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	<description>Auf der Suche nach dem Neuen im Alten</description>
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		<title>COM&#8217;ON: Gemeinschaftsbegriff</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 06:31:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Bei der COM&#8217;ON-Tagung am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Der Gemeinschaftsbegriff wird oft als reaktionär kritisiert. Geht´s auch anders?« (Moderation: Friederike Habermann, Protokoll: Andrea Vetter): Input Friederike Habermann: Es gibt eine problematische Tradition [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production.jpg"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="commons-based queer production" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/11/commons-based-queer-production-199x300.jpg" alt="" width="199" height="300" align="right" /></a>Bei der <a href="http://keimform.de/2011/com-on/">COM&#8217;ON-Tagung</a> am 10.12.2011 fand ein World Café mit fünf Tischen statt, die sich in zwei Runden mit jeweils einer Frage befassten. Nachfolgend das Protokoll vom Tisch mit der Frage »Der Gemeinschaftsbegriff wird oft als reaktionär kritisiert. Geht´s auch anders?« (Moderation: Friederike Habermann, Protokoll: Andrea Vetter):</p>
<p><strong>Input Friederike Habermann:</strong></p>
<ul>
<li>Es gibt eine problematische Tradition des „Gemeinschafts“-Begiffs: völkisch etc</li>
<li>Eine Pluralität der Beteiligten (Klasse, Herkunft, etc) ist trotz gegensätzlichem Anspruch oft nicht die Realität in bestehenden Projekten</li>
</ul>
<ul>
<li>Solidaritätsbegriff ist häufig nicht bedingungslos, sondern auf Mitglieder einer „Gemeinschaft“ (persönlich, oder im Sinne einer Identitätskategorie) beschränkt</li>
<li>wie geht statt &#8220;common being&#8221; (eine essentielle Gemeinsamkeit, die auf einem gemeinsamen Sein beruht, das bekannt und vorausgesetzt ist) ein &#8220;being in common&#8221; (J.K. Gibson-Graham), was das Werden neuer und ungedachter Möglichkeiten des Seins erlaubt</li>
<li>Strukturelle Gemeinschaftlichkeit als Gegenpol zu Konkurrenz: ohne Gemeinschaftsdruck und ohne Ausschluss</li>
<li>Stichwort &#8220;commons based <em>queer</em> production&#8221;: die Frage der Reproduktionsarbeit als Problem der Geschlechtergerechtigkeit kann durch das Prinzip &#8220;Beitragen statt Tauschen&#8221; der commons-basierten Peer-Produktion gelöst werden.</li>
</ul>
<p><strong>Diskussionspunkte im World-Café:</strong></p>
<p><strong>1. Ausgehen von eigenen Erfahrungen/konkreten Projekten:</strong></p>
<ul>
<li>Landprojekte</li>
<li>Ferienkommunismus/Camp</li>
<li>Garten-Coop</li>
<li>Offener Platz: Kiefernhain</li>
</ul>
<p><strong>2. Arten von Gemeinschaft</strong></p>
<ul>
<li>Ist enge Reziprozität gekoppelt an enge soziale Beziehungen?</li>
<li>Welche Rolle spielt eine gemeinsame Identität (als Blutsverwandtschaft, als Seelenverwandtschaft, als Linux-User etc)?</li>
<li>Gemeinschaft-Sein als Voraussetzung vs. Gemeinschaft-Werden als Möglichkeit/als Prozess gemeinsamen Tuns</li>
</ul>
<p><strong>3. Anforderungen an Projekte freier Kooperation:</strong></p>
<ul>
<li>Offenheit für verschiedene Menschen</li>
<li>Offenheit für Unterschiede, für entstehende Konflikte</li>
<li>Offenheit für den Unterschied zwischen dem, was IST und dem, was sein SOLL → Reibungsfläche/Konflikte als Ressource</li>
<li>Möglichkeit, ohne &#8220;Kosten&#8221; die Gemeinschaft zu wechseln → Ermöglichung von Vielfalt</li>
</ul>
<p><strong>4. Strukturelle Gemeinschaftlichkeit auf gesellschaftlicher Ebene</strong></p>
<ul>
<li>Was kann das bedeuten?</li>
<li>Unterscheidung zwischen „wir“ und den „anderen“ führt zu Identitätsbildung</li>
<li>Bildet sich automatisch „Gemeinschaft“, wenn man sich gemeinsam um etwas kümmert?</li>
</ul>
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		<title>Commoning konkret</title>
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		<pubDate>Sun, 08 Jan 2012 06:47:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jan-Hendrik Cropp</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit & Freiheit]]></category>
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		<description><![CDATA[Commons-based peer production braucht ein Commoning, also eine Form von Selbstorganisierung um Gemeingüter nicht-kommerziell und bedarfsgerecht zu verwalten. Dieser Artikel möchte einen Beitrag leisten zur Erkundung wie diese Organisierung konkret aussehen könnte: Zum einen an einer Reflektion über ein Experiment &#8220;Solidarischer Landwirtschaft&#8221; und zum anderen an konkreten Überlegungen wie ein Commoning rund um endliche Ressourcen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://linksunten.indymedia.org/image/52622.jpg" rel="lightbox[node_images][&lt;a href=&quot;/de/node/52622&quot; id=&quot;node_link_text&quot; target=&quot;_blank&quot; &gt;People&lt;/a&gt; - &lt;a href=&quot;/image/52622.jpg&quot; id=&quot;lightbox2-download-link-text&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Download&lt;/a&gt;]"><img class="right" src="http://linksunten.indymedia.org/system/files/images/8356304244.thumbnail.jpg" alt="People" width="200" height="121" align="right" /></a></p>
<p>Commons-based peer production braucht ein Commoning, also eine Form von Selbstorganisierung um Gemeingüter nicht-kommerziell und bedarfsgerecht zu verwalten. Dieser Artikel möchte einen Beitrag leisten zur Erkundung wie diese Organisierung konkret aussehen könnte: Zum einen an einer Reflektion über ein Experiment <a href="http://www.solidarische-landwirtschaft.org/">&#8220;Solidarischer Landwirtschaft&#8221;</a> und zum anderen an konkreten Überlegungen wie ein Commoning rund um endliche Ressourcen aussehen könnte. Die Artikel finden sich auch in der aktuellen Ausgabe der <a href="http://www.streifzuege.org/">&#8220;Streifzüge&#8221;</a> und dem soeben erschienenden Büchlein <a href="http://www.projektwerkstatt.de/hefte/index.html">&#8220;Herrschaftsfrei Wirtschaften&#8221;</a>.</p>
<h3>Die post-revolutionäre Möhre. Hier und Jetzt.</h3>
<p><em>Ein Bericht aus einem Versuch solidarischer Landwirtschaft auf dem Weg zur Schenkökonomie</em></p>
<p>Wir, ein Kollektiv von fünf „Gärtner_Innen“, suchten uns eine Gruppe von 60 Personen, die „Begärtnerten„, die von uns durch die Bearbeitung von 5000 qm Ackerfläche im nordhessischen Witzenhausen-Freudenthal mit Gemüse von April bis November versorgt werden wollten. Zusammen formten wir eine verbindliche Gemeinschaft.</p>
<p>Wann und wieviel wir Gärtner_Innen in diesem Projekt arbeiten, nein besser, tätig sein wollen, wurde von jedem einzelnen selbstverantwortlich und je nach Bedürfnissen (flexibel) festgelegt und im Kollektiv vereinbart. Der Teil unserer finanziellen Bedürfnisse („Lohn“), der über das Projekt befriedigt werden soll, wurde weitgehend unabhängig von dieser Tätigkeitszeit bestimmt und mit den laufenden Betriebskosten (ohne Investitionen) zu den Gesamtkosten (Budget) einer Jahresproduktion zusammengerechnet.</p>
