Was tun mit der Theorie „intrinsischer/extrinsischer Motivation“?

Fühlt sich in dieser Gesellschaft jemand dazu berufen, etwas über Motivation zu sagen, dann unterscheidet sie*er ziemlich schnell zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation. Und das klingt ja auch irgendwie naheliegend, Menschen können aufgrund ‚innerer‘ oder ‚äußerer‘ Gründe etwas tun. Ob dann handeln, weil man etwas richtig findet oder weil man sonst eingesperrt wird, beides motiviert heißen muss, ist dann schon fraglich. Aber das ist bei weitem nicht der größte Fehler, den die hegemoniale Theorie intrinsischer/extrinsischer Motivation zu bieten hat. Ihre wissenschaftlich-hegemoniale Fassung – glücklicherweise nicht ihre alltagstheoretisch-hegemoniale – trennt den Menschen von der Welt, isoliert ihn zu einer selbstbezogenen Monade, verschleiert systematisch und strukturell Herrschaft und verhindert theoretisch eine befreite Gesellschaft. Wäre intrinsisch/extrinsische Motivation nur irgendeine Kleinst-Motivationstheorie, who cares, aber sie ist absolut hegemonial in der Motivationstheorie. Kaum ein Nachdenken über Motivation in dieser Gesellschaft kommt an ihr vorbei. Und well, Motivationstheorien denken ja auch nur darüber nach, was Menschen eigentlich machen wollen in ihrem Leben. 

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Buchtipp: „Solidarische Ökonomie & Commons“ von Andrea*s Exner und Brigitte Kratzwald

Nach Massimo De Angelis‘ „Omnia Sunt Communia“ habe ich den kurzen Band „Solidarische Ökonomie & Commons“ von Andrea*s Exner und Brigitte Kratzwald (erschienen 2012) aus der Intro-Reihe des Mandelbaum-Verlags gelesen. Darin geben die Autor*innen eine Einführung in die Thematik von Commons und Solidarischer Ökonomie, eingebettet in eine Kritik an Marktwirtschaft und Kapitalismus sowie die Perspektive gesellschaftlicher Transformation, bei der auch Kämpfe und politisches Bewusstsein eine wichtige Rolle spielen. Gerade ist im Mandelbaum-Verlag eine erweiterte und aktualisierte Neuauflage erschienen, durch die das Buch hoffentlich wieder mehr in die Diskussion kommen wird. Die darin vorgenommenen Aktualisierungen werden in dieser Rezension nicht berücksichtigt, da mir nur die ältere Ausgabe vorlag (auf die sich auch die Seitenangaben beziehen).

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Massimo de Angelis‘ „Omnia Sunt Communia“ – Eine Grundlegung der Commons

Auf der Suche nach Commons-Theoretiker*innen, die Commons im Zusammenhang mit sozialen Kämpfen diskutieren, stieß ich durch eine Empfehlung von Friederike auf Massimo De Angelis und sein Buch „Omnia Sunt Communia: On the Commons and the Transformation to Postcapitalism“ (die Erstausgabe erschien noch mit dem Untertitel „Principles for the Transition to Postcapitalism“). Annette hat es relativ zeitgleich mit mir auch gelesen und bereits eine ausführliche Besprechung in mehreren Teilen auf ihrem Blog veröffentlicht. Es ist schade, dass es bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, denn das Buch bietet eine umfangreiche theoretische Bestimmung des Commons-Begriffs, die aus einer systemtheoretischen Perspektive stets auch das (kapitalistische) Umfeld heutiger Commons in den Blick nimmt sowie Commons im Kontext von Klassenkämpfen und sozialen Bewegungen diskutiert und damit einige interessante Anregungen für Transformationsstrategien liefert. Was leider zu kurz kommt, ist eine grundsätzlichere Kritik an Markt und Tauschlogik, deren Fehlen gemeinsam mit dem leider noch immer sehr üblichen Vermeiden utopischen Denkens dazu führt, dass De Angelis einigen Potentialen des Commonings, trotz sonstiger theoretischer Schärfe, nicht ganz gerecht wird. Dennoch lässt sich „Omnia Sunt Communia“ dank der oben genannten Punkte als eine Art „Grundlegung“ der Commons aus einer antikapitalistischen Perspektive bezeichnen.

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Warum versagt der „ideelle Gesamtkapitalist“?


Greta Thunberg trifft den ideellen Gesamtkapitalisten (2019; Quelle, Foto des Europäischen Parlaments, Lizenz: CC BY)

[Voriger Teil: Wie die drohende Heißzeit mit den Kapitalmärkten zusammenhängt]

Wenn also die Firmen im Kapitalismus nicht das Richtige und Notwendige tun können, warum sorgen dann nicht die Staaten dafür, dass das passiert? Friedrich Engels hat den modernen Staat als „ideelle[n] Gesamtkapitalist“ bezeichnet, dessen primäre Aufgabe es sei, „die allgemeinen äußern Bedingungen der kapitalistischen Produktionsweise aufrechtzuerhalten gegen Übergriffe sowohl der Arbeiter wie der einzelnen Kapitalisten“ (MEW 19, 222). Der Staat ist keiner einzelnen Firma verpflichtet, und sei sie auch noch so groß, sondern sein Hauptanliegen ist es, den kapitalistischen Verwertungsprozess am Laufen zu halten – und wenn Konzerne dies behindern, etwa indem sie Monopole bilden oder illegale Absprachen treffen, um so die Konkurrenz aus dem Markt zu drängen oder Innovationen zu verhindern, dann kann er einschreiten, um dies zu verhindern.

