Interessengemeinschaft statt Avantgarde

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Kommunismus wird als universale Befreiung der Menschheit vom Kapitalismus beschrieben. Doch kann dem Kapitalismus, der sich nur durch unvorstellbare Gewalt global ausbreiten konnte, eine globale gewalt- und herrschaftsfreie Gesellschaft folgen? Einige Überlegungen zu einem partikulären Verständnis von Kommunismus.

Der Kapitalismus ist die erste gesellschaftliche Struktur, die sich auf dem gesamten Globus ausgebreitet hat. Folgt man Immanuel Wallersteins Argumentation der Weltsystemtheorie so liegt dies darin begründet, dass die kapitalistische Ökonomie nicht in ein Reich wie bspw. das Römische umgewandelt wurde. Bis heute ist sie in Nationen organisiert.1 Der Kapitalismus erscheint ideologisch als die natürliche und universelle Wirtschaftsform der Menschheit. Diesem Universalismus folgt die antikapitalistische Kritik im Internationalismus verschiedener marxistischer Strömungen oder in globalen Visionen utopischer Entwürfe postkapitalistischer Gesellschaften. Oft nicht explizit ausformuliert folgt dem Kapitalismus in der Vision eine globale kommunistische Gesellschaft.2

Hier stellt sich jedoch die Frage, ob dem kapitalistischen Universalismus, der nur durch unvorstellbare koloniale und imperiale Gewalt möglich geworden ist, eine universale befreite Gesellschaftsordnung folgen kann. Sollte die Antwort auf den gewaltförmigen kapitalistischen Universalismus nicht gerade ein partikulärer Kommunismus sein. Ich gehe hier den geschichtlichen Ursprüngen der Universalität der kommunistischen Idee nach: monotheistische Paradiesvorstellungen und christlicher Missionsgedanke. Und ich plädiere für eine partikuläre Version eines postkapitalistischen Gesellschaftsentwurfs und schlage eine mögliche Fassung dieser vor: Kommunismus als offene Interessengemeinschaft.

Paradies

Ja, vergessen sind die früheren Nöte, sie sind meinen Augen entschwunden. Denn schon erschaffe ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn. Jes 65,17

Alle monotheistischen Religionen warten. In den Vorstellungen des heutigen Judentums wird der Messias an der Stelle des ersten und zweiten Tempels in Jerusalem niederkehren. Dieser bringt Shalom – Frieden und Wohl für alle –, das Paradies, aus dem Adam und Eva verbannt wurden. Im Tanach wird ein Messias nur an sehr wenigen Stellen erwähnt. Die theologische Forschung zum Alten Testament bzw. seiner Vorlage, der Hebräischen Bibel, geht davon aus, dass der Untergang des Reiches Juda 587 v. Chr. hier einen entscheidenden Einfluss hatte. Die Natanweissagung in 2.Samuel 7 spricht von einem jüdischen Thron, der ewig Bestand haben wird. Da dies aber nicht der Fall und das Reich Juda untergegangen war, wurde diese Stelle aus der Natanweissagung auf einen noch kommenden Messias bezogen. Die Gleichsetzung von König und Messias besteht dabei bereits auf begrifflicher Ebene, „Messias“ bedeutet „der Gesalbte“, etwas, was damals allen Königen zuteil wurde. Das Christentum, welches im ersten Jahrhundert als Teil der Pluralität des Judentums anzusehen ist, hat seine Messianismus aus dieser jüdischen Tradition geschöpft. Zwar kam nach christlicher Auffassung der Messias mit Jesus bereits, doch steht seine zweite Wiederkehr an, die das jüngste Gericht einläutet, auf welches das Reich Gottes folgt. Eng verbunden mit der Messiaserwartung ist die literarische Gattung apokalyptischer Schriften, die das Erscheinen bzw. die Wiederkehr des Messias mit dem Ende der Welt verknüpfen. Der Messias bringt keine Verbesserung der Welt, sondern eine Erlösung von der Welt. Am Ende der Offenbarung des Johannes ist die Welt untergegangen und das neue Jerusalem schwebt vom Himmel herab.

Von verschiedenen Autorinnen ist auf die Parallelen zwischen monotheistischen Paradiesvorstellungen und Marxismus hingewiesen worden. Sabine Brächter sieht in den marxistischen Vorstellungen der Weltgeschichte ein missionarisches Projekt, in dem das Proletariat als Heilsbringer erscheint, „das als ein auserwähltes Werkzeug der Geschichte, das mit einer ganz besonderen Aufgabe im vorherbestimmten Heilsplan betraut ist, eine universale Mission erfüllt.“3 Im orthodoxen Marxismus war dies in den Bildern des kommenden Kommunismus zum Teil noch deutlicher zu sehen als heute. Chantal Mouffe und Ernesto Laclau haben in Hegemonie und radikale Demokratie dem orthodoxen Marxismus eine illusorische Erwartung eines einheitlichen und gleichartig kollektiven Willens attestiert, der das Moment der Politik sinnlos mache.4 In After Marxism stellt Ronald Aronson den Marxismus nicht einfach als ein wissenschaftliches Projekt dar, vielmehr beinhalte es prophetische und eschatologische Dimensionen. Die Behauptungen über die kommende proletarische Revolution gingen weit über das hinaus, was auch zu Marx‘ Zeit für wissenschaftlich haltbar gegolten hatte.5

Viele der verschwommenen Bilder einer postkapitalistischen Gesellschaft in vergangen und gegenwärtigen antikapitalistischen Diskursen und Kämpfen sind von diffusen Vorstellungen der Harmonie und Glückseligkeit bestimmt. Die postkapitalistische Gesellschaft erscheint als ein Ort, der befreit ist vom Negativen, von Widersprüchen. In den monotheistischen Religionsvorstellungen sind die Menschen nicht an der Gestaltung des Paradieses beteiligt, denn dieser Ort ist in einer neuen Welt, mit welcher Gott die jetzige ersetzt. Ähnlich scheinen die gegenwärtigen Vorstellungen vom Kommunismus bestimmt zu sein. Auch hier sind die Menschen wenig beteiligt, denn der Kommunismus folgt der Befreiung von den Widersprüchen des Kapitalismus. Kommunistinnen benennen zwar die normative Rahmung des postkapitalistischen Entwurfs – eine bedürfnisorientierte Ökonomie und die Abwesenheit von Ausbeutung, Herrschaft und Diskriminierung. Die konkrete Gestaltung bleibt im marxistischen Diskurs im Großen und Ganzen jedoch vage, was meines Erachtens nicht nur in dezidierten Überzeugungen wie Adornos Bilderverbot begründet liegt. Vielmehr gibt es weitere, weniger offen liegende Gründe dafür, auf die noch weiter eingegangen wird.

Grundsätzlich beinhaltet der Begriff der Befreiung die problematische Vorstellung einer natürlichen, reinen, unberührten Essenz, die befreit werden und auf die sich bezogen werden könnte. Diese Essenz sitzt im Gefängnisgebäude der kapitalistischen Verwertung des Werts und muss nur freigelegt werden. Poststrukturalistische Subjektverständnisse haben solche Vorstellungen hinterfragt und begonnen, Macht als produktiv zu verstehen: Das Subjekt wird erst dann handlungsfähig, wenn es durch die Gesellschaft, die es unterdrückt, hervorgebracht wird. In diesem Verständnis gibt es keine Befreiung, keine Essenz des Subjekts, auf die man sich beziehen könnte. Folgt man dieser Denkfigur, dann tritt an die Stelle von „Befreien“ die Ersetzung kapitalistischer Prinzipien durch neu entwickelte, denen keine Natürlichkeit innewohnt.

