Weitere Gedanken zu den Freund*innen

In den letzten Beiträgen habe ich mich mit dem Text der Freund*innen auseinandergesetzt. Wenn ich gute Texte lese, dann bringen die mich selbst weiter zum Nachdenken, darum hier zwei Gedankenbewegungen die aus dem Lesen und Reflexion hervorgingen. Sie sind sehr kurz und eher als Diskussionsanstoß gedacht. Die eine betrifft das Verhältnis von Utopietheorie und transformierender Praxis, der andere die utopische-inhaltliche Frage wer, wo im Commonismus Entscheidungen fällt.

Utopie – Produkt der Gedanken oder der Bewegung?

Da die freie Gesellschaft nicht durch die Entwicklungsgesetze der Geschichte verbürgt ist, wird sie nicht von der Bewegung automatisch hervorgebracht. Das Verhältnis von Bewegung und freier Vergesellschaftung ist problematisch und darum notwendiges Feld von Reflexion und Theorie. Aber die Utopietheorie der Freund*innen durchzieht der Unmut einer Verselbständigung der Theorie. Sie sorgen sich um eine Theorie, welche sich von der Praxis entfernt, diese zurücklässt, im schlimmsten Fall zu ihrem Hemmnis wird, wenn sie der Praxis eine falsche Richtung empfiehlt oder gar vorschreibt. Gleichzeitig wäre es jedoch eher positiv würde sich die Theorie von einer Praxis entfernen, welche die falschen Wege beschreitet. Einige Fragen treten aus diesem Verhältnis hervor: Bedarf die Theorie der Praxis als Grundlage? Falls ja, wie ist deren Verhältnis zu bestimmen? Was ist hier der Stellenwert von Theorie/von Praxis? Wann wir die Theorie praxisferne Reflexion, was Engels als Utopismus kritisierte? Macht dies die Theorie falsch, oder nur tendenziell uneinlösbar?

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Einführende Artikel

Die neuesten Blogartikel sind ja nicht unbedingt gut zum Einsteigen. Hier haben wir versucht einige Artikel zu sammeln, die eine Einführung in die Keimform-Theorie bieten können.

Das Buch von Stefan Meretz und Simon Sutterlütti „Kapitalismus aufheben: Eine Einladung über Utopie und Transformation neu nachzudenken“ (hier online) fasst viele Gedanken dieser Autoren und einige Diskussionen des Keimform-Blogs systematisch. Aber die Vielheit der Meinungen und die Kritik an dem Buch fehlen dann natürlich.

Utopie: Commonismus

https://keimform.de/2014/grundrisse-einer-freien-gesellschaft/ – Einführender Text zur Utopie einer commons-basierten Gesellschaft

https://keimform.de/2016/commons-diskurs-freie-gesellschaft/ – Siebenteilige Serie zu verschiedenen Fragen und Schwierigkeiten einer Commons-Gesellschaft, welche auf Freiwilligkeit und Eigentumslosigkeit aufbaut

https://keimform.de/2013/freie-quellen-1/ – Beschreibender Text zu einer Commons-Utopie: Wie können wir uns den Commonismus vielleicht vorstellen? Inhaltlich teilweisen umstritten, aber schön illustrativ 😉

https://keimform.de/2013/commonismus-begreifen/ – Ein Vortrag zur Utopie des Commonismus

https://keimform.de/2015/commonsbasierte-zukunft/ – Friederike Habermann über Grundlogiken des Commonismus

https://keimform.de/2015/utopie/ – Kurztext: Wie überhaupt über Utopie nachdenken?

Commonismus-Debatte

https://keimform.de/2014/arbeitsteilung-aber-wie/ – Christians Serie zur Kritik an einer Gesellschaft mit vollständiger Freiwilligkeit

https://keimform.de/2017/das-geld-eine-historische-anomalie/ – Christians Serie zur Kritik an einer Gesellschaft ohne Tausch/explizite Gegenseitigkeit

Fünfschritt

https://keimform.de/2011/fuenfschritt-methodische-quelle-des-keimform-ansatzes/ – Erklärung des Fünfschritts, auf dessen Idee die Keimformtheorie beruht

https://keimform.de/2011/faq-zum-fuenfschritt-und-zum-keimform-ansatz/ – Hier gibt’s noch ein Frequently Asked Questions (FAQ) dazu

Transformation: Keimformtheorie

https://keimform.de/2014/keimform-und-gesellschaftliche-transformation/ – Allgemein-theoretische Darstellung der Keimformtheorie (prä2017, jetzt gibt es noch eine Neufassung, kommt bald ;))

https://keimform.de/2016/eine-welt-in-der-alle/ – Beschreibendes wie Keimformen aussehen könnten

https://keimform.de/2014/dass-nichts-bleibt-wie-es-ist/ – Philosophisch-Hegelianische Gedanken zur Keimformtheorie

