Alien vs. Capitalism

geschrieben von Stefan Meretz am 6. Januar 2012, 08:33 Uhr

Hier kommt nun die bei der Commons-Veranstaltung in der RLS [1] gezeigte Auflösung der Geschichte vom traurigen Alien, dem das Privateigentum die Selbstreparatur vermasselte — und eine kleine Filmkritik im Anschluss.

Warum ist das Ende der Geschichte irgendwie unbefriedigend?

So ist die Auflösung konzipiert: Der Profit-Zweck wird durch den Zweck der Bedürfnisbefriedigung per »Systemhack« ersetzt. Danach bekommt der Außerirdische zwar das Werkzeug für die Reparatur, aber sonst ist komischerweise alles beim alten geblieben: Die Häuser sind grau, keine Menschen laufen auf die Straße und freuen sich, tanzen oder reden miteinander, sondern alle scheinen immer noch isoliert-monadisch irgendwo zu hocken, und auch der Werkzeug-Hüter wirkt wie vorher — außer, dass er nun das Werkzeug rausrückt. Die freundliche Musik rettet die Szenerie nicht. Alles trist wie zuvor, nur der Außerirdische freut sich, dass er wieder weg kann.

So sieht’s oberflächlich aus. Aber da ist noch mehr.

Wie wir beim Klicken durch das Menü mitbekommen, ist die Struktur des Erdlingssystems so aufgebaut: Eigentum → Kapital → Zweck → Profit. Aus dem »Profit« wird nach dem Hack die »Bedürfnisbefriedigung«. Die Klick-Struktur ist nun: Eigentum → Zweck → Bedürfnisbefriedigung. Magischerweise ist das »Kapital« verschwunden. Aus »Profit« wird »Bedürfnisbefriedigung«, sonst ändert sich nichts — außer dass der Werkzeug-Hüter nun den Schraubenschlüssel rausrückt. Commons kommen gar nicht vor!

Die Vorstellung, man könne durch Machteroberung (hier symbolisiert als »Hack«) die Zwecke des existierenden Systems umdefinieren, aber ansonsten alles beim alten lassen, hat leider eine lange ungute Tradition. Es wurde historisch mehrfach durchgespielt, doch alle Ansätze, eine kollektiv-eigentümliche Warenproduktion für die Bedürfnisbefriedigung einzuspannen, sind früher oder später gescheitert oder haben sich in ihr privat-eigentümliches Original rückverwandelt.

Wie ich hingegen versucht habe darzustellen [2], ist die Produktion in der sozialen Form »Ware« das Gegenteil der Produktion in der sozialen Form »Commons«. Oder anders: Commons sind als modifizierte Warenproduktion nicht machbar. Commons funktionieren nur jenseits von Markt und Staat. Oder wenigstens daneben.

Ja, in einem Cartoon sind die Möglichkeiten beschränkt. Dabei kann man jedoch grob richtig oder daneben liegen. Hier ist leider letzteres geschehen, schade. Das hat der insgesamt gelungenen Veranstaltung jedoch keinen Abbruch getan 🙂


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[1] bei der Commons-Veranstaltung in der RLS: https://keimform.de/2011/comon-to-the-commons/

[2] darzustellen: https://keimform.de/2011/commons-als-grundlage-einer-neuen-produktionsweise/

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