Dennoch sind religiöse und säkulare Paradiesvorstellungen zweischneidig. Schon im antiken Juden- und Christentum enthielten sie eine dezidierte Gesellschaftskritik. In der Johannes-Offenbarung zum Beispiel verbindet sich das kommende Reich Gottes mit dem Kampf gegen die römische Herrschaft. Auch die säkularisierten gegenwärtigen utopischen Vorstellungen sind Kritiken an herrschenden Verhältnissen wie Kapitalismus, Sexismus oder Homophobie. Doch ihnen fehlt oft das Moment des Politischen, sie zeichnen sich aus durch die Inexistenz gegensätzlicher politischer Lager und das Fehlen von Links und Rechts. Auch mit dem Bilderverbot enthielt der orthodoxe Marxismus dieses Moment. Ein Grund, weswegen im Realsozialismus das Streikrecht, eine Errungenschaft jahrzehntelanger Kämpfe der Arbeiterklasse, abgeschafft wurde, weil man dieses nicht mehr für nötig erachtete.

Zudem ist die Ansicht des Paradieses als etwas Jenseitiges, als etwas, das diese Welt ersetzt, im Christentum auch immer wieder hinterfragt worden. Die Befreiungstheologie und die religiös-sozialistische Bewegung hat für ein Verständnis des Reich Gottes als etwas Diesseitigem argumentiert, auf das wir schon in der heutigen Welt hinarbeiten müssen. Urs Eigenmann schreibt, dass die 95 Stellen zum Reich Gottes in den synoptischen Evangelien genau dies beschreiben. Mit Stellen wie „wie im Himmel, so auf Erden“ sind Christinnen und Christen aufgefordert, für Gleichheit, Gerechtigkeit und gegen Armut schon vor dem jüngsten Gericht zu kämpfen.6

Bekehrung

Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus erkennen, den Retter aller Menschen.
Allmächtiger ewiger Gott, Du willst, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Gewähre gnädig, dass beim Eintritt der Fülle aller Völker in Deine Kirche ganz Israel gerettet wird. Durch Christus, unseren Herrn.
Karfreitagsfürbitte für die Juden in der Neuformulierung Benedikt XVI. von 2008

Der jüdischen Religion ist das in der christlichen Heilslehre so zentrale Motiv der Missionierung fremd. Israel hat den Bund mit Gott angenommen – der wohl auch allen anderen Völkern angeboten wurde – und ist damit zum auserwählten Volk geworden, das nun nach dem Gesetz, den Geboten und Verboten lebt, die in der Thora niedergeschrieben sind. Eine der Hauptideen der jüdischen Gruppierung des Urchristentums war nun, dass jeder Mensch in diesen Bund mit Gott treten könne. Dafür sollte zudem nicht mehr die Befolgung der Gebote und Verbote der Thora nötig sein, sondern der Glaube, die Nächstenliebe und die Gnade Gottes. Wie Schriften älter als das Christentum belegen, gab es diese Motive im Judentum bereits vor der Entstehung der Texte des Neuen Testaments.7 Das Christentum des ersten Jahrhunderts wird deswegen in den theologischen Theorien der letzten Jahrzehnte immer stärker als Teil der antiken Pluralität des Judentums verstanden. Paulus‘ Vorhaben, den Bund zu Gott auch Nicht-Jüdinnen zugänglich zu machen, eine Universalisierung des Judentums anzustreben und damit die Missionsidee entstehen zu lassen, muss als innerjüdischer Reformversuch verstanden werden. Könnte man diese Idee der Universalisierung aus Perspektive des antiken Judentums durchaus als emanzipatorisch werten, so führte das missionarische Motiv vor allem im zweiten Jahrtausend christlicher Geschichte dazu, dass diese zur gewaltförmigsten aller Religionen wurde, wenn man sich die mit ihr verwobene Geschichte der Kolonialisierung vor Augen führt.

Diesem Universalismus möchte ich mit der Überlegung nachgehen, dass er sich im Marxismus und in kommunistischen Ideen niedergeschlagen hat, da es sich mit der Abschaffung des Kapitalismus und der Weltrevolution um Forderungen handelt, die explizit oder implizit die Menschheit an sich betreffen sollen. Der Ursprung des Universalismus kann in Teilen auf das antike Judentum als erste monotheistischer Religion zugeschrieben werden – ein Gott der gesamten Menschheit. Jedoch hat sich der Monotheismus im antiken Judentum erst nach und nach herausgebildet. Die als monotheistischen Forderungen ausgelegten Stellen widersprechen oft nicht der Existenz anderer Götter, vielmehr halten sie das Volk Israel an, nur jenem einen Gott zu dienen, dessen Name nicht auszusprechen ist.

Erst in der Bedeutsamkeit der Mission im Christentum und im damit verbundenen Bild eines einzigen Gottes aller Menschen hat sich die universalistische Idee entfaltet. Paulus brach im ersten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung wohl am vehementesten mit der Idee des auserwählten jüdischen Volkes. Er unternahm zahlreiche beeindruckend erfolgreiche Missionsreisen und gründete viele christliche Gemeinden auf dem Gebiet des damaligen römischen Reiches. Nicht zuletzt ist die Sprache des Neuen Testaments, Griechisch, im Gedanken der Missionierung begründet: Es war in der Zeit seiner Entstehung aufgrund des Hellenismus die einflussreichste Sprache im Römischen Reich. Wollte man viele Menschen erreichen, war Griechisch das Mittel der Wahl. Der Erfolg des Christentums liegt aber nicht zuletzt auch darin begründet, dass Paulus‘ Universalisierung des Judentums an die Überwindung des jüdischen Gesetzes gebunden war. So konnten insbesondere am Judentum interessierte Männer ohne Beschneidung Teil der ersten Gemeinden des Urchristentums werden.

Auch die Emanzipation der Arbeiterklasse sollte Marx und Engels zufolge die gesamte Menschheit umfassen (zunächst jedoch alle „fortschrittlichen“ Länder), ein Ansatz, der Teil der holistischen Idee des Marxismus war und ist. Die Idee der Weltrevolution findet sich später im Konzept der „Permanenten Revolution“ Leo Trotzkis wieder. Zwar sei eine nationale Revolution hin zum Kommunismus möglich, doch diese kann nie Endpunkt sein, sondern Ausgangspunkt und Funken für revolutionäre Umwälzungen in anderen Ländern. Trotzki spricht vom „Sieg der neuen Gesellschaft auf unserem Planeten.“ Das Zitat erinnert an die letzten Passagen der Johannes Offenbarung im Neuen Testament: Nachdem Gott die Erde zunichte gemacht hat, schwebt vom Himmel das neue Jerusalem, Symbol für das neue Reich Gottes, welches die jetzige Welt, die von Gier, Reichtum und Boshaftigkeit durchzogen ist, ersetzt.

Eine weitere frappante Parallele zwischen Marxismus und frühem Christentum ist die Erwartung des unmittelbar kommenden neuen Reiches. Die frühen christlichen Gemeinden haben die baldige Wiederkehr Jesus‘ und das Reich Gottes erwartet. Aus diesem Grund sahen sie zuerst auch keinen Sinn darin, die Geschichte Jesus aufzuschreiben und hielten an mündlichen Überlieferungen fest. Erst einige Jahre nach seinem Tod haben anonyme Schreiber (wer weiß, vielleicht auch Schreiberinnen) begonnen, seine Geschichte aufzuschreiben – ohne ihm je begegnet zu sein.

