Copy.Right.Now!?
Die Böll-Stiftung legt nach: Kaum ist der wirklich gute Gemeingüter-Report erschienen, kommt schon der nächste Reader: »Copy.Right.Now. Plädoyer für ein zukunftstaugliches Urheberrecht« (in Zusammenarbeit mit iRights.info). Offensichtlich haben hier zwei Teams ziemlich parallel gearbeitet, denn das merkt man dem Copyright-Reader an: Zwar wird im Vorwort auf die Gemeingüter-Broschüre verwiesen — und das war’s dann auch schon. Anschließend wird bestenfalls von »öffentlichen Gütern« gesprochen (Jeanette Hoffmann), weder Gemeingüter noch Commons (außer als CC-Lizenz) kommen sonst vor. Das ist erstaunlich.
Kategorien: Eigentumsfragen, Freie Inhalte, Reichtum & Knappheit
14. April 2010, 19:28 Uhr 4 Kommentare
Tim Berners-Lee on mashups with open data
The inventor of WWW and HTML, Tim Berners-Lee, shows mashups using open data, e.g. OpenStreetMap after the earth quake in Haiti.
Der Erfinder von WWW und HTML, Tim Berners-Lee, zeigt Mashups mit offenen Daten, z.B. OpenStreetMap nach dem Erdbeben in Haiti.
Kategorien: English, Freie Inhalte
9. März 2010, 21:41 Uhr 1 Kommentar
Vorauseilender Gehorsam bei SourceForge?
Das große Plattform für die Entwicklung Freier Software, SourceForge, sperrt seit einigen Tagen Nutzer mit IP-Adressen aus Syrien, Kuba, Iran, Nordkorea und dem Sudan aus. SourceForge rechtfertigt den Schritt damit, dass diese Länder auf der »Schurkenstaat-Liste« der US-Regierung stehen und man sich an US-Gesetze halten müsse.
Netzpolitik.org weist darauf hin, dass US-Außenministerin Clinton die Freiheit des Internet beschwört. Das liest sich so:
EN: We stand for a single internet where all of humanity has equal access to knowledge and ideas. And we recognize that the world’s information infrastructure will become what we and others make of it.
DE: Wir stehen für ein einziges Internet, mit dem die ganze Menschheit gleichen Zugriff auf Wissen und Ideen hat. Und wir erkennen, dass die Informationsinfrastruktur der Welt das werden wird, was wir und andere aus ihr machen.
Oder ist der zweite Satz doch als versteckte Drohung zu lesen?
SourceForge hat keinen Grund voreilig und untertänig vermeintliche Wünsche der US-Administration zu erfüllen. SourceForge verstößt damit explizit gegen Grundregeln der Freien Software: Nutzung der Software zu jedem Zweck — und durch alle, die es wollen.
Kategorien: Feindbeobachtung, Freie Software
26. Januar 2010, 22:06 Uhr 7 Kommentare
Retro-Bibliothek — alte Nachschlagewerke zugänglich machen
Das Projekt retro|bib hat sich zum Ziel gesetzt, in Fraktur gesetzte Nachschlagewerke um 1900 herum zu retrodigitalisieren und im Internet verfügbar zu machen. Mit Retrodigitalisierung ist gemeint, sowohl die Faksimiles wie auch den aufbereiteten Text bereit zu stellen. Erfassung und Korrektur der Texte erfolgt durch Freiwillige. Das System ist auf gemeinschaftliches Korrigieren ausgelegt und arbeitet mit einem Lock-Prinzip: KorrektorInnen können Seiten aus dem System auschecken (»ausklinken«), wodurch diese dann für andere KorrektorInnen gesperrt sind, aber für LeserInnen sichtbar bleiben. Wird eine korrigierte Seite wieder eingecheckt (»einklinken«), ist sie wieder für andere KorrektorInnen verfügbar. Von »Meyers Konversationslexikon« über das »Handbuch der Drogistenpraxis« bis zum fundamentalen Werk »Ueber die schrecklichen Wirkungen des Aufsturzes eines Kometen auf die Erde und über die vor fünftausend Jahren gehabte Erscheinung dieser Art« sind interessante Fundstücke zu entdecken. [via]
Kategorien: Freie Inhalte
27. November 2009, 10:34 Uhr Kommentieren
Über rechtsfreie Räume und andere Scheidewege
Die Debatten um die Gestaltung der digitalen Zukunft werden schärfer. Man kriegt den Eindruck die alten Eliten merken erst jetzt so langsam, was da auf sie zu rollt. Deswegen ist ihr zwar nicht mehr ganz so neuer Schlachtruf, der der Netzgemeinde nun aus allen Ecken entgegenschallt:
“Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!”
Die nachvollziehbare Reaktion aus dem Netz lautet meist in tausendfacher Variation:
“So ein Unsinn! Hier gibt es jede Menge Gesetze die zu beachten sind!”
und vielleicht dann auch noch mit einem defensiven
“Das Internet darf kein bürgerrechtsfreier Raum sein!”
So weit so richtig. Jedem der sich mal mit Publizieren im Netz beschäftigt hat wird mulmig bei dem zu beachtenden Dschungel an Lizenzen und AGBs, Impressumpflichten und Störerhaftung, Datenschutz und Urheberrechten. Jedoch meinen die alten Eliten im Grunde etwas anderes und zu anderen Gelegenheiten ist das der Netzgemeinde auch völlig bewußt: Im Kern ist das Netz unkontrollierbar, oder wie es John Gilmore schon 1993 so treffend und tausendfach zitiert sagte:
“The Net interprets censorship as damage and routes around it.”
Kategorien: Commons, Eigentumsfragen, Feindbeobachtung
7. Juli 2009, 12:31 Uhr 23 Kommentare
Zeichnet die Petition gegen Internetzensur!
Ok, die meisten werden es schon mitbekommen haben, aber dennoch: Bitte zeichnet die Petition gegen Internetsperren.
Das Thema ist sehr sehr wichtig. Hier soll zum ersten mal eine geheime unkontrollierbare Zensurinfrastruktur fürs Internet errichtet werden und schon jetzt gibt es jede Menge Begehrlichkeiten die Zensur auf andere Bereiche (Filesharing, Glücksspiele, politischer “Extremismus”) zu erweitern. Alle Erfahrung zeigt, dass das so kommen wird, wenn man nichts unternimmt. Am Ende stehen chinesische Verhältnisse auch bei uns.
Ja, das Petitionswesen ist eine im Kern feudale Angelegenheit und diese Petition kann nicht wirklich direkt etwas ändern, aber sie kann Aufmerksamkeit generieren und so vielleicht dazu beitragen nach und nach die zur Zeit vorherrschende öffentliche Meinung zu korigieren, dass wer gegen Internetsperren ist, scheinbar ja wohl für Kinderpornos sein müsse.
Und nicht zu letzt ist es ein Test für die Mobiliserbarkeit der Netzcommunitys. Ein bisher sehr positiv verlaufender übrigens. In den ersten 24 Stunden gab es schon 15000 Mitzeichner. Wenn es gelingt in den ersten 3 Wochen 50000 Zeichner zu sammeln, gibt es immerhin ein Rederecht im Petitionsausschuß.
Und es geht darum die Commons zu verteidigen. In diesem Fall das Gemeinsame einer unzensierten Netzinfrastruktur.
Lesetipp: Ein Artikel aus der c’t.
Tipp: Nicht vom erschreckend wenig leistungsfähigen Server abschrecken lassen. Geduld mitbringen oder früh morgens oder spät abends zeichnen.
Kategorien: Commons, Feindbeobachtung, Soziale Netzwerke
5. Mai 2009, 08:33 Uhr 5 Kommentare

