Mundraub-Handbuch
Über das Projekt Mundraub haben wir bereits berichtet: Commons-Obst — das mundet! Bislang ungenutztes Obst nutzbar machen durch Information über die Fundorte ist die Idee. Die Mundraub-Plattform ist sehr beliebt, aber erreicht damit »nur« die Onliner_innen. Und eine Smartphone-App für unterwegs gibt’s wohl noch nicht.
Jetzt ist ein Mundraub-Handbuch geplant. Über die Kartierung von Fundstellen hinaus soll es im Handbuch einen Erntekalender, eine Bestimmungshilfe für Früchte, Nüsse und Gemüse, rechtliche Aufklärung und Pflegetipps für Obstbäume geben. Alles dies schön illustriert kostet Geld. Deswegen bittet das Projekt die Crowd jetzt um Funding. Die Schwarmfinanzierung funktioniert so: Spender_innen geben Geld. Wird das Spendenziel nicht erreicht, gibt’s das Geld zurück.
Für das Mundraub-Handbuch gibt’s zwar schon viele Spender_innen, aber die Spendensumme ist lange nicht erreicht. Noch sind 35 Tage Zeit.
Kategorien: Commons
14. Oktober 2011, 07:33 Uhr 4 Kommentare
Hacking Club-Mate
Club-Mate ist nicht nur hierzulande beliebt, sondern auch in den USA. Dort bekommt man das Getränk jedoch nur schwer, und wenn, dann zu hohen Preisen. Was liegt näher, als sich das Zeug selber zu brauen? Das ist jetzt geschehen, wobei es schon mehrere Hacks gibt.
Der Hackerspace HackPittsburgh hat Open Mate kreiert, das Rezept ist super einfach. Der Interlock-Hackerspace in Rochester hat mit Open Mate Beta 2 eine mehr zitronige Variante vom Pittburgh-Rezept abgeleitet — offene Quellen machen’s möglich. Noisebridge ist ein Hackerspace in San Francisco, ihr Rezept-Remix heißt Sudo Pop und ist ein Ginger-Beer. Glaubt man dem MAKE-Magazine, so ist Dave-Mate geschmacklich am nächsten am Original — hier das Rezept. [via]
Kategorien: Freie Inhalte
25. Mai 2011, 13:39 Uhr 3 Kommentare
Gutes Leben mit Ecommony
[aus: Streifzüge Nr. 51]
Von Friederike Habermann
Es sind Hunderte. Hunderte Taxis in der Schlange am Berliner Flughafen Tegel. Und Hunderte Menschen, die ihr Leben darin vergeuden, denn es wird ewig dauern, bis die letzten einen Fahrgast ergattert haben, um nach einigen Kilometern sich hier oder woanders wieder anzustellen. Ist das die Effizienz, ist das die Selbstverwirklichung im Kapitalismus?
Wer gerade nicht von Tegel fliegt, kann durch die Straßen bei sich um die Ecke bummeln und auf die sich stets wiederholenden Friseursalons, Apotheken, Drogerien oder Supermärkte achten – mit sich stets ausweitenden Öffnungszeiten selbstverständlich. Wenn im Kapitalismus Zeit als Geld gilt: Warum wird dann die Lebenszeit so vieler der hier Angestellten oder Kleinselbständigen aus dem Fenster geworfen?
Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Eigentumsfragen
8. April 2011, 07:50 Uhr 3 Kommentare
Peer Produktion: Wie im Internet eine neue Produktionsweise entsteht
Der folgende Artikel ist im WIDERSPRUCH – Münchner Zeitschrift für Philosophie, Heft 52 (2010) erschienen.
