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	<title>keimform.de &#187; Praxis-Reflexionen</title>
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	<description>Auf der Suche nach dem Neuen im Alten</description>
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		<title>Das System an seinen Wurzeln packen…</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 06:30:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Sabine Steldinger</dc:creator>
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		<description><![CDATA[…um daraus einen nahrhaften Kompost zu bereiten, auf dem alles gut wachsen und gedeihen kann (Foto: Genista, CC-by-sa). [Repost von Nicht-kommerzielles Leben in Berlin-Brandenburg] Es gibt ein großes Unbehagen mit dem System, mit dem wir zur Zeit gezwungen sind, unser Überleben zu meistern. Immer wieder raufen sich Menschen zusammen, um andere Wege zu beschreiten. Zur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2012/01/kompost.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2012/01/kompost-300x300.jpg" alt="" width="300" height="300" align="right" /></a>…um daraus einen nahrhaften Kompost zu bereiten, auf dem alles gut wachsen und gedeihen kann (Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/genista/6316275503/">Genista</a>, CC-by-sa).</p>
<p>[Repost von <a title="Nicht-kommerzielles Leben in Berlin-Brandenburg" href="https://ecobasa.org/nkl/?p=188">Nicht-kommerzielles Leben in Berlin-Brandenburg</a>]</p>
<p>Es gibt ein großes Unbehagen mit dem System, mit dem wir zur Zeit gezwungen sind, unser Überleben zu meistern. Immer wieder raufen sich Menschen zusammen, um andere Wege zu beschreiten. Zur Orientierung werden vielfältige Theorien und Analysen gebaut. Was macht denn dieses System, das unsere alltägliche Versorgung organisieren soll, eigentlich im Kern aus? Die Theorien sind so vielschichtig, dass die Versuchung groß ist, einseitigen und vereinfachten Erklärungen anzuhängen. Analysen und Theorien, die versuchen, die Vielschichtigkeit des menschlichen Gemeinwesens in Worte zu gießen, sind für die meisten bestenfalls abgehoben und schlimmstenfalls komplett unverständlich.</p>
<p>Aus der intensiven Beschäftigung mit der Wertkritik, der Kritik der Kritik, mit “subjektfundierter Hegemonietheorie” und ähnlichem exotisch klingendem, wollen wir in diesem Text einen Versuch wagen, die praktischen Schritte, die sich unserer Meinung nach aus diesen Analysen ergeben, zu skizzieren und dazu anstacheln, daran weiter zu diskutieren und an spannenden Stellen in die Tiefe und Breite zu gehen. Es ist hier nicht der Platz, um jedes Detail deutlich darzustellen. Dieser Text soll nur eine Übersicht geben und wird selbst nicht alle Tiefen berücksichtigen können.Für Einige werden diese Erkenntnisse eine erfreuliche Bestätigung dessen sein, was sie eh schon taten und dachten. Wir wollen den in Theoretiker_Innenkreisen verbreiteten wortgewaltigen Kämpfen einen freundlichen Umgang entgegensetzen. Und nicht zuletzt dazu ermutigen, sich mit Analysen zu befassen, die kaum ein Mensch zuvor gesehen hat.<strong></strong></p>
<p><strong>Wertfrei und Spaß dabei – das gute Leben</strong></p>
<p><strong></strong>Unser Bestreben ist ein schönes Leben. Dazu gehört zum Beispiel ein hübsches Dach über dem Kopf, zum Frühstück einen Kaffee mit Sahne, angenehme Gesellschaft und einiges mehr. Im Kapitalismus wird den meisten Menschen dieser Wunsch nicht erfüllt. Das liegt daran, dass der Kapitalismus leider ein ganz anderes Ziel hat: nämlich aus Geld mehr Geld zu machen. Das klingt banal, aber leider geht es zielsicher an einem Wirtschaftssystem vorbei, das den Sinn haben sollte, alle mit den gewünschten Dingen zu versorgen. Inzwischen hat sich die Erkenntnis weitgehend durchgesetzt, dass wachsende Wertproduktion keineswegs Wohlstand für alle, sondern eine stetig wachsende Masse von “Überflüssigen” (vom Wohlstand Ausgeschlossenen) erzeugt.Der Wert macht Dinge vergleichbar, die sonst wenig mit einander zu tun haben und ermöglicht so, sie (scheinbar gerecht) miteinander zu tauschen. Wenn wir Deine Gurken gegen mein Fahrrad tauschen, sind diese wohl gleich viel wert, denn sonst hätte die benachteiligte Person ja nicht getauscht.</p>
<p>Der Wert einer Sache basiert dabei auf der an ihr verrichteten Arbeit. Allerdings zählt hier nicht die real verausgabte Arbeit, sondern die in der Gesellschaft durchschnittlich aufgewendete Arbeit. Wenn eine Maschine die notwendige Arbeit bei der Produktion eines Gegenstandes reduziert, wird auch der Wert dieses Gegenstandes abnehmen, sobald die maschinelle Produktion sich gesellschaftlich durchsetzt. Deswegen müssen die Produzierenden immer weiter versuchen, die notwendige Arbeitszeit z.B. durch den Einsatz von Maschinen zu reduzieren, wenn sie am Markt bestehen wollen. Obwohl die Herstellung von Gütern immer einfacher wird, werden so immer mehr Menschen von ihrem Nutzen ausgeschlossen, weil sie keine Anstellung mehr finden. Sie werden für die Produktion nicht mehr gebraucht und: „Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen“. Gleichzeitig wurde die eigenständige, von Lohn unabhängige Versorgung durch gewaltsames Durchsetzen der industriellen Produktion brutal ausgetrieben und die Mittel dazu weggenommen.</p>
<p>Dieser Glaube vom “gleichwertigen Tausch unter Gleichen” ist eh als Märchen entlarvt, wenn soziale Unterschiede betrachtet werden. Ich bin im Tauschverhältnis immer unterlegen, wenn der Mensch mit dem ich tauschen will/muss, mein Chef ist, weißer, männlicher, brutaler, klüger, älter etc. ist. Das gilt für alle Ebenen von Tauschverhältnissen. Egal, ob ich meine Arbeitskraft gegen Geld tausche oder mein Huhn gegen einen Sack Kartoffeln.</p>
<p>Dass das nur eine scheinbare Gerechtigkeit von messbaren “Werten” ist, liegt daran, dass diese Wertberechnung von vorne bis hinten unpassend ist. Es ist ganz schön wenig, was letztlich im “Preis” einer Ware abgebildet ist. Es geht weder darum, wer unter welchen Bedingungen wo produziert, noch darum, welche Konsequenzen die Produktion für Menschen und Umwelt hat. Nach diesem System ist zur Berechnung des Werts schlicht nicht relevant, was Bedingungen und Konsequenzen zur Herstellung eines Produktes sind, es geht allein um einen höchst abstrakten Durchschnitt an Zeit. Doch im Leben geht es um weit mehr als nur die Zeit. Es geht beim Wert noch nicht einmal um die tatsächliche Zeit, das jene konkrete Ware benötigt, sondern um einen Durchschnitt, der nach dem globalen technischen Stand der Produktion stetig in die Tiefe strebt (mehr Waren in weniger Zeit herstellen). Schneller, Höher, Tiefer, weiter. Das zeigt sich zudem in der ständigen Beschleunigung im Leben industrialisiert lebender Menschen, denn diese Art und Weise der Lohnarbeit hinterlässt über Generationen tiefe Spuren.</p>
<p>Diese Verkürzung macht es möglich, dass letztlich alles irrelevant ist, was nicht dem Zweck der Warenproduktion und damit dem Herstellen von Profit dient. Damit erübrigen sich Überlegungen in Richtung von “es kann alles bleiben wie es ist, man muss das Geld nur anders nutzen”. Man kann das Leben nicht einfach ausblenden und dann erwarten, dass sich Mensch und Umwelt beliebig den daraus entstehenden Bedingungen anpassen.</p>
<p>Damit das mit der Produktion glatt läuft, halten Regierungen (Aufstandsbekämpfung, Zuckerbrot, Gefängnisse) und jede Menge “gemeinnütziger” Einrichtungen sowie – überwiegend ebenfalls kommerzialisierte – “Freizeit” den Ball flach. Das Leben der meisten Menschen ist durch technologische Rationalität, Fremdbestimmung, Vereinzelung und Konkurrenzdruck leidvoll gezeichnet. Es ist angesichts der Allgegenwart und der gleichgültigen Kälte des Systems erstaunlich, dass die Menschen trotzdem so viele soziale Bindungen mit echter Wärme und Unterstützung ohne jede Verrechnung schaffen.</p>
<p>Stellen wir uns eine Welt ohne Wert und Geld vor. Wenn Geld sonst zwischen den Menschen vermittelt hatte, müssen andere soziale Strukturen geschaffen werden, die den Menschen helfen, miteinander zu planen, was sie brauchen und wie sie es herstellen wollen. Es braucht Kommunikationsstrukturen. Lasst uns miteinander über andere Produktions- und Verteilungswege reden, die uns und unsere Lebensbedingungen nicht ignorieren!</p>
<p>Auch wenn es nicht so scheint (schließlich wird es von Generation zu Generation schwieriger, es sich anders vorzustellen, da es ja “schon immer so war”), so gibt es doch Alternativen zu dieser “Wertlogik” in der Produktion. Es muss dabei beachtet werden, dass den sozialen und ökologischen Prozessen ausreichend Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, um lebenswichtige Güter herzustellen.</p>
<p>Es geht dabei um Kooperation statt Konkurrenz, Muße, Bedürfnisse, Qualität statt Quantität.</p>
<p>Dabei wäre der Tausch (Geld oder ähnlichem Berechenbaren) der falsche Weg. Die gesellschaftlichen Auswirkungen sind fatal, auch wenn die einfache Berechenbarkeit zunächst praktisch erscheint. Die dadurch suggerierte “Freiheit” richtet sich an dem Punkt gegen sich selbst, wo der Einzelne losgelöst (von nicht kommerziellen sozialen Beziehungen) zum Sklaven des Marktes wird und im harten Kampf ums knappe Geld unterliegt (und seine Miete nicht mehr zahlen kann).</p>
<p>Geldsysteme versuchen, soziale Beziehungen durch Automatismen zu ersetzen, und zwar so, dass mensch “unabhängig” von Anderen erscheint. Letztlich wird die Abhängigkeit von Familie/Clan/Wahlverwandtschaft durch eine Abhängigkeit vom Markt abgelöst. Dementsprechend wird es nötig, sich den “Spielregeln” – dem Verwertungszwang – zu unterwerfen. Um das als Freiheit “zu verkaufen”, gehört schon ganz schön viel Dreistigkeit dazu.</p>
<p>Es muss also ein Weg gefunden werden, aus einengenden Familien/Clanbeziehungen auszubrechen ohne sich der zerstörerischen Kraft des Marktes auszusetzen. Wenn wir das “schöne Leben” durch zwischenmenschliche Beziehungen und Verbindlichkeiten jenseits des Zwangsmittels Geld aufbauen wollen, ohne in Unterdrückung zurückzufallen, müssen wir über Privilegien nachdenken. Die Vorteile, die einige wegen Geschlecht, Hautfarbe, Alter, Sexualität, soziale Schicht etc. gegenüber anderen haben, spielen eine wichtige Rolle. Diese Rollen müssen hinterfragt werden und Strategien entwickelt werden, wie wir die Unterschiede zur fruchtbaren Kooperation nutzen, statt sie als Abweichung von der Norm zu denken und uns deshalb gegenseitig zu unterdrücken. Eine Welt, in der viele Welten Platz haben schließt jene Welten aus, die nur ihre Welt als die “einzig wahre” gelten lassen wollen.</p>
<p>Das Denken in festen Feindbildern wird durch eine Analyse der Wertlogik erschwert. Klar sitzen Regierungen, Chefs und Banker an größeren Schalthebeln als Andere, jedoch sind sie letztlich genauso an die Marktlogiken gebunden. Und so sitzen wir alle in den selben Zahnrädern eines selbst gebauten Getriebes fest. Das System ist schuld. Lasst uns der Sand im Getriebe sein und langsam rausbröckeln.</p>
<p><strong>Endlich aufhören zu kaufen und zu verkaufen</strong></p>
<p>Wenn ich aufhöre, mich selbst und andere in messbare tauschbare Werte zu pressen und stattdessen überlege, wer den dieser Mensch tatsächlich ist, was konkret der_die Andere braucht und was ich brauche, um ein gutes Leben zu führen, komme ich definitiv zu anderen Ergebnissen als “24,65”.</p>
<p>Eine Versorgung jenseits von Wert und Geld ist sozial, voller interessanter Auseinandersetzungen (endlich Zeit dazu!), kreativ im Problemlösen und setzt auf kollektive Intelligenz. Es geht um konkrete Bedingungen und Auswirkungen konkreter Tätigkeiten. Um beobachten, zuhören und wahrnehmen. Menschen finden zusammen, um zu schauen, ob sie einen Bedarf decken können, bestimmen dafür den nötigen Aufwand und wenn es genug Beteiligung gibt, wird soviel produziert, wie gewünscht und danach aufgehört (der Muße gefrönt). Freiwillige Kooperation heißt hierbei, die Möglichkeit zu haben, aus den jeweiligen Zusammenschlüssen ohne existentielle Nachteile ein- und aussteigen zu können. Auch Maschinen, Infrastrukturen und Werkzeuge müssen daher “offen” sein, das heißt zugänglich für alle, die es brauchen.</p>
<p><strong>Mit dem einen Bein im Kapitalismus stecken</strong></p>
<p>Das derzeitige System ist totalitär. Das heißt, es ist nur unter existenzgefährdenden Nachteilen möglich, auszusteigen (bzw. es gibt nur “Einzellösungen”). Daher ist es nötig, ein strategisches Verhältnis zu Markt und seinen Regierungen einzunehmen. Wie lassen sich Vereinnahmungen verhindern? Es ist fast die Regel, dass soziale Projekte kommerzialisieren, dass Gruppen korrumpieren sobald sie Macht bekommen (siehe “die Grünen”), weil sie dann die Schalthebel der Wertlogik entsprechend bedienen müssen, so dass für andere Ansätze kein Raum mehr bleibt.</p>
<p>Es gibt nicht das Richtige im Falschen, daher muss diese Gratwanderung stattfinden. Das “kleinere Übel” muss akzeptiert werden, sofern damit “Keimformen” einer anderen Produktionsweise und Zusammenleben der Boden bereitet werden kann. Zum Beispiel, indem ein Schenkladen Fördermittel bekommt, Spenden wirbt oder ein kommerzielles Cafee betreibt, um die Miete zahlen zu können. Damit die Wertlogik das jeweilige Projekt nicht zerstört, muss es bis zu einem gewissen Grad kooperieren und etwas “verwerten” oder Verwertung unterstützen. Dies ist als ein bewusster Prozess zu gestalten. Der Weg ist das Mittel zum Ziel, wenn wir morgen eine nicht wertförmige Produktion haben wollen, darf sie das heute auch nicht sein, sondern in möglichst allen Punkten der Utopie nahe kommen. Die kommerziellen Vorhaben müssen daher scharf von den nicht-kommerziellen Experimentierräumen getrennt sein, da kommerzielles Wirtschaften den Marktlogiken folgt und in den nicht-kommerziellen Räumen gerade danach gesucht wird, wie wir ohne sie auskommen. Diese Forschung am nicht-kommerziellen Produzieren und Verhandeln ist schwierig, da wir alle kapitalistisch aufgewachsen sind, jede/r hat andere Grenzen, wie weit er/sie diese “Gewohnheiten” im Denken und Fühlen ersetzen kann. Dies nicht zur neuen druckigen Norm zu erheben und dennoch anzustreben, wird zu einer weiteren Herausforderung.</p>