<p>Die Begärtnerten boten dann anonym einen auf den Zeitraum der Produktion verbindlichen, monatlichen finanziellen Beitrag, der ihren Möglichkeiten entspricht. Von 0 Euro aufwärts war und ist alles möglich. Diese Zusage und andere Punkte (Entscheidungsfindung, Ausstiegsgründe, Scheiterkriterien, gemeinsame Übernahme von Verantwortung und Risiko, Kommunikation etc.) wurden in einer Vereinbarung schriftlich und verbindlich festgehalten und unterschrieben. Das zuvor beschriebene Budget wurde mit diesen freiwilligen finanziellen Beiträgen gedeckt, woraufhin der genaue Bedarf an Gemüse abgefragt und mit der Produktion des Gemüses begonnen wurde.</p>
<p>Die Ernte wird der Gemeinschaft von Begärtnerten in Depots frei zur Verfügung gestellt. Die Verteilung vor Ort organisiert die Gemeinschaft je nach den individuellen Bedürfnissen. Es gibt keine genormten „Gemüsekisten“, sondern jede_r nimmt, was gebraucht wird. Ein weiteres Mitwirken am Projekt durch Mitarbeit, Erntesicherung/Einmachen und das Einbringen von weiteren Fähigkeiten steht den Mitgliedern frei, ist aber erwünscht und wird gemeinsam organisiert.</p>
<p>Durch dieses Experiment sollen kapitalistische Prinzipien in unserem Verhältnis zueinander überwunden und transformiert werden:</p>
<p><strong>Freiwilliges Beitragen und Schenken statt Tausch, Wert, Ware</strong></p>
<ul>
<li>Niemand muss, alle können nach ihren Fähigkeiten (u.a. finanziell) beitragen.</li>
<li>Bedürfnisse werden erhoben und ihnen entsprechend wird produziert. Daher werden den Leuten keine Waren mehr vor die Füße geschmissen, für die sie dann doch bitte auch ein Bedürfnis haben sollen; sondern Bedürfnisse werden formuliert und die Produktion wird dafür selbst organisiert.</li>
<li>Die Produkte haben keinen Tausch- bzw. Geldwert. Damit werden Dinge nicht abstrakt gleichgesetzt wie im Kapitalismus: Alles, was 1 Euro kostet, ist gleich viel „wert“. Alles, was nix kostet, ist nix „wert“.</li>
<li>Daher entfällt Geld als primäre Wertschätzung und es kann mit neuen Formen der Wertschätzung experimentiert werden; durch Worte, Gesten und vor allem gegenseitige Verantwortung.</li>
</ul>
<p><strong>Freies Tätigsein statt abstrakter Arbeit in Konkurrenz:</strong></p>
<ul>
<li>Tätigkeit wird zu Arbeit und Arbeit zur Last, wenn unsere Produkte auf dem Markt einen Wert erzielen müssen oder wir primär für einen Lohn arbeiten.</li>
<li>In unserem Projekt müssen wir beides nicht: Wir liefern keine normierten Waren und unsere finanziellen Bedürfnisse werden von vornherein abgedeckt.</li>
<li>Daher können wir Anbauweise und Arbeitsabläufe frei bestimmen, um unsere und die Bedürfnisse anderer Menschen zu befriedigen.</li>
<li>Kommt es zu Problemen, lösen wir diese nicht wie in der Gesellschaft der Vereinzelten mit dem Ellenbogen und dem „Ausschalten von Konkurrenten“ sondern durch kollektive Lösungsfindung.</li>
</ul>
<p>Knapp 11 Monate nach Beginn des Projektes haben sich allerdings einige Problemfelder in unserem Projekt aufgetan. Deren Analyse halte ich für wichtig, wenn Projekte über die Waren- und Tauschgesellschaft hinausweisen wollen:</p>
<p><strong>Problemfeld 1: Der verinnerlichte Kapitalismus im Kollektiv</strong></p>
<p>Das Problemfeld betrifft vor allem uns als Kollektiv von Gärtner_innen. Was Tausch und Geld im Kapitalismus so hervorragend machen, nämlich Menschen und Tätigkeiten zu vergleichen und gleichzusetzen, verschwindet in einem weniger kapitalistischen System nicht sofort. Diese Verhaltensweisen scheinen wir tief verinnerlicht zu haben. Wir, also einmalige Individuen, die im Kollektiv zusammenarbeiten, vergleichen weiterhin, wieviel Zeit wir in das Projekt investieren. Wir bekommen ein schlechtes Gewissen, weil wir „zu wenig“ tun, oder werden grummelig, weil wir „zu viel“ tun. Schnell kommt es zu Situationen, in denen wir uns für unsere Bedürfnisse (die ja so sind wie sie sind) rechtfertigen wollen, oder denken, dass wir es müssen. Oft ist es gar nicht das Kollektiv, das diesen Druck erzeugt, sondern wir, die Individuen selbst. Denn schließlich ist unser Kopf vom allgegenwärtigen Kapitalismus vollkommen durchzogen.</p>
<p>Eine schnelle Abhilfe für das Problem scheinen die üblichen Abstraktionen des Kapitalismus zu bieten. So geschieht es beizeiten auch in unserem Kollektiv: Ein Ruf nach einer Abstraktion der Zeit in greifbare „Arbeitsstunden“ oder „Urlaubszeiten“ wird laut. Und darauf aufbauend: Das Verlangen nach einem abstrakten Gerechtigkeitsbegriff. Statt zu sagen: „Es soll allen gut gehen mit dem, was und wieviel sie tun“, sagen wir schnell: „Alle sollen das gleiche Maß an Arbeit verrichten bzw. die gleiche Anzahl an Urlaubswochen haben“. Nicht nur, dass 1 Stunde an 1 Tag sich anfühlen kann wie 8 Stunden an einem anderen. Nein, wer Arbeitsstunden normieren will, ist auch schnell dabei, die ganze Tätigkeit zu normieren: Was zählt als Arbeitszeit? Welche Tätigkeit ist wichtig, welche nicht? Was, wenn eine Person schneller oder „effizienter„ (was ist das?) arbeitet als die andere? Diese Fragen und Probleme und die Erkenntnis, dass es statt Gleichmacherei darum gehen sollte, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen, führen diese Abstraktions-Versuche schnell ad absurdum.</p>
<p>Ähnlich schwierig zu akzeptieren scheint auch die Gleichgewichtung aller Tätigkeit außerhalb der Projektes zu sein. Es sollte schließlich egal sein, ob einzelne außerhalb des Projektes (freiwillig) an der Uni büffeln oder in der Badewanne mit einem Glas Sekt liegen und sich ein gutes Buch zu Gemüte führen. Diese Akzeptanz erfordert allerdings eine hohe Selbstverantwortung und ein gutes Reflexionsvermögen.</p>
<p>Hinzu kommt: Der Acker ist vor der Tür. Wir wohnen zwar in verschiedenen WGs, aber doch zusammen auf einem Hof, und die räumliche Nähe führt zu einem Gefühl sozialer Kontrolle, das die oben beschriebenen Tendenzen verstärkt. Wir bekommen schließlich alles von den anderen mit. Ob eine räumliche Distanz das Problem löst oder nicht vielmehr beiseite schiebt, bleibt dahingestellt. Eine Lösung wären klare Vereinbarungen (z.B. feste Tage und Zeiten, in denen man im Projekt tätig ist) und trotzdem ein flexibler Umgang damit (z.B. andere spontane Absprachen, wenn die Zeiten mal nicht passen), um den Bedürfnissen der einzelnen im Jetzt den angemessenen Respekt zu zollen. Dann kann kollektiv nach einer Problemlösung gesucht werden, statt individuelle Schuldzuweisungen und Selbstausbeutungs-Forderungen zu formulieren. Angenommen, eine_r von uns ist überlastet, dann kann so z.B. gemeinsam nach Mithilfe gesucht werden, um der_dem Betroffenen entsprechenden Freiraum zu gewähren. Dennoch bleibt diese Frage bestehen und muss kontinuierlich neu beantwortet werden: Wie stehen individuelle Bedürfnisse im Jetzt und Verantwortung für im Kollektiv getroffene Vereinbarungen zueinander? Klar ist beides wichtig. Eine Grenze ist allerdings überschritten, wenn selbstbestimmte Tätigkeit zu abstrakter, entfremdeter Arbeit wird und es Menschen dadurch mittelfristig schlecht geht.</p>
<p>Wenn Tätigkeit wieder zur abstrakten Arbeit wird (ein fließender Übergang?), wird „der Rest der Zeit“ schnell wieder zur „Freizeit“. Letzteres macht Spaß. Das erstere „muss getan werden“. Sollte die aktuelle „Arbeits“situation tatsächlich unerträglich sein, kann die Wiedereinführung dieser Trennung in Arbeit und Freizeit ein Rettungsanker sein. Eine Möglichkeit zu sagen: Bis hierher und nicht weiter. Dazu braucht es aber sehr wahrscheinlich die oben beschriebene Normierung von Zeit und Tätigkeit. Wenigstens für eine_n selbst: „Ich hab so und so viel gearbeitet &#8211; deshalb hab ich jetzt frei!„. Eine Überwindung dieser Trennung und ein konkretes Tätigsein statt einer abstrakten, entfremdeten Arbeit sollten aber weiterhin die Losung bleiben.</p>
