Die Elenden gegen die Philosophie
Beatriz Busaniche im Gespräch mit Horacio Potel
[Quelle: Argentina Copyleft! Neue Spielregeln für das digitale Zeitalter? Ein Blick nach Argentinien (Hrsg. Heinrich-Böll-Stiftung), S. 37-42. Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic]
Das Jahr 2009 war ein Meilenstein. Seither gibt es in der argentinischen Urheberrechtsdebatte ein Davor und Danach. Der restriktive Charakter des Gesetzes 11.723 zum Geistigen Eigentum war nie zuvor so deutlich geworden. Bislang waren gewöhnliche Menschen nicht verfolgt worden, obwohl viele regelmäßig die Gesetze übertraten. Die Rede kam fast immer nur auf jene Fälle, die sich anderswo ereigneten. Es ging um Urteile gegen Unbekannt, und die lokalen Medien dokumentierten hin und wieder Fälle zweifelhafter Glaubwürdigkeit über den Austausch von Musik-Dateien in P2P-Netzen. Aber im Jahr 2009 geschah etwas, was der gesunde Menschenverstand nicht für möglich gehalten hätte: Vollständigen Artikel lesen »
Kategorien: Freie Inhalte
7. Oktober 2010, 09:12 Uhr 6 Kommentare
Gesellschaft
Wie in 6300 Zeichen erklären, was Soziolog_innen oft gar nicht mehr kennen wollen — Gesellschaft? Das war die schwierige Aufgabe meiner Kolumne in der neuen Ausgabe der Wiener Zeitschrift »Streifzüge«. Meine versuchte Antwort: Die menschliche Gesellschaft begreift man nur, wenn man auch den gesellschaftlichen Menschen begreift — und umgekehrt. Emanzipatorische Theorie kommt da nicht drumherum. Versucht sie es doch, landet sie in zwei verschiedenen Sümpfen: dem Etatismus (Verabsolutierung der gesellschaftlichen Determination) oder dem Neoliberalismus (Verabsolutierung eines isolierten Individuums). Wie oft bei so schwierigen philosophischen Themen hat mich Annette beraten — danke dafür!
Der Rest der »Streifzüge« mit dem Schwerpunkt »Wohnen« ist übrigens auch sehr interessant
Kategorien: Theorie
6. Januar 2010, 07:16 Uhr 5 Kommentare
The three revolutions in human productivity
Michel Bauwens posted a nice sketch of a historical philosophy driven by human productivity showing why peer production is the current step we are going to extend. Full repost follows (highlightings by me).
»About (roughly) 5,000 years, humanity witnessed a first revolution in productivity. It discovered that you can make people work through coercion (slavery), or by forcing farmers to give away a part of their production. To simplify, the emergence of negative extrinsic motivation was born. Vollständigen Artikel lesen »
Kategorien: Theorie
1. Dezember 2009, 07:03 Uhr Kommentieren
Abstraktes und konkretes Allgemeines
In meiner neuen Kolumne »Immaterial World« in den Wiener »Streifzügen« greife ich mit dem »Allgemeinen« nochmal ein philosophisches Thema auf, das auch hier im Keimform-Blog schon mal angesprochen wurde.
Was ist eigentlich allgemein? Was tun wir, wenn wir verallgemeinern? Warum gelangen wir spontan häufig nur zum abstrakt Allgemeinen? Was ist demgegenüber dann ein wissenschaftliches begründetes konkret Allgemeines? — Das sind so ein paar Fragen, die mich zu dem (viel zu kurzen) Artikel trieben.
Kategorien: Medientipp, Theorie
15. November 2008, 13:43 Uhr 14 Kommentare
Ist doch logisch!
Vom »Logischen« handelt meine aktuelle »Immaterial World«-Kolumne in den Wiener »Streifzügen«. Inspiriert wurde ich zu dem Thema unter anderem durch Diskussionen hier im Blog und durch Sahra Wagenknecht (»Vom Kopf auf die Füße? Zur Hegelrezeption des jungen Marx«), die lieber bei der Philosophie hätte bleiben sollen, als Politikerin zu werden.
