Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Freie Software als des Staates Helfer

Schröder kuschelt mit Tux (src: fsub.schule.de)Kürzlich bin ich über ein ältere Publikation gestolpert, die eine mir neue Variante der Kritik an Freier Software im allgemeinen und implizit auch der Keimformhypothese im besonderen lieferte. Es geht um den Aufsatz »Electronic Government und die Free Software Bewegung: Der Hacker als Avantgarde Citoyen« von Christoph Engemann, erschienen in »Politiken der Medien. Medien als Kriegs- und Regierungstechnologien« (diaphanes, 2005, S. 155-171). These des Beitrages ist,

dass die Hacker der Free Software Bewegung … einen der wichtigsten Bausteine der Staatlichkeit im 21. Jahrhundert geschaffen haben — dass sie tatsächlich, wenn auch wahrscheinlich unfreiwillig, Avantgarde-Citoyen waren bzw. in erheblichem Maße sind. (155)

Die Kritik wird deutlich, wenn man noch die Aussage des Autors dazu liest,

dass nicht eine neue revolutionäre Klasse mit der Free Software Bewegung aufgetreten ist, sondern Hacker als Avantgarde-Citoyen agiert haben (168)

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Kategorien: Freie Software, Theorie

16. Juni 2009, 07:14 Uhr   6 Kommentare

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Urheberrecht mit links

Nur: Ist der Kapitalismus eine Schlammpackung?Am 15. Mai fragte sich die Linksfraktion, wem eigentlich das Wissen gehört und holte sich etliche Gäste und rund 60 Besucher_innen zur Hilfe. Auf den Panelen Weltwirtschaft, Wissenschaft, Kultur, Internet und Abschluss wurde eine breite Palette von Themen angerissen — mehr Zeit war nicht.

Die Veranstaltung war — soweit ich sie mitbekam (bis 16:00) — mäßig interessant. Gut, wie immer, war Volker Grassmuck mit seiner Keynote, der nochmal klar darstellte, dass die alten Zeiten vorbei und alle Rückdrehversuche der digitalen Revolution (Raubkopierer-Propaganda, DRM etc.) zum Scheitern verurteilt sind. Es sprach sich für einen »digitalen Frühjahrsputz im Urheberrecht« aus. Sein Lieblingskind, die Kulturflatrate, durchzog im Folgenden die Veranstaltung.

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Kategorien: Eigentumsfragen

18. Mai 2009, 14:04 Uhr   4 Kommentare

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Guten Morgen, LINKE!

Fast schon beim Remix angekommen... (Linksfraktion beim CSD)
[Fast schon beim Remix angekommen... -- Linksfraktion beim CSD (src)]

Nee echt, das freut mich ganz ehrlich, dass auch die Bundestags-Linksfraktion endlich aufwacht und sich verstärkt mit dem Thema der Wissens-Commons beschäftigt. Wird sie eine originär eigene Position finden? Oder wird sie »nur« dahin kommen, zu vertreten, was die klugen Wissens-NGOs seit Jahren fordern? Na, das wäre auch schon mal was.

Zu diesem Behufe veranstaltet die Linksfraktion am 15. Mai 2009 eine eintägige Konferenz mit dem Titel »Wem gehört Wissen? Wissen und Eigentum im digitalen Kapitalismus«. Einfach anmelden, hinkommen und mitreden (was hoffentlich möglich ist). Ort: Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin.

[Update]

Wer danach noch fit ist, geht zur politischen Konkurrenz in die Sophiensäle in Berlin und hört sich um 19:00 Uhr Lawrence Lessig an, der zu den »Copyright Wars« vorträgt.

Kategorien: Eigentumsfragen, Termine

6. Mai 2009, 06:16 Uhr   3 Kommentare

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Re-Taylorisierung in der IT-Industrie?

Am Dienstag war ich auf einem interessanten Vortrag bei den Wobblies. Der Referent berichtet aus der Praxis der proprietären Softwareentwicklung, dass es dort wieder einen neuen Trend zu taylorisierten Verfahren gibt. Und das, obwohl diese Strategie schon einmal gescheitert sei. Ursache sei die gesunkene Verhandlungsmacht der Entwickler nach dem Ende des New-Economy-Booms. Die Quintessenz seines Vortrags gibt es auch online.

Das widerspricht natürlich dem gleichzeitig auftretenden Trend zu FOSS. Freie Software lässt sich wohl kaum in standardisierte Prozesse pressen. Seiner Erfahrung nach wird aber Freie Software auch benutzt um Prozesse zu standardisieren und somit die Kontrolle über die Mitarbeiter zu erhöhen.

Wie sind eure Erfahrungen? Bedeutet das was für unseren Keimformdiskurs? Und wenn ja, was?

Kategorien: Feindbeobachtung, Freie Software, Praxis-Reflexionen

4. Dezember 2008, 13:26 Uhr   2 Kommentare

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11 Arguments Against so called “Intellectual Property”

Home Sewing is Killing Fashion[Reposted from qummunismus; license: GFDL]

The Terms „Intellectual Property“ (IP) or „Intellectual Property Right“ (IPR) are used to describe rather different legal constructs. Copyright, Patent Law, Trademark Law, etc, etc..

What they have in common is that they cover rights to exclude others from the use of immaterial goods like knowledge and information. Some authors, among them them most prominently Richard M. Stallmann, argue that the term should not be used at all. On the other hand, there are a lot of points that can be brought up against the concept of IP that applies to most or all of the different legal constructs that are commonly lumped under the term „intellectual property“. So it makes sense to use a term that describes all of the laws that exist for the purpose of excluding people from the access to knowledge and information.