<p>Auch in unserem Tätigsein können sich andere (z.B. feministische) Ansprüche verlieren. Wenn das Gemüse ruft und wir alle Hände voll zu tun haben, stellt sich stereotypes Verhalten ein und bleibt wenig Zeit, unsere Privilegien zu reflektieren und uns gegenseitig Fähigkeiten beizubringen, vor deren Aneignung wir sonst Scheu hätten. Oder ich (ein männlich sozialisierter Gärtner) habe den ganzen Tag auf dem Acker verbracht, komme zurück in meine WG und ärgere mich darüber, dass ich, gerade ich (!), es bin, der um neun Uhr Abends noch anfangen „muss“ (!) zu kochen und zu spülen, weil es niemand anderes gemacht hat. Als ob die anderen Mitbewohner_Innen nichts zu tun gehabt hätten. Wir wollen die geschlechtliche Arbeitsteilung (produktiv / „männliche“ vs. reproduktiv / „weibliche„) überwinden? Pustekuchen!</p>
<p>Allgemein sei auch noch angemerkt, dass Landnutzung, um sie fachlich gut und angepasst betreiben zu können, ein mehrjähriges Engagement verlangt, das in Zeiten steigender Flexibilisierung und Unverbindlichkeit nicht so leicht organisierbar ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheinen könnte. Wir haben uns im Kollektiv auch nur für ein Jahr zusammengetan.</p>
<p>In diesem Sinne abschließend noch ein kleiner Seitenhieb in Richtung Revolutionsromantiker: Selbstbestimmung und Selbstverantwortung entstehen also nicht automatisch mit dem Wegfall der kapitalistischen Strukturen. Dies ist zwar eine notwendige Voraussetzung. Hinreichend wird es aber erst, wenn wir uns vom Kapitalismus in unserem Kopf befreien. Und dies ist ein langwieriger, kollektiver genauso wie individueller Prozess.</p>
<p><strong>Problemfeld 2: Lustprinzip und Verantwortung</strong></p>
<p>Auch in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft braucht es Verantwortung und Verbindlichkeit. Wir haben einer Gruppe von 60 Menschen zugesagt, für sie Gemüse zu produzieren. Damit rechnen sie. Zwar kann durch den weiterhin bestehenden Zugang zum kapitalistischen Markt ein Ernteausfall durch den Gang zum Supermarkt oder Container abgefedert werden. Aber die Vermeidung eines solchen Rückgriffs ist ja erklärtes Ziel des Projektes. Zwar ist anzunehmen, dass eine vernetzte, nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion entsprechende Lücken in der Versorgung durch Risikostreuung (verschiedene Anbaustandorte etc.) überbrücken kann. Aber (vielleicht) nicht, wenn alle Beteiligten (v.a. die Produzierenden) unbedingt dem Lustprinzip („Ich mach, wozu ich Lust habe.“) folgen. Das Lustprinzip kann zwar eine Leitlinie sein. Allerdings ist Landnutzung vor allem die Kunst, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Da kann die Witterung ein Handeln erzwingen, auf das mensch gerade keine Lust hat. Das erzeugt Druck. Druck, der aus gegenseitiger Abhängigkeit, Verantwortung und Verbindlichkeit und aus einem Arbeiten mit der Natur entsteht. Auch dieser wird in einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft nicht gänzlich verschwinden. Wir mussten uns dieses Jahr zum Beispiel durch eine beispiellose Trockenheit kämpfen: Die Pflanzen warten nicht darauf, bis jemand Lust hat, sie zu gießen. Sie vertrocknen einfach.</p>
<p>Diesen Druck erzeugen wir allerdings auch durch uns selbst. Lohnenswert bleibt deshalb darüber nachzudenken, welches Handeln wir gerade für unbedingt erforderlich halten und welches nicht. Wie weit wollen wir das Lustprinzip hinten runterfallen lassen? Was passiert mit meiner Lust, wenn alles vertrocknet und es nix mehr zu ernten gibt? Wie weit geht unsere Verantwortung für andere? Ähnlich wie bei der Balance zwischen Kollektiv und Individuum bleibt es auch bei Lustprinzip und Verantwortung ein Lernprozess, die Situationen richtig einzuschätzen und aus Fehlern zu lernen.</p>
<p><strong>Problemfeld 3: Abhängigkeit vom Kapitalismus und die Frage nach dem technischen Niveau</strong></p>
<p>Es ist leider unmöglich, das technische Niveau einer nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Produktion abzusehen. Dafür müsste die Grundlage des technischen Potentials, nämlich die Rohstoffe dieser Erde, als globales Gemeingut eingerichtet werden. Dann könnte darüber verhandelt werden, ob überhaupt, wie und für welche Technik wir sie als Menschheit verwenden wollen. Die Ergebnisse dieses hypothetischen Aushandlungprozesses bleiben zwangsläufig unbekannt. Deshalb wird es zu dem Thema, welches technische Niveau einer nicht-kapitalistische Produktion angemessen ist, unterschiedlichste Einschätzungen geben.</p>
<p>Diese Unklarheit spielt in unserem landwirtschaftlichen Projekt folgendermaßen eine Rolle: Durch den Kauf moderner Technik greifen wir erstens auf die kapitalistische Gesellschaft und ihre Durchsetzungsmechanismen von Landraub, Vertreibung und Umweltzerstörung durch Rohstoffgewinnung und industrielle Produktion zurück. Deshalb können wir den Menschen, für deren Nahrungmittelversorgung wir Verantwortung übernehmen, nicht versprechen, dass es Traktoren und Landmaschinen in der heutigen Form in einer nicht-kapitalistischen Welt weiterhin geben wird. Schlimmer noch könnte es sein, dass das Wissen um weniger technisierte Anbauverfahren in der Zwischenzeit verloren geht und damit die Nahrungsmittelversorgung in Frage gestellt wird.</p>
<p>Ganz konkret entsteht durch den Rückgriff auf die kapitalistischen Durchsetzungsmechanismen besonders dann ein Bedürfniskonflikt, wenn ich mich nach Rationalisierung und effektiver „Arbeitswirtschaft“ statt „Selbstausbeutung“, durch arbeitserleichternde Landmaschinen sehne und sich auf der anderen Seite eine Bäuerin in Bergbaugebieten in Chile wünscht, dass ich dem kapitalistischen Zwangssystem, das ihre Lebensgrundlage zerstört, keinen Vorschub leiste, indem ich darauf basierende Waren kaufe.</p>
<p>Wollen oder können wir die Produktion von Landmaschinen nicht selbst organisieren, können wir dem Dilemma aus dem Weg gehen, indem wir die nicht-kapitalistische landwirtschaftliche Produktion mit wenig technisierten Verfahren organisieren und bei der Anschaffung neuer Geräte auf die lange Haltbarkeit, einfache Reparierbarkeit, Recycelbarkeit und Durchschaubarkeit der Technik achten sowie deren ökologische Verträglichkeit in Produktion und Nutzung sowie den Enfremdungsgrad für die Produzierenden und Nutzer_Innen prüfen. Die eventuell entstehende Mehrarbeit in einem wenig technisierten System könnte auch, wenn gewollt, von der Gemeinschaft um das Projektkollektiv erledigt werden, um einem Gefühl der Selbstausbeutung und Monotonie der Hauptproduzierenden vorzubeugen.</p>
<p>Ein weiterer Schritt, um die Abhängigkeit vom Kapitalismus zu mindern, wäre es, die laufenden Kosten zu minimieren, d.h. das Produktions-System unabhängiger von Geld-Inputs zu machen. Größere Investitionen in Infrastruktur sollten dann nur getätigt werden, wenn sie uns langfristig unabhängiger von Geld-Inputs machen: ausgeklügelte Handmaschinen, Ölpressen zur Kraftstoffgewinnung, Infrastruktur/Geräte zur eigenen Saatgut-Gewinnung; oder andere Betriebe in das Netzwerk integrieren, die diese Möglichkeiten haben.</p>