Ähnlich ging man im orthodoxen Marxismus des 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vom baldigen Untergang des Kapitalismus aus. Dies wurde einerseits mit der These des tendenziellen Falls der Profitrate und andererseits dem postulierten sich verschärfenden Widerspruch zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse begründet. Der tendenzielle Fall der Profitrate würde den Kern des Kapitalismus, die Produktion des Mehrwerts, unmöglich machen. Mit der Zuspitzung des Klassenwiderspruchs war vor allem die Verarmung der Arbeiterklasse gemeint, woraus das Revolutionäre in der Arbeiterin erwachsen sollte. Hier entstand auch die deterministische Geschichtsauffassung des Marxismus. Wie in der Vorstellung des baldigen Kommens von Weltgericht und Reich Gottes gab es im orthodoxen Marxismus eine vorbestimmte geschichtliche Entwicklung: Der bürgerlichen Revolution (die den Feudalismus abgeschafft hat) folgt die proletarische Revolution, die den Kommunismus verwirklicht.

Säkularisierung

Man kann ‚Säkularisierung‘ als Überwindung religiösen Denkens bezeichnen; man kann sie aber auch als Verweltlichung religiöser Botschaften definieren. Letzteres charakterisiert vor allem das christliche Denken, das von einer Säkularisierungsgeschichte begleitet wird, die anderen Religionen fremd ist.
Christina von Braun: Gen und bit als Gestalten des corpus Christi mysticum.

Sind die Parallelen zwischen monotheistischen Heilsbotschaften und marxistischer Theorie zufällig? Eine insbesondere in den Kulturwissenschaften vertretene These geht von der Entfaltung christlicher Topoi in weltlichen, modernen Denkweisen aus. So hat sich – um einem konkreten Beispiel von Christina von Braun zu folgen – die Blutsmetapher des christlichen Abendmahls, das die Einigkeit der Gemeinschaft symbolisiert, in der Blutsmetapher der Rassentheorien und -diskurse wiedergefunden, was in den nationalsozialistischen Verordnungen zur „Reinhaltung des deutschen Blutes“ gipfelte.8

Gäbe es mit einem solchen Zusammenhang zwischen Christentum und Marxismus ein Problem? Unsere heutigen ethischen und moralischen Vorstellungen haben ihren Ursprung im antiken Judentum; viele der jüdischen Propheten bis hin zu Jesus von Nazaret haben sich deutlich sozialkritisch geäußert; in Theologie des Kommunismus geht Konrad Farner so weit, Juden- und Christentum eine grundsätzlich kommunistische Einstellungen zu attestieren.9 Dafür führt er zahlreiche insbesondere alttestamentarische Textstellen an, die sich in (nicht nur) seiner Interpretation gegen das Privateigentum aussprechen. Die Johannes-Offenbarung beinhaltet neben der bereits erwähnten Kritik an Reichtum auch einen deutlichen Aufruf zum Klassenkampf. Beides sind Gründe, warum dieser – im Neuen Testament ungeschlagen schönste – Text immer wieder religiös-sozialistischer Exegese diente.

Angenommen, die Paradiesvorstellungen und Missionierungstopoi haben sich im marxistischen Universalismus säkularisiert, dann würde das darauf hindeuten, einer in den Grundzügen ähnlichen Phantasie verfallen zu sein wie das Christentum – Missionierung aller, Ersetzung der irdischen Welt durch Gott, Paradies als jenseitige Welt –, die aus atheistischer Sicht schlicht falsch und agnostischer Sicht höchst unwahrscheinlich ist. Der Marxismus wäre damit in einem ähnlichen niemals real werdenden Phantasma verfangen.

Zudem könnte dies ähnliche Probleme beinhalten wie die gewaltvolle Geschichte christlicher Missionierung. Autorinnen wie Horst Gründer gehen von einer grundsätzlichen Verwobenheit von Kolonialismus und christlicher Missionsidee aus.10 In Bezug auf Kommunismus sollten wir uns fragen, ob der Kapitalismus, der sich erfolgreich als universelles gesellschaftliches System mit unvorstellbarer Brutalität durchsetzen konnte, durch ein anderes universales System ersetzt werden kann, das diese Gewalt nicht weiterführt. Auch kann in Bezug auf die Geschichte des Kommunismus gefragt werden, inwieweit die entsetzliche Gewalt, mit der sich der Stalinismus auf dem Gebiet der Sowjetunion ausgebreitet hat, in den holistischen, universalistischen Ideen des orthodoxen Marxismus ihren Anfang nahm.

In den zeitlich kürzer zurückliegenden kommunistischen Debatten ist die beschriebene Paradieshaftigkeit in den Vorstellungen postkapitalistischer Gesellschaften und das Postulat, sich kein Bild von der kommenden Gesellschaft machen zu können immer wieder thematisiert und kritisiert worden.11 Neben der zunehmenden Kritik am Bilderverbot gibt es auch einige jüngere Versuche, konkretere Strukturen einer postkapitalistischen Gesellschaft zu zeichnen. Dennoch passiert dies stets sehr zaghaft. Entwürfen konkreter Bilder wohnt eine Unbehaglichkeit inne, die sich schwer fassen lässt. Bedienen sich die marxistischen Befreiungserzählungen monotheistischer Paradieserzählungen in ihrem Absolutsein und ihrer Abstraktheit – die „herrschaftsfreie Gesellschaft“ –, verliert in der konkreten Planung die Utopie diese Transzendenz. Die Utopie ist dann nicht mehr ein Jenseits, eine Welt, welche die irdische ersetzt. Wenn konkreter darüber nachgedacht wird, stellen sich die ganzen unangenehmen Fragen. Wie geht man nach der Revolution mit Menschen um, die sich nicht an die neuen normativen Setzungen halten oder diese grundsätzlich ablehnen? Wie werden die unzähligen unerfreulichen Arbeiten verteilt? Was wird aus Gefängnis und Polizei? Fragen, die den Zauber der unschuldigen, unkonkreten Utopie zerstören.

Gewiss lässt sich die Utopie nicht am Reißbrett entwerfen. Uns ist kein Blick in die Zukunft möglich, da Geschichte nicht nach Gesetzen funktioniert. Was wird passieren, wenn wir uns nicht mehr als in Konkurrenz stehende Subjekte begegnen? Wie werden wir uns daran gewöhnen, ohne kapitalistische Existenzangst zu arbeiten, weil wir den kapitalistischen Arbeitsethos in die neuen Geschichtsbücher verfrachtet haben? Den Kapitalismus abzuschaffen und eine kommunistische Gesellschaft zu verwirklichen bedeutet, den Mut und die Bereitschaft aufzubringen, sich auf ein Experiment einzulassen. Doch damit sich dieses Experiment möglichst weit in die Richtung der normativen Rahmung entwickelt und wir nicht Realsozialismus 2.0 erleben, müssen wir uns trotz des unmöglichen Blicks in die Zukunft über mögliche Strategien der Realisierung einer kommunistischen Utopie bereits in der Gegenwart machen. Anders formuliert: Wenn wir nach dem stalinistischen Terror weiterhin für den Kommunismus kämpfen, müssen wir bereits im Vorfeld sehr konkret wissen, wie sich diese Geschichte nicht wiederholt und wie anders mit einer Konterrevolution umgegangen werden kann.

