Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Commonismus statt Sozialismus

aufhebung-des-kapitalismus[Beitrag aus: Aufhebung des Kapitalismus, Argument-Verlag, S. 259-277]

Die widersprüchliche Herausbildung einer neuen Produktionsweise

»Die soziale Revolution … kann ihre Poesie nicht aus der Vergangenheit schöpfen, sondern nur aus der Zukunft« (Marx 1852: 117).

In der linken Debatte fällt schnell auf, dass es keinen einheitlichen Begriff des Sozialismus gibt. Zwei Argumentationsstränge lassen sich identifizieren. Ein Strang erklärt offen, dass es sich beim Sozialismus um eine warenproduzierende Gesellschaft handele, in der getrennt produziert werde und folglich die Produkte Warenform annähmen. Im durch einen zentralen Plan geregelten Austausch behielten folglich Wertgesetz, Preis und Gewinn ihre regulatorische Funktion. Ein anderer Strang spricht von bloßer Güterproduktion, bestreitet also die Warenförmigkeit der Produkte mit dem Verweis auf das Gemeineigentum an den (wesentlichen) Produktionsmitteln sowie dem Plan, der den Markt als Vermittlungsinstanz durch einen „politischen“ Mechanismus ersetze. Diese Stränge stehen nicht so getrennt nebeneinander, wie die hier gewählte vergröberte Darstellung es nahelegen mag. In beiden spielt etwa etwa der Plan eine zentrale Rolle. Signifikant ist dennoch die völlige Uneinigkeit über den besonderen Charakter der sozialistischen Produktionsweise – Warenproduktion oder nicht?

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Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Theorie

13. September 2015, 21:43 Uhr   26 Kommentare

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Grundrisse einer freien Gesellschaft

aufbruch-ins-ungewisse[Artikel aus: Aufbruch ins Ungewisse]

Viele Ansätze erdenken neue Gesellschaften, indem sie interessante aktuelle Entwicklungen prognostisch verlängern. Im Zentrum stehen meist neue Technologien – Jeremy Rifkin (2014) und Ludger Eversmann (2014) machen es vor. Ob die prognostizierte neue Gesellschaft wirklich „neu“ oder doch nur eine modernisierte Variante des Gehabten ist, wird selten thematisiert. Doch was macht das Neue einer Gesellschaft aus? Was überhaupt ist eine Gesellschaft?

Gesellschaft ist der soziale Zusammenhang, in dem Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen und den sie herstellen. Gesellschaft ist somit doppelt bestimmt. Sie ist Bedingung des Machens und Gemachtes. Als Vorfindliches ist sie Rahmen des Handelns, als Aktuelles ist sie Ergebnis des (all-)täglichen Handelns. Kapitalismus als derzeit dominante Weise der Herstellung der Lebensbedingungen ist keine Veranstaltung außerhalb von uns, sondern wir stellen die sozialen Formen, die den Kapitalismus ausmachen, her. Jeden Tag, mit Notwendigkeit.

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Kategorien: Commons, Medientipp, Theorie

28. Dezember 2014, 07:53 Uhr   15 Kommentare

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Commons auf dem »Prüfstand« — die Fragen

In Österreich lässt die Regierung „alternative Wirtschaftskonzepte“ prüfen, die „die Lebensqualität und das Wohlbefinden der Menschen zu erhöhen und dabei gleichzeitig innerhalb der ökologischen Tragfähigkeit des Planeten zu bleiben“ vermögen. Wow, welche Regierung macht das schon und denkt dabei an die Commons? Na, aber wie zu erwarten weisen die Fragen auf den üblichen, althergebrachten Rahmen jener Wirtschaftsweise hin, die dabei ist, jene ökologische Tragfähigkeit zu untergraben und die Lebensqualität zu reduzieren.

Silke Helfrich, unsere Nachbarin vom CommonsBlog, erhielt die Fragen vom Sustainable Europe Research Institute (SERI) und lud mich ein, die Antworten mitzuformulieren. Sie hat auch schon darüber gebloggt. Wir schrieben also ein Vorwort: Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons

7. Dezember 2014, 07:19 Uhr   3 Kommentare

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Die LINKE und die Commons

neues-deutschland[Erschienen in der Kolumne »Krisenstab« im Neuen Deutschland vom 21.7.2014]

Stefan Meretz über eine beginnende Freundschaft

Der »prager frühling«, die Zeitschrift der Emanzipatorischen Linken in der LINKEN, betätigt sich wieder einmal als Trüffelschwein. Die Commons sind das Leckerli, das sich die Redaktion vorgenommen hat. Wie hat sie es zubereitet? Schmeckt es?

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Kategorien: Commons, Eigentumsfragen

21. Juli 2014, 07:04 Uhr   4 Kommentare

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Solidarische Ökonomie der Commons

Ausweg aus dem Wachstumsgetriebe der Marktwirtschaft

Beitrag für den Tagungsband zum Kongress “Solidarische Ökonomie” 2013 zu meinem Workshop. Der hervorragend gestaltete und inhaltlich spannende Band ist sehr zu empfehlen. [Repost]

Weltweit dominiert die kapitalistische Produktionsweise das Leben der Menschen. Sie unterliegt einem Drang und Zwang zum Wachstum, der sozial und ökologisch verheerend ist. Anders als historisch ältere Formen von Wirtschaft, die zum Teil Märkte inkludierten, ist die kapitalistische Produktionsweise wesentlich Marktwirtschaft. Sogar die Lebenszeit wird zur Ware.

