Knol = Wikipedia + AdSense?

geschrieben von Stefan Meretz am 29. Juli 2008, 14:23 Uhr

Google hat eine neue Plattform [1] gestartet: Knol [2]. »Share what you know« (»Teile, was du weisst«) ist der community-orientierte Slogan. Ist Knol so etwas wie eine Anti-Wikipedia [3]? Bei Knol werden Artikel nicht kollektiv verfasst und verbessert, sondern von einzelnen Autor_innen. Diese können optional die Mitarbeit erlauben. Zunächst »gehören« die Artikel jedoch festen Autor_innen. Folglich kann es zu einem Thema auch mehrere Artikel geben.

Zu einem Artikel kann es Reviews, Kommentare oder Bewertungen geben — oder eben einen weiteren Artikel mit einer Gegenposition. Knol hat also keinen enzyklopädischen Anspruch wie Wikipedia, sondern will auch kontroverse Sichten sammeln. Per Default wird CC-sa [4] als Lizenz vorgeschlagen, die jedoch in ein tradionelles »All Rights reserved« geändert werden kann.

Knackpunkt von Knol ist wohl Kombination mit AdSense [5].Wer will, kann seinen Beitrag mit kontext-abhängiger Werbung versehen. Wer viel gelesen wird, kassiert — in der Regel wohl im bescheidenen Umfang. Verbunden mit der dominierenden Suchmaschine von Google, sollen »Knols« (die Beiträge in Knol) ins Licht der Aufmerksamkeit [6] gehoben werden, was wiederum mehr Leute anziehen soll, für Knol zu schreiben usw. Geplanter Netzwerk-Effekt [7] nennt man das. Aber ob die kritische Masse [8] erreicht werden kann?

Ohnehin scheint mir Googles Knol eine Neuauflage des gescheiterten [9] deutschen Startups knol.de (offline) zu sein. Aufgekauft? Auch den anderen Inhabern von knol-Domains (vgl. knol.com [10]) geht schon die Muffe, wenn Google anrollt. Aber Google muss nicht alles gelingen, und die Firma gibt sich alle Mühe das Microsoft des Web zu werden.

Knol ist nix Halbes und nix Ganzes. Es ist keine Enzyklopädie, aber auch keine Peer-Review basierte Open-Access-Plattform für Fachartikel, wie sie sich zunehmend im Wissenschaftsbereich durchsetzen. Letztlich kann jede_r alles veröffentlichen. Knol als Plattform für meine Website, auch nicht schlecht. Bloggen kann man bestimmt auch über Knol. Ohnehin sind Müll und Verschwörungstheorien mit unter sehr beliebt im Web. Nun ja, soll Google dafür halt zahlen. — Oder übersehe ich einen sozialen Regulationsmechanismus, den jede Commons [11] brauchen, um zu gedeihen?


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[1] neue Plattform: http://www.heise.de/newsticker/meldung/113255

[2] Knol: http://knol.google.com/

[3] Anti-Wikipedia: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26856/1.html

[4] CC-sa: http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons#Die_Rechte-Module

[5] AdSense: http://de.wikipedia.org/wiki/Adsense

[6] Aufmerksamkeit: http://thenextweb.org/2008/07/25/google-knol-how-i-reached-page-1-on-google-in-24-hours/

[7] Netzwerk-Effekt: http://de.wikipedia.org/wiki/Netzwerkeffekt

[8] kritische Masse: http://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Masse_(Begriffskl%C3%A4rung)

[9] gescheiterten: http://www.ciao.de/knol_de__Test_1965318

[10] knol.com: http://www.knol.com/nieuws/knol-in-de-media/google-werkt-aan-knol.html

[11] Commons: http://de.wikipedia.org/wiki/Allmende

[12] : https://keimform.de/2008/knol-wikipedia-adsense/?share=email

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