Abschied von Paradies und Mission?

Schlaraffia und Kanaan,
Ardistan, Kommunistan,
wo ist das gelobte Land?
Klaus Degenhardt

Chantal Mouffe und Ernesto Laclau sind Fans von Antonio Gramsci. Während alle anderen Marxistinnen insbesondere der Zweiten Internationalen völlig zunichte gemacht werden, bleibt das Hegemonieverständnis des italienischen Kommunisten zentrales Standbein ihrer postmarxistischen Theorie. Der Weg zur Überwindung des Kapitalismus ist hier keiner der Befreiung mehr, sondern einer der Erlangung von Hegemonie. Den Kapitalismus zu überwinden bedeutet dann weiterhin politische Auseinandersetzung zwischen politischen Gegnern in einer postkapitalistischen Gesellschaft. Zudem ist Hegemonie in Gramscis Konzeption auch nach der Revolution weiterhin etwas Brüchiges, nichts von Überzeitlichkeit Geprägtes. Das ist ein wichtiger Punkt, da der Kommunismus – trotz viel beschworener Kritik an Fukuyamas Postulat des Kapitalismus als Ende der Geschichte – oft selbst als eine Art Ende der Geschichte, Ende des Politischen, letzte Harmonie dargestellt wird. Zwar gerät das monotheistische Paradies-Motiv ins Wanken, doch scheint in der marxistische Debatte die Frage nach Mission und Universalität weiterhin umschlängelt zu werden.

Spielen wir das avantgardistische Szenario einmal anhand P.M.‘s utopischen Roman Manetti lesen durch. Er argumentiert dagegen, sich als kommunistische Linke in Institutionen wie Parteien und Gewerkschaften zu organisieren. In dem von ihm beschriebenen Projekt plädiert er dafür, wieder mit den Menschen direkt zu sprechen, vielleicht einfach von Haustür zu Haustür zu gehen. Wie könnte mit einem solchen Vorhaben die Entstehung einer kommunistischen Hegemonie, die zur Überwindung des Kapitalismus und zur Etablierung einer nach Bedürfnissen organisierten Ökonomie führt, aussehen? Nehmen wir an, es machen sich tausend Kommunistinnen auf den Weg, die frohe Botschaft zu verkünden. Jede überzeugt pro Monat eine Person von der kommunistischen Idee. Die neu Hinzugewonnenen machen sich auch auf den Weg, man ist also nach einem Monat schon zweitausend. Wenn sich das dann so fortsetzt, dann hat man nach 22,61 Monaten achtzig Prozent der Weltbevölkerung überzeugt. Sagen wir, die Leute werden zwischendurch noch krank oder wollen auch mal Urlaub von den Überzeugungsstrapazen nehmen, für manche braucht man auch ein bisschen länger. Dann können wir für das Projekt, eine globale kommunistische Hegemonie zu erreichen, mit drei Jahre rechnen. Überschaubar.

Unsere alltäglichen Erfahrungen lehren uns, dass ein solches Projekt nicht zu funktionieren scheint. Es gibt einen Widerstand, der die Subjekte davon abhält, sich von der doch so einleuchtenden kommunistischen Idee überzeugen zu lassen. War man im orthodoxen Marxismus noch davon ausgegangen, dass sich das Proletariat durch Gesetzmäßigkeiten zum revolutionären Subjekt entwickelt, so zeigte die weitere historische Entwicklung des Kapitalismus eine faszinierende soziale Beständigkeit. Im Marxismus wird vor allem mithilfe der Kritischen Theorie und des Ideologiebegriffs versucht, diese Beobachtung theoretisch zu erklären. Die Kritische Theorie erweiterte das marxistische Projekt um die Psychoanalyse, um die sozialen Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsweise zu erklären. Mit den „Verblendungszusammenhängen“ etablierte sich hier ein Begriff, der die Stabilisierung der herrschenden Verhältnisse beschreiben sollte.

Der Begriff der Ideologie (und der damit eng verbundene Begriff der Entfremdung) ist im Marxismus immer wieder für eine Analyse der Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse, insbesondere die Reproduktion von Herrschaft, genutzt worden. Der Begriff ist sehr unscharf und mit zahlreichen unterschiedlichen Bedeutungen aufgeladen. Im früheren Marxismus hat man Ideologie als für die Sicherstellung von Herrschaft „notwendigen falschen Bewusstsein“ verstanden. Dies hat sich inzwischen geändert und es wird häufiger die Frage gestellt, wem ein bestimmtes Wissen im Sinne von Herrschaft nützt. Auch begegnete die Ideologie bei Louis Althusser der Subjektwerdung. Er hat mit der Anrufung eine Denkfigur eingeführt, in der das Subjekt nicht einfach nur durch Herrschaft unterdrückt, sondern sie und ihre Ideologie erst hervorgebracht wird. Subjekte unterwerfen sich den herrschenden Verhältnissen, weil sie von ihnen hervorgebracht werden. Darin liegen die Widerstände gegen emanzipatorische Ideen begründet.

Hier findet sich eine bedenkliche Figur der Avantgarde: Jan Rehmann weist in seiner Einführung in die Ideologietheorie auf das Problem hin, dass die Ideologiekritikerinnen als jene erscheinen, die die Sache durchblicken, während andere als dümmlich, der Ideologie aufgesessen, noch nicht richtig denkend erscheinen.12 Das Konzept der Ideologie bietet nicht nur die Möglichkeit, das Funktionieren von Herrschaft zu verstehen. Auch hilft es zugespitzt formuliert, anti-kommunistische Positionen als reaktionär, anachronistisch und hoffentlich bald überholte Positionen zu verstehen. Diese Denkfigur sei nun mit den Überlegungen zu radikaler Demokratie kontrastiert.

Laclau und Mouffe stellen Nicos Polantzas folgend („Der Sozialismus wird demokratisch sein oder gar nicht“) und unter Betonung von Gramscis Hegemoniebegriff radikale Demokratie in einen engen Zusammenhang mit Sozialismus. Ein Ansatz, den Mouffe in späteren Schriften noch expliziter formuliert: das Anerkennen der steten Existenz antagonistischer, sich gegenseitig ausschließenden Positionen, vor allem Links und Rechts, innerhalb einer Gesellschaft.13 Die Aufgabe der Demokratie sei es nun, „Kanäle“ zu finden, die diese antagonistischen Positionen in agonistische Positionen umwandelt. Agonistische Positionen stehen sich nicht mehr feindlich gegenüber, sondern erkennen sich einerseits als Gegner an und andererseits das demokratische System, das sie vermittelt.

Dieser Überlegung folgend zieht sie auch den Schluss, dass es kein jenseits von Hegemonie geben wird. Auch ein postkapitalistischer Kommunismus wird ein hegemoniales System sein, welches auf Ausschlüssen basiert. Folgt man dieser Position, ergeben sich hinsichtlich der Vorstellungen und Konzepte zum Kommunismus nicht triviale Konsequenzen, denn es bedeutet, dass man sich Gedanken darüber machen muss, welchen Platz in der „herrschaftsfreien“ Gesellschaft bzw. „freien Assoziation“ Lager und Menschen haben, die den Kommunismus grundsätzlich ablehnen.

