Kategorie: Praxis-Reflexionen
Vibe — dezentrale und lokale Kurznachrichten
Zur Versendung von Kurznachrichten über Mobilgeräte werden in der Regel zentralisierte Dienste wie Twitter genutzt. Solche Kurznachrichten haben bei der Organisation von Protesten und Aufständen eine wichtige Rolle gespielt, weltweit. Doch zentrale Dienste haben einen gravierenden Nachteil: Der Gegenseite — staatlichen Instanzen oder wem auch immer — wird ein ebenso guter Überblick geliefert wie den Aktivist_innen. Hinzu kommt die Zensuroption. Immer wieder wurden solche Vorwürfe gegen die privaten Dienste erhoben. So würden bestimmte Tags unterdrückt, um sie nicht in den Top-Trends erscheinen zu lassen — etwa im Fall von #wikileaks oder aktuell bei den #occupywallstreet Protesten.
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Kategorien: Praxis-Reflexionen, Soziale Netzwerke
7. Oktober 2011, 11:57 Uhr 7 Kommentare
Commons und die Machtfrage
Dem Commons-Diskurs wird häufig vorgeworfen, er würde die Machtfrage unberücksichtigt lassen. Dabei ist natürlich die Frage, was man unter »Machtfrage« versteht. Bei Wikipedia heißt es, Macht bezeichne
….einerseits die Fähigkeit, auf das Verhalten und Denken von Personen und sozialen Gruppen einzuwirken, andererseits die Fähigkeit, Ziele zu erreichen oder sich äußeren Ansprüchen nicht unterwerfen zu müssen. Die beiden Sichtweisen werden auch als „Macht über“ und „Macht zu“ bezeichnet.
Das ist eine wichtige Unterscheidung! Traditionell-links wird die Machtfrage als Frage der »Macht über« gestellt. Die Commons hingegen stellen die Machtfrage als Frage der »Macht zu«. Das arbeitet die Commons-Aktivistin Brigitte Kratzwald in dem ausgezeichneten Text heraus und setzt sich dabei insbesondere mit der Macht-über-Frage, wie sie traditionell die Arbeiter*innenbewegung stellte, auseinander. Leseempfehlung: »Wie werden wir mächtig?«
[Update] Tipp: Veranstaltung mit Brigitte Kratzwald in Berlin: Gemeingüter – ein anderes Betriebssystem für unsere Gesellschaft?, Freitag, 23.9.11, 19:30 Uhr, Restaurant Merhaba im Haus der Demokratie, Veranstaltungsraum 1. Etage Vorderhaus, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin, Veranstalter: Grüne Liga e.V.
Kategorien: Praxis-Reflexionen, Theorie
21. September 2011, 09:31 Uhr 8 Kommentare
Könnte, sollte, müsste …. – verzweifelte Gedanken angesichts der griechischen Tragödie.
Die Abwicklung des Falls Griechenland ist die derzeit spannendste und depromierendste Mediendiskussion zugleich. Es wird zunehmend klar: dieser Staat kann seine Schulden nicht bedienen und der politische Konsens innerhalb der EU über die Bürgschaft der Euroländer ist wahrscheinlich nicht zu haben. Mit andern Worten es steht ein griechischer Staatsbankrott bevor, eine Währungsreform oder was auch immer, das den normalen Gang nicht nur der kapitalistischen Geschäfte, sondern so ziemlich jeder Transaktion von der Menschen abhängig sind gefährdet oder lahmlegt. Geldsubjekte ohne Geld – dieser zustand ist uns aus der sogenannten “Dritten Welt” zur Genüge bekannt. Schon heute ist absehbar, dass die griechische Wirtschaft im Binnenmarkt nicht konkurrenzfähig ist, dass die staatliche Gewährleistung aller möglichen Dienste an Geld und Gesellschaft ihre Grundlage verliert.
In dieser Situation sind wir praktisch darauf verwiesen, uns Gedanken zu machen über die Frage, inwiefern gerade in einer solchen Situation übergänge in neue, zukunftsfähige Formen der gesellschaftlichen Organisation beschleunigt werden könnten. Mit anderen Worten: haben wir vielleicht den ersten Fall vor uns, wo eine lokal organisierte, zugleich international solidarisch unterstützte Peer – Production in das Vakuum der absehbar sehr tiefen Krise vorstoßen könnte? Gibt es überhaupt die Bedingungen dafür? Wer wären die Subjekte? Es ist ja interessant dass zumindest die intellektuelle Basis dafür in Griechenland einigermaßen gegeben ist.
Kategorien: Praxis-Reflexionen, Reichtum & Knappheit
13. September 2011, 13:49 Uhr 9 Kommentare
Complementary Currencies Flop
… says Matthew Slater, evangelist of complementary currencies, but still sticking to old illusions:
It is frustrating for me, seeing clearly how almost all the world’s problems boil down to the design and the pervasiveness money, and seeing this point so often missed and overlooked by economists politicians and commentators, none of whom are offering solutions. The problem of money is still not being communicated. Despite proven successes, complementary currencies have a patchy history, and governments regard them with suspicion everywhere except South America. Through Community Forge I’m able to reach and help some of the grass roots organisations that do understand, but it seems so little when whole countries are sinking underwater. Many organisations are coming to us for help, but few people are coming to offer help. And when they do, we don’t even have time to manage them. The movement is growing, but not as fast as the economy is diving, and not as fast, I fear, as the money addicts are finding new ways to part us from it.
Nope, alternative money will not help us, when hard money crashes. Not missing pervasiveness of money is the problem, but pervasive money — at least in our thinking — ruling our activities. Demonetize it!