<p><strong>Problemfeld 4: Fehlende Selbstorganisation im Netzwerk und Erweiterung des Konzeptes</strong></p>
<p>Genauso wie wir Gärtner_innen in unserem Tätigsein Aspekte der „arbeits-wahnsinnigen„ Gesellschaft verinnerlicht haben, so haben die “Begärtnerten„ sehr wahrscheinlich eine Konsumhaltung verinnerlicht. Gerade auch der freiwillige, monatliche finanzielle Beitrag kann diese Haltung verstärken. Während sich einige eine weitreichende Selbstorganisation als radikales Experiment gegen den Kapitalismus wünschen, ist anderen die “alternativen Gemüsebeschaffungsmaßnahme„ revolutionär genug. Wichtig, um Enttäuschungen durch diese Tendenz vorzubeugen, kann die Formulierung der gemeinsamen Vision sein und darauf folgend die selbstbestimmte, aber verantwortliche Übernahme von anfallenden Aufgaben (in der oder um die Produktion herum) je nach den Fähigkeiten und Wünschen der “Begärtnerten„. In diesem Dialog können dann auch Hindernisse auf dem Weg der Selbstorganisation (Prioritätensetzung, Zeit- und / oder Geldmangel, fehlende Transparenz, Unlust etc.) gemeinsam beschrieben und überwunden werden.</p>
<p>Wenn die Vision auch eine Ausweitung der schenkökonomischen Prinzipien auf andere Lebensbereiche beinhaltet, macht es Sinn, eine Vernetzung mit anderen umsonstökonomischen Projekten anzustreben und zu forcieren. Innerhalb des Projektes wäre es weiterhin auch möglich, die Bedürfnis-Befriedigung der „Produzierenden“(d.h. uns Gärtner_innen), nicht durch Geld, sondern durch die Fähigkeiten der Gemeinschaft zu decken. So könnte ein Begärtnerter, der gleichzeitig Arzt ist, andere in der Gemeinschaft, vor allem aber die Gärtner_innen, umsonst behandeln. Oder der Schlosser im Netzwerk könnte unsere Maschinen umsonst reparieren. Damit werden scheinbar erst mal unvermeidbare finanzielle Kosten (hier z. B. Geld für Krankenversicherung oder Werkstattkosten) irgendwann wegfallen.</p>
<p><strong>Problemfeld 5: Investitionen in und Zugang zu Produktionsmitteln</strong></p>
<p>Das oben beschriebene Budget beinhaltet weder den Kauf von Hof und Land noch die Investition in teurere Produktionsmittel. Hierfür müssen Lösungen gefunden werden: Zum Beispiel durch das Abschreiben und Einbeziehen der Investitionen in das Budget oder die Einrichtung eines Fonds für nicht-kapitalistische Projekte, in den geneigte und betuchte Menschen Gelder investieren, die dann entweder eine Sicherheit für Kredite bieten oder direkt für den Kauf von Produktionsmitteln verwendet werden. Beispiele dafür gibt es z.B. in Frankreich.</p>
<p>Diese Produktionsmittel sollten dann für ein langfristig angelegtes nicht-kapitalistisches Experiment unumkehrbar entprivatisiert werden. Dafür braucht es eine Rechtsform, die genau diese nicht-kapitalistische, ökologischen Nutzungsbestimmungen festschreibt und verankert. Dies würde auch der Forderung Rechnung tragen, dass Land von jenen bewirtschaftet werden sollte, die es am ehesten im Einklang mit den Bedürfnissen der zu versorgenden Gemeinschaft und den ökologischen Gesetzmäßigkeiten nutzen.</p>
<p><strong>Problemfeld 6: Der Zugang zu den zur Zeit begrenzten nicht-kapitalistischen Erzeugnissen</strong></p>
<p>Ähnlich wichtig wäre die Beantwortung der Frage danach, wer Zugang zu den nicht-kapitalistischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen bekommt. Nicht-kapitalistisches Gemüse ist unter jetzigen Verhältnissen ein begrenztes Gut. Die Wartelisten von uns ähnlichen Höfen zeigen auch, dass sich das Problem nicht „einfach“ bzw. kurzfristig mit der „Neugründung weiterer Projekte“ oder der „Vergrößerung“ bestehender Projekte lösen lässt. Dies wäre die ideale Lösung und ihr sollte die meiste Energie zufließen.</p>
<p>Wer hat also Zugang zu den Erzeugnissen? Diejenigen, die als erste da waren? Die mit den besseren persönlichen Connections? Auf jeden Fall nicht (nur) diejenigen, die (am meisten) zahlen? Oder jene, die die brauchbarsten Fähigkeiten einbringen? Wohl eher auch nicht. Schließlich geht es um die Entkoppelung von Geben und Nehmen. Ohne die Frage abschließend beantworten zu können, bleibt klar: Das finanzielle Budget des Projektes muss gedeckt werden. Und alle Beteiligten sollen glücklich sein. Im Ergebnis wohl ein weiterer Aushandlungsprozess.</p>
<p>Eine weitere Frage des Zugangs stellt sich, wenn wir reflektieren, dass unser Projekt zumeist aus Menschen der weißen Ober- und Mittelklasse besteht. Was ist mit sozial Ausgegrenzten? Wir stellen unser Gemüse zwar auch illegalisierten Migrant_innen in der Umgebung zur Verfügung. Diese sind allerdings nicht organisiert, wurden an den Stadtrand gedrängt, und es bestehen deshalb Barrieren auf Grund fehlender Mobilität (keine Fahrräder, kein Geld für die Öffentlichen), sozialer Isolation und auch unterschiedlicher Sprachen. Die Abholung und Verteilung der Produkte steht und fällt deshalb mit den wenigen Migrant_innen, bei denen diese Barrieren überwindbar sind und zu denen wir deshalb einen Kontakt aufbauen konnten. Hier wäre kontinuierlicher Austausch mit den Menschen vor Ort nötig. Einfacher hingegen könnte die Arbeit mit organisierten Zusammenhängen sein (z.B. Erwerblosen- und Flüchtlingsinitiativen), zu denen wir Kontakt aufzubauen versuchen.</p>
<p><strong>Die Zukunft. Kommende Herausforderungen</strong></p>
<p>Überzeugt von dem Potential dieser Idee erwarten wir, dass sich in Zukunft Fragen nach der Erweiterung auf zwei Ebenen stellen.</p>
<p>Wir könnten regional mehr Gemüse und auch mehr Produkte nach diesem Modell organisieren. Hier sind Imker_innen und Obstbäuer_innen bereits am Grübeln. Allerdings stellt sich die Frage der Organisierung neu, wenn immer mehr Menschen in einer Region Teil des Projektes werden. Wie können wir uns in Großgruppen methodisch organisieren? Ab wann müssen wir uns aufteilen und wollen wir delegieren?</p>
<p>Außerdem könnten wir uns überregional umschauen, wo unser Wein und unsere Avocados herkommen könnten. Wer stellt diese zu Verfügung? Was für Bedürfnisse haben deren Produzent_innen? Können wir dazu irgendetwas beitragen? Wird es dann nicht wieder zum Tausch? Kohl wollen sie in Spanien als Gegenleistung doch eh nicht haben.</p>
<p>Wenn die beschriebene Gegenseitigkeit also weiter ausgedehnt werden soll, wird es umso komplizierter. Es stellen sich ganze neue Fragen der Organisierung, Bedarfserfassung, Logistik, Ausstattung und Finanzierung. Fragen also, die wohl am besten im Tun beantwortet werden können.</p>
<p>Abschließend sei auch noch auf das „Netzwerk Solidarische Landwirtschaft“ hingewiesen (<a title="www.solidarische-landwirtschaft.org/" href="http://www.solidarische-landwirtschaft.org/">www.solidarische-landwirtschaft.org/</a>), dass versucht bestehende, ähnliche Projekte zu vernetzen, Neugründungen zu unterstützen und die Idee in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.</p>
<h3>Endliche Ressourcen als Gemeingut</h3>
<p>Was wäre wenn &#8230; wir über die Nutzung von Bodenschätzen global, gemeinsam und gleichberechtigt entschieden?</p>
<p><strong>Definition</strong></p>
<p>Bodenschätze, also alle endlichen Ressourcen dieses Planeten, sind prädestiniert dafür als Gemeingut zu gelten. Ob, wie und wofür diese gewonnen und genutzt werden, sollte von der gesamten Menschheit kollektiv in einem gleichberechtigten Prozess ausgehandelt werden.</p>