Keimformtheorie – Debatte

https://keimform.de/2014/dank-produktivkraftentwicklung-zur-neuen-gesellschaft/ – (Selbst-)Kritik an der Vorstellung, dass Technikentwicklung den Commonismus bringt

Commons und Beispiele – Suche nach Keimformen

https://keimform.de/2016/ecommony-jetzt-auch-als-buch/ – Schönes Buch zum Verständnis von Commons

https://keimform.de/2016/commons-die-kernidee/ – Serie zur Kernidee der Commons vom Commons-Institut

https://www.prager-fruehling-magazin.de/de/topic/68.juni-2014.html – Magazin-Ausgabe zu Commons um mal ne breitere Perspektive auf Commons zu haben

https://keimform.de/2015/yochai-benkler-on-commons-and-peer-production/ – Video indem Yochai Benkler (Juraprof in Harvard) über Commons and Peer-Production spricht

https://keimform.de/2016/das-ist-unser-haus/ – Video indem das Mietshäusersyndikat erzählt wie es funktioniert

https://keimform.de/2016/die-welt-reparieren/ – Buch zu Selber-Machen, Selbstorganisation und Commoning

https://keimform.de/2015/circular-knitic/ – Fabractory Labs (FabLabs) ermöglichen selbstorganisiertes Machen, diese Maschine unterstützt dabei

https://keimform.de/2015/twin-oaks-it-is-radical-sharing/ – Kommunen als Commons

https://keimform.de/2014/from-fab-labs-to-fab-cities/ – Film über die Potentiale von FabLabs

https://keimform.de/2018/zwischen-selbstentfaltung-und-selbstverwertung/ – Zu Potentialen und Beschränkungen der Industrie 4.0

https://keimform.de/2013/was-ist-eigentlich-solidarisch-an-der-solidarischen-landwirtschaft/ – Solidarische Landwirtschaft als Commons

Gesellschaftskritik

https://keimform.de/2016/demonetize-die-kernidee/ – Serie dazu weshalb Geldkritik nötig ist um Herrschaft (und den Kapitalismus) zu überwinden

https://keimform.de/2015/commons-und-geld/ – Warum Commons Geld verwenden und trotzdem nicht kapitalistisch sind

Kritische Psychologie

https://keimform.de/2015/kritische-psychologie-wozu/ – Einführung in die Kritische Psychologie

https://keimform.de/2011/contraste-schwerpunkt-kritische-psychologie/ – Magazinausgabe zu Kritische Psychologie: Verschiedene Perspektiven und Bedeutungen von Kritischer Psychologie

https://keimform.de/2014/das-motivierte-leben/ – Wir wollen uns nicht zum Leben motivieren, sondern eine Gesellschaft, die uns zum Leben motiviert

Andere Strömungen

https://keimform.de/2014/vergebliche-suche-nach-keimformen/ – Auseinandersetzung mit Robert Kurz‘ Transformationsvorstellungen

Und sonst gilt wohl: Einfach stöbern …

Commons Sommerschule 2018

BechstedtDie sechste Commons-Sommerschule widmet sich dieses ihrem originären Thema, nämlich den Commons selbst. Dazu gehören so Fragen wie: Was sind Commons? Wie entstehen sie? Was ist Commoning? Von welchem Menschenbild geht solch ein Denken aus? Wann machen wir Kapitalismus und wann etwas jenseits der Verwertungslogik? Wie unterscheidet sich das eine vom anderen? Wie genau können wir das erfahren und beschreiben?

Die sechste Commons-Sommerschule findet vom 23. bis 30. Juni 2018 im thüringischen Bechstedt statt. Weitere Infos und einen Programmentwurf findet ihr im Commons-Blog. 20 Plätze sind zu vergeben, Bewerbungsschluss ist der 18. März 2018. Wie immer: Sehr zu empfehlen!

Freiwilligkeit und Utopie

Streifzuege 70[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

Freiwilligkeit ist nicht die Norm. Etwas freiwillig zu tun, schließt ungesagt mit ein, dass es normalerweise eine Gegenleistung oder gar ein Zwang ist, welche zur Tat anhalten. Es ist die Tauschlogik, die dahinter hervorlugt, und das setzt, was als normal gilt. Im Kapitalismus ist Freiwilligkeit die geadelte Ausnahme. Sie erscheint als Ehrenamt, als gute Tat, als Altruismus in einer Welt, in der Lohnarbeit, Profitstreben und Egozentrismus als selbstverständlich gelten.