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Wie die drohende Heißzeit mit den Kapitalmärkten zusammenhängt


57 Jahre Kursentwicklung im DAX – steigende Aktienkurse bedeuten oft auch steigende Naturzerstörung (Quelle, Grafik von Dylanss93, Lizenz: CC BY-SA)

[Voriger Teil: Es gibt kein 2-Grad-Ziel]

Im vorletzten Teil hatte ich festgestellt, dass eine kleine – aber immerhin vorhandene – Chance, die globale Katastrophe einer Heißzeit noch zu verhindern, in einem raschen Systemwandel besteht. Der Kapitalismus müsste innerhalb der nächsten zehn bis zwanzig Jahre – mehr Zeit haben wir nicht mehr – durch ein anderes, nachhaltigeres Wirtschaftssystem ersetzt werden.

Bevor ich dazu kommen, wie das aussehen könnte, noch ein paar Überlegungen dazu, warum es überhaupt nötig ist. Warum versagt der Kapitalismus so kläglich darin, den Erhalt der stabilen Holozän-Bedingungen der letzten 12.000 Jahre zu sichern? Dieses Versagen gefährdet den Fortbestand der menschlichen Zivilisation und damit, ohne jede Frage, auch den Fortbestand des Kapitalismus selbst. Wie kommt es zu diesem quasi selbstmörderischen Versagen – warum fehlt es im Kapitalismus an Institutionen und Mechanismen, die hier gegensteuern könnten?

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„Solidarische Care-Ökonomie“ von Gabriele Winker (Rezension)

Im Keimform-Blog lese ich seit längerem und häufig von den Beiträgen inspiriert mit. Weil Gabriele Winker und ich, wenn wir von solidarischer Gesellschaft sprechen, einen Ansatz vertreten, der mit den Vorstellungen eines ‚Commonismus‘ große Ähnlichkeit hat, möchte ich hier Gabrieles neues Buch vorstellen. Ich hoffe, dass die Darstellung Leser*innen des Blogs anregt, das Buch zu lesen, und dass es ebenfalls Gedankenprozesse anstößt oder zu Kritik führt, die für uns hilfreich ist.

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Das Experiment einer schrittweisen Entgeldung in Villach/Österreich

Wie kann der Übergang von einer auf Geldwachstum verpflichteten Gesellschaft in eine Gemeinschaft gelingen, in der die Menschen bereits über die Deckung ihres Bedarfs an Lebensmitteln verbunden sind? Vorstellung eines in diesem Sinne gemeinschaftlichen Experiments zur Entgeldung lebenswichtiger Bereiche noch innerhalb der kapitalistischen Geldlogik.

Ich bin Robert Kravanja und arbeite in Villach zusammen mit Verantwortung Erde, einer Bewegung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat bedingungslos für die Interessen unseres Planeten einzutreten. Wir sitzen im Stadt- und Gemeinderat und 3000 Menschen (12%) haben uns bei der letzten Wahl gewählt. Wir verstehen uns als Teil der Transitionsbewegung.

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Hannah Arendt, das Recht auf Rechte und die freie Migration

Hannah Arendt (Graffiti von Patrik Wolters, fotografiert von Bernd Schwabe; Lizenz: CC BY-SA)

[Voriger Teil: Marx’ Kritik der „sogenannten Menschenrechte“]

Hannah Arendt thematisiert das Dilemma, das totalitäre Regime wie Nazideutschland für die Rechteperspektive erzeugen, indem sie die Freiheit oder das Leben mancher ihrer Bürger:innen bedrohen. Wenn die so Bedrohten flüchten, können sie sich zwar dieser unmittelbaren Gefahr entziehen, verlieren aber dennoch gewisse Rechte – denn oft finden sie sich dann in einem anderen Land wieder, wo sie eigentlich nicht willkommen sind und das ihnen nur ein Minimum an Rechten gewährt (Arendt 1951, 460 f.). Sie stellt fest, dass Menschen Rechte einbüßen, „wenn der Mensch den Standort in der Welt verliert, durch den allein er überhaupt Rechte haben kann und der die Bedingung dafür bildet, daß seine Meinungen Gewicht haben und seine Handlungen von Belang sind“ – dieser Standort ist für sie „die Zugehörigkeit zu der Gemeinschaft, in die man hineingeboren ist“ (ebd., 461 f.).

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Utopisches Denken und der Rechteansatz

Mary Wollstonecraft,
Mary Wollstonecraft, Autorin von „A Vindication of the Rights of Woman“ (Gemälde von John Opie, gemeinfrei)

[Voriger Teil: Konkrete Utopien und utopische Potenzialitäten]

„Ohne utopisches Denken gibt es kein Ziel gesellschaftlicher Transformation, und ohne Ziel wird der Weg in eine freie Gesellschaft fragwürdig – denn wohin sollte er gehen?“, fragen Simon und Stefan (Sutterlütti und Meretz 2018, 16). Jedoch ist utopisches Denken von der Entwicklung und Darlegung einer vollständigen Utopie, einem imaginierten Gesellschaftsentwurf zu unterscheiden. Utopisches Denken bedeutet zunächst nur die Vorstellung und das Anstreben von etwas, das noch nicht, oder jedenfalls nicht vollständig realisiert ist – die U-Topie bezeichnet ja wortwörtlichen den Nicht-Ort.

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Jenseits der Do-ocracy?

Stefan und ich argumentieren ja immer wieder, dass für eine Post-Arbeits-Gesellschaft Do-ocracy ein Grundsatz ist, also dass Re/Produzentinnen entscheiden wie sie ihr Produktionsmittel nutzen und ihre Güter und Dienstleistungen verteilen wollen. Nun gibt es immer wieder Kritik an dem Ansatz und ich möchte mal eine mögliche Erweiterung vorstellen und würde sehr gerne eure Meinung hören, weil es vielleicht ne größere Veränderung wäre. Ein Ausschnitt aus dem kommenden Utopiebuch:

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