Keimform bei Konferenz „Reiz der Nische“

Ich halte nen Vortrag zu „Keimformen des Neuen: Commons und die Überwindung der Wachstumsgesellschaft“ übernächsten Donnerstag, 18.11. um 14 Uhr bei der Tagung „Reiz der Nische„. In meiner Session ist auch u.a. Niko Paech, bin schon gespannt auf die Diskussion, wobei wie üblich wahrscheinlich zu wenig Zeit dafür ist :).

Die Nische hat ihren Reiz…

…ob wörtlich oder metaphorisch verstanden: Die Nische erweitert den Raum. Sie ergänzt ihn um eine Vertiefung und eröffnet so eine Möglichkeit des Rückzugs, des Beiseitetretens, des Innehaltens. Sie verbindet Abkehr vom großen Ganzen mit Freiräumen des (Anders-)Seins und der Entfaltung. Sie lädt zum Aufenthalt im Kleinen, im Randständigen ein, wo die Welt mit ihren Widrigkeiten und Zumutungen draußen bleibt und folglich abwesend ist. In dieser Absetzbewegung bildet die Nische sich als relationaler Zeit.Raum aus, der erst in der Differenz zu seinem Außen als Eigenes hervorgebracht werden kann.

Im Kontext der Nachhaltigkeit hat die Nische Konjunktur. Zahlreiche Initiativen wie Gemeinschaftsgärten, Repair-Cafés, Angebote zum Car-, Bike-, Food- und Tool-Sharing oder auch solidarische Landwirtschaft, Hausprojekte und Ökodörfer werden, implizit oder explizit, als Nischenaktivitäten begriffen, die mit gutem Beispiel vorangehen und eine bessere Zukunft im Kleinen schon jetzt verwirklichen. Sie treten an, zu zeigen, dass und wie Gesellschaft auch anders gehen könnte, und werden in diesem Anliegen – nicht selten versehen mit Attributen wie „lokal“, „gemeinschaftlich“ und „transformativ“ – wissenschaftlich begleitet, privat und staatlich gefördert und journalistisch der Öffentlichkeit dargeboten. Auf ihnen liegen die Hoffnung und Erwartung, der zeitlich wie räumlich zu verstehende Ausgangspunkt für etwas Neues zu sein, das als Reiz, als vor- und eingreifendes Moment in die Gesellschaft auszustrahlen vermag.

Doch was bringt diese Figur mit sich? Was bedeutet es für die Gesellschaft, sie aus Nischen heraus neu erfinden zu wollen? Worin genau liegt der individuelle, politische und wissenschaftliche Reiz lokaler, gemeinschaftlicher Nachhaltigkeitsprojekte und ihrem Verständnis als Nische? Wie wird die Differenz zwischen der Nische und dem Rest der Welt erzeugt, aufrechterhalten oder überwunden? Welche Vorstellungen gesellschaftlichen Wandels,
des Politischen, von Zeit, von Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit, von Empirie und Theoriebildung stecken in der Nische? Welche Fallstricke und Potenziale gehen mit ihr einher?

Diese und andere Perspektiven wollen wir im Rahmen der Online-Tagung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg vom 18. bis 20. November 2021 auf die Nische richten, um sie neu zu beschreiben, besser zu verstehen, sowie kritisch zu be- und zu hinterfragen.

Schlagwörter:,

Einen Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.