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Peer-commonist produced livelihoods

[Article in: Ruivenkamp, G. & A. Hilton (2017). Perspectives on Commoning. Autonomist Principles and Practices, London: Zed Books, p. 417-461. License: CC BY-NC 4.0]

By Stefan Meretz

Introduction

The class struggle fails because it only addresses the question of how wealth is distributed and fundamentally fails to consider how it is produced. Essentially, production is treated as neutral, and commodities are more or less understood as objects, material or immaterial, that circulate through an economy; capitalism thus becomes an external system of power vis-à-vis the individual, visited only for the sale of our labour power or to buy commodities for our reproduction. Crucially, according to this rendition of socioeconomic and thus political meta-structure, we – the masses, the multitude – and capital – the hegemonic, power – are ontologically distinguished, quite separate entities. This basic analysis and the consequent call to solidarity demands a radical review.

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Der Commonismus ist kein WG-Plenum (II)

Wider den Unmittelbarismus

Dieser Text ist eine Fortsetzung. Im ersten Text wurde versucht die grundlegenden Begriffe von Interpersonalität–Transpersonalität, Vermittlung und Gesellschaft zu entwickeln. In diesem Text soll die spezifische Qualität der commonistischen Vermittlung – dem Commoning – betrachtet werden.

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Contraste: »Beitragen statt Tauschen«

In der Sommer-Ausgabe der Contraste geht es im Schwerpunkt um Commons. Hilmar Kunath hat eine Einführung geschrieben, die die Beiträge vorstellt. Dankenswerter Weise bringt der Commons-Blog alle Beiträge, so dass wir hier die einzelnen Artikel des Schwerpunkts (nach und nach) einfach rüber verlinken – direkt aus Hilmars Einführung heraus. Und die kommt jetzt:

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Tarantel: Das Neue im Alten

Die LINKE hat eine Ökologische Plattform, und die Tarantel ist ihre Zeitschrift. Im neuen Heft ist ein Interview mit mir. Zu Kapitalismus, Krisen und Commons:

Gespräch mit Stefan Meretz

Wie siehst Du die Zukunft?

Global gesehen, sehr kritisch, aus verschiedenen Gründen. Der Kapitalismus hat die Produktivkräfte so weit entwickelt, dass sie zu Destruktivkräften geworden sind. Er ist dabei, sich „tot zu siegen“. Nachdem er den Realsozialismus besiegt hat, arbeitet er jetzt daran, sich als Zivilisationsmodell aus der Geschichte zu verabschieden. Seine Weise der Produktion von Gütern und Leistungen zerstört systematisch die Natur-Grundlagen eben dieser Produktion. (mehr …)

Text „Care-Revolution und Industrie 4.0“

[Text zu meinem Vortrag auf der Leipziger Tagung „Digitalisierung und soziale Verhältnisse im 21. Jahrhundert“ der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen im Juni 2016, erschienen in: Dieter Janke, Jürgen Leibiger (Hrsg.), Digitale Revolution und soziale Verhältnisse im 21. Jahrhundert, Hamburg: VSA, S. 27-38]

Care-Revolution und Industrie 4.0

Die Dialektik von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen vom Kopf auf die Füße stellen

Was haben das Wickeln von Babys und das Konfigurieren von Robotern miteinander zu tun? Nein, es geht hier nicht um techno-utopistische Fantasien, nach denen letztere, die Roboter, bald ersteres übernehmen sollen. Und auch nicht darum zu behaupten, beide Tätigkeiten seien algorithmisch doch prinzipiell das Gleiche. Sondern es geht mir darum zu zeigen, dass Entwicklungen in zwei getrennten gesellschaftlichen Sphären, dem sogenannten Care-Bereich und dem sogenannten Produktionsbereich, überraschend ähnliche Tendenzen zeigen. (mehr …)

Jürgen Leibiger über keimform.de

Jürgen LeibigerAm 22. September dieses Jahres jährte sich die Gründung dieses Blogs zum zehnten Mal — und es gibt ihn immer noch! Aus diesem erfreulichen Anlass haben wir einige Wegbegleiter_innen von keimform.de gebeten, uns ihre Gedanken zu diesem „Nicht-Projekt“ zu schicken. Die Antworten, die wir erhalten haben, veröffentlichen wir hier in loser Folge.

Ich gratuliere Euch zum Blog-Jubiläum.

Ich besuche Eure äußerst anregende Seite gerne, weil ich es für wichtig halte, Alternativen zum bestehenden System zu entwickeln und nach „Keimformen“ dafür im System zu suchen. Die Konzentration auf die Veränderung der sozialen Verhältnisse in der gesellschaftlichen Reproduktion ist nur zu begrüßen, wobei meines Erachtens nicht nur die Begriffsarbeit rund um das Commoning wichtig ist. Die Suche nach Keimformen erfordert analytische Arbeit bezüglich der Komplexität der bestehenden Verhältnisse und der Vielfalt möglicher Alternativen sowie transformatorischer Kräfte und Wege. Viel Erfolg bei der Zukunfts-Recherche!

Jürgen Leibiger, Wirtschaftswissenschaftler, Mitglied der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen