Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Notizen zur Veränderung der Gesellschaftsform

Wenn wir über den Übergang von Kapitalismus zum Commonismus nachdenken, kommt neben all den Schwierigkeiten der Bestimmung des Ziels zusätzlich noch die Schwierigkeit hinzu, die Änderung der Gesellschaftsform zu denken. Die einzige Änderung dieser Art, von der wir eine leise Ahnung haben, ist die Entstehung des Kapitalismus. Ich möchte hier versuchen, diese noch einmal nachzuzeichnen, um daraus (hoffentlich) Einsichten in die Veränderung hin zum Commonismus zu gewinnen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Theorie

9. Oktober 2017, 18:51 Uhr   10 Kommentare

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Geldfreie Produktion (2): Stigmergie und Selbstauswahl

Demonetize-Logo mit Fragezeichen(Voriger Artikel: Subsistenz, Zentralplanung, Commons)

[Dieser Text entstand im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts Die Gesellschaft nach dem Geld.]

Die am Ende des vorigen Artikels aufgeworfene Frage war, ob es nicht möglich ist, auf jede Art von Verrechnung komplett zu verzichten. Unter anderem würde dies den Wegfall jeder explizit vereinbarten Gegenseitigkeit – bei der Leistungen und Gegenleistungen bzw. Rechte und Pflichte ausgehandelt und aneinander gekoppelt werden – bedeuten. Klar ist dabei: Explizite Vereinbarungen könnten nicht durch die implizite Erwartung von Gegenseitigkeit auf individueller Basis ersetzt werden, wie sie bei Geschenken und Gefallen üblich ist. Dafür sind moderne Produktionsprozesse zu komplex: Zur Behandlung und Genesung im Krankenhaus trägt ja nicht nur die Ärztin bei, sondern auch Pfleger und zahlreiche andere Angestellte, die den Betrieb am Laufen halten. Dazu kommen noch all diejendigen, die die benötigte Ausstattung inklusive Instrumenten und Medikamenten bereitstellen oder dafür sorgen, dass das Krankenhaus zuverlässig mit Energie und Wasser versorgt wird, dass es über eine Flotte von Rettungsfahrzeugen verfügt etc.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Freie Software, Theorie

31. Juli 2017, 08:24 Uhr   13 Kommentare

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Geldfreie Produktion (1): Subsistenz, Zentralplanung, Commons

Demonetize-Logo mit Fragezeichen(Voriger Artikel: Verteilung ohne Geld?)

[Dieser Text entstand im Rahmen des von der Volkswagenstiftung geförderten Forschungsprojekts Die Gesellschaft nach dem Geld.]

Produktion verstehe ich in einer umfassenden Weise, die in Anlehnung an Dalton (1971: 25) den Versorgungsprozess mit notwendigen und gewünschten Tätigkeiten und Gütern umfasst. Zuhause essen kochen oder die Kinder ins Bett bringen ist in diesem Sinne ebenso Produktion wie das Installieren einer Software auf einem Computer oder die Herstellung des Computer.

Bei der Frage, wie produziert wird, ist zunächst zwischen Produktion für den erweiterten Eigenbedarf und Produktion für allgemeine andere zu unterscheiden. Mit „erweitertem Eigenbedarf“ ist dabei die Produktion für sich selber ebenso wie für Verwandte und Bekannte gemeint – für Personen, zu denen eine persönliche Beziehung besteht. Wenn ich für mich oder meine Familie Essen koche oder einem Freund das Fahrrad repariere, ist das erweiterter Eigenbedarf; baue ich ein Bett oder einen Computer zusammen, ohne zu wissen, wer diese später nutzen wird, ist das Produktion für allgemeine andere. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Theorie

28. Juli 2017, 07:02 Uhr   13 Kommentare

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Commons: Anregungen

Logo des Commons-Instituts[Bisher erschienen: Einleitung, Teil 1, Teil 2, Teil 3]

Voneinander lernen: ökologische Kreisläufe, Staats- und Herrschaftskritik, nachhaltige Technologien und Selbstentfaltung

Welche Leerstellen weist die Commons-Perspektive auf und welche Anregungen bietet die Degrowth-Bewegung – und umgekehrt? Ein Feld, in dem die Commons-Bewegung von der Degrowth-Bewegung lernen kann, sind die ökologischen Kreisläufe im globalen Zusammenhang. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Praxis-Reflexionen, Theorie

5. August 2016, 06:49 Uhr   1 Kommentar

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Adornos Utopie

Wenn man sich nicht ganz bei Adorno verliest, wird man viele Stellen bei dem Verteidiger des Bilderverbots finden, die zu jener Einstellung kaum zu passen scheinen. Jedoch schon in der Minima Moralia spricht er von „Fluchtlinien“ (2003b:180), die benannt werde können. Sein Bilderverbot scheint sich eher auf konkretes „Auspinseln“ zu beziehen, so im Gespräch mit Bloch:

Der folgende Text möchte einige der utopischen Fluchtlinien Adornos untersuchen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Theorie

9. Juni 2016, 08:24 Uhr   14 Kommentare

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Elemente einer künftigen Ethik: Keine Ausnutzung von Zwangslagen

Ein Holzschnitt von Albrecht Dürer stellt den bis heute strafbaren "Wucher" dar (gemeinfrei, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:UsuryDurer.jpg)(Voriger Artikel: Vorüberlegungen zu einer künftigen Ethik)

Nach den allgemeinen Vorüberlegungen wird es nun um die Frage gehen, welche ethischen Überzeugungen in einer peercommonistischen Gesellschaft verbreitet sein dürften. Dabei wird es wohl nicht zu einen absoluten Bruch mit der heutigen (bürgerlich-kapitalistisch) Ethik kommen, sondern vielmehr zu deren „Aufhebung“ im Hegel’schen Sinne. Bestimmte Elemente werden auf eine höhere Ebene „gehoben“, also konsequent weiter ausgebaut, wo die heutige aus Sicht der künftigen Ethik inkonsequent ist. Manche aus künftiger Sicht inakzeptabel gewordenen Vorstellungen werden aufgegeben, während andere ziemlich unverändert von der heutigen in die künftige Ethik wandern werden.