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Kategorien: Eigentumsfragen, English

29. Oktober 2008, 08:51 Uhr   6 Kommentare

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Crashkurs Krise

Norbert Trenkle eröffnete das diesjährige Krisis-Seminar zum Thema »Crashkurs – Finanzmarktkrise, Peak Oil und die Grenzen der Warengesellschaft« mit dem ironischen Hinweis, dass das Seminar nicht wegen des aktuellen Finanzmarkt-Crashes stattfände (und auch nicht umgekehrt!), sondern dass das Seminar schon länger geplant sei. So sei es zwar passend, aber doch zufällig, sich mitten im Crash zu treffen. Grundsätzlich gehe man zwar von einer tiefgreifenden Krise aus, doch die Verlaufsform sei eben nicht vorherzusagen.
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Kategorien: Eigentumsfragen, Feindbeobachtung, Theorie

6. Oktober 2008, 10:06 Uhr   13 Kommentare

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Die lange Welle bricht

Ich beschäftige mich ja seit einiger Zeit mit der Theorie der langen Wellen. Ursprünglich wurde mein Interesse geweckt durch Überlegungen, dass es eine langfristige Auswirkung von Moores Law auf die gesamte Wirtschaft – und nicht nur den IT-Sektor – geben könnte. Meine erste These war, dass Moores Law das Ufer ist an dem die lange Welle bricht, ich hab das damals ökonomische Singularität genannt.

Ich bin dann zwischenzeitlich davon wieder abgekommen, weil bis vor kurzem die lange Wellen Voraussage einfach zu gut auf die Wirklichkeit gepasst hat. So schrieb Joshua Goldstein 2005:

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Kategorien: Feindbeobachtung, Praxis-Reflexionen, Theorie

26. September 2008, 10:33 Uhr   9 Kommentare

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Moores Law und die Vermessung der Maßlosigkeit

Der Kapitalismus ist eine maßlose Veranstaltung. Der sich selbst verwertende Wert kennt keine Grenze. Das ist ja eines seiner großen Probleme. Denn dem entgegen stehen ja die menschlichen Bedürfnisse, die immer endlich sind. Der Kapitalismus misst dabei alles in seiner Maßlosigkeit. Nur was Wert hat, hat eine Existenzberechtigung. Menschliche Bedürfnisse verhalten sich genau umgekehrt: Sie haben immer Maß, sind aber nie zu messen. Zumindestens nicht vollständig. Kein menschliches Bedürfnis geht in seiner Meßbarkeit auf. Es mag sein, dass ich soundsoviel Wasser, soundsoviel Kalorien und soundsoviel Vitamine am Tag brauche zum Leben, aber das beschreibt niemals vollständig und qualitativ mein Bedürfnis nach Essen. Der Kapitalismus ist also die Vermessung der Maßlosigkeit, aber die menschlichen Bedürfnisse haben ein unmeßbares Maß.

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Kategorien: Reichtum & Knappheit, Theorie

5. Juli 2008, 13:14 Uhr   7 Kommentare

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Crashkurs zum Crashkurs

Der Förderverein Krisis lädt ein zum Seminar »Crashkurs – Finanzmarktkrise, Peak Oil und die Grenzen der Warengesellschaft«, 3. bis 5. Oktober 2008, in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, 91472 Ipsheim.

Am Samstag halte ich einen Vortrag zur Begründung der »Universalgüterthese« (vgl dazu: 1|2|3|4), die ich aus dem Begriff der »allgemeinen Arbeit« bei Herrn Marx (mit freundlicher Unterstützung von Herrn Hegel) entwickle. Ganz knapp besagt die Universalgüterthese, dass digitale Informationsgüter grundsätzlich ökonomisch wertlos sind, obwohl sie durchaus einen Preis haben können (aber nicht müssen). Die These wurde von Ernst Lohoff entwickelt, der sie im Kern damit begründet, dass digitale Informationsgüter nicht getauscht, sondern verbreitet werden, da kein »Händewechsel« stattfindet (der Verkäufer gibt nichts her, sondern kann Kopien beliebig oft »verkaufen«).

Das »Wissensthema« ist eingebettet in das Hauptthema des Seminars: die aktuellen Krisen und ihre subjektive Verarbeitung.

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Kategorien: Termine, Theorie

2. Juli 2008, 12:16 Uhr   1 Kommentar

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Long Cycles – Zwischenstand

Joshau S. Goldstein, Long Cycles - Prosperity and War in the Modern AgeIm Rahmen meiner Forschungen zum Informationskapitalismus bin ich drüber gestolpert, dass ich mich eigentlich mal mit den diversen Theorien über sogenannte “lange Wellen” befassen müsste. Letztens hat mich dann hier ein hilfreicher Kommentar auf die Spur eines schon etwas älteren (1988) Buches von Joshua S. Goldstein gebracht: “Long Cycles – Prosperity and War in the Modern Age”. Leider hat mich lange der hohe Preis von einer Lektüre abgehalten obwohl mich eine vielversprechende Rezension noch neugieriger gemacht hat. Kurz nachdem ich dann das Buch so billig wie verranzt in einem Antiquariat in Amsterdam gekauft hatte, stelle ich jetzt fest, dass es schon längst vom Autor ins Netz gestellt wurde. Naja, dicke Wälzer am Bildschirm lesen, ist eh keine Freude.

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Kategorien: Feindbeobachtung, Praxis-Reflexionen, Reichtum & Knappheit, Theorie

23. Mai 2008, 11:38 Uhr   3 Kommentare