Was ist eigentlich eine „Keimform“?

geschrieben von Benni Bärmann am 14. Februar 2007, 14:28 Uhr

Blumentöpfe in prekärer LageOk, das zu beantworten ist ja unter anderem gerade Sinn und Zweck dieses Blogs. Es wäre also sehr vermessen, wenn ich das jetzt mal eben hier und jetzt beantworten würde. Aber ich will mal einen eigentlich ziemlich simplen Gedankengang darlegen, wie ich mir das zur Zeit vorstelle. Und unter uns: Nach über 100 Beiträgen sollten wir langsam mal anfangen 😉 Widerspruch natürlich sehr willkommen.

Um sich klar zu machen, was eine Keimform ist, sollte man sich drei Dinge klar machen:

  1. Was ist ein Keim?
  2. Was ist eine Form?
  3. Was verbindet beide in dem Begriff Keimform?

Was ist ein Keim?

Ein Keim im übertragenen Sinne – jenseits der ursprünglichen biologischen Bedeutung und in unserem Kontext der gesellschaftlichen Suche nach dem Neuen im Alten – ist etwas, aus dem das Neue hervorgeht. Ein Keim ist also noch nicht selbst das Neue, aber er enthält bereits alle wesentlichen Fähigkeiten des Neuen ohne deswegen genauso auszusehen. Darin also ganz analog zum biologischen Keim, der ja auch bereits alle genetische Information des späteren voll entfalteten Lebewesens enthält aber gänzlich anders aussieht.

Es dürfte klar sein, dass ein solcher Keim bisher noch nicht gesichtet wurde, weder bei Freier Software, noch sonstwo.

Was ist eine Form?

Ich zitiere mal Frauke (völlig aus dem Zusammenhang gerissen):

Die Form ist um den Inhalt und der Inhalt ist in der Form. Um das zu lernen, leeren kleine Kinder mit Vorliebe Gefäße aus und füllen sie um.

Damit ist das Wesentliche gesagt.

Was ist eine Keimform?

Zu klären ist jetzt also noch, wie sich „Keim“ und „Form“ im Begriff „Keimform“ verbinden. Nach der oben angeführten Definition von Form gibt es ja prinzipiell erstmal drei Möglichkeiten:

  1. „Keim“ könnte der zur Form gehörige Inhalt sein.
  2. „Keim“ ist selber eine Form mit einem noch unbestimmten Inhalt.
  3. „Keim“ ist das die Form umgebende Medium in dem Form und Inhalt beide noch unbestimmt sind.

Ich behaupte jetzt nicht zu wissen, welche der drei Möglichkeiten die für uns relevante sein könnte (oder ob es vielleicht noch ganz viele andere geben könnte), aber ich plädiere mit Occams Rasor [1] dafür zunächst mal die einfachste Variante auszuprobieren, dass wäre also diejenige, die am meisten schon mitliefert, weil sie nichts unbestimmt lässt, also Variante 1.

Baum im BlumentopfAls Ergebnis erhält man etwas, dass man die Blumentopfthese nennen könnte. Natürlich ist das nur eine Analogie, aber ich finde eigentlich eine ganz brauchbare.

Blumentöpfe sind dafür da in eigentlich unwirtlicher Umgebung Lebensbedingungen für ortsfremdes Leben zu ermöglichen. Dabei sind die Blumen in den Töpfen auf das Gießen der Balkonbesitzer angewiesen um nicht zu verdorren. Wenn die Balkonbesitzer nicht mehr gießen, werden die allermeisten Blumen eingehen, nur einige wenige, besonders widerstandsfähige bleiben vielleicht am Leben und werden schließlich – möglicherweise – den ganzen Balkon überwuchern und weiterleben auch wenn die Balkonbesitzer längst umgezogen sind.

Man ersetze nun „Blumentopf“ mit „Keimform“, „Blume“ mit „Keim“, „Balkon“ mit „Gesellschaft“, „Balkonbesitzer“ mit „Kapitalismus“ und „überwucherter Balkon“ mit „befreiter Gesellschaft“ und es kommt ein ganz gute Beschreibung dafür hinaus, zum einen, was wir anstreben (bzw. wonach wir suchen) und zum anderen, wieso das so schwierig ist.

Bilder: pixelquelle.de


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[1] Occams Rasor: http://de.wikipedia.org/wiki/Ockhams_Rasiermesser

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