Kommunismus ist nicht einfach die Befreiung von den Übeln des Kapitalismus, sondern eine neue Form von Gesellschaft, die wie die bürgerliche Demokratie normative Grundsätze beinhaltet: den Grundsatz der weitest möglichen Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, den Grundsatz einer bedürfnisorientierten Ökonomie, das Gewilltsein der weitest möglichen Abschaffung von Herrschaft und Hierarchie. Auch bezüglich dieser Grundsätze stellt sich die Frage, wie sie demokratisch ausgehandelt werden. Den Kommunismus demokratisch denken heißt auch, diese Grundsätze nicht als der Befreiung innewohnende Natürlichkeit zu verstehen, sondern als von Menschen erfundene, gemachte normative Praxis.

Stellen wir uns den zukünftigen Kommunismus als eine Hegemonie jener vor, die den Grundsätzen der Bedürfnisökonomie, dem Streben nach Herrschaftsfreiheit und gegen Ausbeutung zustimmen. Dann müsste ja ‚nur‘ noch überlegt werden, was mit der konservativen Minderheit geschieht, die vielleicht Hierarchie und Konkurrenz gut findet und versucht, diese Prinzipien durchzusetzten. Dies könnte zum einen heißen, eine Minderheit zu ihrem Glück einer kommunistischen Gesellschaft zu zwingen, was insbesondere vor dem Hintergrund des stalinistischen Terrors eine problematische Position ist. Zum anderen könnte es heißen, antikommunistische Positionen als Teil einer kommunistischen Demokratie zu sehen. Dies beinhaltet auch das Phänomen, dass Demokratie nicht heißt, dass sich die sinnvolle, rationale oder emanzipatorische Entscheidung durchsetzt.

Meines Erachtens stellt die Frage nach der Aushandlung der grundsätzlichen Ausrichtungen einer kommunistischen Gesellschaft ein grundsätzliches Problem dar, dem sich bisher wenig gewidmet wird. Denn die kommunistische Idee ist, grobschlächtig betrachtet, bisher ein evolutionäres Gesellschaftsbild – ist die Gesellschaft bisher nicht reif, entwickelt sie sich in der Zukunft hin zum Kommunismus. Sie ist ideologietheoretisch – die Entwicklung wird durch die ideologische Reproduktion gesellschaftlicher Verhältnisse verhindert. Zudem basiert die kommunistische Idee auf dem Konzept der Aufklärung – die sich der Ideologie entgegensetzt und den Weg hin zum Kommunismus ebnet. Mit dem ideologietheoretischen Zugang und dem bequemen Standpunkt der Kritik machen es sich Kommunistinnen einfach damit, die anti-emanzipatorischen Phänomene dem (diesseitigen) Kapitalismus zuzuschreiben, die es im (jenseitigen) Kommunismus nicht mehr gibt.

Den Kommunismus demokratisch denken hieße, antikommunistische und anti-emanzipatorische Einstellungen nicht als ausschließlich zurückgeblieben, von Ideologie durchdrungen und zur Aufklärung bereitstehend zu begreifen. Vielmehr würden diese Positionen auch als ernstzunehmende in die zukünftige Aushandlung grundlegender Aspekte einer kommunistischen Gesellschaft einfließen. Aus marxistischer Perspektive gibt es unzählige Gründe, die gegenwärtigen ökonomischen Verhältnisse als gesellschaftliche Krise zu beschreiben, als Verhältnis voller Widersprüche und unerträglicher Widersinnigkeit. Ein individuelles Bedürfnis nach dem Überwinden dieser Verhältnisse erscheint als einzig mögliche Schlussfolgerung. Doch bietet ein individuelles Festhalten an den gegenwärtigen Verhältnissen vielleicht auch Vorteile, die aus marxistischer Perspektive schwer begreifbar sind: Sicherheit, Einfachheit, etwas, das irgendwie funktioniert. Für eine neue Form der Gesellschaft zu kämpfen und diese auszuprobieren hieße, sich auf ein bisher nicht dagewesenes Experiment einzulassen, dessen Ausgang sich nicht vorhersagen lässt. Müssen Kommunistinnen lernen, antikommunistische, systemunkritische Positionen ernst zu nehmen? Was hieße „ernst nehmen“?

In ihrer Kritik an den kosmopolitischen Theorien heutiger Soziologinnen macht Mouffe auf zwei weitere wichtige Aspekt aufmerksam: die Probleme, die sich aus einem unipolaren, globalen Gesellschaftssystem ergeben und die Notwendigkeit einer Multiplizierung von Hegemonie. Der heutigen weltweiten Hegemonie (laut Mouffe entstanden aufgrund des Neoliberalismus und der Vormachtstellung der USA) wohne eine Tendenz zum Antagonismus und zum Freund-Feind-Schema inne. Den kosmopolitischen Theorien – sie meint bspw. konkrete Vorschläge wie die „Globalen Parlamentarischen Versammlung“, aber auch Ansätze wie die „absolute Demokratie“ bei Hardt und Negri – wohne ein Eurozentrismus inne: Sie gehen von einer richtigen Form der Aufklärung und einer richtigen Form der Demokratie aus. Mit ihrem Postulat einer Vielzahl von Aufklärungen und Formen der Demokratie fordert Mouffe eine Multiplizierung von Hegemonie.

Anarres

Ihr könnt die Revolution nicht kaufen. Ihr könnt die Revolution nicht machen. Ihr könnt nur die Revolution sein. Sie ist in euch oder sie ist nirgends.
Ursula Le Guin, Planet der Habenichtse

In ihrem Science-Fiction-Roman Planet der Habenichtse stellt Ursula Le Guin den kapitalistisch organisierten Planet Urras vor, der einen Aufstand erlebt, der zu mächtig war, um erstickt zu werden, und zu schwach, um die Revolution herbeizuführen. Man fand einen Kompromiss: Es wurde den Odoniern, wie sich die Aufständischen nach ihrer Anführerin nannten, gestattet, zum Schwesterplaneten Anarres auszuwandern, einer kargen, knochentrockenen, menschenfeindlichen Welt, um dort eine freie, klassenlose Gesellschaft zu gründen. Nach 160 Jahren existiert diese Gesellschaft allen Voraussagen zum Trotz immer noch. Das Projekt, an dem der Protagonist und Odonier Shevek arbeitet, findet auf Anarres wenig Anerkennung, da die auf Quantenphysik basierende Technologie interstellare Kommunikation ermöglichen würde, an der auf dem abgeschotteten anarchistischen Planeten wenig Interesse besteht.

Le Guin beschreibt eine zukünftige anarchistische Utopie, die nicht den Befreiungsbildern des orthodoxen Marxismus entspricht. Eine Fiktion, in der die Alternative zum Kapitalismus in einer ähnlichen Konstellation passiert wie in den Staaten des Realsozialismus. Der Kapitalismus existiert weiter, die anarchistische Alternative schottet sich ab und lebt in der kargen Umgebung, die für die Mehrwertproduktion wenig interessant zu sein scheint.

Doch vielleicht ist diese Geschichte nicht einfach nur als Scheitern der Revolution zu interpretieren, sondern vielmehr als generelle Situation von Kommunistinnen bzw. Anarchistinnen? Anarres als Vorlage eines kommunistischen aber partikulären Projekts ohne Weltrevolution? Von der Idee abgewichen, den einen Kapitalismus durch den einen Kommunismus ersetzen zu wollen?