Kategorien: English, Praxis-Reflexionen
14. April 2011, 16:35 Uhr Kommentieren
Freiheit vor Ort: Handbuch kommunale Netzpolitik
Vier Jahr nach Erscheinen von »Freie Netze. Freies Wissen« erscheint mit “Freiheit vor Ort: Handbuch kommunale Netzpolitik” (2011, Open Source Press) ein Upgrade, das die Erfahrungen nach dem ersten Buch ausbaut und verallgemeinert. Fünf der ursprünglichen Kapitel wurden aktualisiert bzw. teilweise grundlegend überarbeitet und mit drei neu verfassten Kapiteln zu Öffentlichem Raum im Netz, dem Web als Kompetenz- und Forschungsfeld und Open Goverment Data sowie insgesamt elf neuen Interviews ergänzt. Ebenfalls finden sich wieder konkrete Projektvorschläge zur Umsetzung auf kommunaler Ebene im Buch. Das Buch gibt’s zu kaufen und ist auch als eBook (PDF) unter einer Creative-Commons-Lizenz erschienen. [via]
Kategorien: Commons, Freie Inhalte, Freie Software, Medientipp, Praxis-Reflexionen
12. April 2011, 07:44 Uhr 1 Kommentar
InkriTpedia
Es ist gut versteckt, aber Dank eines Hinweises von Annette habe ich sie gefunden — die InkriTpedia. Noch eine XYZpedia? Ja, aber eine ganz besondere:
InkriTpedia ist das Online-Wiki des seit 1994 unter dem Dach des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) erscheinenden Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus (HKWM).
InkriTpedia ist tatsächlich durchaus eine inhaltliche Konkurrenz zur Wikipedia, die ja tatsächlich im Bereich der Gesellschaftswissenschaften ziemlich schwach ist. Und kein NPOV, kein neutraler Standpunkt, sondern ein parteiischer, aber durchaus ein pluraler. Naturgemäß passen mir folglich inhaltlich auch diese oder jene Einträge nicht. Aber das ist ok, zu Lernen gibt’s auf jeden Fall immer etwas.
Kategorien: Praxis-Reflexionen, Theorie
5. April 2011, 08:01 Uhr 5 Kommentare
Interview zur »Zeitgeist«-Bewegung
Nikola Winter, Pflanzengenetikerin, lebt in Wien und ist zur Zeit ein aktives Mitglied in der »Zeitgeist«-Bewegung. Das folgende Interview wurde per E-Mail geführt.
Was ist »Zeitgeist«?
Wikipedia weiß: »Zeitgeist ist das generelle kulturelle, intellektuelle, ethische, spirituelle und weltanschauliche Klima innerhalb einer Gesellschaft. Zeitgeist beschreibt die Atmosphäre, die Moral, die soziokulturelle Ausrichtung und die Stimmung einer Epoche.«
Kategorien: Praxis-Reflexionen, Reichtum & Knappheit, Theorie
28. März 2011, 07:31 Uhr 3 Kommentare
Commodities — Designed for the Dump
Kategorien: English, Feindbeobachtung, Praxis-Reflexionen
28. Februar 2011, 07:29 Uhr 9 Kommentare
LibreOffice: Basar statt Kathedrale
Die Botschaft ist eindeutig:
Liebe Unternehmen, die ihr Geld rund um Freie Software machen wollt: Wenn ihr nicht versteht oder verstehen wollt, wie die Entwicklung Freier Software funktioniert, dann müssen wir uns leider von euch trennen.
Eure Communities.
Im Herbst 2010 kam es zu einem Fork des alten OpenOffice.org-Projekts und zur Gründung von LibreOffice-Projekts. Ich sag’s mal etwas deutlicher, als es die Autoren des iX-Artikels »Die Freiheit, die ich meine…« tun: Hauptsponsor Oracle hat’s nicht geschnallt und total versaut — ein Lehrbeispiel!
Und so geht die Geschichte: Es war einmal…
Kategorien: Freie Software, Praxis-Reflexionen
1. Februar 2011, 07:01 Uhr 7 Kommentare
Community Anti-Patterns
Dave Neary, langjähriges Mitglied der GNOME-Foundation und Maintainer von maemo.org, hat auf der MeeGo-Konferenz im November 2010 einen interessanten Vortrag zur Frage gehalten, wie eine Community scheitern kann. Er wählte dafür den Begiff »Anti-Patterns« (nach Christopher Alexander), also etwa »Muster destruktiven Verhaltens«. Viele (nicht alle) der aus der Software-Entwicklung gewonnenen Beobachtungen lassen sich auf andere commons-basierte Projekte übertragen.
Zu Beginn des Vortrags erklärt Dave den Begriff »Pattern« (»Muster«) mit einem Picasso-Zitat: »Good artists copy, great artists steal« (»Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen«). Wenn man ein Muster von etwas wirklich versteht, dann nimmt man es in sich auf (»stiehlt es«) und verwendet im eigenen, neuen Sinn weiter, anstatt das unverstandene Muster nur nachzuahmen (»zu kopieren«).
Der Witz ist nun: Nachahmung funktioniert in Communities nicht! Aus bloßer Nachahmung können stattdessen Anti-Patterns entstehen, die Dave Neary dann in 8 Punkten beschreibt — inklusive Vorschlägen (die sich v.a. an Maintainer richten), damit umzugehen.
Kategorien: Freie Software, Praxis-Reflexionen
18. Januar 2011, 07:24 Uhr 5 Kommentare