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Kategorien: Commons, Theorie

15. Juli 2014, 07:02 Uhr   7 Kommentare

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Fülle, die nicht sein darf

neues-deutschland[Erschienen in der Kolumne »Krisenstab« im Neuen Deutschland vom 26.5.2014]

Stefan Meretz über die Ideologie der Knappheit

Der Kapitalismus gründet sich auf zwei zentralen Mythen. Einer davon ist die Annahme, Wirtschaften sei der systematische Umgang mit knappen Gütern zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung. Und der zweite behauptet, die menschlichen Bedürfnisse seien unendlich. Schauen wir genau hin.

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Kategorien: Theorie

26. Mai 2014, 06:36 Uhr   2 Kommentare

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Keimform und Elementarform

Streifzüge Nr. 60/2014[Alle »Keimformen«-Artikel in Streifzüge 60/2014]

Die Begriffe Keimform und Elementarform werden gerne in eins gesetzt, so etwa von Robert Kurz in dem Buch „Geld ohne Wert“ (Kap. 3, S. 57-67). Er verwirft beide Begriffe grundsätzlich. Das „Problem des methodologischen Individualismus …, hier in seiner historischen Dimension“ sieht er hier gegeben. Der methodologische Individualismus erklärt Gesamtphänomene aus der Bewegung von Einzelentitäten, also etwa die Ökonomie aus dem Handeln der nutzenmaximierenden Individuen (homo oeconomicus). Um zu klären, ob die Kritik berechtigt ist, sei die von Kurz eingeebnete Differenz zwischen Elementarform und Keimform erhellt.

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Kategorien: Theorie

11. April 2014, 06:55 Uhr   1 Kommentar

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Keimform und gesellschaftliche Transformation

Streifzüge Nr. 60/2014[Alle »Keimformen«-Artikel in Streifzüge 60/2014]

Der analytische Begriff der „Keimform“ hat eine gewisse Karriere hinter sich, und wie bei so manchen Karrieren ist nach einer Weile nicht mehr so recht klar, was damit eigentlich gemeint ist. Eine Klärung sei versucht.

Das Keimform-Konzept will die Frage beantworten, wie eine neue gesellschaftliche Form in der Entwicklung entstehen und sich schließlich durchsetzen kann. Das traditionelle Transformationskonzept des Marxismus-Leninismus versuchte den Widerspruch zwischen Ökonomie und Politik zu lösen, indem eine Klasse geleitet durch eine Avantgarde die Macht ergreift. Historisch konnten auf diese Weise zwar die Notwendigkeiten der Warenproduktion etabliert werden (etwa in Russland nach der Revolution), eine kommunistische Produktionsweise ließ sich so jedoch nicht durchsetzen. Das Keimform-Konzept hingegen betrachtet die Spaltung in Ökonomie und Politik, von Warenproduktion und gesellschaftlicher Steuerung, selbst als das Problem. Es kann nicht darum gehen, die Ökonomie mittels der Politik zu verändern, sondern darum, eine neue gesellschaftliche Form durchzusetzen, in der lokale Produktion und gesellschaftliche Zwecksetzung nicht mehr auseinanderfallen. Was ist der Unterschied?
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Kategorien: Commons, Theorie

8. April 2014, 06:51 Uhr   32 Kommentare

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Streifzüge Nr. 60: »Keimformen«

Streifzüge Nr. 60/2014[Inhaltverzeichnis der Ausgabe: unten]

Einlauf

Ich hatte das Vergnügen, den Schwerpunkt als Gast-Kurator zu betreuen. Es lief einfacher als gedacht, am Ende hatten wir sogar mehr Artikel, als wir unterbringen konnten.

Die Keimform-These spricht einen bestimmten, aber selten thematisierten Aspekt der an Marx orientierten Theorie an: Wie gehen gesellschaftliche Systeme unterschiedlicher Qualität in der Entwicklung auseinander hervor? Traditionell schien dieses Thema in Bezug auf den Kapitalismus mit der Figur der die Macht ergreifenden Arbeiterklasse gelöst zu sein: Die regelt das dann. Doch so schlicht und politizistisch funktioniert(e) der geschichtliche Prozess nicht. Die untergegangenen realsozialistischen Versuche bezeugen dies. Das Verhältnis von Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen ist weitaus komplexer als gedacht.

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Kategorien: Medientipp, Theorie

5. April 2014, 06:48 Uhr   18 Kommentare

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Ungerechte Gerechtigkeit

neues-deutschland[Erschienen in der Kolumne »Krisenstab« im Neuen Deutschland vom 3.2.2014]

Stefan Meretz über Teilen und Tauschen

Menschen tauschen, immer, sie sind gleichsam »Tauschwesen«. Diese Aussage erscheint wie in Stein gemeißelt, unumstößlich, das war und ist so, und es wird immer so sein. Amen. Dabei werden hier zwei Dinge zusammengeworfen, die unterschieden gehören: Teilen und Tauschen.

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Kategorien: Commons, Theorie

3. März 2014, 06:56 Uhr   8 Kommentare