Eine mögliche Version eines partikulären Kommunismus sei hier zur Diskussion gestellt: eine offene Interessengemeinschaft statt einer Avantgarde. Das kommunistische Projekt als Suche nach und Kampf um ein Anarres. All jene, die geplagt sind von einem kommunistischen Begehren, von dem Unbehagen mit dem jetzigen Irrsinn, finden sich zusammen und reißen sich einen Raum unter den Nagel, der gross genug ist, um eine Ökonomie zu verwirklichen, die bedürfnisorientiert organisiert ist. „Arbeiter aller Länder, vereinigt euch“ vielleicht umgewandelt in „Kommunist*innen aller Länder, vereinigt euch“? Das hieße nicht, mit den „besseren Menschen“ eine paradiesische Gesellschaft zu errichten. Es ginge darum, Partikularität mit Gesellschaftsentwürfen zu verbinden. Natürlich wäre eine als Interessengemeinschaft etablierte Gesellschaft eine Hegemonie, die auch weiterhin Ausschlüsse produziert.

Es wäre eine Interessengemeinschaft, welche spezifische normative Grundsätze einer bedürfnisorientierten, ausbeutungs- und herrschaftsfreien Ökonomie vertritt und umzusetzen versucht. Der Begriff Interessengemeinschaft könnte auf Menschen verweisen mit nicht nur einem diffusen Unbehagen mit den heutigen Verhältnissen, sondern auch der Motivation, sich auf ein Experiment Kommunismus einzulassen. Denn das würde Kommunismus sein, ein gesellschaftliches Experiment von etwas noch nie Dagewesenen und Vorhersagbaren. Kommunismus als Interessengemeinschaft würde einen Abschied von der Missionsidee im Umfang von Weltrevolution und Weltkommunismus bedeuten. Das kommunistische Projekt als offene Interessengemeinschaft zu verstehen hieße, eine Hegemonie (oder mehrere) einer multipolaren Welt zu werden. Kampf für einen eigenen Raum, der groß genug ist, um eine funktionierende bedürfnisorientierte Ökonomie etablieren zu können. Auch würden wir uns von der Vorstellung verabschieden, als Kommunistinnen historisches Subjekt zu sein, das die Zukunft der Menschheit vorausdenkt.

„Offen“ in Bezug auf eine Interessengemeinschaft beherbergt hier zwei Bedeutungen. Zum einen den Zugang – Anarres sollte ein Raum sein, der zugänglich ist. Zum anderen die Unschärfe, wer die Kommunistinnen sind und ob das Ganze überhaupt als kommunistisch beschrieben wird.

Sozialismus in einem Land
Kommunismus ohne Territorium
Postkapitalistische Multipolarität

Es ist dies die Frage: ob der Sozialismus zur Durchführung seiner wirtschaftlichen Pläne in der ganzen zivilisierten Welt bzw. bei allen ökonomisch entwickelten Völkern zugleich zur Herrschaft gelangen müsse, oder ob auch ein einzelner sozialistisch organisierter Staat möglich und lebensfähig sei?
Georg von Vollmar, Der isolierte sozialistische Staat

Der gemachte Vorschlag ist natürlich nicht völlig neu und wurde im Marxismus bereits unter der Rubrik Sozialismus in einem Land diskutiert. Der Begriff ist vor allem durch Stalin bekannt geworden und diente als Begründung des Kommunismus in der Sowjetunion. Mit der Devise, die mit der Zeit Eingang in die staatliche Politik fand, wurde einerseits auf die scheiternden Revolutionen in Westeuropa reagiert. Andererseits muss sie wohl auch als Schritt in der sowjetischen Außenpolitik kontextualisiert werden. Denn ein Land, das offiziell die Weltrevolution anstrebt, hätte in anderem Maß als Bedrohung wahrgenommen werden können.

Die Diskussion um den Sozialismus in einem Land ist aber noch älter als die russische Revolution, initiiert wurde sie von einem deutschen Sozialdemokraten. Georg von Vollmar diskutiert in seiner 1878 erschienenen Schrift Der isolierte sozialistische Staat diese Frage insbesondere in technischer Hinsicht. Er plädiert für eine Auseinandersetzung mit der Möglichkeit der Realisierung des Sozialismus in begrenztem Rahmen, da eine Weltrevolution schlicht unrealistisch sei und die Revolution in einem Staat deutlich wahrscheinlicher. Der Text nimmt bereits vieles vorweg, was später in Russland erneut diskutiert wurde. Von Vollmar beurteilt die Möglichkeit eines isolierten sozialistischen Staates als realistisch. Er argumentiert mit beschönigenden und zum Teil schlicht realitätsfernen Bildern, trägt dabei aber wichtige Aspekte zusammen, die für eine solche Diskussion von Relevanz sind.14

Von Vollmar malt ein vergleichsweise konkretes Bild eines solchen Staates: Sämtliche Produktionsinstrumente gehen in einem gesetzgeberischen Akt in den Besitz der Gesamtheit über, dafür gibt es im Gegenzug zwar Entschädigung, diese soll aber eher symbolisch sein. Es gibt einen Wirtschaftsplan. Bezüglich Privateigentum orientiert er sich am Forstrecht, das Besitzenden Pflichten zuschreibt, aber auch Genehmigungen für bestimmte Dinge vorsieht, ein dem Allgemeinwohl nutzendes Eigentumsverständnis. Auch hinsichtlich der internationalen Beziehungen hat von Vollmar konkrete Vorstellungen. In der kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung des ausgehenden 19. Jahrhunderts sah er die Notwendigkeit begründet, internationalen Handel mit dem kapitalistischen Ausland zu betreiben – das Recht sollte allein dem Staat vorenthalten bleiben. Dies betrachtete er als nicht problematisch. Da die sozialistische Produktion keine Ausbeutung kenne und alles organisierter zugehen würde als im Kapitalismus, würden Produkte auf dem Weltmarkt viel billiger angeboten werden können und es dem sozialistischen Staat ein Leichtes sein, als Konkurrent auf dem Weltmarkt zu bestehen. Ähnlich argumentiert er hinsichtlich der militärischen Verteidigung. Weil das Volk befreit sei, würden die Leute motivierter sein und ein militärischer Apparat viel besser funktionieren.

Es gibt unzählige Argumente, warum der Sozialismus in einem Land so, wie er von Vollmar beschrieben wird, zum Scheitern verurteilt ist. Insistierend hatte Trotzki die Unmöglichkeit sozialistischer Inseln im Meer des Imperialismus beschrieben. Ein Land, welches von der Konterrevolution umgeben sei, könne nicht überstehen. Schon bei Marx und Engels waren die Überlegungen zur globalen Revolution – „Proletarier aller Länder“ – Grundsatz, den Trotzki in seine Theorie der Permanenten Revolution einfließen ließ: „Der Marxismus geht von der Weltwirtschaft aus nicht als einer Summe nationaler Teile, sondern als einer gewaltigen, selbständigen Realität, die durch internationale Arbeitsteilung und den Weltmarkt geschaffen wurde.“15

Aus heutiger Perspektive lassen sich Trotzkis Argumente mit den Ereignissen des Realsozialismus in ein besseres Licht rücken. Die Planwirtschaften der Länder des Ostblocks sind an Konkurrenz auf dem kapitalistischen Weltmarkt gescheitert. Sie standen in den 1980er Jahren vor einem Bankrott, den es in einer geplanten Ökonomie prinzipiell nicht geben kann. Ist der Bankrott doch ein Phänomen kapitalistischer Ökonomien. Wie war das möglich? Der Ostblock war auf Im- und Exporte angewiesen, was aus heutiger Perspektive auch sein größtes Problem darstellte. Ähnlich wie von Vollmar beschrieben, wurde in den Anfängen der Planwirtschaft noch sehr verheißungsvoll in die Zukunft geblickt, denn die sozialistische Produktion erachtete man als deutlich produktiver als das kapitalistische Modell. Kapitalismus zeichnet sich durch einen großen Anteil unproduktiver Arbeit aus, denkt man allein an den Finanzsektor oder den Bereich der Werbung.