<p>Die Umgestaltung zur nach-kapitalistischen Gesellschaft wird nicht plötzlich vom Himmel fallen, sondern ein Prozess sein, zu dem leider nicht viel Zeit bleibt (Verelendung, Ressourcen-und Umweltzerstörung). Glaubt niemanden, der_die behauptet, einen fertigen Plan aus der Schublade zaubern zu können.</p>
<p><strong>Direkte Kommunikation, Konfliktkultur und das Gemeinwesen als neue Wurzeln</strong></p>
<p>Jeder Mensch hat Bedürfnisse. Und wenn diese trotz aller tollen Vereinbarungen mit Anderen zusammenstoßen, sprühen die Funken! Sich neu zu organisieren, um zu produzieren und zu leben, wird auch heißen, Konflikte austragen zu müssen und dafür Methoden zu finden. Kreativität, kollektive Intelligenz, Erfahrungen und Stärke können sich darauf richten, eine passende Konfliktkultur zu schaffen ohne damit Verhältnisse zu zementieren oder sich gegenseitig totzuschlagen. Das Reflektieren gesellschaftlicher Machtverhältnisse aufgrund unterschiedlicher Privilegien wurde im Text bereits betont. Es muss zusammen mit der Abschaffung der Wertlogik erfolgen um zu vermeiden, dass Menschen auf unpassende Rollen festgelegt werden und die Dynamik sozialer Beziehungen in neuen Hierarchien erstickt wird. Es geht darum, das “Gemeinsame” zu entdecken und zu pflegen. Wenn wir miteinander ins Gespräch kommen wollen, hindern uns Hierarchien nur daran, ernsthaft produktiv zu sein, da interessante Gedanken so gar nicht erst hervorgebracht oder ignoriert werden.</p>
<p><strong>Arbeit ist scheiße(n)</strong></p>
<p>Vielleicht macht es auch Sinn “Arbeit” als Begriff abzuschaffen. Weil er die Verkürzung auf Wert in sich trägt. Was sagt es einem, wenn jemand meint, er/sie würde arbeiten gehen? Gar nix. Wenn es sich nicht gerade um ein nicht-kommerzielles Projekt handelt, würde ich vermuten, dass jemand seine Arbeitskraft verkauft. Sonst ist dem nix zu entnehmen. Es ist möglicherweise Ausdruck unserer wertlogischen Wahnvorstellung, alles in abstrakte Containerbegriffe zu packen und unsere Arbeitskraft (Lebenszeit) beliebig ersetzbar erscheinen zu lassen, statt das Kind beim Namen zu nennen. “Ich gehe Ziegen betreuen” oder “ich gehe Löcher stanzen” eröffnet gleich viel mehr Perspektiven, auch zum Hinterfragen der Tätigkeit.</p>
<p>Ein weiterer Punkt ist die Wissensweitergabe. Viel von dem Wissen, wie wir uns umwelt- und menschenfreundlich versorgen können, muss erst noch erforscht werden. Oder zum Teil wieder ausgegraben werden aus den Mottenkisten unserer Vorfahren. Jedenfalls kommt der Wissensteilung eine große Rolle zu, die alle spielen können. Jede/r weiß etwas und kann anderen etwas zeigen. Wenn das verwertungsorientierte Wissen aus Schulen und Unis nicht mehr sinnvoll ist, müssen eigene Maßstäbe und Bildungssysteme geschaffen werden. Bildungsnetzwerke wären ein ressourcensparender Ansatz.</p>
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		<title>COM&#8217;ON: Gemeinschaftsbegriff</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 06:31:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Der Gemeinschaftsbegriff wird oft als reaktionär kritisiert. Geht´s auch anders?« (Moderation: Friederike Habermann, Protokoll: Andrea Vetter): Input Friederike Habermann: Es gibt eine problematische Tradition [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="commons-based queer production" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Bei der <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM&#8217;ON-Tagung</a> am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Der Gemeinschaftsbegriff wird oft als reaktionär kritisiert. Geht´s auch anders?« (Moderation: Friederike Habermann, Protokoll: Andrea Vetter):</p>
<p><strong>Input Friederike Habermann:</strong></p>
<ul>
<li>Es gibt eine problematische Tradition des „Gemeinschafts“-Begiffs: völkisch etc</li>
<li>Eine Pluralität der Beteiligten (Klasse, Herkunft, etc) ist trotz gegensätzlichem Anspruch oft nicht die Realität in bestehenden Projekten</li>
</ul>
<ul>
<li>Solidaritätsbegriff ist häufig nicht bedingungslos, sondern auf Mitglieder einer „Gemeinschaft“ (persönlich, oder im Sinne einer Identitätskategorie) beschränkt</li>
<li>wie geht statt &#8220;common being&#8221; (eine essentielle Gemeinsamkeit, die auf einem gemeinsamen Sein beruht, das bekannt und vorausgesetzt ist) ein &#8220;being in common&#8221; (J.K. Gibson-Graham), was das Werden neuer und ungedachter Möglichkeiten des Seins erlaubt</li>
<li>Strukturelle Gemeinschaftlichkeit als Gegenpol zu Konkurrenz: ohne Gemeinschaftsdruck und ohne Ausschluss</li>
<li>Stichwort &#8220;commons based <em>queer</em> production&#8221;: die Frage der Reproduktionsarbeit als Problem der Geschlechtergerechtigkeit kann durch das Prinzip &#8220;Beitragen statt Tauschen&#8221; der commons-basierten Peer-Produktion gelöst werden.</li>
</ul>
<p><strong>Diskussionspunkte im World-Café:</strong></p>
<p><strong>1. Ausgehen von eigenen Erfahrungen/konkreten Projekten:</strong></p>
<ul>
<li>Landprojekte</li>
<li>Ferienkommunismus/Camp</li>
<li>Garten-Coop</li>
<li>Offener Platz: Kiefernhain</li>
</ul>
<p><strong>2. Arten von Gemeinschaft</strong></p>
<ul>
<li>Ist enge Reziprozität gekoppelt an enge soziale Beziehungen?</li>
<li>Welche Rolle spielt eine gemeinsame Identität (als Blutsverwandtschaft, als Seelenverwandtschaft, als Linux-User etc)?</li>
<li>Gemeinschaft-Sein als Voraussetzung vs. Gemeinschaft-Werden als Möglichkeit/als Prozess gemeinsamen Tuns</li>
</ul>
<p><strong>3. Anforderungen an Projekte freier Kooperation:</strong></p>
<ul>
<li>Offenheit für verschiedene Menschen</li>
<li>Offenheit für Unterschiede, für entstehende Konflikte</li>
<li>Offenheit für den Unterschied zwischen dem, was IST und dem, was sein SOLL → Reibungsfläche/Konflikte als Ressource</li>
<li>Möglichkeit, ohne &#8220;Kosten&#8221; die Gemeinschaft zu wechseln → Ermöglichung von Vielfalt</li>
</ul>
<p><strong>4. Strukturelle Gemeinschaftlichkeit auf gesellschaftlicher Ebene</strong></p>
<ul>
<li>Was kann das bedeuten?</li>
<li>Unterscheidung zwischen „wir“ und den „anderen“ führt zu Identitätsbildung</li>
<li>Bildet sich automatisch „Gemeinschaft“, wenn man sich gemeinsam um etwas kümmert?</li>
</ul>
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		<title>Commoning konkret</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 06:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan-Hendrik Cropp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit & Freiheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Commons-based peer production braucht ein Commoning, also eine Form von Selbstorganisierung um Gemeingüter nicht-kommerziell und bedarfsgerecht zu verwalten. Dieser Artikel möchte einen Beitrag leisten zur Erkundung wie diese Organisierung konkret aussehen könnte: Zum einen an einer Reflektion über ein Experiment &#8220;Solidarischer Landwirtschaft&#8221; und zum anderen an konkreten Überlegungen wie ein Commoning rund um endliche Ressourcen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://linksunten.indymedia.org/image/52622.jpg" rel="lightbox[node_images][&lt;a href=&quot;/de/node/52622&quot; id=&quot;node_link_text&quot; target=&quot;_blank&quot; &gt;People&lt;/a&gt; - &lt;a href=&quot;/image/52622.jpg&quot; id=&quot;lightbox2-download-link-text&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Download&lt;/a&gt;]"><img class="right" src="http://linksunten.indymedia.org/system/files/images/8356304244.thumbnail.jpg" alt="People" width="200" height="121" align="right" /></a></p>
<p>Commons-based peer production braucht ein Commoning, also eine Form von Selbstorganisierung um Gemeingüter nicht-kommerziell und bedarfsgerecht zu verwalten. Dieser Artikel möchte einen Beitrag leisten zur Erkundung wie diese Organisierung konkret aussehen könnte: Zum einen an einer Reflektion über ein Experiment <a href="http://www.solidarische-landwirtschaft.org/">&#8220;Solidarischer Landwirtschaft&#8221;</a> und zum anderen an konkreten Überlegungen wie ein Commoning rund um endliche Ressourcen aussehen könnte. Die Artikel finden sich auch in der aktuellen Ausgabe der <a href="http://www.streifzuege.org/">&#8220;Streifzüge&#8221;</a> und dem soeben erschienenden Büchlein <a href="http://www.projektwerkstatt.de/hefte/index.html">&#8220;Herrschaftsfrei Wirtschaften&#8221;</a>.</p>
<h3>Die post-revolutionäre Möhre. Hier und Jetzt.</h3>
<p><em>Ein Bericht aus einem Versuch solidarischer Landwirtschaft auf dem Weg zur Schenkökonomie</em></p>
<p>Wir, ein Kollektiv von fünf „Gärtner_Innen“, suchten uns eine Gruppe von 60 Personen, die „Begärtnerten„, die von uns durch die Bearbeitung von 5000 qm Ackerfläche im nordhessischen Witzenhausen-Freudenthal mit Gemüse von April bis November versorgt werden wollten. Zusammen formten wir eine verbindliche Gemeinschaft.</p>
<p>Wann und wieviel wir Gärtner_Innen in diesem Projekt arbeiten, nein besser, tätig sein wollen, wurde von jedem einzelnen selbstverantwortlich und je nach Bedürfnissen (flexibel) festgelegt und im Kollektiv vereinbart. Der Teil unserer finanziellen Bedürfnisse („Lohn“), der über das Projekt befriedigt werden soll, wurde weitgehend unabhängig von dieser Tätigkeitszeit bestimmt und mit den laufenden Betriebskosten (ohne Investitionen) zu den Gesamtkosten (Budget) einer Jahresproduktion zusammengerechnet.</p>
<p>Die Begärtnerten boten dann anonym einen auf den Zeitraum der Produktion verbindlichen, monatlichen finanziellen Beitrag, der ihren Möglichkeiten entspricht. Von 0 Euro aufwärts war und ist alles möglich. Diese Zusage und andere Punkte (Entscheidungsfindung, Ausstiegsgründe, Scheiterkriterien, gemeinsame Übernahme von Verantwortung und Risiko, Kommunikation etc.) wurden in einer Vereinbarung schriftlich und verbindlich festgehalten und unterschrieben. Das zuvor beschriebene Budget wurde mit diesen freiwilligen finanziellen Beiträgen gedeckt, woraufhin der genaue Bedarf an Gemüse abgefragt und mit der Produktion des Gemüses begonnen wurde.</p>
<p>Die Ernte wird der Gemeinschaft von Begärtnerten in Depots frei zur Verfügung gestellt. Die Verteilung vor Ort organisiert die Gemeinschaft je nach den individuellen Bedürfnissen. Es gibt keine genormten „Gemüsekisten“, sondern jede_r nimmt, was gebraucht wird. Ein weiteres Mitwirken am Projekt durch Mitarbeit, Erntesicherung/Einmachen und das Einbringen von weiteren Fähigkeiten steht den Mitgliedern frei, ist aber erwünscht und wird gemeinsam organisiert.</p>
<p>Durch dieses Experiment sollen kapitalistische Prinzipien in unserem Verhältnis zueinander überwunden und transformiert werden:</p>
<p><strong>Freiwilliges Beitragen und Schenken statt Tausch, Wert, Ware</strong></p>
<ul>
<li>Niemand muss, alle können nach ihren Fähigkeiten (u.a. finanziell) beitragen.</li>
<li>Bedürfnisse werden erhoben und ihnen entsprechend wird produziert. Daher werden den Leuten keine Waren mehr vor die Füße geschmissen, für die sie dann doch bitte auch ein Bedürfnis haben sollen; sondern Bedürfnisse werden formuliert und die Produktion wird dafür selbst organisiert.</li>
<li>Die Produkte haben keinen Tausch- bzw. Geldwert. Damit werden Dinge nicht abstrakt gleichgesetzt wie im Kapitalismus: Alles, was 1 Euro kostet, ist gleich viel „wert“. Alles, was nix kostet, ist nix „wert“.</li>
<li>Daher entfällt Geld als primäre Wertschätzung und es kann mit neuen Formen der Wertschätzung experimentiert werden; durch Worte, Gesten und vor allem gegenseitige Verantwortung.</li>
</ul>
<p><strong>Freies Tätigsein statt abstrakter Arbeit in Konkurrenz:</strong></p>
<ul>
<li>Tätigkeit wird zu Arbeit und Arbeit zur Last, wenn unsere Produkte auf dem Markt einen Wert erzielen müssen oder wir primär für einen Lohn arbeiten.</li>
<li>In unserem Projekt müssen wir beides nicht: Wir liefern keine normierten Waren und unsere finanziellen Bedürfnisse werden von vornherein abgedeckt.</li>
<li>Daher können wir Anbauweise und Arbeitsabläufe frei bestimmen, um unsere und die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen.</li>
<li>Kommt es zu Problemen, lösen wir diese nicht wie in der Gesellschaft der Vereinzelten mit dem Ellenbogen und dem „Ausschalten von Konkurrenten“ sondern durch kollektive Lösungsfindung.</li>
</ul>
<p>Knapp 11 Monate nach Beginn des Projektes haben sich allerdings einige Problemfelder in unserem Projekt aufgetan. Deren Analyse halte ich für wichtig, wenn Projekte über die Waren- und Tauschgesellschaft hinausweisen wollen:</p>
<p><strong>Problemfeld 1: Der verinnerlichte Kapitalismus im Kollektiv</strong></p>
