Imitate können Leben retten

Was das Geistige Eigentum auf dem G8-Gipfel betrifft, findet sich bei Spiegel Online eine perfide Argumentation:

Markenschutz steht ganz oben auf der Wunschliste der G-8-Staaten. Wer dabei bloß an Adidas-Turnschuhe, Rolex-Uhren und Gucci-Taschen denkt, verkennt das eigentliche Problem – gefälschte Medikamente stellen die größte Gefahr dar.

[…] im Gegensatz zu einer nachgemachten Rolex oder Gucci-Tasche stellen gefälschte Arzneimittel eine ernsthafte Gefahr dar. Umso alarmierender ist der dramatische Anstieg, den gerade dieses Segment der Produktpiraterie zu verzeichnen hat.

Nun ist der bloße Markenschutz (dass A sich nicht als B ausgeben sollte) ja relativ unumstritten (im Gegensatz zum Copyright- und Patentsystem), und das Problem würde überhaupt nicht erst entstehen, wenn jede/r sich die richtigen Präparate leisten könnte. Aber SpOn klagt dann doch lieber ganz pauschal über „Produktpiraterie“, ohne sich um solche Details groß zu kümmern.

Nach einer Schätzung der WHO sind zurzeit rund zehn Prozent aller Medikamente Fälschungen – im besten Fall sind es Imitate, schlimmstenfalls wirkungslose Attrappen oder sogar Gift.

Was SpOn nicht erwähnt, ist dass „richtige“ Imitate (die so wirken wie das Original) nicht nur der beste Art von Fälschung sind, sondern sogar besser als das Original – weil Menschen sie sich leisten können, für die das Original unerschwinglich wäre. Imitate und Generika können Leben retten – eine Perspektive, die bei SpOn (nicht überraschend) fehlt.

Make Copyright History — and start now

Make Copyright HistoryAus aktuellem Anlass dokumentiere ich diese Indymedia-Meldung:

Als kleinen Beitrag zur praktischen Umverteilung stellen wir Links zu Downloads der aktuellen Alben aller Künstler, die am 7. Juni beim Konzerts der Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ teilnehmen, zur Verfügung.

Unter http://www.make-copyright-history.de.vu/ stehen entsprechende Links auf Torrent-Seiten zur Verfügung.

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Geistiges Eigentum beim G8-Gipfel

… interessiert (fast) keine Socke, so kommt’s mir vor. Da finde ich ja prima, dass es nun überhaupt eine »zivilgesellschaftliche Erklärung« zu diesem Gipfelthema gibt. Vermutlich wurde die Erklärung jedoch so lasch und schwankend — geistiges Eigentum, ja bitte, aber nicht zu doll — formuliert, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen. Na ok. Aber …

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Kampagne für Zugang zu essentiellen Arzneimitteln

Wie das bei Kampagnen so ist, haben sich die Ärzte ohne Grenzen einen Fall herausgesucht, der ein Schlaglicht auf den Zusammenhang zwischen geistigem Eigentum und Krankheit wirft. Novartis, der Pharmakonzern, verklagt zur Zeit die indische Regierung, weil sie das Patent auf das einem Krebsmedikament zugrundeliegenden Wirkstoff verweigert hat.

Der Hintergrund: Laut Ärzte ohne Grenzen waren bis 2006 Medikamente in Indien nicht patentierbar. Das hat sich mit TRIPS, WTOs Vereinbarung zum Schutz geistigem Eigentums im Handel, geändert. In Indien warten zur Zeit knapp 10.000 Pharmaziepatente auf ihre Ratifizierung, was das Ende der Produktion vergleichsweise billigerer Generika bedeuten würde. Auf diesen indischen Generika, d.h. der billigeren Version anderenorts patentierter Medikamente, beruht nicht nur teilweise das indische Gesundheitswesen sondern auch z.B. Teile der Aidsbekämpfung in anderen „Entwicklungsländern“. Mehr Info gibts auf der Kampagnenwebsite.

Diese Links habe ich übrigens von Benjamin Mako Hills Copyrighteous Blog, er schreibt da:

From a certain perspective, some of the core calls for access to knowledge share common ground with free software, free culture, and anti software patent advocacy that I’ve been involved in. Of course, it puts things in perspective to see Mika and others in the AEM community point to millions of people and say that those people will die because of an IP maximilist position.