„Kreativ zu sein, ist eine inhärente Eigenschaft des menschlichen Geistes … Warum singt Figaro, warum schreibt Mozart Musik, die Figaro singt, warum erfinden wir alle neue Worte? Weil wir es können. Homo ludens trifft Homo faber. Die soziale Bedingung globaler Verbundenheit, die wir das Internet nennen, ermöglicht uns allen, kreativ zu sein auf eine neue und nie erträumte Weise. Wenn wir nur nicht das ‚Eigentum‘ dazwischenfunken lassen.“
So beschreibt der US-amerikanische Rechtsprofessor Eben Moglen (1999) das bemerkenswerte Phänomen, das Peer-Produktion genannt wird. Es hat die Art und Weise der Produktion von Software und Kulturgütern in den letzten Jahrzehnten kräftig durcheinander gewirbelt. Was ist das Geheimnis der Peer-Produktion, und wie weit reicht ihr Potential? Warum und unter welchen Umständen kommt es zur spontanen und ungezwungenen Kooperation gleichberechtigter „Peers“? Welche Bereiche der gesellschaftlichen Produktion wurden dadurch schon verändert, und wo stehen Veränderungen ähnlicher Reichweite bevor? Darum soll es im Folgenden gehen.
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Kategorien: Commons, Reichtum & Knappheit, Theorie
13. Januar 2011, 08:46 Uhr 3 Kommentare
Self-organized Plenty
[Eine etwas ausführlichere Version dieses Artikel gibt es auch auf Deutsch.]
This is a handout of the slides of the talk which I gave at FSCONS 2010. So far, a detailed written version of the talk exists only in German (1, 2, 3, 4), but I hope to prepare something similar in English in the foreseeable future.
The Emergence of Physical Peer Production
Commons-based Peer Production
- Commons
- Goods which are jointly developed and maintained by a community and shared according to community-defined rules.
- Peer production
- People cooperate voluntarily on an equal footing (as peers) in order to reach a common goal.
- Commons-based peer production
- Peer production which is based upon commons and which creates new commons or maintains and fosters the existing ones.
Kategorien: Commons, English, Freie Hardware, Reichtum & Knappheit, Theorie
23. November 2010, 08:07 Uhr 1 Kommentar
Memorable quotes from the Berlin Commons Conference
During the first two days of November, the International Commons Conference organized by the Heinrich Böll Foundation and the Commons Strategies Group took place in Berlin. Throughout the conference, I wrote down various remarks by participants which I considered insightful, interesting, or amusing. The following quotes are meant to convey the spirit of what the quoted person said, but not necessarily the precise wording (since I often wasn’t fast enough to exactly get the latter).
Welcome
- The commons philosophy is that we don’t wait for governments or leaders or big business to solve our problems; we solve them ourselves, together.
Keynotes
Ruth Meinzen-Dick (president of the International Association for the Study of the Commons):
- The real tragedy of the commons is that they are so misunderstood, so undervalued. Vollständigen Artikel lesen »
11. November 2010, 07:50 Uhr 13 Kommentare
Selbstorganisierte Fülle (4): Bausteine für materielle Peer-Produktion
Dezentrale commonsbasierte Produktion
Im dritten Teil ging es unter anderem darum, wie die Freiheit zu teilen bei materiellen Gütern umgesetzt werden kann. Dabei hatte ich zum Thema „Vervielfältigen“ gesagt: „Wenn man die gesamten Baupläne (Freies Design) sowie die benötigten Ressourcen und Produktionsmittel hat, sind auch materielle Produkte kopierbar.“
Wir haben also drei Voraussetzungen: Baupläne, Ressourcen und Produktionsmittel. Bei der heutigen Peer-Produktion sind die Ressourcen und Produktionsmittel im Allgemeinen Gemeingüter oder verteilter Besitz.
Bei digitaler Peer-Produktion sind Wissen und Informationen die wichtigste Ressource. Dieses Wissen ist ein Gemeingut, das von allen genutzt und weiterentwickelt werden kann. Exemplarisch für eine bei Peer-Produzierenden weitverbreitete Ansicht formuliert die Wikimedia Foundation, die hinter der Wikipedia steht, den Anspruch, dass alles öffentlich relevante Wissen Gemeingut sein sollte:
Kategorien: Commons, Freie Hardware, Reichtum & Knappheit, Theorie
20. Juni 2010, 11:50 Uhr 4 Kommentare
Selbstorganisierte Fülle (3): Vom Immateriellen zum Materiellen
Materielle Fülle und der ökologische Fußabdruck
Die bisher betrachteten Fälle von Peer-Produktion fanden hauptsächlich im Bereich der Informationsgüter statt. Kann Ähnliches auch für die materielle Welt gelten? Kann Peer-Produktion auch materielle Fülle schaffen, so wie sie im Internet immaterielle Fülle herstellt?
