Das Ende von CouchSurfing…

geschrieben von Stefan Meretz am 5. September 2011, 14:25 Uhr

…so wie wir es kannten steht vor der Tür. CouchSurfing [1] ist eine globale Community-Plattform zur Vermittlung von kostenlosen Übernachtungen. Drei Millionen Mitglieder nutzen die Übernachtungsmöglichkeiten in 81.000 Städten überall auf der Welt. Selbstorganisation, Vertrauen und das Teilen kultureller Erfahrungen standen im Mittelpunkt von CouchSurfing.

Standen. Denn nun ist CouchSurfing in eine profitorientierte Firma umgewandelt worden. Zwar gab es immer mal wieder Kritik an CouchSurfing [2], aber der jetzige Schritt toppt alles.

Benchmark Venture Capital und Omidyar Network haben mehr als 5 Millionen Euro investiert. Der offizielle Grund für die Umwandlung ist die Bezahlung von zehn Top-Programmierern, die die CouchSurfing-Plattform so aufmotzen sollen, so dass CS mit den zahlreich entstandenen Kommerz-Travel-Sites konkurrieren kann.

Das ist das Ende von CouchSurfing. Die Venture-Capitalists wollen einen ordentlichen Return auf ihren Invest sehen. Die Verwertungslogik geht den Gang ihrer Dinge: Wo kann Werbung platziert werden? Was kann mit den wertvollen User-Daten geschehen? Wie können Daten-Profile monetarisiert werden? Und so weiter.

Die Nutzinnen und Nutzer werden zu Recht angepisst sein. Zunächst nicht viele, es werden nicht alle abspringen, viele werden den warmen Worten glauben, dass dies alles nur zum Besten der CouchSurfing-Idee sei. Ist es aber nicht. Und diese Erfahrung wird sich auch im Alltag von CouchSurfing niederschlagen.

Dieses Beispiel, das nun wirklich nicht das erste seiner Art ist, wirft die Frage nach dem Schutz der Commons vor ihrer Zersetzung von innen heraus auf. Die feindliche anti-commonistische Umgebung besteht nicht nur in Unternehmen, die sich von freien Commons den Platz streitig gemacht sehen, sondern es ist die Geldlogik als solche, die ins Denken und dann ins Handeln der Commoners eindringt.

Denn sicher ist: Es wird immer einige geben, die sagen: »Warum nicht Geld nehmen, um unsere Ziele zu erreichen?« Es sieht so einfach aus ganz im Gegensatz zu den Schwierigkeiten, etwa durch Spendensammlungen ein Projekt am Leben zu erhalten. Es ist die Illusion, dass Geld nur ein neutrales Medium sei. Was kann das schon machen, ein paar Zahlen im Computer. Doch Geld ist gerade nicht bloß ein Medium, ein Mittel, um bestimmte Ziele zu erreichen. Sondern Geld vorkörpert eine dahinter stehende strukturelle Handlungslogik. Diese lautet: Aus Geld muss mehr Geld werden. Dort, wo sie greift, gibt es kein Halten mehr, kein Argument, das sie stoppen kann.

Ein Stopp, ein Schutz vor der Verwertlichung, vor der Monetarisierung unseres Handelns können wir nur selber setzen. Dies muss relativ am Anfang eines Projektes geschehen. Erfolgreiche Projekte sind solche, die sich eine eigene »Verfassung« gegeben haben, einen »Sozialvertrag«, der den Handlungsrahmen absteckt. Kommt dann noch eine rechtliche Absicherung hinzu — wie etwa mittels einer Freien Lizenz — dann ist die Kanibalisierungsgefahr schon wesentlich geringer.

Was nun im Falle von CouchSurfing passieren wird, ist offen. Es ist zu hoffen, dass andere Plattformen die offene Kultur von CouchSurfing übernimmt und fortsetzen kann (zum Beispiel BeWelcome [3]). CouchSurfing kann ich jedenfalls nicht mehr alles Gute wünschen.

[via [4]]

[Update] Nicht-kommerzielle Alternative: The Hospitality Club [5]


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[1] CouchSurfing: http://www.couchsurfing.com/

[2] Kritik an CouchSurfing: http://www.keimform.de/2007/oeffnung-von-reisenetzwerken-wird-versucht/

[3] BeWelcome: http://www.bewelcome.org/

[4] via: http://bollier.org/requiem-couchsurfing

[5] The Hospitality Club: http://www.hospitalityclub.org/

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