Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Fehlende Allgemeinheit?

Man freut sich ja immer über gute Kritik, und eine hat die Redaktion des Teichoskopie geschrieben. Sie treten für Räte vs. Commonismus ein. Hier der ganze Text. Und hier ein Ausschnitt: „Die positive Bestimmung eines Common wäre hingegen, dass die Individuen an der Verfügung über es teilhaben, nicht über es als eine einzelne Sache, aber über das Gesamtprodukt, dessen Teil jedes Common ist, wenn das Common die Elementarform des Commonismus ist. Über die Verwendung der Commons entscheidet also die Gesamtheit der
Individuen, richtiger noch: die Allgemeinheit. Dazu bedarf es einer sie zusammenfassenden Verwaltungsstruktur. Dass die sich einfach so aus dem Netz von Commons „emergent“ ergebe, wie die Autoren behaupten, klingt wie der Glaube an die „invisible hand“ von Smith. Und nur ihre Gleichsetzung von Zentralismus und Dirigismus verleitet sie offenbar zu diesem Glauben. Aber eine gewisse Zentralisierung ist notwendig, und das bedeutet nicht automatisch, dass die Koodinationsstellen oder -commons Befehlsgewalt haben.“

Mit bei der Redaktion ist Christian Oswald, der auch das (sehr lesenswerte) Buch „Nieder mit dem Arbeitszwang“ (2018) geschrieben hat. Besonders die 7. These zu Frage der Verfügung find ich toll (auch online auf dem Teichoskopie-Blog zu finden). Die Kritik auf dem Blog kann ich auch nachvollziehen, aber ich glaube es lohnt sich dafür unsere vertiefte Kritik des Rätekommunismus und neuere Überlegungen zur Koordination einzubeziehen, diese sind aber in dem Buch noch nicht enthalten. Auch die Kritik des fehlenden – ich nenne es mal – „Kampfmoment“ unseres Buches kann ich verstehen. Die Frage mit der freien Software am Ende geht an unsere Informatiker*innen :).

Kategorien: Commons, Theorie

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11. Mai 2020, 10:30 Uhr   1 Kommentar

1 Benni Bärmann (11.05.2020, 11:37 Uhr)

“ Die Frage mit der freien Software am Ende geht an unsere Informatiker*innen :).“

Ich vermute Du meinst das hier:

„Es ist nun schwer nachvollziehbar, warum die breite Bewegung freier Softwareproduktion so wenig erfolgreich war. „

Das stimmt halt einfach nicht. Die allermeiste Software ist inzwischen frei. Nur die oberste Schicht, die die Benutzer zu sehen kriegen, ist es zu oft noch nicht. Momentan gelingt es dem Kapitalismus ganz gut darüber die Verwertung zu sichern (vor allem über Netzwerkeffekte, DRM und teure zentrale Infrastruktur), dass bedeutet aber nicht, dass die Bewegung wenig erfolgreich war. Der Kapitalismus war halt auch erfolgreich darin, sich neue Verwertungsmodelle auszudenken.

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