Dazu müssen wir uns nochmal mit der Bedeutung des Wortes „Fülle“ beschäftigen. Denn ein Problem, das es so nur im materiellen Bereich gib, ist die Begrenztheit der Erde. Diese Begrenztheit kann mittels des ökologischen Fußabdrucks gemessen werden. Der ökologische Fußabdruck ist die Fläche auf der Erde, die nötig ist, um den Lebensstil einer Gruppe von Menschen dauerhaft zu ermöglichen. Also die Fläche, die benötigt wird, um die Ressourcen, die ich verwende, anzupflanzen bzw. abzubauen; sowie die Fläche, die gebraucht wird, um den Müll, der während Herstellung, Nutzung und späterer Entsorgung der von mir genutzten Produkte anfällt, aufzunehmen und zu absorbieren.
Kategorien: Commons, Freie Hardware, Reichtum & Knappheit, Theorie
11. Juni 2010, 16:09 Uhr 4 Kommentare
Selbstorganisierte Fülle (2): Voraussetzungen für erfolgreiche Peer-Produktion
Faustregeln für die Zusammenarbeit
Wir haben im ersten Teil gesehen, warum Leute bei Peer-Projekten mitmachen oder neue Projekte gründen, aber das erklärt noch nicht, warum und unter welchen Umständen solche Projekte langfristig erfolgreich sind. Peer-Projekte unterscheiden sich schließlich sehr von dem, was man sonst so gewöhnt ist. In Firmen gibt es Bosse, Vorgesetzte, die ihren Untergebenen sagen, was zu tun ist; als Selbständige/r geht man Verträge ein, die eine/n verpflichten, dies oder jenes zu tun; auch in Schulen, beim Militär und in anderen offiziellen Institutionen gibt es immer Leute, die den Ton angeben, und andere, die folgen müssen.
Bei Peer-Projekten gibt es solche Strukturen nicht. Es gibt keine Bosse oder Vertragspartner, die den anderen mit Entlassung oder anderen finanziellen Konsequenzen drohen könnten; es gibt auch keine Lehrer/innen oder Offiziere, die eine/n bestrafen können, wenn man ihnen nicht gehorcht. Warum und unter welchen Umständen funktioniert also die Zusammenarbeit, wenn sie nicht durch Geld oder Zwang motiviert wird?
Kategorien: Commons, Freie Hardware, Reichtum & Knappheit, Theorie
7. Juni 2010, 14:38 Uhr 6 Kommentare
Commons-Obst — das mundet!
Warum Obst am Baum verfaulen lassen, das niemandem gehört oder der Eigentümer nicht nutzen will? Das war die Ausgangsfrage für mundraub.org — einer Website mit der MundraubMap als Kernstück. Dort sind Orte mit Bäumen, Sträuchern und Flächen eingezeichnet, wo Obst frei geerntet werden kann. Neue Fundorte können per Webformular eingetragen werden. Gefördert werden soll »Mundraub«, nicht aber »Obst-Diebstahl«.
Der Name »Mundraub« ist zwar nett provokativ und damit Aufmerksamkeit erregend, aber eigentlich falsch, denn »Mundraub« war tatsächlich lange Zeit ein Straftatbestand (heute fällt das unter »Diebstahl«). Beim hier propagierten »Raub« wird aber niemandem etwas weg genommen, sondern genau genommen wird mit der Obst-Map aus »Niemandsobst« oder »Eigentumsobst« (mit Einverständnis der Eigentümer) ein Obst-Commons gemacht. Dafür sprechen auch die Regeln, die festlegen, dass das geerntete Obst nur zum eigenen Nutzen (»als Besitz«) nicht aber zum Verkauf (»als Eigentum«) geerntet werden darf. Warum die Regeln »AGB« heissen, wo es doch gerade nicht um ein Geschäft geht, bleibt rätselhaft. Den Verkauf der T-Shirts hätte man nun wirklich davon abtrennen können.
Super Idee, aber nicht alles ganz zu Ende gedacht.
Kategorien: Commons, Reichtum & Knappheit, Soziale Netzwerke
3. Juni 2010, 07:59 Uhr 8 Kommentare