<p>Das Problemfeld betrifft vor allem uns als Kollektiv von Gärtner_innen. Was Tausch und Geld im Kapitalismus so hervorragend machen, nämlich Menschen und Tätigkeiten zu vergleichen und gleichzusetzen, verschwindet in einem weniger kapitalistischen System nicht sofort. Diese Verhaltensweisen scheinen wir tief verinnerlicht zu haben. Wir, also einmalige Individuen, die im Kollektiv zusammenarbeiten, vergleichen weiterhin, wieviel Zeit wir in das Projekt investieren. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen, weil wir „zu wenig“ tun, oder werden grummelig, weil wir „zu viel“ tun. Schnell kommt es zu Situationen, in denen wir uns für unsere Bedürfnisse (die ja so sind wie sie sind) rechtfertigen wollen, oder denken, dass wir es müssen. Oft ist es gar nicht das Kollektiv, das diesen Druck erzeugt, sondern wir, die Individuen selbst. Denn schließlich ist unser Kopf vom allgegenwärtigen Kapitalismus vollkommen durchzogen.</p>
<p>Eine schnelle Abhilfe für das Problem scheinen die üblichen Abstraktionen des Kapitalismus zu bieten. So geschieht es beizeiten auch in unserem Kollektiv: Ein Ruf nach einer Abstraktion der Zeit in greifbare „Arbeitsstunden“ oder „Urlaubszeiten“ wird laut. Und darauf aufbauend: Das Verlangen nach einem abstrakten Gerechtigkeitsbegriff. Statt zu sagen: „Es soll allen gut gehen mit dem, was und wieviel sie tun“, sagen wir schnell: „Alle sollen das gleiche Maß an Arbeit verrichten bzw. die gleiche Anzahl an Urlaubswochen haben“. Nicht nur, dass 1 Stunde an 1 Tag sich anfühlen kann wie 8 Stunden an einem anderen. Nein, wer Arbeitsstunden normieren will, ist auch schnell dabei, die ganze Tätigkeit zu normieren: Was zählt als Arbeitszeit? Welche Tätigkeit ist wichtig, welche nicht? Was, wenn eine Person schneller oder „effizienter„ (was ist das?) arbeitet als die andere? Diese Fragen und Probleme und die Erkenntnis, dass es statt Gleichmacherei darum gehen sollte, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen, führen diese Abstraktions-Versuche schnell ad absurdum.</p>
<p>Ähnlich schwierig zu akzeptieren scheint auch die Gleichgewichtung aller Tätigkeit außerhalb der Projektes zu sein. Es sollte schließlich egal sein, ob einzelne außerhalb des Projektes (freiwillig) an der Uni büffeln oder in der Badewanne mit einem Glas Sekt liegen und sich ein gutes Buch zu Gemüte führen. Diese Akzeptanz erfordert allerdings eine hohe Selbstverantwortung und ein gutes Reflexionsvermögen.</p>
<p>Hinzu kommt: Der Acker ist vor der Tür. Wir wohnen zwar in verschiedenen WGs, aber doch zusammen auf einem Hof, und die räumliche Nähe führt zu einem Gefühl sozialer Kontrolle, das die oben beschriebenen Tendenzen verstärkt. Wir bekommen schließlich alles von den anderen mit. Ob eine räumliche Distanz das Problem löst oder nicht vielmehr beiseite schiebt, bleibt dahingestellt. Eine Lösung wären klare Vereinbarungen (z.B. feste Tage und Zeiten, in denen man im Projekt tätig ist) und trotzdem ein flexibler Umgang damit (z.B. andere spontane Absprachen, wenn die Zeiten mal nicht passen), um den Bedürfnissen der einzelnen im Jetzt den angemessenen Respekt zu zollen. Dann kann kollektiv nach einer Problemlösung gesucht werden, statt individuelle Schuldzuweisungen und Selbstausbeutungs-Forderungen zu formulieren. Angenommen, eine_r von uns ist überlastet, dann kann so z.B. gemeinsam nach Mithilfe gesucht werden, um der_dem Betroffenen entsprechenden Freiraum zu gewähren. Dennoch bleibt diese Frage bestehen und muss kontinuierlich neu beantwortet werden: Wie stehen individuelle Bedürfnisse im Jetzt und Verantwortung für im Kollektiv getroffene Vereinbarungen zueinander? Klar ist beides wichtig. Eine Grenze ist allerdings überschritten, wenn selbstbestimmte Tätigkeit zu abstrakter, entfremdeter Arbeit wird und es Menschen dadurch mittelfristig schlecht geht.</p>
<p>Wenn Tätigkeit wieder zur abstrakten Arbeit wird (ein fließender Übergang?), wird „der Rest der Zeit“ schnell wieder zur „Freizeit“. Letzteres macht Spaß. Das erstere „muss getan werden“. Sollte die aktuelle „Arbeits“situation tatsächlich unerträglich sein, kann die Wiedereinführung dieser Trennung in Arbeit und Freizeit ein Rettungsanker sein. Eine Möglichkeit zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Dazu braucht es aber sehr wahrscheinlich die oben beschriebene Normierung von Zeit und Tätigkeit. Wenigstens für eine_n selbst: „Ich hab so und so viel gearbeitet &#8211; deshalb hab ich jetzt frei!„. Eine Überwindung dieser Trennung und ein konkretes Tätigsein statt einer abstrakten, entfremdeten Arbeit sollten aber weiterhin die Losung bleiben.</p>
<p>Auch in unserem Tätigsein können sich andere (z.B. feministische) Ansprüche verlieren. Wenn das Gemüse ruft und wir alle Hände voll zu tun haben, stellt sich stereotypes Verhalten ein und bleibt wenig Zeit, unsere Privilegien zu reflektieren und uns gegenseitig Fähigkeiten beizubringen, vor deren Aneignung wir sonst Scheu hätten. Oder ich (ein männlich sozialisierter Gärtner) habe den ganzen Tag auf dem Acker verbracht, komme zurück in meine WG und ärgere mich darüber, dass ich, gerade ich (!), es bin, der um neun Uhr Abends noch anfangen „muss“ (!) zu kochen und zu spülen, weil es niemand anderes gemacht hat. Als ob die anderen Mitbewohner_Innen nichts zu tun gehabt hätten. Wir wollen die geschlechtliche Arbeitsteilung (produktiv / „männliche“ vs. reproduktiv / „weibliche„) überwinden? Pustekuchen!</p>
<p>Allgemein sei auch noch angemerkt, dass Landnutzung, um sie fachlich gut und angepasst betreiben zu können, ein mehrjähriges Engagement verlangt, das in Zeiten steigender Flexibilisierung und Unverbindlichkeit nicht so leicht organisierbar ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen könnte. Wir haben uns im Kollektiv auch nur für ein Jahr zusammengetan.</p>
<p>In diesem Sinne abschließend noch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Revolutionsromantiker: Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entstehen also nicht automatisch mit dem Wegfall der kapitalistischen Strukturen. Dies ist zwar eine notwendige Voraussetzung. Hinreichend wird es aber erst, wenn wir uns vom Kapitalismus in unserem Kopf befreien. Und dies ist ein langwieriger, kollektiver genauso wie individueller Prozess.</p>
<p><strong>Problemfeld 2: Lustprinzip und Verantwortung</strong></p>
<p>Auch in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft braucht es Verantwortung und Verbindlichkeit. Wir haben einer Gruppe von 60 Menschen zugesagt, für sie Gemüse zu produzieren. Damit rechnen sie. Zwar kann durch den weiterhin bestehenden Zugang zum kapitalistischen Markt ein Ernteausfall durch den Gang zum Supermarkt oder Container abgefedert werden. Aber die Vermeidung eines solchen Rückgriffs ist ja erklärtes Ziel des Projektes. Zwar ist anzunehmen, dass eine vernetzte, nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion entsprechende Lücken in der Versorgung durch Risikostreuung (verschiedene Anbaustandorte etc.) überbrücken kann. Aber (vielleicht) nicht, wenn alle Beteiligten (v.a. die Produzierenden) unbedingt dem Lustprinzip („Ich mach, wozu ich Lust habe.“) folgen. Das Lustprinzip kann zwar eine Leitlinie sein. Allerdings ist Landnutzung vor allem die Kunst, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Da kann die Witterung ein Handeln erzwingen, auf das mensch gerade keine Lust hat. Das erzeugt Druck. Druck, der aus gegenseitiger Abhängigkeit, Verantwortung und Verbindlichkeit und aus einem Arbeiten mit der Natur entsteht. Auch dieser wird in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft nicht gänzlich verschwinden. Wir mussten uns dieses Jahr zum Beispiel durch eine beispiellose Trockenheit kämpfen: Die Pflanzen warten nicht darauf, bis jemand Lust hat, sie zu gießen. Sie vertrocknen einfach.</p>
<p>Diesen Druck erzeugen wir allerdings auch durch uns selbst. Lohnenswert bleibt deshalb darüber nachzudenken, welches Handeln wir gerade für unbedingt erforderlich halten und welches nicht. Wie weit wollen wir das Lustprinzip hinten runterfallen lassen? Was passiert mit meiner Lust, wenn alles vertrocknet und es nix mehr zu ernten gibt? Wie weit geht unsere Verantwortung für andere? Ähnlich wie bei der Balance zwischen Kollektiv und Individuum bleibt es auch bei Lustprinzip und Verantwortung ein Lernprozess, die Situationen richtig einzuschätzen und aus Fehlern zu lernen.</p>
<p><strong>Problemfeld 3: Abhängigkeit vom Kapitalismus und die Frage nach dem technischen Niveau</strong></p>
<p>Es ist leider unmöglich, das technische Niveau einer nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Produktion abzusehen. Dafür müsste die Grundlage des technischen Potentials, nämlich die Rohstoffe dieser Erde, als globales Gemeingut eingerichtet werden. Dann könnte darüber verhandelt werden, ob überhaupt, wie und für welche Technik wir sie als Menschheit verwenden wollen. Die Ergebnisse dieses hypothetischen Aushandlungprozesses bleiben zwangsläufig unbekannt. Deshalb wird es zu dem Thema, welches technische Niveau einer nicht-kapitalistische Produktion angemessen ist, unterschiedlichste Einschätzungen geben.</p>
<p>Diese Unklarheit spielt in unserem landwirtschaftlichen Projekt folgendermaßen eine Rolle: Durch den Kauf moderner Technik greifen wir erstens auf die kapitalistische Gesellschaft und ihre Durchsetzungsmechanismen von Landraub, Vertreibung und Umweltzerstörung durch Rohstoffgewinnung und industrielle Produktion zurück. Deshalb können wir den Menschen, für deren Nahrungmittelversorgung wir Verantwortung übernehmen, nicht versprechen, dass es Traktoren und Landmaschinen in der heutigen Form in einer nicht-kapitalistischen Welt weiterhin geben wird. Schlimmer noch könnte es sein, dass das Wissen um weniger technisierte Anbauverfahren in der Zwischenzeit verloren geht und damit die Nahrungsmittelversorgung in Frage gestellt wird.</p>
<p>Ganz konkret entsteht durch den Rückgriff auf die kapitalistischen Durchsetzungsmechanismen besonders dann ein Bedürfniskonflikt, wenn ich mich nach Rationalisierung und effektiver „Arbeitswirtschaft“ statt „Selbstausbeutung“, durch arbeitserleichternde Landmaschinen sehne und sich auf der anderen Seite eine Bäuerin in Bergbaugebieten in Chile wünscht, dass ich dem kapitalistischen Zwangssystem, das ihre Lebensgrundlage zerstört, keinen Vorschub leiste, indem ich darauf basierende Waren kaufe.</p>
<p>Wollen oder können wir die Produktion von Landmaschinen nicht selbst organisieren, können wir dem Dilemma aus dem Weg gehen, indem wir die nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion mit wenig technisierten Verfahren organisieren und bei der Anschaffung neuer Geräte auf die lange Haltbarkeit, einfache Reparierbarkeit, Recycelbarkeit und Durchschaubarkeit der Technik achten sowie deren ökologische Verträglichkeit in Produktion und Nutzung sowie den Enfremdungsgrad für die Produzierenden und Nutzer_Innen prüfen. Die eventuell entstehende Mehrarbeit in einem wenig technisierten System könnte auch, wenn gewollt, von der Gemeinschaft um das Projektkollektiv erledigt werden, um einem Gefühl der Selbstausbeutung und Monotonie der Hauptproduzierenden vorzubeugen.</p>
<p>Ein weiterer Schritt, um die Abhängigkeit vom Kapitalismus zu mindern, wäre es, die laufenden Kosten zu minimieren, d.h. das Produktions-System unabhängiger von Geld-Inputs zu machen. Größere Investitionen in Infrastruktur sollten dann nur getätigt werden, wenn sie uns langfristig unabhängiger von Geld-Inputs machen: ausgeklügelte Handmaschinen, Ölpressen zur Kraftstoffgewinnung, Infrastruktur/Geräte zur eigenen Saatgut-Gewinnung; oder andere Betriebe in das Netzwerk integrieren, die diese Möglichkeiten haben.</p>
<p><strong>Problemfeld 4: Fehlende Selbstorganisation im Netzwerk und Erweiterung des Konzeptes</strong></p>
<p>Genauso wie wir Gärtner_innen in unserem Tätigsein Aspekte der „arbeits-wahnsinnigen„ Gesellschaft verinnerlicht haben, so haben die “Begärtnerten„ sehr wahrscheinlich eine Konsumhaltung verinnerlicht. Gerade auch der freiwillige, monatliche finanzielle Beitrag kann diese Haltung verstärken. Während sich einige eine weitreichende Selbstorganisation als radikales Experiment gegen den Kapitalismus wünschen, ist anderen die “alternativen Gemüsebeschaffungsmaßnahme„ revolutionär genug. Wichtig, um Enttäuschungen durch diese Tendenz vorzubeugen, kann die Formulierung der gemeinsamen Vision sein und darauf folgend die selbstbestimmte, aber verantwortliche Übernahme von anfallenden Aufgaben (in der oder um die Produktion herum) je nach den Fähigkeiten und Wünschen der “Begärtnerten„. In diesem Dialog können dann auch Hindernisse auf dem Weg der Selbstorganisation (Prioritätensetzung, Zeit- und / oder Geldmangel, fehlende Transparenz, Unlust etc.) gemeinsam beschrieben und überwunden werden.</p>
<p>Wenn die Vision auch eine Ausweitung der schenkökonomischen Prinzipien auf andere Lebensbereiche beinhaltet, macht es Sinn, eine Vernetzung mit anderen umsonstökonomischen Projekten anzustreben und zu forcieren. Innerhalb des Projektes wäre es weiterhin auch möglich, die Bedürfnis-Befriedigung der „Produzierenden“(d.h. uns Gärtner_innen), nicht durch Geld, sondern durch die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu decken. So könnte ein Begärtnerter, der gleichzeitig Arzt ist, andere in der Gemeinschaft, vor allem aber die Gärtner_innen, umsonst behandeln. Oder der Schlosser im Netzwerk könnte unsere Maschinen umsonst reparieren. Damit werden scheinbar erst mal unvermeidbare finanzielle Kosten (hier z. B. Geld für Krankenversicherung oder Werkstattkosten) irgendwann wegfallen.</p>
<p><strong>Problemfeld 5: Investitionen in und Zugang zu Produktionsmitteln</strong></p>
<p>Das oben beschriebene Budget beinhaltet weder den Kauf von Hof und Land noch die Investition in teurere Produktionsmittel. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden: Zum Beispiel durch das Abschreiben und Einbeziehen der Investitionen in das Budget oder die Einrichtung eines Fonds für nicht-kapitalistische Projekte, in den geneigte und betuchte Menschen Gelder investieren, die dann entweder eine Sicherheit für Kredite bieten oder direkt für den Kauf von Produktionsmitteln verwendet werden. Beispiele dafür gibt es z.B. in Frankreich.</p>
