Kritische Psychologie

Die Kritische Psychologie ist unverzichtbar, wenn es um einen Begriff vom gesellschaftlichen Menschen geht. Das ist die Kernaussage der aktuellen Kolumne »Immaterial World« in den Wiener »Streifzügen« mit dem Schwerpunktthema »Freundschaft«.

Einen qualifizierten Begriff vom gesellschaftlichen Menschen benötigen wir vor allem in den neuen Debatten um die Commons. Immer wieder taucht dort nämlich die Frage auf, warum denn Menschen erfolgreich ihr Commoning, die soziale Praxis rund um die Commons, hinbekommen. Elinor Ostrom hat das zwar empirisch nachgewiesen, aber gleichzeitig nicht mit dem homo oeconomicus der klassischen Wirtschaftstheorie gebrochen. Hier liefert die Kritische Psychologie Antworten, die für eine emanzipatorische Praxis hilfreich sein können.

P.S. Vom 24. bis 28. August 2010 findet an der FU Berlin die 7. Ferienuniversität Kritische Psychologie statt.

Peter Linebaugh: Some Principles of the Commons

[Deutsche Version beim CommonsBlog]

Reposted from counterpunch

Human solidarity as expressed in the slogan “all for one and one for all” is the foundation of commoning.  In capitalist society this principle is permitted in childhood games or in military combat. Otherwise, when it is not honored in hypocrisy, it appears in the struggle contra capitalism or, as Rebecca Solnit shows, in the disasters of fire, flood, or earthquake.

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Commons Movement Coins New Phrases

[via OnTheCommons, deutsche Übersetzung unten]

The vocabulary of the commons is expanding as people increasingly realize the practical value of this concept. No longer simply a noun, the commons now is talked about as a verb and adjective.

Commons: What we share. Creations of both nature and society that belong to all of us equally, and should be maintained for future generations.

Commons-based society: A society whose economy, political culture and community life revolve around promoting a diverse variety of commons.

Commons-based solutions: Distinctive innovations and policies that remedy problems by helping people manage resources cooperatively and sustainably.

Commoners: In modern use, the people who use a particular commons; especially those dedicated to reclaiming and restoring the commons.

Commoning: A verb to describe the social practices used by commoners in the course of managing shared resources and reclaiming the commons. Popularized by historian Peter Linebaugh.
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Commons in a taxonomy of goods

[Deutschsprachige Version]

Commons are common pool resources. Commons are common goods. Commons are social relationships. You can find all of these descriptions for the term. Which is the correct one? All three versions are valid—at the same time!

The word „common“ is the best starting point for the analysis. The common thing within a commons are the resources, which are used and cared for, are the goods resulting from joint activities, and are the social relationships emerging from acting together. These three aspects are so different for all commons, that no one could describe them in a reasonably complete manner.

Commons are at odds with commodities, although a commodity is a good which is produced in a specific social form using resources. But it is usual that traditional economics only consider resources as social forms of production in a marginal way or even not in any way. I will try to overcome this limitation by using the following taxonomy of goods [Illustration 1]. I decide to put the concept of „good“ into the center, while describing from the triple definition explained above: as a common good, as a resource and as a social form.

Taxonomy of Goods

Illustration 1: Proposed taxonomy of „goods“

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Die neue Erzählung des 21. Jahrhunderts

Der Text entspricht inhaltlich einer englischsprachigen Rede, die die Autorin am 29.09.2009 zur Eröffnung des World Commons Forum in Salzburg gehalten hat. Erstabdruck in deutscher Fassung.

Gemeingüter? Was bitte?

Ein Schiff kreuzt von Hafen zu Hafen. Auf dem Oberdeck stehen Liegestühle, jedoch erheblich weniger als Passagiere. Während der ersten Tage der Kreuzfahrt wechseln die Stühle ständig ihre „Besitzer“. Sobald jemand aufsteht, gilt der Liegestuhl als frei; Badetücher oder sonstige Belegsymbole werden nicht erkannt. Die Regel ist einfach und der Situation angemessen: Freie Nutzung – für begrenzte Zeit! Auf diese Weise werden die wenigen Liegestühle nicht knapp.

Das entspricht einem Grundsatz gemeingüterorientierten Wirtschaftens und Lebens: Gebrauch? Ja! Missbrauch? Nein! Missbrauch meint hier sowohl Übernutzung als auch künstliche Verknappung.

Später kommen neue Passagiere an Bord. Die bis dahin gültige Ordnung bricht zusammen, denn Neuankömmlinge halten die Stühle füreinander frei und somit dauerhaft besetzt. Wer „nicht dazugehört“ hat das Nachsehen. So entstehen Konflikte um knapp gewordene Ressourcen (Liegeplätze) und die Reisequalität ist fortan für die meisten Gäste deutlich schlechter als zu Beginn der Fahrt. (basierend auf: H. Popitz, Phänomene der Macht)

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Commons in einer Gütersystematik

[English version]

Commons sind Gemeinressourcen. Commons sind Gemeingüter. Commons sind soziale Beziehungen. Alle drei Beschreibungen kann man finden. Welche stimmt nun? Alle drei Fassungen treffen zu und zwar immer gleichzeitig!

