Schlesisches Weihnachtsessen

Ein Rezept in diesem Blog? Ja, wir teilen gerne alle unsere Rezepte — für eine freie Gesellschaft und für gutes Essen 😉

Das folgende Rezept befindet sich schon länger im Familienbesitz. Da soll es nicht bleiben, denn Unternutzung gefährdet die Existenz nichtrivaler Gemeingüter. Und geteiltes Rezept ist multiplizierte Freud. Das Schlesische Weihnachtsessen gibt’s in unzähligen Kombinationen, unsere spezielle Variante will ich vorstellen. Es ist selbstredend die beste 😉

Das Essen wird genau einmal im Jahr gekocht — nomen est omen — und dann an vier bis fünf Tagen verzehrt. Dann ist es auch erst einmal gut. Bis zum nächsten Jahr, wenn die Vorfreude auf dieses unglaubliche leckere Essen wieder losgeht. In unserer Variante nennen wir es auch Fleischtopf in Biersoße. Fleischtopf! Das mir als Vegetarier! Doch das geht, denn ein großer Bestandteil sind auch verschiedene Wurzelgemüse. Die fische ich mir dann aus dem Topf und bin glücklich. Für Vegetarier_innen, die auf strikte Trennung vom Fleisch achten, ist das allerdings nichts. Ich bin da nicht so streng.

Traditionelle Grundlage des Schlesischen Weihnachtsessens ist die braune Tunke und die schlesische Weißwurst. Dazu kommen aber viele Add-ons, die das Essen erst richtig lecker machen. Die Zubereitung ist recht einfach, wenn man vorher alle Zutaten bekommen hat. Da liegt schon eher das Problem. Die schlesische Weißwurst bekommt man selten und oft auch nur in einer kurzen Zeitspanne vor Weihnachten, die viel bekanntere bayerische Weißwurst tut’s aber auch. Sie spielt auch nicht mehr die Hauptrolle, sondern zu ihr gesellen sich anderes Fleisch und Wurzelgemüse. Und Bier!

Zutaten

1 Sellerieknolle
1 Petersilienwurzel
1 Pastinake
4 dicke Möhren
1 Stange Lauch
2 Zwiebeln
— nach Belieben auch mehr, plus Reserve!

4 Scheiben Kassler (durchwachsen)
4 Scheiben magerer Räucherspeck
4 Knacker (grobe geräucherte Würste)
4 Weißwürste
— nach Belieben auch mehr, plus Reserve!

2 Gemüsebrühwürfel
3 Lorbeerblätter
8 Pimentkörner
6 Wacholderbeeren
6 Gewürznelken
1 Flasche Malzbier (½ Liter, möglichst wenig süß)
3 Flaschen Starkbier (1½ Liter, Bock oder Export o.dgl.)
400 gr Lebkuchen (Fischkuchen oder schwach süßer Soßenkuchen)

Dazu: Erbspüree, Kartoffeln, Sauerkraut.

Zubereitung

Wurzelgemüse putzen und grob zerteilen, Zwiebeln mit Nelken spicken, Lebkuchen reiben oder zerkrümeln (macht die Soße sämig). Bier vorsichtig in einen großen Topf rinnen lassen, dann alles andere hinterher außer der Würste. Leise etwa eine Stunde köcheln lassen und inzwischen Kartoffeln, Erbspüree und Sauerkraut zubereiten.

Für das Erbspüree nehme ich eine halbe Packung (250 gr) geschälte gelbe Erbsen: mit Wasser aufsetzen und »zerkochen« lassen. Dann mit einem Schneebesen zu Püree schlagen. Das klappt erstaunlich gut. Erst danach würzen: Gemüsebrühe, Pfeffer, Majoran, Muskat, Schmand, Olivenöl.

Für das Sauerkraut gibt’s vermutlich eine Million Rezepte, ich bevorzuge das hier: rohes Sauerkraut aus Beutel, Glas oder Faß. Eine Zwiebel klein geschnitten in Öl leicht bräunen. Zwei Drittel des Sauerkrauts, etwas Wasser, einen zerkleinerten Apfel, ein Teelöffel Kümmel (ganz), ein Lorbeerblatt und 4 Wachholderbeeren dazugeben und kochen. Zwei oder mehr rohe Kartoffeln reiben und untermischen. Am Schluss das restliche rohe Sauerkraut dazu, umrühren, fertig. Nein, nein, nein, kein Speck!

Inzwischen ist der bierige Fleischtopf eine Stunde gegart. Die Gewürznelken können nun raus. Nun die Würste dazu tun und nochmal 20 Minuten ziehen lassen. Nicht mehr kochen!

Guten Appetit 🙂

Folgende Tage und Varianten

Wir essen an so einem Topf vier bis fünf Tage, im Prinzip solange die Soße reicht. Der geschmackliche Höhepunkt ist am zweiten Tag. Sind Fleisch oder Würste ausgefischt, wird auch schon mal was ergänzt. Im Vergleich zu Varianten, ist das hier beschriebene Rezept nicht so süß. Rosinen, Mandeln und noch mehr Zucker fehlen völlig. Auch Karpfen-Stücke, die in manchen Rezepten zu finden sind, gibt’s bei uns nicht. Aber wenn ihr andere Kombis mal ausprobiert, dann schreibt eure Erfahrungen als Kommentar auf. Ich werde dieses Jahr mit gebackenem Tofu experimentieren. Zusätzlich. Aber interessant wäre, auch mal eine vegetarische Variante zu entwickeln.

Soweit also — ausnahmsweise — ein Kochrezept als Keimform für ein gutes Essen 🙂

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