<p>Diese Produktionsmittel sollten dann für ein langfristig angelegtes nicht-kapitalistisches Experiment unumkehrbar entprivatisiert werden. Dafür braucht es eine Rechtsform, die genau diese nicht-kapitalistische, ökologischen Nutzungsbestimmungen festschreibt und verankert. Dies würde auch der Forderung Rechnung tragen, dass Land von jenen bewirtschaftet werden sollte, die es am ehesten im Einklang mit den Bedürfnissen der zu versorgenden Gemeinschaft und den ökologischen Gesetzmäßigkeiten nutzen.</p>
<p><strong>Problemfeld 6: Der Zugang zu den zur Zeit begrenzten nicht-kapitalistischen Erzeugnissen</strong></p>
<p>Ähnlich wichtig wäre die Beantwortung der Frage danach, wer Zugang zu den nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bekommt. Nicht-kapitalistisches Gemüse ist unter jetzigen Verhältnissen ein begrenztes Gut. Die Wartelisten von uns ähnlichen Höfen zeigen auch, dass sich das Problem nicht „einfach“ bzw. kurzfristig mit der „Neugründung weiterer Projekte“ oder der „Vergrößerung“ bestehender Projekte lösen lässt. Dies wäre die ideale Lösung und ihr sollte die meiste Energie zufließen.</p>
<p>Wer hat also Zugang zu den Erzeugnissen? Diejenigen, die als erste da waren? Die mit den besseren persönlichen Connections? Auf jeden Fall nicht (nur) diejenigen, die (am meisten) zahlen? Oder jene, die die brauchbarsten Fähigkeiten einbringen? Wohl eher auch nicht. Schließlich geht es um die Entkoppelung von Geben und Nehmen. Ohne die Frage abschließend beantworten zu können, bleibt klar: Das finanzielle Budget des Projektes muss gedeckt werden. Und alle Beteiligten sollen glücklich sein. Im Ergebnis wohl ein weiterer Aushandlungsprozess.</p>
<p>Eine weitere Frage des Zugangs stellt sich, wenn wir reflektieren, dass unser Projekt zumeist aus Menschen der weißen Ober- und Mittelklasse besteht. Was ist mit sozial Ausgegrenzten? Wir stellen unser Gemüse zwar auch illegalisierten Migrant_innen in der Umgebung zur Verfügung. Diese sind allerdings nicht organisiert, wurden an den Stadtrand gedrängt, und es bestehen deshalb Barrieren auf Grund fehlender Mobilität (keine Fahrräder, kein Geld für die Öffentlichen), sozialer Isolation und auch unterschiedlicher Sprachen. Die Abholung und Verteilung der Produkte steht und fällt deshalb mit den wenigen Migrant_innen, bei denen diese Barrieren überwindbar sind und zu denen wir deshalb einen Kontakt aufbauen konnten. Hier wäre kontinuierlicher Austausch mit den Menschen vor Ort nötig. Einfacher hingegen könnte die Arbeit mit organisierten Zusammenhängen sein (z.B. Erwerblosen- und Flüchtlingsinitiativen), zu denen wir Kontakt aufzubauen versuchen.</p>
<p><strong>Die Zukunft. Kommende Herausforderungen</strong></p>
<p>Überzeugt von dem Potential dieser Idee erwarten wir, dass sich in Zukunft Fragen nach der Erweiterung auf zwei Ebenen stellen.</p>
<p>Wir könnten regional mehr Gemüse und auch mehr Produkte nach diesem Modell organisieren. Hier sind Imker_innen und Obstbäuer_innen bereits am Grübeln. Allerdings stellt sich die Frage der Organisierung neu, wenn immer mehr Menschen in einer Region Teil des Projektes werden. Wie können wir uns in Großgruppen methodisch organisieren? Ab wann müssen wir uns aufteilen und wollen wir delegieren?</p>
<p>Außerdem könnten wir uns überregional umschauen, wo unser Wein und unsere Avocados herkommen könnten. Wer stellt diese zu Verfügung? Was für Bedürfnisse haben deren Produzent_innen? Können wir dazu irgendetwas beitragen? Wird es dann nicht wieder zum Tausch? Kohl wollen sie in Spanien als Gegenleistung doch eh nicht haben.</p>
<p>Wenn die beschriebene Gegenseitigkeit also weiter ausgedehnt werden soll, wird es umso komplizierter. Es stellen sich ganze neue Fragen der Organisierung, Bedarfserfassung, Logistik, Ausstattung und Finanzierung. Fragen also, die wohl am besten im Tun beantwortet werden können.</p>
<p>Abschließend sei auch noch auf das „Netzwerk Solidarische Landwirtschaft“ hingewiesen (<a title="www.solidarische-landwirtschaft.org/" href="http://www.solidarische-landwirtschaft.org/">www.solidarische-landwirtschaft.org/</a>), dass versucht bestehende, ähnliche Projekte zu vernetzen, Neugründungen zu unterstützen und die Idee in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.</p>
<h3>Endliche Ressourcen als Gemeingut</h3>
<p>Was wäre wenn &#8230; wir über die Nutzung von Bodenschätzen global, gemeinsam und gleichberechtigt entschieden?</p>
<p><strong>Definition</strong></p>
<p>Bodenschätze, also alle endlichen Ressourcen dieses Planeten, sind prädestiniert dafür als Gemeingut zu gelten. Ob, wie und wofür diese gewonnen und genutzt werden, sollte von der gesamten Menschheit kollektiv in einem gleichberechtigten Prozess ausgehandelt werden.</p>
<p>Denn die regionale Verteilung dieser Stoffe ist zufällig, ungleich und ihre Vorkommen begrenzt. Es wäre daher absurd, nur denen eine Nutzung zu ermöglichen, die zufällig in dieser Region leben. Denn das Bedürfnis zur Nutzung dieser Ressourcen ist global. Diese Kombination aus breitem Interesse und Begrenztheit lässt Interessenkonflikte wahrscheinlich werden und verlangt deshalb umso mehr nach einer kooperativen und gleichberechtigten Aushandlung.</p>
<p>Diese Begrenztheit verlangt ebenfalls, dass die Ressourcen zwar genutzt werden können aber so verarbeitet werden sollten, dass sie nicht verbraucht, sondern trotz der temporären Verwendung, langfristig (d.h. möglichst unverändert) und unkompliziert (d.h. ohne großen energetischen oder technischen Aufwand) wieder zurück gewonnen werden können.</p>
<p>Eine Möglichkeit zur Lösung der Mengenfrage, wäre, die Nutzungsrechte der zur Zeit nutzbaren endlichen Ressourcen anteilig und gleichmäßig auf alle Menschen aufzuteilen. Damit hätten dann einzelne Menschen individuell und ihre Gemeinschaften kollektiv ein Budget an Ressourcen, das sie nutzen „dürfen“. Wofür und für wen sie diese Nutzen wollen oder ob sie ihre Anteile zusammenlegen oder anderen zur Verfügung stellen wollen, könnte dann auf kleinerer Ebene entschieden werden.</p>
<p>Auch ist anzumerken, dass der Abbau endlicher Ressourcen erhebliche Verwüstungen ganzer Landstriche in der betroffenen Region verursacht und damit extreme ökologische und soziale Schäden anrichtet. Die Leidtragenden sind hier zu aller erst die dortigen Ökosysteme und die darin lebenden Menschen. Für sie geht es nicht einfach „nur“ um Teilhabe an der Nutzung der Ressource sondern um die existenzielle Beeinträchtigung ihrer Lebensgrundlage und Lebensumwelt durch Abbau und Begleitprozesse.</p>
<p><strong>Erarbeitung von Vorschlägen für diesen globale Aushandlungs-Prozesses</strong></p>
<p>Für diesen globalen Aushandlungsprozess müssen Menschen individuell und kollektiv in ihren Gemeinschaften grundsätzliche Fragen klären: Wie und mit welcher Technik möchte ich meine Bedürfnisse und die dafür nötige Produktion organisieren? Wie viele endliche Ressourcen benötigen ich oder wir dafür? Wie erreichen wie optimale Möglichkeiten zur Wiederverwertung? Und vorausgesetzt, es gibt ein globales Interesse an der Nutzung der aus den Ressourcen produzierten Gütern: Ist deren Produktion bzw. der daraus erwachsende Nutzen verallgemeinerbar? Wenn nein: Wie bekommen wir ein ähnlich zufriedenstellendes Resultat mit geringerem Ressourcen-Bedarf?</p>
<p>Gibt es demnach Ideen und Interesse zur Nutzung bestimmter Ressourcen, müssen weitere Fragen geklärt werden. Wer organisiert den Produktionsprozess von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt? Wie kann diese Produktion (insbesondere der Abbau) mit möglichst wenig Schaden organisiert werden? Sinnvoll wäre es bereits zu diesem Zeitpunkt zu überlegen, woher mensch die benötigten Stoffen bekommt, um im Vorhinein Vereinbarungen und Absprachen zu den Details des Abbaus mit den Bewohner_Innen der betroffenen Regionen zu finden.</p>
<p>Durch die Beantwortung dieser sicherlich nicht erschöpfenden Fragen können dann konkrete Vorschläge und Ideen ausgearbeitet, die dann in Kooperation mit anderen Menschen umgesetzt werden können Ablauf des Aushandlungs-Prozesses</p>
<p>Hat eine Projektgruppen dann alles für ihre Unternehmung zusammen, ist es notwendig, dass das Vorhaben global transparent gemacht wird. Diese Beschreibung sollte enthalten inwiefern das Produkt die oben genannten Kritierien (Notwendigkeit zur Bedürfnisbefriedigung, weitgehende Reduzierung des Ressourcenverbrauchs/ Verallgemeinerbarkeit, Recycelbarkeit, Langlebigkeit und Reparierbarkeit) erfüllt. Des weiteren sollte ersichtlich sein, dass die benötigten Stoffe noch im oben genannten „Ressourcen-Budget“ der Beteiligten und Nutzer_Innen „drin sind“. Dies würde die globale Klasse der „Hochindustrialisierten“ erstmals ausschließen bis diese ihren Verbrauch drastisch reduziert haben.</p>
<p>Dieses Vorgehen ermöglicht einen offene Prozess in dem andere Interessierte oder Betroffene, Verbesserungen, Vorschläge, Kritik oder andere Anmerkungen einbringen könnten. Sicher werden einige Vorschlägen Kontroversen und direkte Interventionen erzeugen. Die Ergebnisse wären aus heutiger Perspektive nicht vorhersehbar. Sicher scheint, dass durch diesen Prozess die Ressourcennutzung gründlich umgekrempelt würde. Nicht zuletzt weil darin auf die Bedürfnisse der regionalen Gemeinschaften in den Abbaugebieten besonders berücksichtigt würden. Dieses von Initiative und Intervention geprägte System bliebe dynamisch genug um die menschliche Kreativität nicht unnötig zu hemmen. Die Produktion organisieren jene, die ein Interesse an den Produkten haben.</p>
<p>Spätestens jetzt stellt sich allerdings bei diesem Prozess, wie bei viele anderen globalen Problemen, die Frage, wie und wo dieser Aushandlungsprozess und die Bekanntgabe der Vorschläge denn von statten gehen soll. Das Internet könnte hier vielleicht die nötige Transparenz und in geringerem Umfang die nötige Kommunikation schaffen. Allerdings müsste dafür zu aller erst die globale IT-Infrastruktur und dessen endlicher Ressourcen-Verbrauch an sich verhandelt werden.</p>
<p>Für alle konkreteren Schritte der Umsetzung bleiben wahrscheinlich weiterhin andere, direktere Kommunktionsformen (von Telefon, Radio bis physischen Treffen von Interessierten oder Betroffenen ist alles denkbar) nötig, deren Nutzung sehr wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, um die Fülle an Informationen auszutauschen. Ob und wie die Beschaffenheit dieses Aushandlungsprozesses die Nutzung der Ressourcen und die daraus entwickelte Technik verändert, bleibt abzuwarten.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten in diesen komplexen Prozess mit ausreichend Selbstreflektion und Selbstorganisationsvermögen einsteigen.</p>
<p><strong>Fazit und praktische Konsequenzen für die Selbstorganisation im Hier und Jetzt</strong></p>
<p>Wenn wir darüber nachdenken, eine schenkökonomische Produktion zu organisieren, kommen wir um die Frage der endlichen Ressourcen nicht herum. Konsequent wäre es eigentlich mit der Organisierung dieses Ursprungs jeglicher Produktion zu beginnen. Erst in diesem Prozess könnte sich dann das technische Niveau einer selbstorganisierten Produktion abzeichnen. Zum Beispiel ob und in welcher Form die sogenannten „erneuerbaren Energien“ (die ja in Produktion und Leitungsnetzen auch auf endlichen Ressouren basieren) eine Rolle spielen. Alles andere bleibt Spekulation.</p>
<p>Die Diskussion zeigt allerdings auch die Notwendigkeit von Technik, die komplett auf erneuerbaren Ressourcen basiert. Weitere Kriterien für eine emanzipatorische Technikentwicklung könnten die einfache Recycelbarkeit und eine möglichst lange Lebensdauer aller Produkte sein. Entscheidet man sich für die vereinfachte Version, in der allen Menschen ein fairer Teil der globalen Ressourcen zugeteilt wird, ist absehbar, dass sich zum Beispiel der bundesdeutsche Ressourcenverbrauch auf 1/10 des jetzigen Niveaus absenken müsste.</p>
<p>All dies gilt es in der Öffentlichkeit, aber vor allem auch in den diversen sozialen Bewegungen bewusst zu machen. Ganz konkret gilt es auch, sich mit dem Widerstand gegen den zerstörerischen Abbau von endlichen Ressourcen, vor allem auch im globale Süden, zu solidarisieren und eigene direkte Aktionen gegen die entsprechenden Akteure zu starten.</p>
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		</item>
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		<title>COM&#8217;ON: Gesellschaftskonzepte</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 13:29:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Welche Gesellschaftskonzepte werden in der Commons-Debatte diskutiert?« (Moderation: Annette Schlemm, Protokoll: Jana Flemming): Eigene Verwicklung in Commons 12 Jahre Erfahrung in Landkommune (ohne Eigentum, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="commons-based queer production" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Bei der <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM&#8217;ON-Tagung</a> am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Welche Gesellschaftskonzepte werden in der Commons-Debatte diskutiert?« (Moderation: Annette Schlemm, Protokoll: Jana Flemming):</p>
<h3>Eigene Verwicklung in Commons</h3>
<ul>
<li>12 Jahre Erfahrung in Landkommune (ohne Eigentum, Solidarische Ökonomie)</li>
<li>Projekte in denen Momente nicht kommerziellen Lebens durchgesetzt werden</li>
