Ein Softwarekonzept für transpersonales Commoning – Grundlagen

geschrieben von Marcus Meindel am 12. Februar 2019, 21:41 Uhr

Wie kann Commoning gesellschaftlich bestimmend werden? Über eine Auseinandersetzung mit „Kapitalismus aufheben [1]“ (Sutterlütti/Meretz) wurde im „Ausdehnungsdrang moderner Commons [2]“ als Grundvoraussetzung dafür auf die Entwicklung einer Plattform für transpersonales Commoning geschlossen, welche bestimmte Qualitäten beinhalten muss. Damit diese Möglichkeit realisiert werden kann, soll sich dieser Plattform jetzt schrittweise angenähert werden. Die Reihe richtet sich dabei vorrangig an Entwickler*innen und soll nicht nur das Programm umreißen, sondern auch den theoretischen Hintergrund verständlich machen, auf welchen sich die einzelnen Softwareelemente beziehen. Das Konzept wird dabei in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Robert ausgearbeitet, welcher bereits das Freie-Software-Projekt „grouprise [3]“ mitgegründet hat.

In diesem ersten Teil wird zuerst Vorwissen als FAQ zusammengefasst, welches den grundsätzlichen Sinn und Zweck des Projektes aufzeigen soll, wobei auch die verwendeten Begriffe von „Mittel“ über „Bedürfnisse“ bis „Commons/Commoning“ knapp definiert werden. Die verwendeten Begriffe werden dabei parallel auf dem Wiki [4] der Projektseite zusammengefasst. Im zweiten Kapitel wird ein Modell zur direkten Bedürfnisbefriedigung aus vier Phasen vorgestellt, um strukturell zu verdeutlichen, wie durch Commoning Bedürfnisse befriedigt und wie Mittel hierfür angewendet werden. Von diesem Modell aus haben wir auf die für das Programm notwendigen Klassen geschlossen, welche anschließend durch ein Diagramm in Beziehung zueinander gesetzt werden.

Zuletzt wird noch knapp auf unsere Arbeitsweise eingegangen und erste Möglichkeiten angedacht, wie sich nach der Konzeption in das dann offene Projekt eingebracht werden kann. Bis das soweit ist, sind wir beide über konstruktive Kritik zum Inhalt der jeweiligen Teile dankbar.

Die Artikelserie wird hier [5] zusammengetragen.

Vorwissen

Worum geht es? Eine Gesellschaft ist die Kooperationsstruktur, in und mit der Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen. In der kapitalistischen Gesellschaft, welche gegenwärtig bestimmend ist, geschieht dies über Geld. Geld hat den Vorteil, dass darüber Arbeiten miteinander in Beziehung gesetzt werden, die sowohl räumlich als auch zeitlich voneinander getrennt sind. Da in der Vermittlung über Geld (bzw. über den Tausch) allerdings auf gesamtgesellschaftlicher Ebene jedes Ding auf eine einzige Zahl reduziert wird und diese Zahl unabhängig vom jeweiligen Bedürfnis der Handelnden feststeht, ist diese Vermittlungsform in gewisser Weise primitiv. Eine Folge dieser Art von gesellschaftlichen Kooperation ist eine ihr eigene Form der Unterdrückung, wenn auch der Tausch als ihre Ursache nicht offen zu erkennen ist. (1) Die dem Softwarekonzept zugrunde liegende These ist schließlich, dass mit der Entwicklung und Verbreitung des Internets überhaupt erst eine Möglichkeit denkbar geworden ist, wie Menschen weltweit miteinander kooperieren können und das ihren eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten nach. Durch das Programm soll der Aufbau einer solchen möglichen Gesellschaft unterstützt werden.

Welche Art der Vermittlung kann durch das Programm unterstützt werden? Speziell geht es um Vermittlung auf transpersonaler Ebene, d.h. um die Beziehung von Einzelpersonen zur Allgemeinheit (transpersonal), statt um die Beziehung von Personen direkt zueinander (interpersonal). (2) Die individuellen Bedürfnisse müssen auf der einen Seite in das Programm eingespeist werden können und auf der anderen Seite braucht es die Möglichkeit, diese auszulesen und Prozesse zu deren Befriedigung anzustoßen. Die sich daraus ergebende Gesellschaftsstruktur muss durchsichtig sein, damit sich den eigenen Fähigkeiten nach, notwendigen Tätigkeiten zugeordnet werden kann. Eine wesentliche Rolle in der Herstellung und Erhaltung der Lebensbedingungen spielen die Mittel.