<p>Denn die regionale Verteilung dieser Stoffe ist zufällig, ungleich und ihre Vorkommen begrenzt. Es wäre daher absurd, nur denen eine Nutzung zu ermöglichen, die zufällig in dieser Region leben. Denn das Bedürfnis zur Nutzung dieser Ressourcen ist global. Diese Kombination aus breitem Interesse und Begrenztheit lässt Interessenkonflikte wahrscheinlich werden und verlangt deshalb umso mehr nach einer kooperativen und gleichberechtigten Aushandlung.</p>
<p>Diese Begrenztheit verlangt ebenfalls, dass die Ressourcen zwar genutzt werden können aber so verarbeitet werden sollten, dass sie nicht verbraucht, sondern trotz der temporären Verwendung, langfristig (d.h. möglichst unverändert) und unkompliziert (d.h. ohne großen energetischen oder technischen Aufwand) wieder zurück gewonnen werden können.</p>
<p>Eine Möglichkeit zur Lösung der Mengenfrage, wäre, die Nutzungsrechte der zur Zeit nutzbaren endlichen Ressourcen anteilig und gleichmäßig auf alle Menschen aufzuteilen. Damit hätten dann einzelne Menschen individuell und ihre Gemeinschaften kollektiv ein Budget an Ressourcen, das sie nutzen „dürfen“. Wofür und für wen sie diese Nutzen wollen oder ob sie ihre Anteile zusammenlegen oder anderen zur Verfügung stellen wollen, könnte dann auf kleinerer Ebene entschieden werden.</p>
<p>Auch ist anzumerken, dass der Abbau endlicher Ressourcen erhebliche Verwüstungen ganzer Landstriche in der betroffenen Region verursacht und damit extreme ökologische und soziale Schäden anrichtet. Die Leidtragenden sind hier zu aller erst die dortigen Ökosysteme und die darin lebenden Menschen. Für sie geht es nicht einfach „nur“ um Teilhabe an der Nutzung der Ressource sondern um die existenzielle Beeinträchtigung ihrer Lebensgrundlage und Lebensumwelt durch Abbau und Begleitprozesse.</p>
<p><strong>Erarbeitung von Vorschlägen für diesen globale Aushandlungs-Prozesses</strong></p>
<p>Für diesen globalen Aushandlungsprozess müssen Menschen individuell und kollektiv in ihren Gemeinschaften grundsätzliche Fragen klären: Wie und mit welcher Technik möchte ich meine Bedürfnisse und die dafür nötige Produktion organisieren? Wie viele endliche Ressourcen benötigen ich oder wir dafür? Wie erreichen wie optimale Möglichkeiten zur Wiederverwertung? Und vorausgesetzt, es gibt ein globales Interesse an der Nutzung der aus den Ressourcen produzierten Gütern: Ist deren Produktion bzw. der daraus erwachsende Nutzen verallgemeinerbar? Wenn nein: Wie bekommen wir ein ähnlich zufriedenstellendes Resultat mit geringerem Ressourcen-Bedarf?</p>
<p>Gibt es demnach Ideen und Interesse zur Nutzung bestimmter Ressourcen, müssen weitere Fragen geklärt werden. Wer organisiert den Produktionsprozess von der Rohstoffgewinnung bis zum fertigen Produkt? Wie kann diese Produktion (insbesondere der Abbau) mit möglichst wenig Schaden organisiert werden? Sinnvoll wäre es bereits zu diesem Zeitpunkt zu überlegen, woher mensch die benötigten Stoffen bekommt, um im Vorhinein Vereinbarungen und Absprachen zu den Details des Abbaus mit den Bewohner_Innen der betroffenen Regionen zu finden.</p>
<p>Durch die Beantwortung dieser sicherlich nicht erschöpfenden Fragen können dann konkrete Vorschläge und Ideen ausgearbeitet, die dann in Kooperation mit anderen Menschen umgesetzt werden können Ablauf des Aushandlungs-Prozesses</p>
<p>Hat eine Projektgruppen dann alles für ihre Unternehmung zusammen, ist es notwendig, dass das Vorhaben global transparent gemacht wird. Diese Beschreibung sollte enthalten inwiefern das Produkt die oben genannten Kritierien (Notwendigkeit zur Bedürfnisbefriedigung, weitgehende Reduzierung des Ressourcenverbrauchs/ Verallgemeinerbarkeit, Recycelbarkeit, Langlebigkeit und Reparierbarkeit) erfüllt. Des weiteren sollte ersichtlich sein, dass die benötigten Stoffe noch im oben genannten „Ressourcen-Budget“ der Beteiligten und Nutzer_Innen „drin sind“. Dies würde die globale Klasse der „Hochindustrialisierten“ erstmals ausschließen bis diese ihren Verbrauch drastisch reduziert haben.</p>
<p>Dieses Vorgehen ermöglicht einen offene Prozess in dem andere Interessierte oder Betroffene, Verbesserungen, Vorschläge, Kritik oder andere Anmerkungen einbringen könnten. Sicher werden einige Vorschlägen Kontroversen und direkte Interventionen erzeugen. Die Ergebnisse wären aus heutiger Perspektive nicht vorhersehbar. Sicher scheint, dass durch diesen Prozess die Ressourcennutzung gründlich umgekrempelt würde. Nicht zuletzt weil darin auf die Bedürfnisse der regionalen Gemeinschaften in den Abbaugebieten besonders berücksichtigt würden. Dieses von Initiative und Intervention geprägte System bliebe dynamisch genug um die menschliche Kreativität nicht unnötig zu hemmen. Die Produktion organisieren jene, die ein Interesse an den Produkten haben.</p>
<p>Spätestens jetzt stellt sich allerdings bei diesem Prozess, wie bei viele anderen globalen Problemen, die Frage, wie und wo dieser Aushandlungsprozess und die Bekanntgabe der Vorschläge denn von statten gehen soll. Das Internet könnte hier vielleicht die nötige Transparenz und in geringerem Umfang die nötige Kommunikation schaffen. Allerdings müsste dafür zu aller erst die globale IT-Infrastruktur und dessen endlicher Ressourcen-Verbrauch an sich verhandelt werden.</p>
<p>Für alle konkreteren Schritte der Umsetzung bleiben wahrscheinlich weiterhin andere, direktere Kommunktionsformen (von Telefon, Radio bis physischen Treffen von Interessierten oder Betroffenen ist alles denkbar) nötig, deren Nutzung sehr wahrscheinlich mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, um die Fülle an Informationen auszutauschen. Ob und wie die Beschaffenheit dieses Aushandlungsprozesses die Nutzung der Ressourcen und die daraus entwickelte Technik verändert, bleibt abzuwarten.</p>
<p>Es bleibt zu hoffen, dass alle Beteiligten in diesen komplexen Prozess mit ausreichend Selbstreflektion und Selbstorganisationsvermögen einsteigen.</p>
<p><strong>Fazit und praktische Konsequenzen für die Selbstorganisation im Hier und Jetzt</strong></p>
<p>Wenn wir darüber nachdenken, eine schenkökonomische Produktion zu organisieren, kommen wir um die Frage der endlichen Ressourcen nicht herum. Konsequent wäre es eigentlich mit der Organisierung dieses Ursprungs jeglicher Produktion zu beginnen. Erst in diesem Prozess könnte sich dann das technische Niveau einer selbstorganisierten Produktion abzeichnen. Zum Beispiel ob und in welcher Form die sogenannten „erneuerbaren Energien“ (die ja in Produktion und Leitungsnetzen auch auf endlichen Ressouren basieren) eine Rolle spielen. Alles andere bleibt Spekulation.</p>
<p>Die Diskussion zeigt allerdings auch die Notwendigkeit von Technik, die komplett auf erneuerbaren Ressourcen basiert. Weitere Kriterien für eine emanzipatorische Technikentwicklung könnten die einfache Recycelbarkeit und eine möglichst lange Lebensdauer aller Produkte sein. Entscheidet man sich für die vereinfachte Version, in der allen Menschen ein fairer Teil der globalen Ressourcen zugeteilt wird, ist absehbar, dass sich zum Beispiel der bundesdeutsche Ressourcenverbrauch auf 1/10 des jetzigen Niveaus absenken müsste.</p>
<p>All dies gilt es in der Öffentlichkeit, aber vor allem auch in den diversen sozialen Bewegungen bewusst zu machen. Ganz konkret gilt es auch, sich mit dem Widerstand gegen den zerstörerischen Abbau von endlichen Ressourcen, vor allem auch im globale Süden, zu solidarisieren und eigene direkte Aktionen gegen die entsprechenden Akteure zu starten.</p>