<li>Politik und Landwirtschaft</li>
</ul>
<ul>
<li>Mies, Thomson: Produktionsweisen, die nicht kapitalistisch sind und immer vor und neben kap. Produktionsweisen existiert</li>
<li>subsistenzorientiert</li>
<li>Nicht-Geldökonomie und Nichtwarentausch so weit es geht, auch offensiv vertreten: nach gegenseitigem Gefühl (auch beim Steuerberater, Zahnarzt)</li>
<li>Projektwerkstatt auf Gegenseitigkeit, seit ca. 10 Jahren
<ul>
<li>selbstkritische Reflektion von Leuten aus der Kollektiveszene</li>
<li>Formeln finden, die zu einer Entschärfung des Privateigentums beitragen</li>
</ul>
</li>
<li>Landkommune aufgebaut</li>
<li>bewußter Ausstieg, denn: für 25h Arbeit pro Woche 300 €</li>
<li>Frage der Produktivität</li>
<li>gesellschaftliche Nützlichkeit? Bio sollte sein, aber auch oft irrationale Elemente
<ul>
<li>Bsp. Schaffleisch Bio aus Neuseeland hat besseren CO2-Footprint als regional im LKW transportiertes (für dass der_die Bäuer_in eh nur nen Hartz4-Satz verdient)</li>
</ul>
</li>
<li>Wie individueller Anreize schaffen, sich an Commons zu beteiligen?</li>
<li>Zwischenraumnutzung in Berlin für kulturpolitische Projekte</li>
<li>Haken: es muß immer mehr bezahlt werden (Miete z.B.), aber es passiert alles auf lohnfreier Arbeit</li>
<li>gescheitertes Projekt, Hausgruppe zu bilden; Mietshäusersyndikat</li>
<li>Ethnologiestudium, bestimmte Formen von Eigentum und gesellschaftlicher Organisierung</li>
<li>Permakultur</li>
<li>realsozialistische Beobachtung, nach der Wende Kommunen im Westen angeschaut</li>
<li>Alternativen im Osten erzählt</li>
<li>Tauschring → adäquates Tauschen hat auch blockiert</li>
<li>theoretische Auseinandersetzung</li>
<li>Umsonstladen
<ul>
<li>aus gescheiterten Erfahrungen was Neues machen</li>
</ul>
</li>
</ul>
<h3>Welche Gesellschaftskonzepte werden in der Commons-Debatte diskutiert?</h3>
<ul>
<li>Zeitlich: Gemeinschaftlich vorkapitalistische, kapitalistisch, postkapitalistisch</li>
<li>Querschnittsorientiert: Gesellschaft als Kulturen</li>
<li>ist eine postkapitalistische Geschichte, kann es zumindest sein</li>
<li>wird notwendig dadurch, dass es in jetziger Gesellschaft so viele Konflikte und Krisen gibt, die sich noch verschärfen werden…</li>
<li>attraktives Bild von Emanzipation
<ul>
<li>der Emanzipationsbegriff immer etwas verstaubt</li>
<li>Commons sind an Bedürfnissen und deren Bedürfnissen orientiert</li>
<li>werden über die dominante Produktion nicht mehr reproduziert</li>
<li>Freiräume schaffen, in denen Inklusionslogik (Selbstentfaltung durch andere und das Gemeinsame, nicht dagegen, auf Kosten anderer…. ist strukturell verankert) dominiert</li>
</ul>
</li>
<li>Anomalie in der Verwertungslogik, kann aber nicht den Kapitalismus produzieren (S. Nuss)
<ul>
<li>der Kapitalismus produziert sein Aussen und lebt davon ↔ oder als Widerspruch: Keimform für das Kommende, Zuspitzung zur Krise als allgemeine Umfeldbedingung</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li>Keimform für neuen Rechtsradikalismus&#8230;? (wäre dann keine „Keimform“, denn wir gehen bei der Bestimmung dieser Kategorie von einem bestimmten Entwicklungskonzept aus, das jeweils „Keime“ für historisch fortschrittlich-Neues antizipiert.)</li>
<li>Zum Entwicklungskonzept und zur Kategorie „Keimform“: in bestimmten Gesellschaftsformen gibt es immer schon bestimmte Bedingungen und Praxen, die in der zeitlich darauf folgendenen dann dominant sind</li>
<li>wichtig: es muss nicht zwangsläufig so sein (d.h. der genaue Weg ist nicht vor-determiniert)</li>
<li>Anomalie oder Keimform lässt sich nur im Rückschluss feststellen</li>
<li>aber auch: soll es denn eine Keimform sein oder nicht?
<ul>
<li>Gleichsetzung von Commons und Öffentlichkeit ist problematisch, wegen staatlicher Organisierung im „öffentlichen Bereich“</li>
<li>öffentlicher Nahverkehr ist daher wichtig, aber keine Keimform</li>
<li>Experimente entwickeln und die mit bestimmter politischer und Öffentlichkeitsarbeit begleiten</li>
</ul>
</li>
</ul>
<ul>
<li>der &#8216;ganz große Weg&#8217; kann abschrecken</li>
<li>missionarisch oder erklärend ist die Frage</li>
<li>es gibt verschiedene Foren, Leute die schon aktiviert sind</li>
<li>Widersprüche treiben die Entwicklung voran</li>
</ul>
<h3>2.Runde</h3>
<ul>
<li>Dämme bauen (der kapitalistisch-neoliberalen Logik etwas entgegensetzen) und Schiffe bauen (darüber hinaus)</li>
<li>Gleichheit und Ungleichheit, Vorteile und Nachteile</li>
<li>Regeln, darf es Autoritäten geben?</li>
<li>Wie müssten Gesellschaft organisiert sein unter Aspekten wie Grenzen des Wachstums, Ökologie, etc.?</li>
<li>Sensibilität für Ein- und Ausschlußfragen</li>
<li>Gewichtung von Bedürfnissen</li>
</ul>
<h3>Zusammenfassung:</h3>
<ul>
<li>Bezug zu Commons in <em>vor</em>kapitalistischen Gesellschaftsformen: Übereinstimmung, dass es Commons immer gab…</li>
<li>Bezug zu Commons <em>nach</em> dem Kapitalismus: weite Einigkeit,dass es Sinn macht diese nachkapitalistische Gesellschaft als Gesellschaft von Commons und Commoners zu antizipieren</li>
<li>Bezug zu Commons <em>im</em>Kapitalismus: Dazu wurden verschiedene mögliche Positionen genannt:
<ol>
<li>Commons als Anomalie</li>
<li>Commons als Keimform (d.h. Kapitalismus als System wird damit kritisiert)</li>
<li>Commons, bei denen nur bestimmte Bereiche dem neoliberalen Zugriff entzogen werden sollen (ohne den Kapitalismus als Ganzes in Frage zu stellen)</li>
</ol>
</li>
<li>Die meisten Anwesenden vertraten eher 2 und wünschten sich, dass Praxen aus dem Bereich 3 sich auch in diese Richtung entwickeln. Übereinstimmend wurde festgestellt, dass das nicht auf „missionarische“ Weise geschehen darf. Vorgeschlagen wurde ein widerspruchsorientiertes Vorgehen (auf Widersprüche in der Praxis von 3., also etwa die Erfolglosigkeit kommunaler Versuche, die Klimabilanz zu verbessern, zu verweisen und das Denken und die Praxis von da her weiter zu treiben). Ein Teilnehmer widersprach dem &#8211; möchte das „Dämme bauen“ (gegen neoliberale Angriffe) und das Schiffe-Bauen (Projekte für das Neue) stark voneinander trennen…</li>
</ul>
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		<title>COM&#8217;ON: Commons pushen</title>
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		<pubDate>Sun, 25 Dec 2011 06:06:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Was braucht es, um Commons zu pushen?« (Moderation: Brigitte Kratzwald, Protokoll: Stefan Meretz). Los geht&#8217;s: In der ersten Runde wurden zwei Vorschläge besprochen: Legal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="commons-based queer production" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Bei der <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM&#8217;ON-Tagung</a> am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Was braucht es, um Commons zu pushen?« (Moderation: Brigitte Kratzwald, Protokoll: Stefan Meretz). Los geht&#8217;s:</p>
<p>In der ersten Runde wurden zwei Vorschläge besprochen: </p>
<ol>
<li>Legal Hacking: Durch kreative Anwendung des geltenden Rechts können die ursprünglichen Intentionen des Rechts (Durchsetzung der Knappheit, Marktintegration, Verwertung) umgedreht werden. Als Beispiel wurden das Copyleft (Copyright als Exklusionsrecht genutzt, um die Zugänglichkeit zu dem Gut für alle dauerhaft zu sichern) und das Mietshäusersyndikat (GmbH plus Vereinskonstruktion, um Wohnraum dauerhaft dem Markt zu entziehen) genannt.</li>
<li>Freiräume schaffen: Commons sind vor allem eine lebendige Erfahrung, die nicht durch noch so klare Definitionen ersetzt werden kann. Daher brauchen wir Räume, in denen Commons-Erfahrungen gemacht und organisiert werden können. Diese Freiräume müssen gezielt geschaffen werden. Als Beispiele wurden die Bewegung „Uni brennt“ (in Österreich, in Dld. „Bildungsstreik“) und „Occupy“ genannt.</li>
</ol>
<p>Eine wichtige Diskussion in beiden Tischrunden war die Frage, welche Rolle das Geld spielen kann oder darf. In der zweiten Runde wurde die These formuliert, dass die von Stefan Meretz vorgeschlagene Abgrenzung zur „Ware“ zu eng ist und viele Commons-Ansätze ausschließe. Die Stärke der Commons sei doch bisher ihre Ungenauigkeit in der Definition gewesen, auf der ihre Offenheit beruhe. Dem wurde (mit einem Lachen) entgegnet, dass normalerweise umgekehrt die Ungenauigkeit in der Definition als Schwäche genannt werde.</p>
<p>Inhaltlich wurde klargestellt, dass nicht die Absenz von Geld ein Commons-Kriterium sei, was in der kapitalistischen Gesellschaft schlicht nicht gehen würde. Sondern es ginge darum, welche Funktion und welchen Einfluss das Geld auf die interne Commonsdynamik der Beteiligten habe, so dass die Commons stabil „jenseits von Markt und Staat“ agieren könnten. Das angeführte Kriterium des Nicht-Ware-Seins zielt dagegen auf zwei zentrale Punkte ab:</p>
<ol>
<li>Werden die Commons-Ressourcen oder -Produkte als Ware hergestellt und verkauft oder werden die Commons weiterhin als Commons nach selbst gesetzten Regeln verteilt (innerhalb der Community oder darüber hinaus)?</li>
<li>Ist der Zugang zur Nutzung von Commons-Ressourcen oder -Produkten abhängig von einem Tausch, also einer „Gegengabe“, oder sind Geben und Nehmen prinzipiell entkoppelt und durch das Prinzip „Beitragen statt Tauschen“ ersetzt? Es ist ein Unterschied ob durchschnittlich genug Beiträge zusammenkommen müssen, oder ob der je Einzelne zu einem äquivalenten Tausch genötigt wird.</li>
</ol>
<p>Ein weiteres Diskussionsthema war die Durchbrechung des Dualismus von Markt und Staat mittels der Commons. Es sei wichtig, die wechselseitige Abhängigkeit und Durchdringung von Markt und Staat zu verstehen: Der Staat kann nur agieren, wenn er Steuereinnahmen erzielt, was eine gelingende Verwertung und Märkte voraussetzt, weshalb er stets zu einer solchen Politik genötigt ist, die jene Verwertung und Märkte ermöglichen. Dies gelte verschärft unter den Bedingungen der strukturellen Verschuldung.</p>
<p>Die Partei DIE LINKE sei in dem Dualismus von Markt und Staat befangen, so dass ihr zum Beispiel Re-Kommunalisierung immer nur als Wiederverstaatlichung (in welcher Form auch immer, auch über kommunale Betriebe etc.) einfalle. Der Commons-Ansatz hingegen zielt prinzipiell darauf ab, eine Ressource und ihre Produktion so weit es geht, der Marktlogik zu entziehen. Dies schließe aber notwendig (wegen der o.g. wechselseitigen Abhängigkeit) auch eine Staatsferne ein. In der Vergangenheit sei es der Staat gewesen, der allgemeine oder öffentliche Ressourcen und Güter in die Verwertungslogik überführt habe (Privatisierung). Welche Form eine solche Markt- und Staatsferne haben könne, wurde nicht diskutiert.</p>
<p>Schließlich war noch einmal das von Stefan Meretz vorgestellte Verhältnis von einen Drittel Produktion in der Warenform zu zwei Drittel Produktion außerhalb der Warenform (bezogen auf die gesellschaftlich notwendigen Tätigkeiten) Thema [Anm.: Online nachzulesen hier: <a href="../2010/produktive-schweine-und-unproduktive-kinder/">http://keimform.de/2010/produktive-schweine-und-unproduktive-kinder/</a> ].</p>
<p>Es wurde angemerkt, dass zu dem einen Drittel der Warenproduktion auch solche verzichtbaren Tätigkeiten gehören wie die Bewegung von Geld in allen Formen (Banken, Handel, Versicherungen etc.) oder die repressive Durchsetzung von Gängeleien und Arbeitsverpflichtungen etwa durch Arbeitsagenturen. Würde man alle verzichtbaren Tätigkeiten streichen, sei der produktive Kern des Kapitalismus recht klein, dessen „Streichung“ dann als nicht so eine große Aufgabe erscheine. Dem wurde entgegengehalten, dass die geldlichen und repressiven Tätigkeiten untrennbar zum Kapitalismus hinzugehören und insofern „notwendige Tätigkeiten“ darstellen. Ferner sei auch der Bereich der Nicht-Warenform vom Warenbereich abhängig und könne erst auf diesen verzichten, wenn sich insgesamt eine Produktionsweise durchgesetzt habe, die nicht mehr auf Ware, Tausch, Geld und Markt basiert. Eine gesellschaftliche Transformation betreffe also stets die ganze Gesellschaft und lässt sich nicht in Teilbereichen vollziehen.</p>
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		<title>COM&#8217;ON: Produktionsstrukturen transformieren</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Dec 2011 06:37:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christian Siefkes</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Einen der besten Aspekte des COM’ON—Workshop vom letzten Samstag fand ich die Art und Weise der Durchführung. Das übliche Vortrags- und Fragen+Antworten-Spiel im großen Kreis fehlte fast völlig, stattdessen gab es nach den vier kurzen (je 15 Minuten) Inputvorträgen zu Beginn nur Diskussion in wechselnden Kleingruppen von je etwa zehn bis fünfzehn Leuten. Nachmittags fand [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="Commons-based queer production (zum Vergrößern klicken)" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Einen der besten Aspekte des <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM’ON—Workshop</a> vom letzten Samstag fand ich die Art und Weise der Durchführung. Das übliche Vortrags- und Fragen+Antworten-Spiel im großen Kreis fehlte fast völlig, stattdessen gab es nach den vier kurzen (je 15 Minuten) Inputvorträgen zu Beginn nur Diskussion in wechselnden Kleingruppen von je etwa zehn bis fünfzehn Leuten. Nachmittags fand ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/World-Caf%C3%A9">World-Café</a> statt, wo an fünf Tischen parallel unterschiedliche Aspekte der Commons diskutiert wurden. Dieser Beitrag dokumentiert die Debatte an „meinem“ Tisch zum Thema: „Was passiert mit den bestehenden Produktionsstrukturen im Falle einer gesellschaftlichen Transformation?“</p>