Schon heute ist es in gewissen Fällen verpönt, es zum eigenen Vorteil ausnutzen, wenn andere sich in einer Zwangs- oder Notlage befinden, in der sie nicht frei entscheiden können, was sie tun oder nicht tun wollen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

30. Januar 2015, 07:07 Uhr   17 Kommentare

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Grundrisse einer freien Gesellschaft

aufbruch-ins-ungewisse[Artikel aus: Aufbruch ins Ungewisse]

Viele Ansätze erdenken neue Gesellschaften, indem sie interessante aktuelle Entwicklungen prognostisch verlängern. Im Zentrum stehen meist neue Technologien – Jeremy Rifkin (2014) und Ludger Eversmann (2014) machen es vor. Ob die prognostizierte neue Gesellschaft wirklich „neu“ oder doch nur eine modernisierte Variante des Gehabten ist, wird selten thematisiert. Doch was macht das Neue einer Gesellschaft aus? Was überhaupt ist eine Gesellschaft?

Gesellschaft ist der soziale Zusammenhang, in dem Menschen ihre Lebensbedingungen herstellen und den sie herstellen. Gesellschaft ist somit doppelt bestimmt. Sie ist Bedingung des Machens und Gemachtes. Als Vorfindliches ist sie Rahmen des Handelns, als Aktuelles ist sie Ergebnis des (all-)täglichen Handelns. Kapitalismus als derzeit dominante Weise der Herstellung der Lebensbedingungen ist keine Veranstaltung außerhalb von uns, sondern wir stellen die sozialen Formen, die den Kapitalismus ausmachen, her. Jeden Tag, mit Notwendigkeit.

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Kategorien: Commons, Medientipp, Theorie

28. Dezember 2014, 07:53 Uhr   15 Kommentare

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Shareconomy – die neue Einhegung des Teilens

streifzuege62[Kolumne Immaterial World in der Wiener Zeitschrift Streifzüge]

Für die Durchsetzung des Kapitalismus war es notwendig, die Menschen durch die „Einhegung der Commons“ von ihren Subsistenzmitteln zu trennen. Zu den traditionellen Commons gehörte die gemeinschaftliche Nutzung von Naturressourcen: Wiesen, Weiden, Wälder, Wasser. Gewohnheitsrechtlich wurden sie geteilt genutzt und boten vor allem kleinen Bauernhöfen und Landarbeiter_innen ein Auskommen. Mit dieser Art des Teilens war mit der Einhegung Schluss. Freie, aber vereinzelte Lohnarbeiter_innen mussten fortan ihre Arbeitskraft verkaufen, um die Existenz ihrer getrennten, von der Warenökonomie abgespaltenen Privathaushalte zu sichern.

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Kategorien: Commons, Theorie

4. Dezember 2014, 06:17 Uhr   15 Kommentare

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Ungerechte Gerechtigkeit

neues-deutschland[Erschienen in der Kolumne »Krisenstab« im Neuen Deutschland vom 3.2.2014]

Stefan Meretz über Teilen und Tauschen

Menschen tauschen, immer, sie sind gleichsam »Tauschwesen«. Diese Aussage erscheint wie in Stein gemeißelt, unumstößlich, das war und ist so, und es wird immer so sein. Amen. Dabei werden hier zwei Dinge zusammengeworfen, die unterschieden gehören: Teilen und Tauschen.

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Kategorien: Commons, Theorie

3. März 2014, 06:56 Uhr   8 Kommentare

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Zwei Arten von Gebrauchswert?

Auch in nicht besonders marxologisch bewanderten Kreisen wird gerne von »Gebrauchswert« und »Tauschwert« gesprochen. Mit »Gebrauchswert« ist in der Regel der sinnlich-nutzbaren Gegenstand gemeint, während der »Tauschwert« meist eine gesellschaftliche Größe bezeichnen soll, die — nomen est omen — erst im Tausch auftritt. Diese Sicht wird oft zusätzlich mit der Annahme verbunden, dass der Gebrauchswert in allen Gesellschaften existiert (also »überhistorisch« ist), während der Tauschwert nur im Kapitalismus vorkommt oder zumindest nur dort dominant (und somit »historisch-spezifisch«) ist. Dem hat Marx himself erheblichen Vorschub geleistet, als er im Kontext des Gebrauchswerts locker von »ewiger Naturnotwendigkeit« sprach.

Damit hat sich Marx in die Grütze geritten, meint Ernst Lohoff und erklärt ziemlich plausibel, was ich immer schon vermutete:

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Kategorien: Lernen, Theorie

27. Juli 2013, 06:24 Uhr   67 Kommentare