Von welcher Art von Mitteln ist hier die Rede? Wenn hier von „Mitteln“ die Rede ist, sind sowohl gegenständliche, soziale und symbolische Mittel gemeint. Gegenständliches Mittel ist dabei alles, das sich anfassen lässt, wie Produktionsmittel (Rohstoffe, Maschinen, etc.), Grund und Boden, Wohnraum, Spielzeug, usw. Symbolische Mittel sind alle Formen von Wissens- und Kulturinhalten, die prinzipiell beliebig vervielfältigt werden können, wie der Inhalt von Büchern und Internetseiten oder Anleitungen für die Herstellung bestimmter Produktionsmittel und Medikamente. Soziale Mittel schließlich sind sämtliche soziale Formen, die Menschen zur vorsorgenden Herstellung ihrer Lebensbedingungen schaffen – Arbeitsorganisationen, Entscheidungsstrukturen, Konfliktlösungsformen, etc. Zudem wird hier unterschieden zwischen privatem Eigentum und gesellschaftlichem Eigentum, welches im Rahmen kollektiver Verfügung von potentiell jede*r Gesellschaftsteilnehmer*in verwendet werden kann. Um dagegen nicht-eigenes, privates Eigentum verwenden zu können, muss es über den Geld-vermittelten Tausch angeeignet werden oder die Verwendung muss im Sinne der Eigentümerin bzw. des Eigentümers sein. Die Verwendung von Privateigentum erhält damit die klare Richtung des individuellen Nutzens, wenn diese Verwendung auch nachteilig für andere sein kann – was in der marktwirtschaftlichen Logik auch unbedingt der Fall ist. Kapitalistisch werden Mittel dabei von ihren Eigentümer*innen angewandt, um Geld zu mehr Geld zu machen, sprich, zur „Verwertung des Wertes“.

Wenn bei kollektiver Verfügung dagegen keine einzelnen Personen bzw. Gruppen über die Mittel bestimmen, wie werden sie dann organisiert? Statt der „Verwertung“ sollen gesellschaftliche Mittel den Verwendungszweck der „Bedürfnisbefriedigung“ erhalten und das Programm soll eine dementsprechende Organisation unterstützen. Die Verwendung der Mittel folgt somit einer ebenso klaren Richtung, allerdings einer, welche den Gesellschaftsteilnehmer*innen zunehmend Handlungsmöglichkeiten zur eigenen Bedürfnisbefriedigung anbietet, die nicht über Geld vermittelt werden und diese somit schrittweise aus der Abhängigkeit von Geld befreit. Ein erklärtes Ziel dieser Softwarekonzeption ist daher auch überhaupt eine Möglichkeit herauszustellen, wie Mittel innerhalb kollektiver Verfügung auf Augenhöhe organisiert werden können.

Was sind die Bedingungen für die Organisation von Mitteln unter kollektiver Verfügung? Bei Mitteln unter kollektiver Verfügung muss deren Verfügbarkeit und der Zweck ihrer Verwendung eindeutig ersichtlich sein. In diesem Sinn muss die zu entwickelnde Plattform allgemeingültig sein, aber nicht zentral in einem technischen Sinn. Technisch können Instanzen des Programms unabhängig voneinander bestehen, so lange die Prozesse zur Bedürfnisbefriedigung und Verwendung/Verfügbarkeit der Mittel allgemein einsichtig bleiben. Dasselbe Mittel kann daher nicht durch zwei voneinander unabhängigen Instanzen gleichzeitig organisiert werden. Und wären die Mittel selbst auf zwei oder mehr unabhängigen Instanzen verteilt, wäre lediglich eine partielle kollektive Verfügung gegeben und die Handlungsmöglichkeiten der Gesellschaftsteilnehmer*innen, und damit wäre auch die effiziente Verwendung der Mittel zum Zweck der Bedürfnisbefriedigung eingeschränkt.