<p>An jedem Tisch ging es zunächst 30 Minuten lang darum, wie die Anwesenden praktisch-alltäglich in Commons verwickelt sind; anschließend gab es zwei ebenso lange Runden zu der speziellen Frage des Tisches. Nach jeder Runde konnte man den Tisch und damit das Thema wechseln; nur die jeweilige „Gastgeber/in“ und die Protokollant/in bleiben, um für Kontinuität zu sorgen. Das folgende Protokoll stammt von Katja aus Jena (vielen Dank!); es wurde von mir etwas erweitert und ergänzt.</p>
<div id="erste-runde">
<h3>Erste Runde</h3>
<p>Konkretisierung:</p>
<ul>
<li>Könnten die vorhandenen Produktionsmittel und -strukturen von einer commonsbasierten Gesellschaft einfach nur übernommen und quasi unverändert weiter genutzt werden („Enteignung/Vergesellschaftung“)?</li>
<li>Oder sind sie so kapitalistisch überformt, dass Commoners quasi komplett von vorne anfangen und alles neu machen müssten?</li>
<li>Oder gibt es Zwischenwege – teilweise Übernahme, Weiterentwicklung, Anpassung und Umnutzung der vorhandenen Produktionsmittel?</li>
</ul>
<p>Positionen:</p>
<ul>
<li>Es kann jedenfalls nicht alles übernommen werden, da die jetzige Produktion profitorientiert ist und damit nicht für eine commons-basierte Gesellschaft geeignet: „Kann es ein Commons-Fließband geben? Nein!“ Es wird bei commonsbasierter Peer-Produktion also andere Produktionsmittel (PM) und Arbeitszusammenhänge geben.</li>
<li>Commons und Peer-Produktion erfordern die Neuentwicklung von Produktionsmittel, die Selbstentfaltung unterstützen und zugleich Ergebnis von Selbstentfaltung sind (Bsp. Wikipedia).</li>
<li>Umwidmung ist aber auch möglich, wie die Computer als altes PM zeigen, die Selbstentfaltung ermöglichen, ohne aber selber Ergebnis von Selbstentfaltung zu sein (heute). Ohne Computer u.ä. wird es nicht gehen, es geht also darum, ihre Herstellung so umzuorganisieren, dass sie ebenfalls selbstentfaltet erfolgt.</li>
<li>Was mit Produktionsstrukturen konkret gemeint ist und wie sie aussehen werden, werden die Commoners vor Ort selbst entscheiden, hier können wir nur allgemeine Faustregeln diskutieren. Grundsätzlich sind die PM niemals von der Gesellschaft trennbar, die sie hervorgebracht hat.</li>
<li>Gegenposition: Es ist (zumindest auch) eine Eigentumsfrage, wir könnten schon jetzt die bestehenden PM nutzen und einfach selbst damit loslegen – wenn wir darauf Zugriff hätten.</li>
<li>Eine heutige Produktionsstruktur, die abgeschafft/aufgehoben werden muss, ist das Geld als allgemeiner Anreiz und Vermittlungselement der Produktion. Daraus ergibt sich eine Diskussion über die Funktionen von Geld im Kapitalismus und „außerhalb“ – kann/wird/muss es tatsächlich mit dem Kapitalismus verschwinden?</li>
<li>Commoners produzieren jedenfalls nicht des Geldes/Profits wegen, sondern nach Bedürfnissen.</li>
<li>Frage des Menschenbilds: Ohne Geld/Profit wird nicht alles zusammenbrechen (weil alle nur faul und egozentriert sind), denn wenn Menschen selbstbestimmt handeln können und ihre Existenz gesichert ist, werden sie mit viel Energie schöpferisch tätig.</li>
<li>Die heutigen unangenehmen Arbeiten, die Leute nur übernehmen, wenn sie Geld verdienen müssen und keine Alternativen haben, müssen so umstrukturiert werden, dass jemand sie machen will, auch wenn es keinen individuellen Arbeitszwang mehr gibt.</li>
<li>Verweis auf Marx/Maschinenfragment: Mit der zunehmenden Entwicklung der Produktionsprozesse (Automatisierung) werden die Menschen mehr und mehr aus der alltäglichen Produktion verdrängt. Dies verstärkt die Widersprüche des Kapitalismus, der immer weniger Menschen eine nicht-prekäre Lebensgrundlage bieten kann. Gleichzeitig verstärkt es das Bedürfnis nach commonsbasierten, selbstorganisierten Arbeiten, um sich selbst zu entfalten zu können.</li>
</ul>
</div>
<div id="zweite-runde">
<h3>Zweite Runde</h3>
<p>Konkretisierung mit kurzem Verweis auf Debatten und offene Punkte der ersten Runde. Strittige Frage waren insbesondere:</p>
<ul>
<li>Ist es im Wesentlichen nur eine Eigentumsfrage (wer kontrolliert die PM) oder muss sich die ganze Art zu produzieren ändern?</li>
<li>Braucht es nach dem Kapitalismus noch einen Arbeitszwang?</li>
</ul>
<p>Positionen:</p>
<ul>
<li>Abstrakter Arbeitszwang ist unnötig, da sich die Betroffenen/Commoners selbst Regeln setzen können und werden, wie mit problematischen Aufgaben umgegangen wird (z.B. aufteilen, oder auch verstärkte Automatisierung, deren Potential noch längst nicht ausgereizt ist).</li>
<li>Die heutigen Produktionsstrukturen können nicht einfach übernommen werden, da sie profit- und nicht bedürfnisorientiert sind. Frage dazu: Was sind (jenseits des Kap.) überhaupt Bedürfnisse, welche Bedürfnisse sind dann wichtig? (Gesundheitsschutz, Zufriedenheit, Lernmöglichkeiten…)</li>
<li>Wichtig sind auch Kommunikationsprozesse: Wie werden Bedürfnisse überhaupt formuliert? Wie wird auf lokaler, regionaler und globaler Ebene kommuniziert? Insbesondere bei komplizierten Sachverhalten?</li>
<li>Produktionsstruktur ist auch abhängig von der Art des „Lebensmittels“ (ob iPhone oder Gurke). Öffentliche verfügbare Bauanleitungen (Freies Design, Open Hardware) und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/FabLab">FabLabs</a> mit z.B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Digital_Fabricator">3D-Druckern</a> (gibt es für Kunststoffe, Metalle und Keramiken) können auch viele „Hightech“-Dinge weitgehend dezentral und ohne große Fabriken produzierbar machen.</li>
<li>Für bestimmte Bereiche (Bergbau, Computerchipherstellung) wird nur zentrale Organisation (und Verteilung) möglich sein. Dies kann eventuell über Automatisierung oder Rotationsverfahren im Arbeitseinsatz (Transportmöglichkeiten nicht geklärt …) gelöst werden, damit nicht immer nur die in der Nähe einer Computerchipfabrik wohnenden Menschen für andere Computerchips herstellen „müssen“.</li>
<li>Zentralisierung hat aber ihre Risiken – sie führt eventuell zu Abhängigkeit, Gefahr der Elitenbildung und des Machtmissbrauchs.</li>
<li>Da Menschen sich selbst nach ihren Bedürfnissen organisieren, dürften sich bei Commons eher dezentrale Strukturen entwickeln. Abstimmungsprozesse, direkte Mitbestimmung etc. sind auf lokaler und regionaler Ebene einfacher. Dies darf aber nicht zu Abkapselung („Autarkie“) führen, da dies die Menschen in ihren Möglichkeiten beschränken wurde. Liegt der Augenmerk auf Offenheit und Vernetzung (viele dezentrale Gemeinschaften, aber alle sind offen für andere und mit den anderen in Verbindung), dann sollte es kein Problem sein.</li>
<li>Eine weitere Begrenzung der Dezentralität ergibt sich daraus, dass viele Ressourcen nicht überall gleich vorhanden sind, also unter Umständen nicht dezentral verfügbar sind.</li>
<li>Die Ressourcen müssen also so umverteilt/aufgeteilt werden, dass alle Zugriff haben. (Auch als „Schuld“, Ressourcenumverteilung vom „reichen“ Norden an den „armen“ Süden?)</li>
<li>Einwand: Ist die Bedürfnisorientierung überhaupt der richtige Fokus? Müssen wir nicht vielmehr alle Verzicht üben, weil nicht alle so leben können wie wir im reichen Norden, und weil es ungerecht wäre, wenn nur einige so leben?</li>
<li>Gegenposition: ein gutes Leben für alle ist nicht grundsätzlich unmöglich, es wird nur durch die heutige Produktionsweise verhindert, die sich nicht um Bedürfnisse, sondern um Profit dreht, und unnötig verschwenderisch und zerstörerisch mit Ressourcen umgeht. (Je mehr verkauft wird und je schneller Dinge weggeschmissen und ersetzt werden, desto besser für den Profit.)</li>
</ul>
</div>
<h3>Zusammenfassung</h3>
<ul>
<li>Einigkeit besteht dazu, dass die heutigen Produktionsmittel nicht einfach (langfristig) so weiter genutzt werden können, weil sie profit- und nicht bedürfnisorientiert sind.</li>
<li>Eine commonsbasierte Gesellschaft wird vielmehr die alten PM umstrukturieren/umbauen und neue PM entwickeln/aufbauen.</li>
<li>Umstrukturierung/Aufbau erfolgen dabei bedürfnisorientiert. (Was für Bedürfnisse? Wie werden diese kommuniziert?)</li>
<li>Theoretisch/allgemein sollte kein Arbeitszwang nötig sein, denn wenn Menschen Bedürfnisse haben (sauberes Klo), werden sie auch einen Umgang damit finden und es selbst regeln (zum Beispiel Automatik-Reinigung erfinden und bauen).</li>
<li>Wie genau Commoners ihre Produktionsprozesse strukturieren und welche PM sie einsetzen, entscheiden sie dann vor Ort selbst.</li>
<li>Schwerpunkt dürfte dabei auf dezentralen Prozessen liegen (Beteiligung, Einflussnahme, Organisation ist direkt und einfacher zu organisieren; FabLabs sind ein erstes Beispiel, was da heute schon geht). Dabei ist aber Offenheit nötig, um die Gefahr von Abkapselung (Autarkie) zu vermeiden.</li>
<li>Für bestimmte Bereiche ist zentrale Organisation unvermeidbar. Es ist die Frage, wie man damit umgeht (Rotation der Arbeitenden, Automatisierung…) und wie sich die Entstehung einseitiger Abhängigkeiten verhindern lässt, die zu Machtmissbrauch führen könnten.</li>
<li>Ergänzend dazu: Bei der Diskussion von Frage 1 („Wie bist du praktisch-alltäglich in Commons verwickelt?“) war herausgekommen, dass aktuelle (auch große) Commons oft von kleinen Gruppen organisiert werden, die auch die Regeln entwickeln. Dies sind die dort am meisten tätigen Personen („Do-ocracy“ statt Demokratie). Solange dieser Kreis offen und transparent ist, liegt darin kein Machtmissbrauch und es wurde nicht als Problem gesehen.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Mit Commons Machtverhältnisse verändern</title>
		<link>http://keimform.de/2011/mit-commons-machtverhaeltnisse-veraendern/</link>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 06:51:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Brigitte Kratzwald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Mein Beitrag auf der COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011: Wenn neue Begriffe im politischen Diskurs oder in den Sozialen Bewegungen auftauchen, dann entspringen sie konkreten politischen Erfahrungen. Es waren im Fall der Commons Erfahrungen von Enteignung und Ohnmacht – trotz massiver Proteste, wurde weiterhin die Agenda des Kapitals umgesetzt, gerade auch bei der Krisenbekämpfung, die Umverteilung von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="commons-based queer production" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Mein Beitrag auf der <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011</a>:</p>
<p>Wenn neue Begriffe im politischen Diskurs oder in den Sozialen Bewegungen auftauchen, dann entspringen sie konkreten politischen Erfahrungen. Es waren im Fall der Commons Erfahrungen von Enteignung und Ohnmacht – trotz massiver Proteste, wurde weiterhin die Agenda des Kapitals umgesetzt, gerade auch bei der Krisenbekämpfung, die Umverteilung von unten nach oben nahm zu und demokratische Instrumente greifen nicht mehr, viele Menschen haben das Gefühl, es wird ihnen die Kontrolle über ihr Lebensumfeld und ihre Lebensbedingungen entzogen.</p>
<p>Wenn neue Kritik, neue Alternativen, neue Begriffe auftauchen, dann versuchen aber immer verschiedene Gruppen sie für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Auch die politischen und wirtschaftlichen Eliten versuchen, sie in die hegemonialen Konzepte einzubauen. Daraus kann man keine Schwäche des Konzepts ableiten, so funktioniert hegemoniale Macht. Daher kann die Frage nicht lauten, sind Commons emanzipatorisch, sind sie geeignet, eine soziale Transformation herbeizuführen oder nicht, sondern sie muss lauten, was ist das emanzipatorische Potenzial und wie kann es realisiert werden?</p>
<p>Und da stellt die Bezugnahme auf Commons für die Sozialen Bewegungen einen grundsätzlich anderen Zugang dar. Nicht mehr die Forderungen an Regierungen und internationale Organisationen, wie sie in der globalisierungskritischen Bewegung der Jahrtausendwende zu finden waren, also, die PolitikerInnen und Experten sollten doch bitte tun, kommt von ihnen, sondern die Einstellung: uns reicht es jetzt, wir haben kein Vertrauen mehr in Politik und Markt, wir nehmen die Dinge selbst in die Hand. Die verschiedenen Dinge, die da gerade privatisiert, eingehegt oder zerstört werden, das Saatgut, das Wissen, der Code, das Ackerland, der Stadtpark, die Energieversorgung, das Wasser, das gehört uns – wobei das „uns“ erst mal noch sehr undefiniert ist – wir wollen dabei mitreden, wir wissen, was wir brauchen und wir wissen, wie&#8217;s geht.</p>
<p>Commons entstehen durch Aneignung und Selbstermächtigung, wenn Menschen sich die Kontrolle über ihr Lebensumfeld wieder zurückholen. Wenn sich die unten selbst ermächtigen, stellt das natürlich einmal bestehende Machtverhältnisse in Frage, sagt aber noch nichts darüber aus, inwieweit diese dann auch wirklich verändert werden können.</p>
<p>Wir müssen Commons also verstehen als strategischen Diskurs und als konkrete Praxis, die immer in Machtverhältnisse eingebettet sind und daher immer ambivalent sind. Sie können dazu dienen, den Kapitalismus wieder zu reparieren, sie können ko-optiert, instrumentalisiert werden, sie haben aber eben auch emanzipatorisches Potenzial und sie können ein Ausgangspunkt für eine zukünftige Gesellschaftsform oder Produktionsweise sein. Commons haben für mich zwei wichtige Funktionen für gesellschaftliche Transformation: ein Denkmodell für eine andere Produktionsweise und Vergesellschaftungsform und ein Instrument dazu, dorthin zu kommen, weil sie den Commoners, also den Menschen, die sie herstellen, nutzen und erhalten, mehr Macht geben, also gesellschaftliche Machtverhältnisse verändern können.</p>