Doch hier wurde nicht bedacht, welche produktive Kraft darin steckt, Menschen bei ständiger Existenzdrohung arbeiten zu lassen und das Konkurrenzprinzip, die Leistungssteigerung und den Arbeitsethos auch im letzten Winkel der Gesellschaft zu implementieren. Rüdiger Mats beschreibt, wie sich bereits das frühe sozialistische Russland vom Import abhängig machte. Um das Transportsystem zu sichern, bestellte Russland tausende Lokomotiven im kapitalistischen Ausland und begann damit die später zum zentralen Problem werdende Abhängigkeit des Ostblocks vom Westen auch in Bezug auf essentielle Güter. Denn dafür mussten wiederum Dinge produziert werden, die nicht einfach nur brauchbar waren, sondern deren Gebrauchswert mit kapitalistischen Gütern mithalten musste. Das hat, wie wir gesehen haben, nicht funktioniert, denn die realsozialistische Planwirtschaft hinkte den westlichen Produktivkräften entscheidend hinterher.16

Neben der materiellen Konkurrenz auf dem Weltmarkt muss der Realsozialismus auch auf einer symbolischen Ebene in ein Verhältnis mit dem Sozialismus gesetzt werden. Für die kapitalistische Produktionsweise ist die Produktion von Bedürfnissen nach neuen Waren von zentraler Wichtigkeit, denn die Mehrwertproduktion bringt Unmassen an Gütern und Dienstleistungen hervor, die veräußert werden müssen. Diese Bedürfnisproduktion hat an den Grenzen zum Ostblock nicht Halt gemacht. Das Bild vom „goldenen Westen“, vom materiellen Wohlstand wurde zu einem zentralen Problem, denn es hat sich in den Bedürfnissen der Bewohnerinnen der realsozialistischen Länder niedergeschlagen – die damalige BRD ließ es sich auch einiges kosten, die Ossis mit Westfernsehen zu versorgen.

Vor dem Hintergrund von Trotzkis Argumentation, aber auch den Arbeiten, die bisher zum Realsozialismus entstanden sind, liegt der Schluss nahe, für eine weltweite „Befreiung“ vom Kapitalismus zu kämpfen. Einleuchtend wäre ein global konzipierter Entwurf, wenn man den Realsozialismus bedenkt, der wirtschaftlich daran gescheitert ist, auf dem kapitalistischen Weltmarkt nicht mehr mitkonkurrieren zu können. Dass die meisten realsozialistischen Länder Bankrott gegangen sind, verdeutlicht die staatskapitalistische Struktur nur zu deutlich. Die realsozialistischen Ökonomien haben durch den Ex- und Import in der kapitalistischen Konkurrenz mitgemischt und sind daran gescheitert. Somit: Will man sich im Kommunismus nicht mehr mit dem kapitalistischen Wahnsinn rumärgern, wäre es doch naheliegend, durch eine Weltrevolution den anschließenden Weltkommunismus zu etablieren.

Zudem böte der isolierte sozialistische Staat keine Lösung für eines der großen Probleme des Kapitalismus: die ökologischen Krise. Ein Anarres wäre von vielen Auswirkungen dieser Krise betroffen, da zahlreiche Formen der Umweltverschmutzung eine globale Dimension haben und nicht an geographischen Grenzen Halt machen. Chris Williams sieht keine Möglichkeit einer Lösung dieser Krise innerhalb des Kapitalismus: Das Phänomen des Wirtschaftswachstums, welches mit Anwachsen von Ressourcenverbrauch, Abfällen und Verschmutzung korreliert, ist zwangsläufig in der kapitalistischen Konkurrenz angelegt. Um in ihr bestehen zu können, müssen Unternehmen einen größtmöglichen Gewinn erwirtschaften und diesen reinvestieren. Gleichzeitig üben sie selbst diesen Druck auf andere aus. So wenig, wie sich Unternehmen einzeln entscheiden können, an der Wachstumsspirale nicht mehr teilzuhaben, so wenig gibt es die kapitalistische Produktionsweise ohne Wachstum.17 Für einzelne Aspekte der ökologischen Krise, die sich eher lokal äußern, wie die Verschmutzung eines einzelnen Flusses, gäbe es Möglichkeiten einer Anarres’schen Lösung. Globalen Phänomenen, wie dem Ozonloch oder dem Klimawandel wäre ein isolierter sozialistischer Staat ebenso ausgeliefert.

Ich muss zugeben, die Argumente gegen die Verwirklichung einer partikulären kommunistischen Gesellschaft sind bestechend und erschlagend. Eine universale Perspektive, die Abschaffung des Kapitalismus und seine Ersetzung durch den Kommunismus böte die Möglichkeit, sich sehr viele Probleme ersparen zu können. Wie andere auch spricht P.M. sehr deutlich von der Unmöglichkeit der Koexistenz umfassend post-kapitalistischer Strukturen mit einer virulent kapitalistischen Großmacht, was er vor allem im Umfang der Militärausgaben der USA begründet sieht.18

Dennoch könnten die Befunde, wie invasiv die kapitalistischen Verkehrsformen sind, in eine zweite Richtung interpretiert werden. Statt darin die Unmöglichkeit eines parallel existierenden Kommunismus zu sehen, könnten sie auch als genau die Probleme betrachtet werden, denen sich Kommunistinnen stellen müssen. Zwar ist der Realsozialismus (so wenig er auch Sozialismus war) genau in der Konkurrenz zum Kapitalismus untergegangen. Doch da sich der Kapitalismus nicht von heute auf morgen verabschieden wird, kommen wir wahrscheinlich sowieso nicht umhin, über eine nicht-kapitalistische Ökonomie parallel zu jener mit Mehrwerproduktion nachzudenken – mit allen unschönen Aspekten.

Allen voran der militärischen Verteidigung. Entweder müsste man mit der im Kapitalismus entwickelten Militärtechnologie auf Augenhöhe sein. Oder man müsste sich ein Anarres auszusuchen, was für die Kapitalverwertung höchst uninteressant ist und einer eher einfachen militärischen Verteidigung bedarf. Eine Lehre aus den Problemen des Realsozialismus könnte sein, so wenig wie möglich im ökonomischen Austausch mit dem Kapitalismus zu sein. Was dann bedeuten würde, auf Öl zu verzichten und damit momentan auf den größten Teil der heutigen Technologien.

