Mier und die neue Bedeutung von »Liquid Democracy«

geschrieben von Stefan Meretz am 16. September 2012, 06:24 Uhr

Mier? Mier [1] = Mate + Bier. Mier ist liquid, ganz offensichtlich. Aber democracy? Bei Mier kann man über die nächste Version, die nächste Brauung, mit entscheiden. Wie das geht mit Mate und Bier und Mier und Open Source und Liquid Democracy erklärt der folgende Film.

Mier steht unter der Lizenz CC-by-nc-sa [2]. Steht auf jeder Flasche. Aber was heißt das? Ein kniffliger Fall.

Die Mier-Macher ermuntern dazu (siehe Video), das Rezept zu nutzen, es zu verändern und Bier zu brauen. Kein Problem, solange es nicht »kommerziell produziert« [3] wird. Was aber heißt »kommerziell« in diesem Fall? Die CC-Lizenz bezieht sich genau genommen nur auf das Rezept, nicht auf das gebraute Bier. Damit sind wir in einer ähnlichen Problematik, die Christian schon einmal ausführlich am Beispiel von Computer-Hardware diskutierte [4].

Die Mier-Macher ahnen das wohl auch, weswegen ein »fairtrust« auf den Flaschen prangt. Der Appell: »Wer Mier vertickt, der zahle an uns einen Anteil, bitte«. Das klingt fair. Ist aber rechtlich nicht zwingend. Und überhaupt: Was ist dann noch der Unterschied zu einem beliebigen anderen Franchising-Produkt — fragt Sam Muirhead [5] auf Shareable [6] zurecht.

Noch grundsätzlicher: Wenn die NC-Bestimmung (»nicht kommerziell«) nicht wirklich funktioniert und außerdem aus CC eine unfreie Lizenz macht, wozu brauchen wir sie dann noch? Hierüber wird heftig gestritten. Die »Students for Free Culture« fordern, die unfreien Bestimmungen NC und ND (keine Weiterentwicklungen) ganz aus dem CC-Lizenz-Baukasten zu streichen [7]. Andere laufen dagegen Sturm und argumentieren, dass NC und ND eine wichtige Einstiegsfunktion in CC weg vom alten »All Rights Reserved« haben. Der CC-Verein signalisiert Diskussionsbereitschaft, hat aber zunächst nichts entschieden [8].

Die Logik der Warenproduktion und der Commons prallen hier direkt aufeinander. Interessant, was Open Liquids so alles auslösen können.


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[1] Mier: http://mier.metamate.cc/

[2] CC-by-nc-sa: http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons#Die_sechs_aktuellen_Lizenzen

[3] nicht »kommerziell produziert«: http://mier.metamate.cc/sample-page/miers-cc-license/

[4] Beispiel von Computer-Hardware diskutierte: https://keimform.de/2009/copyleft-fuer-hardware/

[5] Sam Muirhead: https://keimform.de/2012/one-year-of-open-source/

[6] Shareable: http://www.shareable.net/blog/serve-cold-with-a-heated-licensing-discussion

[7] zu streichen: http://freeculture.org/blog/2012/08/27/stop-the-inclusion-of-proprietary-licenses-in-creative-commons-4-0/

[8] nichts entschieden: http://creativecommons.org/weblog/entry/33874

[9] : https://keimform.de/2012/mier-und-die-neue-bedeutung-von-liquid-democracy/?share=email

[10] : https://keimform.de/2012/mier-und-die-neue-bedeutung-von-liquid-democracy/?share=facebook

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