<p>Peter Linebaugh sagt, there is no commons without commoning – was soviel heißt, wie es gibt kein Commons ohne die Menschen, die es machen. Nichts ist als von Natur aus ein Commons, aber sehr viele Dinge können zu Commons werden, wenn es Menschen gibt, die entsprechende Vereinbarungen über ihre Herstellung und Nutzung treffen. Commons bestehen immer aus drei Elementen: das Ding, die Menschen und die Regeln, die die sich geben. Der Begriff Commons wird ja für viele verschiedene Dinge verwendet, das führt oft zu Verunsicherung. Die Lösung des Rätsels ist, dass es keine Eigenschaft eines Dinges ist, ein Commons zu sein, sondern das Entscheidungskriterium liegt darin, wie mit den Dingen umgegangen wird. Und diese Kriterien zu benennen, dabei können uns die Forschungsergebnisse von Elinor Ostrom helfen, auch wenn sie sich mit Machtfragen nicht auseinandergesetzt hat.</p>
<p>Sie geht von der liberalen Ökonomie aus und als Politikwissenschaftlerin wollte sie vor allem zeigen, dass das Verhaltensmodell des homo oeconomicus nicht ausreicht, dass gemeinschaftliche Nutzung von Dingen entgegen der Lehrmeinung der Ökonomie sehr wohl funktioniert, und wie sie sehr treffend sagt, das Gefangenendilemma vor allem ein Dilemma der Ökonomen ist, weil die nicht in Betracht ziehen, dass Menschen miteinader reden und Dinge gemeinsam produzieren und nutzen, wenn sie davon Vorteile haben. Ostrom ging es darum, neue Verhaltensmodelle für die Wirtschaftswissenschaft und neue Governancemodelle für natürliche Ressourcen zu entwickeln. Aber die Ergebnisse ihrer Untersuchungen sind so, dass wir sie gut als Argumente in einem linken, emanzipatorischen Commons-Konzept verwenden können.</p>
<p>Sie hat z.B. herausgefunden, dass Commons dann funktionieren, wenn die NutzerInnen die Regeln selbst machen und kontrollieren, das geht in die gleiche Richtung, wie die Forderung der Protestbewegungen nach Selbstbestimmung. Oder dass alle ihre Bedürfnisse besser befriedigen können, wenn sie Dinge gemeinsam machen, als das einer allein könnte, dass man die Bedürfnisse und Interessen der Menschen so zueinander in Beziehung setzen kann, dass sie nicht gegeneinander stehen, wie das am Markt immer der Fall ist, auch das sehr kompatibel mit linken Theorien.</p>
<p>Bei Commons geht es natürlich auch ganz zentral um die Eigentumsfrage, wobei weniger die juristische Eigentumsform ausschlaggebend ist, sondern es geht um die Aushandlung komplexer Nutzungsrechte, es geht darum, dass niemand ausgeschlossen wird von der Nutzung, usw. Commons sind nicht die harmonische Idylle, in der alle Menschen altruistisch handeln, wie es im bürgerlichen Commons-Diskurs manchmal vermittelt wird, sondern es geht um die oft konfliktreiche Aushandlung von Regeln, die es möglich machen, dass die Erfüllung individueller Bedürfnisse auch die Bedürfnisbefriedigung der anderen erleichtert.</p>
<p>Linebaugh hat sich explizit mit Fragen von Commons und Macht beschäftigt und zwar hat er die Geschichte der Commons in England und ihre politische und gesellschaftliche Bedeutung analysiert. Die Zugangsrechte zu Commons waren dort schon seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts gesetzlich abgesichert durch zwei Gesetzesakte: die Magna Carta und die Charter of the Forests. Erstere ist ja hinlänglich bekannt. Es geht dort vor allem um politische Freiheitsrechte und Bürgerrechte und bis heute bauen fast alle Verfassungen der Welt auf dieser Grundlage auf. Linebaugh hat nun rausgefunden, dass es ein zweites Gesetz gab, das mit der Magna Carta in ursächlichem Zusammenhang stand, nämlich die Charter of the Forests. In dieser waren die Zugangsrechte zu Commons für diejenigen, die kein eigenes Land besaßen, detailliert festgelegt. Sie konnten Holz zum Bauen und Heizen aus dem Wald holen, sie konnten dort ihr Vieh weiden lassen, Lebensmittel anbauen, usw. Diese Charter hatte den Zweck, dass auch Menschen, die keinen eigenen Besitz hatten, ihre politischen Freiheitsrechte in Anspruch nehmen und nicht für die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse in Abhängigkeitsverhältnisse geraten konnten. Sie war also eine notwendige Ergänzung zur Magna Carta, damit diese überhaupt universelle Gültigkeit erlangen konnte. Commons gaben den Menschen also die Macht, ihre Lebensbedingungen selbst zu gestalten, sie dienten ihrer Selbstermächtigung.</p>
<p>Das Recht der leibeigenen Bauern auf die Nutzung der Commons, des Landes, das ja im rechtlichen Sinn im Eigentum der Grundbesitzer stand, enthob aber diese auch der Pflicht, sich um die Existenzsicherung der Untertanen kümmern zu müssen. Es handelte sich also um eine Art „feudalen Klassenkompromiss“, von dem beide Seiten Vorteile hatten.</p>
<p>In der Charter of the Forestes war zudem das <em>Recht auf Verteidigung der Commons</em> festgeschrieben. Das war auch notwendig, denn es gab immer wieder Versuche der Einhegung der Commons. Die Grundbesitzer errichteten Zäune um ihre Grundstücke, weil sie diese lieber zur Jagd benutzen wollten. Die leibeigenen Bauern hatten das Recht einmal jährlich bei Flurbegehungen diese Zäune oder Mauern wieder abzutragen. Im Lauf der Jahrhunderte führten die Auseinandersetzungen um die Nutzungsrechte an Commons zu Bürgerkriegen und mit der Durchsetzung des Kapitalismus war dann ihr Schicksal besiegelt. Die Einhegung der Commons, die Enteignung der Bauern, war notwendig, um Arbeitskräfte für die aufstrebende Industrie zu bekommen.</p>
<p>Aber die Einhegungen von Commons hatten nicht nur wirtschaftliche Gründe, sondern waren in hohem Maße eine Machtfrage. Denn das Recht auf Commons gab den Menschen politische Macht gegenüber den Herrschenden; wer sich selbst erhalten kann, ist nicht so leicht regierbar. Das Commons war auch der Ort, wo Menschen sich trafen, um ihre Rechte zu verteidigen, sich gegen die Willkür der Herrschenden zur Wehr zu setzen, wo Aufstände vorbereitet wurden. Darum waren sie den Mächtigen immer ein Dorn im Auge. Und diese Tatsache, dass Menschen durch Commons unabhängiger vom herrschenden System werden, galt nicht nur für die Feudalzeit, sie gilt auch heute noch. Die Besetzung des öffentlichen Raums zum Zwecke der Organisierung und der Solidarisierung ist ein wesentlicher Aspekt der Occupy Bewegungen, aber auch Uni-Besetzungen, Hausbesetzung usw. zielen darauf ab.</p>
<p>Der Kapitalismus braucht für sein Funktionieren immer Bereiche außerhalb seiner selbst, aus denen er kostenlos Ressourcen beziehen oder an die er Kosten auslagern kann. Solche Bereiche sind entweder die natürliche Umwelt oder die unbezahlte Arbeit in Familien oder eben in Commons. Das Commoning hat aus meiner Sicht dabei eine Sonderstellung, weil es nicht isoliert passiert, wie die Hausarbeit, sondern weil Menschen dort zusammenkommen und dabei ihre gemeinsamen Bedürfnisse, Interessen wahrnehmen, merken, dass ihr Leiden am System nicht ihr individuelles Versagen ist. Commons sind also einerseits notwendig, um das System am Laufen zu halten, dehnt sich die Sphäre der Commons jedoch zu sehr aus, oder werden sie zur Organisation von Widerstand genutzt, stellen sie eine Bedrohung für den Kapitalismus dar.</p>
<p>Auch in der Geschichte der Arbeiterbewegung spielte die Selbstorganisation eine wichtige Rolle, je besser sie in der Lage waren, ihre eigene Reproduktion jenseits der Lohnarbeit abzusichern, desto größer war ihre Verhandlungsmacht. Die gesetzliche Sozialversicherung wurde ja in Österreich und in Deutschland von konservativen Regierungen eingeführt, um sie den ArbeiterInnen, die sie vorher selbst organisiert hatten, aus der Hand zu nehmen und deren politische Kraft zu schwächen. Die Kämpfe <em>gegen</em> die Lohnarbeit waren für die frühe ArbeiterInnenbewegung oft wichtiger, als die Kämpfe <em>innerhalb</em> des Lohnarbeitsverhältnisses für bessere Arbeitsbedingungen und dafür muss man eben die eigene Reproduktion ohne Lohnarbeit sicher stellen können.</p>
<p>Mit dem Sozialstaat wurden dann viele der früher selbstorganisierten Dinge dem Staat als Treuhänder sozusagen übergeben. Auch das eine ambivalente Sache, für eine gewisse Zeit hat es zwar zu Verbesserungen geführt, aber weil sozialstaatliche Absicherung eben an Lohnarbeit geknüpft waren, war es nur eine scheinbare Unabhängigkeit. Meine Meinung ist, dass zumindest in Österreich, die Einführung des Sozialstaates das Ende der Selbstorganisation der Arbeiterbewegung war und das ein wesentlicher Grund ist für die absolute Bewegungsunfähigkeit der Gewerkschaften. Und die Frage des Öffentlichen und wie wir uns möglicherweise das wieder aneignen können, wird ja heute auch noch thematisiert.</p>
<p>Wenn wir im Zusammenhang von Commons von Macht reden, geht es nicht um Macht über andere, sondern um Macht zu: Das Recht auf Commons gibt den Menschen die Verfügungsmacht über Dinge, die sie zum Leben brauchen, damit die Macht, ihr Lebensumfeld autonom zu gestalten und die Macht die Zumutungen des Kapitals zurückzuweisen, also Lohnarbeit und Versorgung über den Markt zu verweigern. Nur wenn wir das schaffen, haben die Commons als Produktionweise die Möglichkeit, sich durchzusetzen. Mehr Macht zu für eine große Zahl von Menschen bedeutet ein weniger an Macht über andere, das in einer Gesellschaft möglich ist.</p>
<p>Das ist natürlich eine Bedrohung, für diejenigen, die in diesen Machtspielen auf der anderen Seite stehen, daher wurde und wird immer versucht, den Bereich der Commons in einem solchen Rahmen zu halten, dass sie dem Kapital nützen, während wir versuchen müssten, den Bereich der Commons auszudehnen, so dass wir uns mit möglichst vielen Dingen jenseits von Lohnarbeit und Markt versorgen könnten. Wie man das am besten macht, das ist die entscheidende Frage.</p>
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		<title>Is demonetization a really good idea?</title>
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		<pubDate>Wed, 26 Oct 2011 14:08:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Andreas Exner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Commons]]></category>
		<category><![CDATA[English]]></category>
		<category><![CDATA[Praxis-Reflexionen]]></category>
		<category><![CDATA[afrika]]></category>
		<category><![CDATA[entwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[geldlogik]]></category>
		<category><![CDATA[kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[staat]]></category>
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		<description><![CDATA[Recently a companera asked me, if it really is such a good idea to start from abolishing money, since it seems to enhance freedom and quality of life especially for the most poor of us. I thought about it for a while and than answered that I do not see evidence for that. Over the [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="right" style="margin-left: 8px;" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/demonetize.png" alt="" width="150" height="150" align="right" /></p>
<p>Recently a companera asked me, if it really is such a good idea to start from <a href="http://demonetize.it/">abolishing money</a>, since it seems to enhance freedom and quality of life especially for the most poor of us. I thought about it for a while and than answered that I do not see evidence for that.</p>
<p>Over the last year, I read and thought a lot about Tanzania (as a case study for the land grab, the results are <a href="http://www.mandelbaum.de/books/806/7397">partly published in German</a>). Having now quite a good picture of the situation in Tanzania (and some overview of the situation in Africa as a whole), I doubt that money ever did any good job there.</p>
<p>Actually, I would say, things are getting increasingly worse particularly because of monetary relations.</p>
<p>You can differentiative two kinds of social dynamics in capitalism: (1) disintegration through money relations (competition, precariousness), (2) integration through the capital relation and its accumulation (wage labour, social infrastructure, the welfare state). If tendency number 1 is not counterbalanced by tendency number 2, than disaster is the immediate outcome: that is the misery in Africa. You can name it &#8220;markets (almost) without capital&#8221;. It is the famous &#8220;non capitalist market economy&#8221; what you actually find there.</p>
<p>Traditional reciprocal relations (which were to a considerable extent &#8212; not entirely &#8212; also relations of social dominance) erode and a capitalist type of cohesion of social life does not appear, since wage labour does not play a decisive role in most of subsaharian Africa.</p>
<p>I think, when striving to overcome money we struggle for three things: (1) protection of subsistence and commons where they still exist (still, in Africa) from capital and commodification, (2) degrowth of the capital relation (which will not be an entirely voluntary process), (3) building an alternative, which will look (very?) different in the North and in the different parts of the South.</p>
<p>Of course one could still call for a basic income for all, but I see demands based on money more as strategic demands with limited merits. And it seems doubtful that there is any political strategy which could be applied without taking into account specific contexts. For instance &#8212; I unfortunately have to confess &#8212; focusing on basic income possibly will not do much good in Africa, precisely because (1) transfer payments would have partly to rely on capital prospering in the North, which is no solution and option at all and (2) commodification is just the prelude to full fledged capitalism, in my view.</p>
