Werner Imhof: Zur Kritik der Peer-Ökonomie II
Werner Imhof hat »eine ergänzende Kritik geschrieben, die sich vor allem mit Christians Methode und den “Gesellschaftlichkeitsdefiziten” (Hubert) seines Konzepts befaßt, also einige neue Akzente und Argumente enthält« (aus einer E-Mail von Werner). Los geht’s:
Mit der Freien Software hat sich eine neuartige Form der Kooperation mit gemeinsam genutzten Produktionsmitteln entwickelt, die sich von traditionellen Formen gemeinschaftlicher Arbeit, die der Selbstversorgung im eng begrenzten familiären oder dörflichen Rahmen dienen, in mehrerer Hinsicht progressiv abhebt. Im Konzept der Peer- bzw. Peer-to-peer-Produktion hat diese Entwicklung einen theoretischen Ausdruck gefunden, der danach drängt, ihren Anwendungsbereich zu erweitern, sie womöglich gesellschaftlich zu verallgemeinern.
Kategorien: Commons, Freie Software, Theorie
12. Februar 2009, 07:00 Uhr 17 Kommentare
Hiddinghausen talks, part 3: Pooling effort where free sharing fails
My last talk in Hiddinghausen was a little talk given as a complement to the Commons Network idea. The Commons Network is based on the idea of free and unconditional sharing—that others share with you goods they have or produce because they like to do so (and the other way around). This leaves, inevitable, the question: what if there is nobody who likes to share what you need (and you can’t produce it for yourself)? What if people need some additional incentives to produce what you would like to have?
I have already given an answer to that question in my peerconomy book: people can join an explicit agreement to help each other to produce the goods each of them likes to have, sharing the necessary effort (the tasks to do) in some pre-agreed manner. The General Luxury Production System (GLuPS) is a slightly updated version of that idea. The word “luxury” in the name is meant to express the hope that the Commons Network will become sufficiently flexible and versatile to satisfy—at least—all of people’s essential needs (the “8 Essentials” discussed in my UPset talk).
This optimistic assumption stems from the generalization of Eben Moglen‘s dictum
Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, English, Theorie
14. September 2008, 18:07 Uhr Kommentieren
Peer-Ökonomie in Hiddinghausen – Teil 3
Schon der (erste|zweite) dritte Tag des Peer-Ökonomie-Wochenendes erreicht — die Zeit vergeht bei solchen Ereignissen immer sehr schnell. Heute vormittag hat Christian das Konzept des Commons-Netzwerkes vorgestellt. Grundidee ist, zuerst eine geeignete Infrastruktur aufzubauen — zum Verteilen von Designs, zum Verteilen von Gütern, für die Organisierung gemeinsamer Produktion, für eine spontane Kooperation und stigmergetische Interaktion — und dann wird die Peer-Produktion folgen. Auf diese Weise sollen die wesentlichen Grundbedürfnisse (die acht Essentials lt. Christian) abgedeckt werden können, wobei die Entnahme nach dem Flatrate-Modell geschieht.
Kategorien: Arbeit & Freiheit, Soziale Netzwerke, Theorie
31. August 2008, 22:02 Uhr 8 Kommentare
Peer-Ökonomie in Hiddinghausen – Teil 2
Nach luxuriösem Frühstück ging es fast pünktlich los mit dem zweiten Teil der Einführung in das Konzept der Peer-Ökonomie von Christian (den ersten Teil gab’s gestern — hier die dazu passenden Folien). Kernfrage war, wie die gestern vorgestellten allgemeinen Prinzipien der Peer-Produktion auf die materielle Welt übertragen werden können und welche Probleme dabei auftreten — und wie eine Lösung aussehen kann.
Kategorien: Arbeit & Freiheit, Eigentumsfragen, Freie Software, Theorie
30. August 2008, 23:25 Uhr 4 Kommentare
Materielle Peer-Produktion – Teil 1: Aufwandsteilung
[This is the German translation of the original English article.]
Voriger Teil: Merkmale der Peer-Produktion.
Das erste charakteristische Merkmal der Peer-Produktion besteht darin, dass der zum Erreichen der Ziele eines Projektes benötigte Aufwand unter den Menschen aufgeteilt wird, denen das Vorhaben wichtig genug sind, um dazu beizutragen. Wie dieses Teilen organisiert wird, hängt von der Art des Projekts ab.
Projekte, die Freie Software oder Freies Wissen produzieren, setzen auf eine Methode, die Francis Heylighen [2007] als “stigmergisch” (Hinweis-basiert) beschreibt. Die Arbeit, die in solchen Projekten geleistet wird, hinterlässt Zeichen (griechisch stigma) oder Hinweise, die andere motivieren, damit fortzufahren. Beispiele für solche Hinweise sind To-Do-Listen, Bug Reports und Feature Requests in Freien Software-Projekten; und “rote Links” auf fehlende Artikeln sowie Listen von “Fehlenden Artikeln” und “Artikelwünschen” in der Wikipedia. Sie weisen Beteiligte und potentielle Beteiligte auf lohnende Aufgaben hin.
Dieses Hinweissysteme dient auch als informeller Mechanismus für die Priorisierung von Aufgaben: je mehr Menschen eine Aufgabe wichtig ist, desto wahrscheinlicher wird sie jemand in Angriff nehmen (da die entsprechenden Hinweise sichtbarer und deutlicher werden dürften, und da Menschen sich eher um Dinge kümmern, die ihnen selbst am Herzen liegt). Und da sich jede/r selbst aussucht, wo sie sich einbringt, sind die Beteiligten im Allgemeinen motivierter als in Markt-basierten Systemen, wo man den Anweisungen eines Vorgesetzten oder Kunden Folge leisten muss. Zudem suchen sich die Beteiligten meist Aufgaben auf, die sich sich am ehesten zutrauen, was dazu führt, dass die unterschiedlichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Beitragenden nahezu optimal eingesetzt werden.
Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie
11. März 2008, 12:38 Uhr 3 Kommentare

