Commons im Linken-Programm

geschrieben von Stefan Meretz am 1. Juli 2013, 07:10 Uhr

logo-die-linkeNach den Piraten [1] wollten nun auch die Linken [2] ihren Bezug auf die Commons formulieren. Im Entwurf klingt der Titel schon mal super: »Für Commons, Dialog und Teilhabe«. Nur leider machen sich die Commons im weiteren Text dann rar, so dass ich mich am Ende des Entwurfes fragte: Was versteht die Linke eigentlich unter Commons? Das wusste sie selbst nicht so genau und hat einen eigenständigen Passus zu Commons auf dem Parteitag im dann beschlossenen Wahlprogramm [3] gestrichen.

Übrig geblieben sind folgende Teile, die ob der Kürze vollständig zitiert werden können (jeweils mit den Überschriften, unter denen die Abschnitte auftauchen):

Einführung

(…)

Energie ist ein Gemeingut, es gehört in die Hände der Bevölkerung!

Das Öffentliche stärken: Enteignung der Bevölkerung stoppen

(…)

In verschiedenen sozialen Bewegungen, besonders im globalen Süden, hat sich das Konzept der »Commons«, der Gemeingüter, verbreitet. Freie Software, die nicht für den Markt entwickelt und verbreitet wird, hat diese Diskussion weiter befördert: Computer, Internet, Digitalisierung spielen im Leben von immer mehr Menschen eine große Rolle. »Commons« meint häufig »Ressourcen« wie Land, Wohnen, Wasser, auch nicht materielle Güter wie Wissen und Information. Im Vordergrund steht, dass die Güter gemeinschaftlich genutzt werden. Sie werden nicht besessen und nicht im freien Wettbewerb (auf)gebraucht – und wie sie genutzt werden, darf nicht nach Regeln verlaufen, die von Konzernen diktiert werden. Wir wollen weiter diskutieren, wie Formen von bedarfsorientierter, demo­kratisch organisierter und solidarischer Produktion und Nutzung unterstützt werden können und welche Bedeutung den »Commons« und der Gemeingüter­wirtschaft dabei zukommt.

Die Macht der Monopole brechen: Energieversorgung in die Hände der Bevölkerung

(…)

Gerade lokale Energieverbünde eignen sich dazu, selbstbestimmt, ökologisch nachhaltig und jenseits der Profitlogik ihren Energiebedarf in gemeinwirtschaftlichen (»commonsbasierten«) Strukturen zu produzieren.

***

Mini-Kommentar

Die Linke verwechselt Commons mit den Ressourcen. Nein, Energie ist kein Gemeingut, erst durch einen sozialen Prozess der gemeinschaftlichen Verfügung könnte Energie dazu werden. Wenn andere mit »Commons« häufig »Ressourcen« meinen, ist das kein Grund, den Fehler zu wiederholen. Und doch gerade: Commons werden »besessen«, eben weil es auf die tatsächliche praktische Verfügung ankommt (=Besitz) und erst in zweiter Linie auf die Eigentumsverhältnisse. Usw.

Weiter diskutieren ist schon mal gut, aber vielleicht doch auch mal Commons-Expert_innen?


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[1] Piraten: https://keimform.de/2013/commons-im-piraten-programm/

[2] Linken: http://blog.die-linke.de/digitalelinke/linke-netzpolitik-fur-commons-dialog-und-teilhabe/

[3] Wahlprogramm: http://www.die-linke.de/wahlen/wahlprogramm/

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