Dient der Kapitalismus nicht auch der Bedürfnisbefriedigung? Im Kapitalismus ist die Befriedigung von Bedürfnissen ein sich aus der Geldvermehrung ergebender Nebeneffekt. Will etwa jemand, der von Lohnzahlungen abhängig ist um sein Leben zu bestreiten, seine Bedürfnisse befriedigen, muss er seine Arbeitskraft in eine kapitalistische Produktion hinein verkaufen und dort strukturell mehr für die Gesellschaft produzieren als er von der Gesellschaft (in Form anderer Produkte/Dienstleistung/etc.) zurückbekommt – sprich, er leistet Mehrarbeit, welche sich in einem Mehrprodukt vergegenständlicht und im Verkaufsfall zum Mehrwert wird. Wenn auch nicht bewusst, sondern hinter dem Rücken der Gesellschaftsteilnehmer, strukturiert sich die kapitalistische Gesellschaft nach der Gewinnung dieses Mehrwertes. Da zum Zweck dieser Form der Geldvermehrung immer neue Arbeit geschaffen werden muss, kann die Arbeit für diejenigen, welche jede Woche 30-, 40-, 50-Stunden arbeiten müssen und deren Lohnzahlung tendenziell immer nur für den jeweiligen Monat reicht, niemals wesentlich weniger werden. Die Ursache, dass sich in vielen Industrieländern ein 8-Stunden-Tag eingepegelt hat und dieser oft seit über hundert Jahren nicht weniger wird, liegt daher nicht in einem scheinbar ewigen Naturgesetz, sondern in der Abhängigkeit, die eigenen Bedürfnisse über Geld vermittelt zu befriedigen und der daraus entstehenden Gesellschaftsstruktur. Nur abseits dieser auf Privateigentum beruhenden Gesellschaftsform ist es möglich, dass die notwendige Arbeitsmenge durch den technischen Fortschritt insgesamt abnimmt und auch die Tätigkeiten selbst auf gesamtgesellschaftlicher Ebene den individuellen Bedürfnissen nach gestaltet werden können.

Was wird hier unter Bedürfnissen verstanden? Zurückgreifend auf die Kritische Psychologie wird im selben Bedürfnis zwischen der sinnlich-vitalen und produktiven Bedürfnisdimension unterschieden. Vereinfacht gesagt also, zwischen dem was ich als einzelne Person brauche/möchte (sinnlich-vitale Bedürfnisdimension) und dem, wie ich mich in die gesellschaftlichen Kooperationsprozess hineinbegeben will, um diese Bedürfnisse dauerhaft abgesichert zu wissen (produktive Bedürfnisdimension). (3)

Wie werden die Begriffe Commons/Commoning hier verwendet? Sowohl Privateigentum als auch gesellschaftliche Mittel werden in dem Moment zu Commons, in welchem sie auf freiwilliger Basis und selbstorganisiert verwendet werden, um damit Bedürfnisse direkt zu befriedigen bzw. den Bedarf zu decken, welcher zu einer direkten Bedürfnisbefriedigung notwendig ist – was wiederum der Prozess des Commonings ist. Weitergehend ist ein Commoner niemand, der/die ein bestimmtes Weltbild vertritt, sondern eine Person die an einem Commoning-Prozess beteiligt ist. Kurz: Wird Commoning betrieben, werden Mittel zu Commons und Personen zu Commonern.

Und Commoning soll entsprechend vollständig über das Programm geregelt werden? Kern des Commonings ist und bleibt der direkte, zwischenmenschliche (interpersonale) Prozess. Das Programm soll lediglich die Organisation solcher Prozesse auf gesamtgesellschaftlicher Ebene unterstützen. Über diese transpersonale Vermittlung können dabei dauerhafte interpersonale Strukturen entstehen, durch welche die Verwendung des Programms für einzelne Personen bzw. zur Befriedigung bestimmter Bedürfnisse nicht weiter sinnvoll ist. Inwieweit sich aber interpersonales und transpersonales Commoning in der Verwendung von Mitteln unter kollektiver Verfügung überschneiden bzw. inwieweit dieser Schnittpunkt über Kommunikation entschärft werden kann, ist noch offen.

Die Phasen der direkten Bedürfnisbefriedigung

Folgend wird die Einordnung von Commoning in den Prozess zwischen der Einsicht in ein eigenes Bedürfnis bis zur Befriedigung desselben durch andere Personen dargestellt. Ein Bedarf entsteht dabei immer nur, wenn ein Mittel zur Bedürfnisbefriedigung notwendig wird. Die Darstellung kann für ein Verständnis der Theorie sehr hilfreich sein, ist aber für die Programmentwicklung selbst nicht unbedingt notwendig. Das Kapitel kann daher auch übersprungen bzw. überflogen werden.

Zur erleichterten Lesbarkeit wird folgend „Bedürfnis bzw. Bedarf“ mit „Bedürfnis*“ und „Befriedigung bzw. Deckung“ mit „Befriedigung*“ abgekürzt.

A. [Einsicht] Eine Person macht sich ein eigenes sinnlich-vitales Bedürfnis bewusst (I. svB-) oder erkennt einen Bedarf an Mitteln (II. M-), welcher für die erfolgreiche Beendigung eines Commoning-Prozesses, notwendig ist.