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		<title>Commons Based queer Production</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 10:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benni Bärmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf diesem Schild bin ich das erste mal dem vom üblichen &#8220;Commons Based Peer Production&#8221; abweichenden Begriff &#8220;Commons Based queer Production&#8221; begegnet. Ich bat die Schildermaler_innen um eine Erläuterung. Here we go: Mit dem Begriff “commons based queer production” beziehen wir uns auf die bei oekonux, keimform und anderen ausgearbeiteten Konzepte einer neuen kommunistischen Produktionsweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0156.jpg"><img class="left" title="IMAG0156" src="http://keimform.de/wp-content/uploads/2011/10/IMAG0156-179x300.jpg" alt="" width="179" height="300" align="left" /></a>Auf diesem Schild bin ich das erste mal dem vom üblichen &#8220;Commons Based Peer Production&#8221; abweichenden Begriff &#8220;Commons Based queer Production&#8221; <a href="http://keimform.de/2011/eindruecke-von-occupyfrankfurt/">begegnet</a>. Ich bat die Schildermaler_innen um eine Erläuterung. Here we go:</p>
<p><em>Mit dem Begriff “commons based queer production” beziehen wir uns auf die bei oekonux, keimform und anderen ausgearbeiteten Konzepte einer neuen kommunistischen Produktionsweise jenseits von Staat und Markt. Die Idee wurde angesichts tatsächlicher Produktionen im Bereich freier Software entwickelt, die auf offenen Codes und freiwilligen Beiträgen beruhen. Die “peers” kommunizieren untereinander über die zu erledigenden Aufgaben und Ziele, wie auch über die Mittel zu ihrer Erreichung. Die erstellten Produkte können frei zirkulieren (können frei heruntergeladen und kopiert werden), werden also nicht warenförmig. </em></p>
<p><em>Die Idee der commons based peer production, wie sie z.B. von Christian Siefkes ausgearbeitet wurde) verallgemeinert diese Konzepte und bezieht sie auf den gesamten Bereich materieller Produktion, der dergestalt dezentral (aber nicht marktförmig!) und radikaldemokratisch organisiert werden könnte. “Peer” durch “queer” zu ersetzen, will darauf hinweisen, dass eine gesellschaftliche Organisation von Tätigkeiten sich nicht auf solche Arbeiten beschränken darf, die der sogenannten “Produktionssphäre” zugeordnet sind, sondern auch den Bereich umschließen muss, der als “Reproduktionssphäre” gefasst wird. Schließlich arbeiten wir nicht nur in Fabriken oder Büros, sondern auch in der Küche und im Bett. Wir stellen nicht nur Lebensmittel her, sondern bereiten sie auch zu, wir basteln nicht nur Windeln, sondern wickeln sie auch. In Gesellschaften mit heterosexistischer Produktionsweise werden pflegende, sorgende, sexuelle, amouröse Arbeiten in den Bereich des Privaten verdrängt, was ihre Ausübung wie ihre (unentgeldliche) Aneignung unsichtbar macht. Dies gelingt umso besser, insofern eine Gruppe von Menschen konstruiert wird, die den Anschein erweckt, als fände sie in diesen Tätigkeiten die Entsprechung ihres natürlichen Charakters ( &#8211; und “arbeite” also dabei gar nicht). Historisch betrachtet sind die Warenbeziehung und die Liebesbeziehung gleichursprünglich. Während der eine Tätigkeitsbereich versachlicht und objektiviert wird, wird der andere Tätigkeitsbereich personalisiert und subjektiviert.</em></p>
<p><em>Das sozialistische Emanzipationsmodell wollte diese bürgerliche Spaltung aufheben, indem es sämtliche Arbeiten des Reproduktionsbereiches nach dem Vorbild der öffentlichen (Lohn)Arbeit zu rekonstruieren versuchte. Damit wurde die Bekämpfung des Geschlechterklassen zum einen auf den Tag verschoben, an dem der Staat weit genug entwickelt sein würde, um diese “Sozialausgaben” zahlen zu können, zum anderen wurden die so genannten “weiblichen” Tätigkeiten als rückständig angesehen, die im Sinne des industrialisierenden Fortschritts zu überwinden seien. Eine kommunistische Perspektive, die es ernst meint, kann es sich hier leichter machen. Sie braucht nur auszusprechen, dass sämtliche Arbeiten, die zur Befriedigung der assoziierten Bedürfnisse nötig sind, auch als gesellschaftlich notwendige anerkannt werden wollen &#8211; um solidarisch befriedigt zu werden.</em></p>
<p><em>Guido und Bini</em></p>
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		<title>Mit Commons anders sehen</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Mar 2011 08:18:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Bundeskoordination Internationalismus (BUKO) hat einen interessanten Text zum »Zwischenstand der Diskussion« über die Commons veröffentlicht. Dieser Text versteht sich nicht als Positionierung des BUKO, sondern als Zusamenfassung der bisherigen Diskussion (u.a. vom letzten BUKO-Kongress, vgl. dazu auch meinen Beitrag). Hier nun der BUKO-Diskussionsbeitrag zu den Commons. Mit Commons anders sehen. Zum Zwischenstand der Diskussion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.buko.info/"><img class="right" style="margin-left: 8px;" title="Bundeskoordination Internationalismus" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/01/buko.gif" alt="" width="130" height="115" align="right" /></a>Die <a href="http://www.buko.info/">Bundeskoordination Internationalismus (BUKO)</a> hat einen interessanten Text zum <a href="http://www.buko.info/aktuelles/single-news/?tx_ttnews[tt_news]=109&amp;cHash=685db65c4b" class="broken_link">»Zwischenstand der Diskussion«</a> über die Commons veröffentlicht. Dieser Text versteht sich nicht als Positionierung des BUKO, sondern als Zusamenfassung der bisherigen Diskussion (u.a. vom letzten <a href="http://www.buko.info/buko-kongresse/buko-33/buko33-kongress/aufruf/" class="broken_link">BUKO-Kongress</a>, vgl. dazu auch meinen <a href="http://www.keimform.de/2010/commons-jenseits-von-markt-und-staat/">Beitrag</a>).</p>
<p>Hier nun der BUKO-Diskussionsbeitrag zu den Commons. </p>
<h3>Mit Commons anders sehen. Zum Zwischenstand der Diskussion</h3>
<p>Commons sind in den letzten zwei Jahren nicht nur beim Nobelpreiskomitee, sondern auch in der linken Diskussion angekommen. In Deutschland haben mehrere linke Zeitschriften den Commons eine Ausgabe gewidmet, altbekannte Organisationsstrukturen, Projekte und Ansätze alternativen Lebens – Hausprojekte, Kommunen, Kinderläden, selbstverwaltete Betriebe oder Community-Gärten – werden nicht nur unter Commons-Gesichtspunkten neu in die Diskussion gebracht, sondern scheinen auch in den letzten Jahren wieder verstärkt praktisch in Angriff genommen zu werden. Die Diskussion um die Commons ist beileibe noch nicht zu Ende geführt. Einige Konturen von Commons als theoretischem Bezugspunkt und Grenzen und Potenziale des Begriffs als emanzipatorischen Orientierungspunkt beginnen sich aber abzuzeichnen. Auch die BUKO hat sich im Jahr 2010 im Rahmen eines Seminar und ihres Jahreskongresses mit dem Thema befasst. Der folgende, von einer Einzelperson aus der BUKO geschriebene Text versucht den Stand der Diskussion – ohne den Anspruch auf Vollständigkeit und ohne dass damit eine Positionierung der BUKO beabsichtigt wäre – zusammenzufassen.</p>
