeschichte. […]

47 Franz Nahrada (28.07.2011, 08:47 Uhr)

Hab mir erst jetzt diesen Thread angeschaut. Eine kleine Anmerkung zum Anfang: Im ersten Teil des „Zeitgeist“ Films wird meines Erachtens keineswegs einem „Umwelt-Determinismus“ das Wort geredet, sondern das richtige Moment festgehalten, dass Mensch kein Wesen ist das sich quasi aus sich selbst entfaltet. Die Botschaft geht eher so: Ihr vernachlässigt den Umstand dass ein Mensch am Beginn seines Lebens unglaublich vieles an Stimulierung, Aktivierung und Bekräftigung braucht und wundert Euch dann über das Resultat, beziehungsweise versucht damit das, was in Wirklichkeit Eure eigenen Versäumnisse sind, zu rechtfertigen! Ich halte den ersten Teil für den bei weitem stärksten des Films, und die Verbindung dieser „individuellen“ mit der gesellschaftlichen Ebene auch für die originäre Leistung des Films. Das haben viele Kritiker übersehen.

Die technokratische Komponente oder der Wissenschaftsdeterminismus scheint sich übrigens zunehmends aufzulösen, ich denke auch die Trennung vom Venus Project hat da einiges an positiven Entwicklungen bewirkt.

48 Martin (23.08.2011, 13:31 Uhr)

@Franz

Du triffst den Nagel auf den Kopf! Der erste Teil ist wirklich gut gelungen, und die Aussagen dieses Teils sind wichtig für die Debatte.
Leider kippt das dann in eine Wissenschaftsgläubigkeit, die als Geschichte machendes Subkjet vorgestellt werden. Aber genau das machen der Geschichte ist so wieder in die Diskussion gerückt, das ist doch mal ein erster Schritt.

49 Hinweis (12.09.2011, 12:31 Uhr)

Eine ausführliche Kritik, die auch auf das Lob von Konicz und Co eingeht, gibt es hier: http://reflexion.blogsport.de/2011/09/05/zeitgeist-iii-eine-kritik/

50 Thomas Stadlauer (12.09.2011, 13:57 Uhr)

@ Benni Bärmann:

„Wenn die selben Leute, die die ersten Zeitgeist-Filme produziert haben oder auch nur gut finden, die jetzt diesen Film gemacht haben/gut finden ohne explizit ihre eigenen ersten Filme zu kritisieren, die vor esoterischem Quatsch und Verschwörungstheorie nur so strotzen, will ich ehrlich gesagt mit denen nichts zu tun haben.“

als aktiver supporter des Zeitgeist Movements kann ich dir versichern, dass jedes mitglied bzw. jeder supporter dieser bewegung, der unsere inhalte verstanden hat, sich ausdrücklich von besagtem esoterischen quatsch und verschwörungstheorien distanziert. ich tue das, und du kannst gern jedes aktive mitglied des ZM danach fragen.

die sache ist einfach, dass viele menschen (wie du, wenn ich das sagen darf) nicht die geistige trennung vollziehen zwischen filmen, die vielleicht vom gleichen produzenten gemacht wurden, die inhaltlich aber ganz unterschiedliche dinge behandeln. nicht zu vergessen ist hierbei auch die persönliche entwicklung von Peter Joseph, der die filme produziert hat, sowie die hintergründe des ersten films.

Peter Joseph wollte damals einfach nur einen film machen, der etablierte dinge in frage stellt. dazu hat er sich 3 der größten „glauben“ herausgesucht, die auf der welt existieren: den glauben an die religion, den glauben an das was uns die medien über 9/11 erzählen, und den glauben an das geld. diese 3 themen hat er dann in frage gestellt, und das hat bei vielen menschen anklang gefunden.

was man dabei nicht vergessen darf, ist, dass Peter Joseph damals noch nichts von der idee der ressourcen-basierten wirtschaft wusste, und dass sein erster film auch absolut keine lösung für irgendwelche probleme vorschlug, sondern einfach nur gedanken anregen wollte.

heute, fast 5 jahre später, hat Peter Joseph (wie wohl jeder von uns) viel dazugelernt, und er ist nicht mehr interessiert an verschwörungstheorien oder ähnlichem. er kennt seit nunmehr fast 4 jahren die idee der RBE, und diese idee ist jetzt der zentrale kern der zeitgeist-bewegung.