B. [Vermittlung] Vermittlung auf interpersonaler (i) oder transpersonaler (t) Ebene zwischen der unbefriedigten sinnlich-vitalen Bedürfnisdimension (svB-) bzw. den zur ihrer Befriedigung notwendigen Mittel (M-), der unbefriedigten produktiven Bedürfnisdimension (pB-) zur vorsorgenden Herstellung und Erhaltung der gesellschaftlichen Lebensbedingungen mit den eigenen Fähigkeiten (F), und den vorhandenen gesellschaftlichen (gM) bzw. privaten Mitteln (pM). Interpersonale Vermittlung ist dabei abhängig von Personen, Mitteln und Strukturen, welche der Person, welche das Bedürfnis* vermittelt, bekannt sind. Transpersonale Vermittlung ist abhängig von den ihr bekannten Medien, über welche vorhandene/verfügbare Mittel, anstehende Bedürfnisse* und die Strukturen zu ihrer Befriedigung* kommuniziert und aktualisiert werden

C. [Commoning] Der Prozess zur Befriedigung* anstehender Bedürfnisse* ist das Commoning (…c…). Hierzu wird eine Vorgehensweise überlegt bzw. gewählt und dieser entsprechend Grenzen und Regeln gesetzt. Indem am Commoning Beteiligte (Commoner) sich die Tätigkeiten aussuchen, welche ihnen Lust verschaffen oder welche sie als gesellschaftlich notwendig erachten und sie auch die Organisation der Prozesse ihren Bedürfnissen nach (mit-)gestalten, ist Befriedigung innerhalb der produktiven Bedürfnisdimension Bestandteil des Commonings (pB+). Die im Commoning verwendeten Mittel (M) werden durch ihren Verwendungszweck zur Bedürfnisbefriedigung* Commons genannt. Im Prozess können dabei gegenständliche Mittel ganz oder teilweise verbraucht bzw. verschlissen werden (M-), während soziale oder symbolische Mittel unverändert bleiben (M0) oder durch die Tätigkeit innerhalb des Commonings weiterentwickelt werden bzw. neu entstehen (M+)

D. [Beendigung] Die Bedürfnisbefriedigung* ist abgeschlossen, wenn die Person, welche das Bedürfnis* vermittelt hat, dieses als befriedigt* ansieht (I. svB+ bzw. II. gM+).

Anmerkung: Wenn auch für einen Commoning-Prozess private Mittel (pM) verwendet werden können, sind die durch Commoning hergestellten Mittel immer gesellschaftlich (gM). Hierdurch ergibt sich der Unterschied auf Ebene der Mittel zwischen Einsicht (II. M-) und Beendigung (II. gM+).

Beziehungen zwischen den verwendeten Begriffen

Das abgebildete Klassendiagramm soll noch näher zeigen, in welchem Zusammenhang die in der Programmkonzeption verwendeten Begriffe (bzw. Klassen) stehen. Es wird sich also auf die transpersonale Ebene beschränkt. Ausgangspunkt hierbei ist die Person, was allerdings nicht nur für eine Einzelperson, sondern auch für eine gemeinsam handelnde Gruppe stehen kann. Eine Einzelperson kann dabei Mitglied in keiner, einer oder mehreren Gruppen sein.

Das abgebildete Klassendiagramm soll noch näher zeigen, in welchem Zusammenhang die in der Programmkonzeption verwendeten Begriffe (bzw. Klassen) stehen. Es wird sich also auf die transpersonale Ebene beschränkt. Ausgangspunkt hierbei ist die Person, was allerdings nicht nur für eine Einzelperson, sondern auch für eine gemeinsam handelnde Gruppe stehen kann. Eine Einzelperson kann dabei Mitglied in keiner, einer oder mehreren Gruppen sein.

Eine Person kann über das Programm keines, eines oder mehrere Bedürfnisse vermitteln, also in verarbeitbarer Form einspeisen. Ein Bedürfnis wird zwar immer über genau eine Person vermittelt, kann in dieser vermittelten Form aber auch von keiner, einer oder mehreren Personen geteilt werden. Weiter kann eine Person sich keinem, einem oder mehreren Commoning-Prozessen zuteilen, welche selbst aus einer oder mehreren Personen bestehen. Ein Bedürfnis kann durch einen Commoning-Prozess unvermittelt befriedigt werden. Innerhalb eines Commoning-Prozesses können kein, ein oder mehrere Bedarfe vermittelt werden, welche für diesen Prozess notwendig sind. Ein Bedarf wird immer für einen Commoning-Prozess von daran beteiligten Personen vermittelt (eingespeist), kann in dieser vermittelten Form aber von keinem, einem oder mehreren Commoning-Prozessen geteilt werden. Ein Bedürfnis* kann entweder ein Bedürfnis oder ein Bedarf sein.