<p>Relativ klar scheint zunächst, dass das Entscheidende, Definierende an Commons aus linker Sicht zwei Aspekte sind: einerseits das Commoning, also die organisatorischen und sozialen Strukturen und Prozesse, die eine Nutzung von Gütern und Wissen als Commons ermöglichen, andererseits die Möglichkeit, dass Commons von einer großen Anzahl von Menschen nach nicht marktförmigen Regeln genutzt werden und insoweit kapitalistische Ausschlüsse entlang von Haben/Nicht-Haben vermieden werden können.</p>
<p>Ob Commons aus emanzipatorischer Sicht als normativer oder deskriptiver Begriff verwendet werden sollte, ist dabei nicht immer klar. Aus der Tatsache, dass sich auch Institutionen wie die Weltbank positiv auf den Begriff beziehen und den unten noch zu diskutierenden Grenzen der Commons, werden unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen. Während einige den Commons-Begriff so definieren wollen, dass bestimmte, nicht emanzipatorische Praktiken schon begrifflich nicht erfasst sind, sind andere der Ansicht, dass aus linker Sicht zusätzlich Anforderungen an die Organisation in Commons-Form gestellt werden sollten, um sich positiv darauf beziehen zu können.</p>
<p>Umstritten ist auch, inwieweit Commons das Potenzial haben, Herrschaftsstrukturen in einem breiteren gesellschaftlichen Maßstab zu verändern. Ein wiederkehrender Aspekt der Diskussionen ist dabei der räumlich und gegenständlich begrenzte Charakter von Commons. Nimmt man die eingangs erwähnte Definition ernst – keine Commons ohne dahinter stehende soziale Praxis – gibt es bisher kaum globale Commons, Commons in der digitalen oder Wissenssphäre ausgenommen.</p>
<p>Mit dem bislang eher lokalen Charakter von Commons gehen dabei notwendigerweise Ausschlüsse einher. Dort, wo es keine Hausprojekte oder selbstverwalteten Betriebe gibt, muss, wer Commons praktizieren möchte, entweder neue Commons schaffen bzw. erkämpfen – ein praktisch nicht immer einfaches Unterfangen – oder Teil existierender Strukturen anderen Ortes werden. Commons hochzuhalten schließt nicht die Rechte oder Bedürfnisse derjenigen ein, die nicht in CommonsStrukturen organisiert sind, beinhaltet keine klare Forderung, deren Umsetzung allen zu Gute kommen würde. Commons, so die Kritik, beschränken sich auf Gemeinschaften und bieten keine herrschaftskritische Perspektive, wie eine Vergesellschaftung jenseits von Markt und Staat aussehen könnte (vgl. Stützle 2010).</p>
<p>Tatsächlich wird im Rahmen der Diskussion um Commons bisher wenig in kritischer Weise über den Staat und die Tatsache gesprochen, dass als Commons organisierte Projekte sich – zumindest in Deutschland – häufig staatlichen (bürgerlichen) Rechts bedienen, um den nötigen Freiraum und ihre dauerhafte Existenz zu sichern. Elinor Ostrom (1990, 90) benennt als eine Voraussetzung für stabile Commons, dass Regierungen den entsprechenden Gemeinschaften Freiraum lassen, sich selbst zu organisieren. Mit den Commons solche Strukturen als positiven Fluchtpunkt emanzipatorischer Anstrengungen zu wählen, die auf staatliche Duldung angewiesen sind, mag tatsächlich gewisse Zweifel an deren subversiven Potenzial wecken. Doch letztlich können wir als Linke niemals mehr tun, als verfügbare Strukturen so gut wie möglich für unsere Ziel zu nutzen – und soziale Orte, um Alternativen auszuprobieren brauchen wir allemal.</p>
<p>Problematisiert wird teilweise auch, ob eine Organisierung aller möglichen Lebensbereiche als „Commons“ nicht auch eine Überforderung von einzelnen darstellen würde, die sich in verschiedenste Prozesse und Strukturen einbringen müssten.</p>
<p>Leerstelle der Commons ist auch eine gewisse Blindheit gegenüber anderen Herrschaftsstrukturen als den ökonomischen. So werden beispielsweise Sexismus oder Rassismus nicht automatisch verschwinden, wenn wir uns und unsere Leben in Commons-Strukturen organisieren. Commons-Strukturen im digitalen Bereich – Wikipedia oder die Produktion freier Software – sind ein deutliches Beispiel dafür, dass Commoning nicht notwendigerweise auch Geschlechterverhältnisse verändert. Linke Projekte versuchen zwar zumeist ein anti-sexistisches, anti-rassistisches und auch sonst möglichst herrschaftsfreies Commoning zu praktizieren – notwendiger Bestandteil von Commons ist eine solche Praxis aber nicht. Feministische Aspekte der Diskussion um Commons sind – zumindest in der deutschen Diskussion – dementsprechend bisher wenig beleuchtet (vgl. aber Möser 2010). Commons können dabei aber durchaus für feministische Anliegen in Anschlag gebracht werden. So dürften beispielsweise Commons vor allem in Ländern des globalen Südens für Frauen materiell noch wichtiger sein als für Männer, da Frauen häufig noch weniger Zugang zu Privateigentum und Geld und damit zu Ressourcen haben, die bezahlt werden müssen, als Männer (Pati 2006, 22). Auch theoretisch lassen sich möglicherweise fruchtbare Verbindungen zwischen Commons und Feminismus herstellen: Nicht nur die Einhegung von Commons bzw. ihre fortgesetzte Existenz sind Voraussetzung kapitalistischer Warenproduktion, auch unbezahlte und stärker von Frauen geleistete Reproduktionsarbeit gehört zu deren häufig nicht ausgesprochenen Voraussetzungen.</p>
<p>Eine politische Bezugnahme auf Commons bietet also trotz möglicherweise begrenzter Reichweite auch Potenziale. Besonders wichtig ist dabei, dass die politische Bezugnahme auf Commons deutlich macht, dass „entgegen landläufiger Meinungen, Alternativen – im Plural – existieren und zwar überall“ (de Angelis 2003). In Zeiten immer wieder beschworener vermeintlicher Alternativlosigkeit kapitalistischer Gesellschaftsmodelle ist das ein wichtiger Mehrwert. Zudem sind Commons teilweise durchaus umkämpft und der Versuch, sie zu erhalten, trifft auf Repression. Dies ist vor allem der Fall, wenn Commons den Interessen mächtiger Akteure entgegenstehen, weil diese Commons privatisieren wollen, oder wenn soziale Bewegungen – wie beispielsweise die brasilianische Landlosenbewegung MST – darum kämpfen, dass Privateigentum zu Commons wird.</p>
<p>Commons ermöglichen auch eine Verbindung von Theorie und Praxis, die bei anderen linken politischen Schlagworte der letzten Jahre – beispielsweise „Aneignung“ oder „globale soziale Rechte“ – weniger nahe liegt. Commoning geschieht nämlich schon – und linke AktivistInnen sind daran häufig aktiv beteiligt. Der Commons-Diskurs bietet damit zumindest die Möglichkeit, unsere alltäglichen Praktiken in unterschiedlichen Feldern und Regionen der Welt miteinander in Beziehung zu setzen und im Rahmen einer strukturierten und kollektiven Reflexion der Praxis Erkenntnisse zu gewinnen, wie gesellschaftliche Produktion und Reproduktion in anderer Weise funktionieren kann als über den Markt. Auch in die andere Richtung kann die Verbindung zwischen Theorie und Praxis funktionieren: Eine Beteiligung an Commons ist auch für Menschen jenseits der linken „Szene“ niedrigschwellig möglich – z.B. in Nachbarschaftsgärten oder bei Wikipedia. Wenn es gelänge, diese Praxis als Gegenmodell mit politischer Relevanz zu thematisieren, ließe sich im besten Fall ein Bewusstsein für gesellschaftliche Veränderungspotenziale breiter verankern.</p>