und wer sich einmal ein bisschen mit der idee der RBE beschäftigt hat, der wird verstehen, dass diese idee nichts mehr mit eso-quatsch oder mit verschwörungstheorien zu tun hat.

wir tragen Peter Joseph seine unwissenheit von vor 5 jahren einfach nicht nach. im ernst, wer von uns war vor 5 jahren nicht noch „viel blöder“, wenn er heute zurückschaut?

wir konzentrieren uns jetzt auf eine idee, die für sich steht. die RBE braucht keinen „führer“ und keinen „erfinder“, es ist uns egal was für unreife ideen irgendwelche menschen früher in ihrem leben hatten… wer heute die RBE unterstützt, der ist sozusagen am richtigen weg. fehler haben wir in der vergangenheit wohl alle gemacht, aber was zählt ist doch, dass wir heute eine gute idee unterstützen.

und die RBE ist einfach wirklich eine gute idee, für sich betrachtet 🙂

ich beschäftige mich jetzt seit fast 3 jahren aktiv damit, und es gibt nach meiner erfahrung einfach nichts, was dagegen sprechen würde, dass wir endlich aufhören, uns jeden tag aufs neue im endlosen geldspiel gegenseitig überbieten zu wollen, und stattdessen anfangen, die gegebenen ressourcen auf intelligente art und weise zu verteilen.

ich würde dich bitten, dich auch mit der idee an sich zu beschäftigen, und nicht die ehemalige unwissenheit von einzelpersonen auf die idee der RBE zu projizieren.

lg

51 CriticalMind (10.12.2011, 22:49 Uhr)

@Thomas:

„als aktiver supporter des Zeitgeist Movements kann ich dir versichern, dass jedes mitglied bzw. jeder supporter dieser bewegung, der unsere inhalte verstanden hat, sich ausdrücklich von besagtem esoterischen quatsch und verschwörungstheorien distanziert.“
Solange das öffentlich nicht genauso rüberkommt, wird in eurem Namen weiter gefährlich auslegbares Halbwissen verbreitet.

„wer heute die RBE unterstützt, der ist sozusagen am richtigen weg. fehler haben wir in der vergangenheit wohl alle gemacht, aber was zählt ist doch, dass wir heute eine gute idee unterstützen.

und die RBE ist einfach wirklich eine gute idee, für sich betrachtet“
Ich und viele andere würden es allerdings sehr stark begrüßen, wenn sich das ZM mehr auf kritische Diskurse auch inhaltlich einlässt und nicht nur Ansichten Peter Josephs reproduziert. Und wo du dich ja mit „jedem mitglied bzw. jedem supporter eurer bewegung“ identifizierst, habe ich aus erster Hand dort selbst eine diskursunfähige Einstellung mitbekommen. (jaja, sehr subjektiv) Aber wenn Stichworte wie Adorno und Marx mit Philosophie abgetan wird, die im Gegensatz zu Wissenschaft steht, dann bleibt mir auch nicht mehr übrig als ein Facepalm. m(

„ich beschäftige mich jetzt seit fast 3 jahren aktiv damit, und es gibt nach meiner erfahrung einfach nichts, was dagegen sprechen würde, dass wir endlich aufhören, uns jeden tag aufs neue im endlosen geldspiel gegenseitig überbieten zu wollen, und stattdessen anfangen, die gegebenen ressourcen auf intelligente art und weise zu verteilen.“
Es gibt sehr vieles, und das nennt sich abstrakt gesehen gesellschaftlicher Zwang, du kannst nicht ohne Geld leben und Geld an sich ist auch nicht wirklich kritisierenswert. Ich hoffe wirklich, dass deine Aussage einen theoretischen Charakter hat, aber dafür müsstet ihr als ZM weitaus mehr kritisieren und „wissenschaftlich“ dekonstruieren. Geisteswissenschaft ist auch eine Wissenschaft.

52 Wachstum vs. Soziales? « Serdargunes' Blog (07.01.2012, 14:32 Uhr)

[…] Keimform.de gibt es eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem im Video genannten Film Zeitgeist moving […]

Schreibe einen Kommentar