Ach ja: Die Literaturangabe »MEW 23« in der Kolumne ist das Werk »Das Kapital« von Karl Marx — damit Benni nicht schimpft
Kategorien: Medientipp, Theorie
31. Juli 2008, 16:28 Uhr Kommentieren
Kontrovers diskutieren, aber bitte nicht wirklich
Langsam bin ich schon von der re:publica08 genervt, bevor ich überhaupt da war. Dabei habe ich keine Lust, irgendwem den Spaß zu verderben. Aber die folgende Geschichte macht mir keinen Spaß.
Letztes Jahr schwebte die Frage, wie ich mit meinem Blog Geld machen kann, als Hidden-Agenda über den Veranstaltungen. Das war mal mehr, mal weniger spürbar — jedenfalls aus der Perspektive eines Teilnehmers, der die Stimmung im Publikum gespürt und ein paar Gespräche geführt hat. Explizit kam es dann hoch bei der Veranstaltung zur Frage des »Geld verdienen mit Blogs«. Man kann das natürlich auch rundweg bestreiten, die Wahrnehmungen sind offensichtlich sehr unterschiedlich.
Kategorien: Praxis-Reflexionen
14. März 2008, 12:01 Uhr 29 Kommentare
Kritik und Keimform braucht Dialektik
Marx hätte ohne Hegel die »Kritik der politischen Ökonomie« — so der Untertitel des »Kapital« — nicht schreiben können. Zu Lebzeiten hat sich Marx stets von Hegel abgesetzt, hat solche häufig zitierten Phrasen wie »vom Kopf auf die Füsse stellen« geprägt. Damit war für viele nachfolgende Generationen der Fall klar: Marx war der »Materialist«, Hegel der »Idealist«, Marx wollte »die Welt verändern«, Hegel nur »interpretieren«, Marx war der reifere Denker, Hegel der frühere und damit unreifere Philosoph. Kurz: Mit Hegel zu beschäftigen lohnt nicht, lieber gleich den Marx nehmen — oder keinen von beiden.
Kategorien: Theorie
6. Dezember 2007, 14:11 Uhr 8 Kommentare
Tier werden, Schwarz werden, Frau werden.
So lautet der Titel eines Buches von Gabriel Kuhn. Der Untertitel lautet “Eine Einführung in die politische Philosophie des Poststrukturalismus”. “Post was?” Wer so reagiert sollte vielleicht dieses Buch lesen. Ebenso kann man es allen empfehlen, die ihre Vorurteile – oder meinetwegen auch lange gepflegte Urteile – mal hinterfragen wollen. Meiner Meinung nach kann es nämlich keine halbwegs zeitgemäße Theorie geben, die die wesentlichen Erkenntnisse des Poststrukturalismus ignoriert. Man muß sie vielleicht nicht teilen, aber sollte dann zumindestens gut begründen können, warum man diesen Weg der Philosophie nicht teilt. Viele von den landläufig kursierenden Einschätzungen (“Beliebigkeit”, “wirr”, …) halten dieser kompakten Einführung jedenfalls nicht stand.
Kategorien: Gender, Medientipp, Theorie
14. November 2007, 21:59 Uhr 5 Kommentare
Sozialwirtschaft als Keimform?
Telepolis hat ein Interview mit dem Praxisphilosophen Horst Müller gemacht. Die Praxisphilosophie beansprucht die alte Grundfrage der Philosophie (»Materie vs. Geist«) zu überschreiten und die Welt — von der unbelebten bis zur menschlich-gesellschaftlichen Natur — vom Standpunkt der menschlichen Praxis zu denken. Dem Anspruch nach möchte sie Materialismus, Dialektik und »Utopistik« zusammenbringen, um damit die bloße Kritik zu überwinden.
Kategorien: Theorie
7. Oktober 2007, 12:07 Uhr 9 Kommentare
André Gorz ist tot
Heute wurde der Philosoph André Gorz zusammen mit seiner Frau Dorine tot aufgefunden. Sie lagen Seite an Seite, sie haben sich gemeinsam das Leben genommen. Dorine war schwer krank, André ist mit ihr gegangen. Mit »Brief an D.« hatte André eine späte Liebeserklärung an seine Frau verfasst, die kürzlich auch auf deutsch erschienen ist. Darin heißt es: »Jeder von uns möchte den anderen nicht überleben müssen.«
Kategorien: Praxis-Reflexionen
24. September 2007, 21:28 Uhr 5 Kommentare
