Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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„Let’s talk about system change!“ – Online-Seminare zu Kritik, Utopie und Transformation

Einige Leute, die auch hier bei Keimform schreiben, haben zusammen mit weiteren Menschen aus der Klimagerechtigkeitsbewegung Online-Seminare zum Thema System Change konzipiert, denn angesichts der Klimakatastrophe finden wir die Suche nach emanzipatorischen gesellschaftlichen Alternativen zu Kapitalismus dringender denn je.

Aus dem Ankündigungstext:

Die Klimagerechtigkeitsbewegung war noch nie so groß und stark wie heute! Trotzdem ändert sich in der Klimapolitik und der Einsparung von Treibhausgasen katastrophal wenig. Wir glauben das liegt nicht daran, dass wir noch nicht genug Druck aufgebaut haben und erst recht nicht daran, dass Menschen die Erhaltung unserer Lebensgrundlage egal ist. Die Ursachen von Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit müssen wir stattdessen in unserem Gesellschafts- und Wirtschaftssystem suchen. Die gute Nachricht: Das können wir ändern. Aber dafür müssen wir es verstehen. Deswegen wollen wir mit euch über Kritik sprechen, Alternativen zum Kapitalismus diskutieren und nach Wegen such, wie wir dorthin gelangen. Denn es ist Zeit, dass wir gemeinsam in Aktion treten: System Change not Climate Change!

Das Online-Seminar teilt sich in drei Blöcke à zwei Stunden – zu Kritik, Utopie und Transformation/Praxis. Zu den Blöcken gibt es Input-Videos, die ihr euch hier angucken könnt, bei den Seminaren wird dann per Videokonferenz darüber diskutiert.

Ein Seminar fand bereits im Juni statt, das nächste ist vom 15.-17.7., jeweils von 17-19 Uhr. Anmelden könnt ihr euch hier. Darüber hinaus freuen wir uns auch sehr über Anfragen von Gruppen, sei es aus der Klimagerechtigkeits- oder anderen emanzipatorischen Bewegungen, die Lust haben mit uns ein Online-Seminar zu machen.

Kategorien: Termine

2. Juli 2020, 18:49 Uhr   3 Kommentare

1 Christian Siefkes (03.07.2020, 16:38 Uhr)

Cool!

Aber obwohl du von der „Suche nach emanzipatorischen gesellschaftlichen Alternativen“ redest, scheint euer Konzept nicht sehr pluralistisch zu sein. Tatsächlich stellt ihr nur eine Alternative als solche vor, nämlich die „Commons-Gesellschaft“; der Rätekommunismus, den ihr als weitere Alternative nennt, wird in dem entsprechenden Video eher gebasht. Muss dass denn sein – wenn ihr schon niemand gefunden habt, die/der dieses Konzept vertritt (habt ihr überhaupt gesucht?), warum lasst ihr es dann nicht einfach weg? Mit dem Dissen der emanzipatorischen Alternativen tut ihr der Idee des System Change ja nun wirklich keinen Gefallen – zumindest solange es auf einer so oberflächlichen Ebene bleibt wie dieses Video.

Übrigens würde ich auch der Behauptung nicht zustimmen, dass der „Wachstumszwang“ auch ganz unabhängig vom Kapitalismus jedweder „Marktwirtschaft“ inne wohnt. Aber das ist nochmal eine andere Debatte…

2 Simon Sutterlütti (05.07.2020, 11:22 Uhr)

Ja, vielleicht wäre es gut auch eine Kritik am Commonismus zu haben. Weil ohne Kritik finde ich es komisch den Rätekommunismus hinzustellen, ich finde ihn auch ganz gut, aber eben nicht so überzeugend. Und wir hatten andere utopische Strömungen überlegt. Aber Anarchokommunismus ist nun Commonismus sehr ähnlich. Anarchismus gibt’s dann noch föderalere Ideen, aber da sind uns auch kaum gute oder zumindest nur eher unausgereifte eingefallen. Bookchins Ding tendiert eher wieder zum Staat meinten manche … also falls ihr noch gute Vorschläge habt 🙂 

3 Jojo Klick (05.07.2020, 14:58 Uhr)

@Christian: Was Simon in dem Video zu Rätekommunismus macht würde ich gar nicht als Diss verstehen, sondern als solidarische Kritik. Die Videos sind ja jetzt auch nicht der Weisheit letzter Schluss, mit denen wir den Teilnehmer*innen die endgültig von uns gefundene Wahrheit beibringen wollen, sondern einfach unser Stand und Grundlage zur Diskussion in den Online-Seminaren. Wie Simon schreibt hatten wir erst auch überlegt, noch andere Strömungen aufzunehmen, nämlich Anarchokommunismus und Demokratischen Konföderalismus (und bei der Transformation noch Anarchosyndikalismus), z.T. haben wir aber keine Leute zu gefunden und z.T. haben wir es selber nicht mehr geschafft dazu noch Videos zu machen (bzw. beim Anarchokommunismus wäre es inhaltlich einfach sehr nah am Commonismus gewesen). Aber wenn noch jemand Lust hat, Input-Videos zu diesen Ansätzen oder auch zu anderen staats- und marktkritischen Utopien und Transformationsstrategien einzubringen, könnt ihr uns gerne anschreiben. Tatsächlich ist es natürlich ein gewisser Widerspruch und eine Herausforderung, dass wir einerseits mehrere Utopien vorstellen wollen, andererseits aber als Gruppe was das angeht relativ homogen sind. Insgesamt ist es aber auch ein bisschen diesem Online-Format geschuldet, bei dem man einfach weniger Zeit hat als bei einem Real-Life-Seminar, wo die Diskussion weiterer Utopien mehr Platz einräumen könnte.
Ich persönlich hätte die Kritik am Rätekommunismus glaube ich auch etwas anders geframt als Simon, und weniger Commonismus als Gegenmodell dargestellt, sondern vielleicht eher als Aufhebung der zentralen Probleme des Rätekommunismus. Ich glaube, dass im Commonismus innerhalb von Commons-Verbünden Rätestrukturen eine wichtige Rolle spielen können, nur dass es eben keine zentrale Rätestruktur gibt, die für die gesamte Gesellschaft plant. Also Commonismus als polyzentrischer Rätekommunismus. Gegenüber früheren Ansätzen wo die commonistische Vermittlung noch als komplett dezentriert gedacht wurde, wurden da ja wohl auch einige Impulse von beispielsweise Rätekommunist*innen aufgenommen (siehe Simons Video zu Koordination: https://keimform.de/2020/commonismus-und-koordination/ ). So in die Richtung ging auch eine Diskussion beim Seminar im Juni.
Also eine auch pluralistische Suche nach gesellschaftlichen Alternativen kann sehr gerne im Seminar passieren (es war beim Seminar im Juni z.B. auch schon so, dass jemand seine eigenen Konzepte eingebracht hat und wir das diskutiert haben), dafür sind die da. Dazu gehört aber eben auch gegenseitige Kritik an den jeweiligen Konzepten.

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