<p>Considering the question of strategy in more general terms, one must conclude that the conception of &#8220;the alternative&#8221; to the market economy and capital as a global blueprint is actually based on a gross misconception of the complexities of our world. One gets very sceptical about any &#8220;model solution&#8221; when observing how different social relations on this planet really are (despite the homogenizing force of capitalism, and sometimes because of it).</p>
<p>In this respect, it is interesting to study actual struggles peasants fought, i.e. in Tanzania. The history of peasant struggles and the alternatives they tried to create are hardly known even in development circles. For instance in Tanzania, there was at least one movement of peasants (the Ruvuma Development Association, RDA), which combined self-determined &#8220;development&#8221; with a struggle against authorities in order to take control of their lives. This association was crushed by the &#8220;socialist&#8221; state in 1969.</p>
<p>The RDA is seldomly discussed in the literature on &#8220;African socialism&#8221; which president Julius Nyerere turned into the ideology of the single party state. It was profoundly analyzed by Michael Jennings in &#8220;<a href="http://www.amazon.de/Surrogates-State-Development-Ujamaa-Tanzania/dp/1565492439">Surrogates of the State</a>&#8220;.  Descriptions are also to be found <a href="http://rudatanzania.org.uk/ruda.htm">online</a>.</p>
<p>A further example on a much bigger scale are the peasant movements that tried to capture the development policy of the state after 1961 (the date of independence). In this period, peasants actually tried to seize the policy of the postcolonial state by engaging in a countrywide self-determined construction of social facilities, roads etc. &#8212; at that time such projects were often granted money by a state that feared to loose legitimacy that was built on high expectations of rising living standards. Peasants achieved a lot of &#8220;development&#8221; (in a traditional sense), but quite soon the state cut off support, simply because this would have been &#8220;development from below&#8221; and as such destroyed the capacity of the state to direct social developments or &#8212; at least &#8212; the disbursement of its budget. These events are hardly ever studied in any detail and we owe again Michael Jennings a valuable study published in the <em>Journal of  Modern African Studies</em> in 2003 (&#8220;&#8216;WeMust RunWhile OthersWalk&#8217;: popular participation and development crisis inTanzania, 1961-9&#8243;).</p>
<p>Michael Jennings explains:</p>
<blockquote><p><em>People at the grassroots level actively engaged the political process: by undertaking informal self-help activities, the construction of schools and dispensaries not contained in the development plan, they sought to mobilise funds for the local community. Self-help was more than provision of unskilled labour to provide the infrastructure demanded by the administrative and political officials. It was a chance for the people to dictate the pace and form of development at the local level. Self-help was an engagement in a political process, albeit in a position of weakness, in which the goal was to secure resource allocation to the area in competition with other areas.</em></p>
<p><em>It was a relatively successful strategy to adopt with a government determined to maintain the support of its rural constituency, and equally determined that independence should bring the benefits of development to the peasantry. For Nyerere’s government, leaving a school without a teacher, or a dispensary without drugs or a nurse, was unacceptable for both political and moral reasons.</em></p></blockquote>
<p>His summary:</p>
<blockquote><p><em>For a short period, the Tanzanian peasantry in many parts of the nation were able to exercise a degree of control over the development process, a level of control about which the central state became increasingly concerned. The course of this policy over the 1960s was of critical importance in shaping the relationship of the state to the peasantry, and in the rise of the impulses that would lead to the establishment of statism by 1969.</em></p></blockquote>
<p>Maybe it is noticeable that none of these movements did abstain from money. The RDA used development funds, and peasants who built up infrastructures after 1961 in an impressive effort of (largely unpaid) self-help hoped to get support by the state in the end. Yet money was not the first target and state support was seen as an added resource, which people tried to mobilize to realize their own notion of &#8220;development&#8221;. The success of the peasants in their struggle for independence raised the expectations of quickly improving their living conditions &#8212; and this was a critical psychological resource for the scale of self-help that took place in the early 1960s.</p>
<p>In the case of the RDA, it was self-determination which peasants fought for: to produce more food for own consumption, to build up knowledge with teachers that trained themselves and came from the community and so forth. The RDA also wanted to act as a countrywide model for self-determined &#8220;development&#8221;, which possibly was the reason why the state confiscated its property, dispersed its activists and stopped the project. Indeed, Nyerere developed his notion of &#8220;African socialism&#8221; taking the RDA as a best practice example. But there were also other forces in government, which proved stronger in the end, and we generally may doubt that a state-led policy of &#8220;socialism&#8221; would ever be able to scale up what initiatives such as the RDA achieved locally and could have spread by leading through example, encouraging self-organization, networking and collective action of the peasants themselves.</p>
<p>Also in the case of the broad scale movement of self-help in the years immediately after independence peasants wanted concrete improvements, not money in the first place. Analysing their projects at the time they viewed social services (dispensaries, schools, clinics, community centers) and roads as progress and achieved quite a bit of it even without state support.</p>
<p>We do not know which trajectory such movements would have taken, if the state had abstained to intervene. Maybe a demonetized structure of collective facilities would have been constructed. At least such a process would have been feasible.</p>
<p>It is a bitter irony, that neither social services nor roads have been developed much further in Tanzania after 50 years of top down &#8220;development&#8221; that ensued after the state had repressed self-organized movements and planted itself effectively at the village level in the course of the massive forced resettlement campaign in the 1970s. Neoliberal adjustment since the 1980s brutally drove down the standard of living , and the increasing commodification of social relations seems to undermine resources of solidarity and egalitarian collectivity that would be crucial for any perspective of demonetized well-being.</p>
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		<title>Eindrücke von OccupyFrankfurt</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Oct 2011 21:02:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benni Bärmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Praxis-Reflexionen]]></category>
		<category><![CDATA[#occupy]]></category>
		<category><![CDATA[aktion]]></category>
		<category><![CDATA[frankfurt]]></category>
		<category><![CDATA[kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[kapitalismuskritik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich will nur kurz meine Eindrücke von heute Mittag bei Occupy Frankfurt loswerden. Es gab sehr viele selbst gebastelte Plakate auf denen die unterschiedlichsten Weltsichten ausgebreitet wurden. Da war viel schlimmes Zeug dabei, allerlei Verschwörungstheorien und Zinskritik. Angeblich hat sogar jemand am Micro alles Übel der Welt der Familie Rothschild angedichtet und wurde dafür auch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich will nur kurz meine Eindrücke von heute Mittag bei Occupy Frankfurt loswerden.</p>
<p>Es gab sehr viele selbst gebastelte Plakate auf denen die unterschiedlichsten Weltsichten ausgebreitet wurden. Da war viel schlimmes Zeug dabei, allerlei Verschwörungstheorien und Zinskritik. Angeblich hat sogar jemand am Micro alles Übel der Welt der Familie Rothschild angedichtet und wurde dafür auch noch beklatscht (das hab ich aber nur von einem späteren Redebeitrag, der das thematisiert hat, hab es nicht selbst gehört).</p>
<p>Die allermeisten Leute haben ihre moralische Empörung ausgestellt.</p>
<p>Positiv fand ich zum einen den Versuch Basisdemokratie mit ja durchaus ein paar Tausend Leuten hinzukriegen nach spanischem Vorbild aber auch eine Grundstimmung, die schon irgendwie so war, dass &#8220;der Kapitalismus&#8221; etwas ist, das man loswerden muss. Leider wusste niemand was &#8220;der Kapitalismus&#8221; wirklich ist und es war mehr ein Synonym für alles was irgendwie böse ist und mit Geld zu tun hat. Leute von Parteien hatten keinen leichten Stand und auch sonst geht der Trend eindeutig zu Nicht-Organisationen wie Anonymous.</p>
<p>Ich bin irgendwann gegangen, weil mir das Gesellianerzeugs einfach zu viel wurde.</p>
<p>Das Beste Schild ganz im Keimform-Sinne hab ich euch mal als Foto mitgebracht:</p>
<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0156.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4842" title="IMAG0156" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0156-179x300.jpg" alt="" width="179" height="300" /></a><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0158.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-4844" title="IMAG0158" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0158-179x300.jpg" alt="" width="179" height="300" /></a></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Vibe &#8212; dezentrale und lokale Kurznachrichten</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 09:57:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
				<category><![CDATA[Praxis-Reflexionen]]></category>
		<category><![CDATA[Soziale Netzwerke]]></category>
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		<category><![CDATA[android]]></category>
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		<description><![CDATA[Zur Versendung von Kurznachrichten über Mobilgeräte werden in der Regel zentralisierte Dienste wie Twitter genutzt. Solche Kurznachrichten haben bei der Organisation von Protesten und Aufständen eine wichtige Rolle gespielt, weltweit. Doch zentrale Dienste haben einen gravierenden Nachteil: Der Gegenseite &#8212; staatlichen Instanzen oder wem auch immer &#8212; wird ein ebenso guter Überblick geliefert wie den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/vibeapp.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="Vibe-App (Klicken zum Vergrößern)" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/vibeapp-200x300.jpg" alt="" width="200" height="300" align="right" /></a>Zur Versendung von Kurznachrichten über Mobilgeräte werden in der Regel zentralisierte Dienste wie Twitter genutzt. Solche Kurznachrichten haben bei der Organisation von Protesten und Aufständen eine wichtige Rolle gespielt, weltweit. Doch zentrale Dienste haben einen gravierenden Nachteil: Der Gegenseite &#8212; staatlichen Instanzen oder wem auch immer &#8212; wird ein ebenso guter Überblick geliefert wie den Aktivist_innen. Hinzu kommt die Zensuroption. Immer wieder wurden solche Vorwürfe gegen die privaten Dienste erhoben. So würden bestimmte Tags unterdrückt, um sie nicht in den Top-Trends erscheinen zu lassen &#8212; etwa im Fall von #wikileaks oder <a href="http://www.betabeat.com/2011/09/26/twitter-says-its-not-censoring-occupy-wall-street-people-really-are-talking-more-doritos/">aktuell bei den #occupywallstreet Protesten</a>.</p>
<p>Das Ziel von <a href="http://www.zami.com/v.html">Vibe</a> ist, Zensur und zentraler Überwachung von vornherein aus dem Weg zu gehen, in dem die Versendung von Nachrichten auf einen bestimmten <strong>Radius</strong> (»Lautstärke«) und eine bestimmte <strong>Dauer</strong> begrenzt wird. Die Geräte müssen GPS-fähig sein, eine Registrierung ist nicht erforderlich und es gibt keine dauerhafte zentrale Speicherung der »Vibes«. Lautstärke und Dauer können gewählt werden: vom Flüstern (50 meter) bis zum Brüllen (weltweit) und von 15 Minuten bis zu 30 Tagen.</p>
<p>Nun ist eine Überwachung sicher nicht völlig unmöglich, aber durch die Dezentralität erheblich erschwert. Insbesondere die Kommunikation bei den Aktionen vor Ort wird damit unterstützt &#8212; <a href="http://www.betabeat.com/2011/09/29/vibe-the-anonymous-anarchist-version-of-twitter-being-used-at-occupy-wall-street/">bei #occupywallstreet wird Vibe bereits eingesetzt</a>. Die App ist <a href="http://www.zami.com/v.html">kostenlos für iPhone und Android</a> verfügbar, aber Frei im Sinne Freier Software ist sie nicht. Mal abwarten, welches Geschäftsmodell folgen wird.</p>
<p>[<a href="http://blog.p2pfoundation.net/check-your-vibes-twitter-like-app-used-at-occupy-wall-street/2011/10/07">via</a>]</p>
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