Die in einem Commoning-Prozess verwendeten Mittel zur Befriedigung* eines Bedürfnisses* können sowohl private Mittel wie auch gesellschaftliche Mittel sein. Ein Commoning-Prozess kann dabei ein oder mehrere gesellschaftliche Mittel erzeugen, nie aber private Mittel. Ein Bedürfnis* kann durch ein Mittel befriedigt* werden. Ein Bedarf wird dagegen immer durch ein Mittel gedeckt.

Anmerkung: Einen besonderen Fall bilden Bedürfnisse, die zwar anstehen, aber nie dauerhaft befriedigt werden. Das klassische Beispiel wäre das Bedürfnis nach „Wohnraum“, welches nicht einmalig befriedigt wird, sondern jeden Moment aufs Neue. Ein solches Bedürfnis wird als ständiger Commoning-Prozess behandelt. Wenn der Prozess dabei auch an eine oder mehrere konkrete Personen gekoppelt ist, können sich die als Commons verwendeten Mittel für diesen Prozess (im Beispiel „Wohnraum“: die Zwei-Zimmer-Wohnung oder das Einfamilienhaus) verändern, während ein Konflikt über die Verwendung dieser Mittel prinzipiell immer möglich ist.

Arbeitsweise und Aufgaben

Robert und ich gehen dem Projekt beide auf freiwilliger Basis nach, da wir darin ein wirkliches Potential zur gesellschaftlichen Veränderung sehen. Wir hoffen sehr darauf, noch andere motivieren zu können, ebenfalls an diesem Prozess teilzuhaben. Über das Konzept wird derzeit auf gitlab [6] diskutiert. Wir halten dort unsere Arbeitsergebnisse als Wiki [4] fest, was ebenso wie diese Textreihe dabei helfen soll, den Einstieg zu erleichtern. Da wir gerade zu zweit in der Konzeption sehr schnell und konstruktiv voran kommen, ist das gitlab-Projekt schreibgeschützt, allerdings würden wir den Einstieg weiterer Personen nach einem gegenseitigen Kennenlernen und einer Abklärung der Arbeitsweise offen gegenüberstehen.

Die meisten Aufgaben werden nach der Konzeption, in der Entwicklung, anfallen. Hierfür braucht es selbstverständlich Entwickler*innen, besonders auch im Front-End-Bereich, welche das Konzept entsprechend umsetzen und den dabei auftretenden Problemen nach anpassen können. Weiter braucht das Projekt für die Realisierung einen passenden Namen, eine Internet-Domain, ein Logo und gute Design-Entwürfe für die Benutzeroberflächen. Auch wenn das Ziel des Projektes ist, Bedürfnisbefriedigung außerhalb der Wertsphäre auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zu ermöglichen, werden die an der Entwicklung beteiligten Personen Geld für ihren Lebensunterhalt benötigen. Ein großes Potential, das Projekt zu unterstützen, liegt daher in der Suche nach Förderprogrammen, im Schreiben von Anträgen, der Durchführung von Crowdfunding-Kampagnen oder ganz einfach in der direkten Spende. Besonders durch Letzteres kann heute schon den Entwicklern von grouprise [7] geholfen werden.

Die Mailadresse des Projektes ist transcomm@solidaris.me.

Fußnoten

  1. Der erste Teil von "das Kapital und die Commons [8]" ist eine von vielen Einführungen, wie aus der Tauschlogik diese Form der Unterdrückung entsteht.
  2. Näher zu den Begriffen inter- und transpersonal: Kapitalimus aufheben, S. 24
  3. Näher zur sinnlich-vitalen/produktiven Bedürfnisdimension: Kapitalismus aufheben, S. 127



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URLs in diesem Beitrag:

[1] Kapitalismus aufheben: https://commonism.us/files/Sutterluetti-Meretz_Kapitalismus-aufheben.pdf

[2] Ausdehnungsdrang moderner Commons: https://keimform.de/2018/der-ausdehnungsdrang-moderner-commons-15/

[3] grouprise: https://grouprise.org/

[4] Wiki: https://git.fairkom.net/transcomm/transcomm-concept/wikis/home

[5] hier: http://marcusmeindel.wordpress.com

[6] gitlab: http://git.fairkom.net/transcomm

[7] grouprise: http://grouprise.org/#spenden

[8] das Kapital und die Commons: https://archive.org/details/daskapitalunddiecommons

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