Am besten geht man vom Wort „common“ aus, dem Gemeinsamen. Das Gemeinsame bei den Commons sind die Ressourcen, die genutzt und gepflegt werden, sind die Güter, die dabei entstehen können, und sind die sozialen Beziehungen, die sich dabei bilden. Und das Gemeinsame aller Commons ist, dass diese drei Aspekte bei den jeweiligen Commons so verschieden sind, dass niemand sie auch nur halbwegs vollständig beschreiben könnte.

Commons liegen damit quer zur Ware, obwohl auch die Ware ein Gut darstellt, das in einer bestimmten sozialen Form hergestellt wird und dabei Ressourcen verwendet. Doch bei der Ware ist es die traditionelle Ökonomie gewohnt, sowohl die Ressourcen wie auch die sozialen Formen der Herstellung nur marginal oder gar nicht in Betracht zu ziehen. In der folgenden Gütersystematik will ich das ändern. Dabei entscheide ich mich, den Güteraspekt aus dem Tripel von Gut-Ressource-Sozialform in den Mittelpunkt zu stellen.

Güter-Systematik

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Commons in einer Systematik von Gütern

Wenn die »Commons« (Gemeingüter) ein neues Paradigma politischer Theorie werden sollen, dann muss der Begriff klarer bestimmt werden. Ein Ansatz ist, ihn in Relation zu anderen Gütern zu verorten. Vor längerer Zeit hatte ich schon mal einen Versuch einer Systematik von Gütern unternommen (siehe diese Abbildung). Die Darstellung blieb jedoch vor allem beim Punkt des »Eigentums« unklar, da Commons nicht mit »Gemeineigentum« gleich gesetzt werden können. Ferner ist das Besondere bei den Commons gerade, dass sie stets als soziale Beziehung zu verstehen sind. Genau genommen gilt das jedoch für alle Güter, denn die fallen ja nicht vom Himmel, sondern werden — sozial — hergestellt. Erst im Vergleich zur »Sozialität« der Nicht-Commons, wird die Besonderheit der Gemeingüter deutlich.

Kurz und gut: Ich habe einen neuen Anlauf unternommen. Hier ist das Ergebnis.

Systematik von Gütern

Wie ist die Abbildung zu lesen?

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Reopening the Commons: Reversing the Enclosure

Nowadays, almost everybody is forced to sell their labor power in order to survive (or, at least, to avoid hardship and official harassment). This necessity seems so natural to us that we seldom think about why it exists and how it came about.

Yet, historically the situation that (almost) everybody has to sell their labor power is rather new—it only emerged with capitalism. Wage labor and capitalism depend on each other: Without capitalist companies, there would be nobody (by and large) to sell your labor power to, so wage labor could only be an occasional phenomenon (as it was before capitalism). And without wage workers, capital accumulation would be impossible, since their surplus labor is the source of profit (and of its derived forms, interest and rent).

That wage workers are forced to sell their labor power (due to a lack of alternatives) is just one side of the coin. The other side is that they are allowed to do so—in contrast to slaves, who cannot sell their labor power since they themselves have already been sold by others.

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The Meaning of the Commons

[Update: Im CommonsBlog gibt es eine deutsche Übersetzung der wesentlichen Teile des Vortrags]

Great opening talk by Law Prof. Louis Wolcher on a one day conference »The Law of the Commons« organized by the Seattle Chapter of the National Lawyers Guild Friday, March 13, 2009. He is speaking about the forgotten tradition of commoning as a social practice of people taking their lives in their own hands [via].

Elevate-Schlossbergfestival — Resümee

Elevate-Festival in GrazGraz mausert sich zum Fokus des Commons-Diskurses. Und das sozusagen »nebenbei«, denn das Festival ist zwar eines für »zeitgenössische Musik, Kunst und politischen Diskurs«, aber Publikumsmagnet ist die Musik. Nach allem, was ich so mitbekam, ist die Musik auch eher nicht als »zeitgenössisch«, sondern tendenziell als pre-zeitgenössisch zu bezeichnen: »In Graz läuft heuer das, was in zwei Jahren angesagt ist«, sagte mir eine Teilnehmerin. Ok, das kann ich nicht wirklich beurteilen, zurück zum Diskursteil.

»Commons« ist eine Art Sammelbegriff und mit »Gemeingütern« nur unzureichend übersetzt (dazu kommt noch ein ausführlicherer Artikel). Viele Bewegungen haben einen sehr unterschiedlichen Bezug darauf:

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