Landgrabbing ist Agrarimperialismus

geschrieben von Stefan Meretz am 8. August 2011, 10:23 Uhr

… stellt der Wirtschaftsjournalist Tomasz Konicz [1] fest. Damit weist er ungenannt die Überlegungen der bekannten Commons-Forscherin Ruth Meinzen-Dick [2] zurück, die im großflächigen Aufkauf von Land (Landgrabbing [3]) eine Chance für Investitionen und Jobs in Entwicklungsländern erblicken wollte — und damit Irritationen in der Commons-Community ausgeöst hat.

Konicz stellt klar, dass die neuen Agrarstrukturen — Abbau von Subventionen, Landverkauf, Marktöffnung — den armen Ländern im Rahmen des Washington Consensus [4] aufgezwungen wurden. Sie führten zur Zerstörung der ursprünglichen eher subsistenz- und commons-orientierten lokalen Produktionsstrukturen. Die jetzige Hungersnot ist Ostafrika hat nicht nur Trockenheit und Bürgerkrieg als Ursachen, sondern ist wesentlich »marktgemacht«. Wer jedoch den Markt nur als neutrale Austausch-Instanz betrachtet, muss diesen Zusammenhang übersehen. Konicz bringt es auf den Punkt:

Das kapitalistische Marktsystem versagt …: Derzeit besteht in Somalia oder Äthiopien keine gesteigerte Marktnachfrage nach Lebensmitteln, obwohl dort Menschen massenhaft verhungern, [da] (…) »Marktnachfrage« »kaufkräftige Nachfrage« ist und nicht etwa der Deckung menschlicher Grundbedürfnisse dient, sondern nur eine Etappe im Rahmen der Kapitalverwertung ist.

[Update] Eine weitere Kritik an der Marktideologie [5].


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[1] Wirtschaftsjournalist Tomasz Konicz: http://www.jungewelt.de/2011/08-08/016.php

[2] Überlegungen der bekannten Commons-Forscherin Ruth Meinzen-Dick: http://www.gemeingueter.de/2224/landgrabbing-und-steigende-lebensmittelpreise/

[3] Landgrabbing: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Land_Grabbing

[4] Washington Consensus: https://secure.wikimedia.org/wikipedia/de/wiki/Washington_Consensus

[5] Kritik an der Marktideologie: http://www.zeit.de/wirtschaft/2011-08/hunger-ostafrika-liberalisierung-spekulation

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