Ein anderer Schluss aus dem Realsozialismus könnte aber auch sein, Anarres ohne Territorium zu verwirklichen. Denn viele Probleme, vor allem die militärischen, sind daraus erwachsen, dass der Ostblock in Staaten organisiert gewesen ist. Viele heutige Landkommunen helfen sich gegenseitig bei ihren Arbeiten, ohne das in Geldwerten zu verrechnen. Könnte dies zu einem Kommunismus ohne Territorium ausgebaut werden? Als Netzwerk von Halbinseln – Kommunen, alternative Landwirtschaft, alternative Warenproduktion –, das groß genug ist, um weitgehend unabhängig, ohne Geld, Konkurrenzprinzip und Mehrwertproduktion eine eigene materielle Grundlage zu bieten. Eine solche Version böte einerseits sehr viele Vorteile – bspw. keine territoriale militärische Verteidigung. Andererseits ist schwer vorstellbar, wie man auf dem Territorium des Kapitalismus so wenig wie möglich Teil des Kapitalismus sein kann. Bleiben würde man ja Staatsbürger, steuerpflichtig und der Staatsgewalt unterstellt.

Natürlich könnten P.M. und andere mit der Behauptung einer Unmöglichkeit des Kommunismus parallel zum Kapitalismus Recht behalten. Dann würde sich die Frage stellen, wie Kommunismus ein Teil der multipolaren postkapitalistischen Welt, so wie sie Chantal Mouffe gefordert hat, sein kann. Ein partikulärer Kommunismus neben anderen Formen von Gesellschaften, Demokratien und ökonomischen Systemen. Kommunismus ohne den Anspruch, die Verkehrsform der Menschheit zu werden. Natürlich kann dieser partikuläre Kommunismus inspirieren und Vorlage sein für andere Revolten und Umstürze, dies würde jedoch weder erwartet werden noch ein Anspruch darauf formuliert werden.

 

Der Philosoph Carlo Strenger hat mal in einem Zeitungskommentar die Vier-Staaten-Lösung für Israel vorgeschlagen: ein Königreich für die Zionisten, ein ultraorthodoxer Staat, ein Staat für die arabische Bevölkerung und einen für liberale Jüdinnen und Juden (ein sehr Israel fokussierender Vorschlag, der die arabische Bevölkerung als einheitlichen Block betrachtet). „We will feel a lot better when we no longer have to explain to totalitarian minds why liberty is important. What a relief!“ Was könnte es auch für eine Befreiung sein, sich von der Strategie der Aufklärung zu verabschieden und an deren Stelle eine Auseinandersetzung mit an Kommunismus Interessierten zu setzen. Vielleicht könnte ein positiver Aspekt der heutigen globalisierten Welt sein, dass wir anfangen können, Gesellschaften mit politischen Interessen, Einstellungen, Entwürfen zusammen zu denken? Zwar hat der Zionismus mit der Idee des Schutzes vor antisemitischer Verfolgung ein anderes Grundmotiv als ein mögliches Anarres. Doch stehen mit Israel auch Ideen jenseits von Volk und Abstammung in Zusammenhang, Ideen, die vielleicht auch als kollektive Interessen beschrieben werden könnten.

Auch wenn es total sinnvoll erscheint und sich schön anfühlt, die Mehrheit der Menschen wäre für ein kommunistisches Gesellschaftsmodell zu haben, müssen wir für die antikommunistischen, in unseren Augen rückschrittlichen, dummen, widersprüchlichen, selbstzerstörerischen Positionen einen Platz in den utopischen Vorstellungen einräumen, solange dieser politisch und nach demokratischen Prinzipien funktionieren soll und nicht nach einem Diktat des Rationalen. Partikulärer Kommunismus statt Avantgarde.

to be continued…

(die gekürzte Fassung des Artikels erschien in Neue Wege. Zeitschrift für Religion und Sozialismus, Nr. 1/2016, www.neuewege.ch)

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1 Immanuel Wallerstein, Kapitalistische Landwirtschaft und die Entstehung der europäischen Weltwirtschaft im 16. Jahrhundert, Das moderne Weltsystem / Immanuel Wallerstein (Frankfurt am Main: Syndikat, 1986).

2 Obwohl uns der Stalinismus allen Grund für einen Abschied gibt, bleibe ich dennoch bei „Kommunismus“. Kein anderer Begriff beschreibt so klar, dass man wirklich was anderes als die kapitalistische Produktionsweise meint. Und man befindet sich ideengeschichtlich nicht außerhalb der russischen Oktoberrevolution und ihrer schwer in Worte zu fassenden Folgen. Sondern befindet sich innerhalb einer marxistischen Tradition, zu der auch die sowjetischen Gräueltaten gehören.

3 Sabine Brächter, Messianismus – Grundstrukturen einer Geisteshaltung, exemplifiziert anhand des Marxismus und des polnischen Messianismus, Mythos-Magazin (2005).

4 Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, Hegemonie und radikale Demokratie: zur Dekonstruktion des Marxismus, übers. von Michael Hintz und Gerd Vorwallner, 3. Aufl. (Wien: Passagen-Verl., 2006).

5 Ronald Aronson, After Marxism (New York: Guilford Publications, 1994).

6 Urs Eigenmann, Von der Christenheit zum Reich Gottes: Beiträge zur Unterscheidung von prophetisch-messianischem Christentum und imperial-kolonisierender Christenheit (Luzern: Edition Exodus, 2014).

7 Insbesondere mit den Qumran-Rollen, die in der Mitte des letzten Jahrhunderts in der Nähe vom Toten Meer entdeckt wurden, beinhalten antike jüdische Texte Motive, die vorher nur aus den Briefen des Paulus an die ersten christlichen Gemeinden bekannt waren, und ihm zugeschrieben wurden.

8 Christina von Braun, Versuch über den Schwindel. Religion, Schrift, Bild, Geschlecht (Zürich: Pendo, 2001).

9 Konrad Farner, Theologie des Kommunismus? (Frankfurt/M: Stimme-Verlag, 1969).

10 Horst Gründer, Christliche Heilsbotschaft und weltliche Macht: Studien zum Verhältnis von Mission und Kolonialismus; gesammelte Aufsätze (Münster: LIT, 2004).

11 Bini Adamczak, Kommunismus. Kleine Geschichte, wie endlich alles anders wird (Münster: Unrast-Verlag, 2004); Pæris, Spinner, Utopisten, Antikommunisten. Gegen das Festhalten am Bilderverbot und für eine Verständigung über Kommunismus, Phase 2 Nr. 36 (2010); Hendrik Wallat, Transformationsprobleme. Wissenschaft und Utopie, Geschichte und Freiheit, Phase 2 Nr. 45 (2013).

12 Jan Rehmann, Einführung in die Ideologietheorie (Hamburg: Argument, 2008).

13 U.a. Chantal Mouffe, Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion, übers. von Niels Neumeier (Frankfurt, M.: Suhrkamp, 2007).

14 Georg von Vollmar, Der isolierte sozialistische Staat (1878/79), in Reden und Schriften zur Reformpolitik (Berlin; Bonn-Bad Godesberg: Dietz, 1878).

15 Leo Trotzki, Die permanente Revolution (Frankfurt/Main: Fischer-Bücherei, 1929).

16 Rüdiger Mats, Bloß eine neue Maschine aufstellen. Was man aus dem Scheitern des Realsozialismus für die linksradikale Praxis schließen kann – und was nicht, phase 2, Nr. 34 (2009).

17 Chris Williams, Ecology and socialism: solutions to capitalist ecological crisis (Chicago: Haymarket Books, 2010).

18 P.M, Kartoffeln und Computer Märkte durch Gemeinschaften ersetzen (Hamburg: Ed. Nautilus, 2012).

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