<p>Möglicherweise ist eine politische Bezugnahme auf Commons nicht mehr als der Akt, sich (und anderen) eine Brille aufzusetzen. Eine Brille auf der Nase verändert gesellschaftliche Realitäten nicht unmittelbar, jedoch den eigenen Blick auf die Welt. Sie macht sichtbar, was vorher nicht zu sehen war. Eine Bezugnahme auf Commons lässt gesellschaftliche Strukturen, Optionen und Utopien erscheinen, die davor nicht sichtbar und damit auch nicht beschreib- oder umsetzbar waren. Eine Brille ist dabei in vielen Fällen mehr als nur nützlich: Ohne sie lebt es sich – je nach Sehschärfe – recht ungemütlich.</p>
<p>(Stand: Februar 2011)</p>
<p><strong>Literatur:</strong></p>
<p>De Angelis, Massimo, 2003: Reflections on alternatives, commons and communities or building a new world from the bottom up, in: The Commoner Nr. 6, Winter 2003, <a href="http://www.commoner.org.uk/deangelis06.doc">www.commoner.org.uk/deangelis06.doc</a></p>
<p>Möser, Cornelia, 2010: Reflexion des Ungedachten – Kritische Überlegungen zu commons, queer politics und antikapitalistischen Praxen, in: Analyse und Kritik Nr. 549, <a href="http://www.akweb.de/ak_s/ak549/39.htm">http://www.akweb.de/ak_s/ak549/39.htm</a></p>
<p>Ostrom, Elinor, 1990: Governing the Commons – Political Economy of Institutions and Decisions, Cambridge University Press, Cambridge u.a.</p>
<p>Pati, Anuradha, 2006: Development Paradigms, Feminist Perspectives and Commons A Theoretical Intersection, Vortrag bei der Eleventh Biennial Conference of the International Association for the Study of Common Property (IASCP), Bali, Indonesia, Juni 2006, <a href="http://www.indiana.edu/~iascp/bali/papers/Pati_Anuradha.pdf" class="broken_link">http://www.indiana.edu/~iascp/bali/papers/Pati_Anuradha.pdf</a></p>
<p>Stützle, Ingo, 2010: Vor Veränderung kommt Verstehen. Die Commons liefern nur ein schräges Bild vom Kapitalismus, in: Analyse und Kritik Nr. 549, <a href="http://www.akweb.de/ak_s/ak549/44.htm">http://www.akweb.de/ak_s/ak549/44.htm</a></p>
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		<title>Männliche Geeks behaupten ihre Maskulinität auf Kosten weiblicher Geeks</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 05:27:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[German translation of a post at Restructure! and Geek Feminism Blog] by Restructure! Die meisten männlichen Geeks [1] glauben, dass sie die traditionelle Maskulinität [2] untergraben, in dem sie für sich selbst den Begriff »Geek« einfordern und sich mit ihm identifizieren. Für die meisten männlichen Geeks ist die Geek-Identität teilweise als Zurückweisung der »Jock«-Identität [3] [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="right" title="Clark Kent doll" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/07/clarkkent_doll.jpg" alt="" width="240" height="180" align="right" />[German translation of a post at <a href="http://restructure.wordpress.com/2010/06/28/male-geeks-reclaim-masculinity-at-the-expense-of-female-geeks/">Restructure!</a> and <a href="http://geekfeminism.org/2010/07/07/male-geeks-reclaim-masculinity-at-the-expense-of-female-geeks/">Geek Feminism Blog</a>]</p>
<p><em>by Restructure!</em></p>
<p>Die meisten <strong>männlichen Geeks</strong> [1] glauben, dass sie die traditionelle <strong>Maskulinität</strong> [2] untergraben, in dem sie für sich selbst den Begriff »Geek« einfordern und sich mit ihm identifizieren. Für die meisten männlichen Geeks ist die Geek-Identität teilweise als Zurückweisung der »Jock«-Identität [3] definiert. Entsprechend der traditionellen sozialen High-School-Hierarchie sind Jocks Männer mit einem hohen Status und männliche Geeks Männer mit einem niedrigen Status; Jocks sind Alpha-Männer und männliche Geeks sind Beta-Männer; Jocks sind maskulin und männliche Geeks sind »unmännlich« [effeminate]. Wenn sich daher ein Mann als Reaktion selbst als »Geek« bezeichnet, dann redefiniert er, <em>was es heißt ein Mann zu sein</em>, dann redefiniert er die Geek-Identität als <em>maskulin</em>.</p>
<p>Typische männliche Geeks behaupten, dass <em>Geek-sein maskulin-sein ist</em>, in dem sie wissenschaftliche, mathematische und technologische Errungenschaften überwiegend männlicher Personen als definitiven Beweis darüber heran ziehen, dass Wissenschaft, Mathematik und Technologie <em>inhärent männlich sind</em> und <em>Männlichkeit definieren</em>. <a title="Slashdot (Geek Feminism Wiki)" href="http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Slashdot">Solche</a> <a title="Digg (Geek  Feminism Wiki)" href="http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Digg">männlichen Geeks</a> behaupten typischerweise, dass es angeborene Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen gibt, die Erfolge in Wissenschaft, Mathematik und Technologie exklusiv Männern vorbehalten. Daher werden <a title="Gender difference in math ability variability driven by  social  inequality, not biology – study" href="http://restructure.wordpress.com/2009/06/09/gender-difference-in-math-ability-variability-driven-by-social-inequality-study/">Arguments und Studien, die auf das Gegenteil hinweisen, als direkter Angriff</a> auf die <em>Maskulinität </em>und <em>männliche Identität</em> der männlichen Geeks wahrgenommen. Nach dieser männlichen Geek-Weltsicht <em>verlieren männliche Geeks ihren Anspruch auf Maskulinität</em>, wenn Frauen in Wissenschaft, Mathematik und Technologie gleichermaßen  kompetent sind, und werden wieder zu Beta- und »unmännlichen« Männern mit niedrigem Status, weil es nichts mehr gibt, das männliche Geeks von Frauen unterscheidet. Daher tendieren männliche Geeks &#8212; viel öfter als Nicht-Geek-Männer &#8212; dazu, emotional und sozial die Position zu vertreten, weibliche Gehirne sind nicht in gleicher Weise für ein Verständnis von Wissenschaft, Mathematik und Technologie geschaffen wie das bei Männern der Fall ist.</p>
<p>Die bloße <em>Wahrscheinlichkeit</em>, dass Frauen und Männer in gleicher Weise zu Wissenschaft, Mathematik und Technologie fähig sind, bedroht die typische männliche Geek-Identität. Das erklärt, warum männliche Geeks in Internet-Kommentaren <a title="Gender difference in math ability variability driven by  social inequality, not biology – study" href="http://restructure.wordpress.com/2009/06/09/gender-difference-in-math-ability-variability-driven-by-social-inequality-study/"><em>Spekulationen</em> über anlagebedingte Begrenzungen von Gehirnen bei Frauen</a> und <a title="Evolutionary Psychology Bingo Card" href="http://restructure.wordpress.com/2010/04/14/evolutionary-psychology-bingo-card/"><em>Spekulationen</em> über unsere evolutionäre Vergangenheit</a> unterstützen, während <a title="Environmental and social barriers restrict women in science,  tech, engineering, and math." href="http://restructure.wordpress.com/2010/03/29/environmental-social-barriers-restrict-women-in-stem-fields/">empirische Studien, die eine Gender-Voreingenommenheit zeigen</a>, igonoriert oder abgelehnt werden. Wenn männliche Geeks das Thema von Frauen in Wissenschaft, Mathematik und Technologie diskutieren, werden skeptische und kritische Haltungen gegenüber Anekdoten, die normaler Weise in Geek-Communities geschätzt werden, gemieden zu Gunsten von Erzählungen, die männliches Geek Selbstwertgefühl und Überlegenheit demonstrieren.</p>
<p>Mit anderen Worten verhindern männliche Geek-Vorurteile, dass eine objektive Diskussion über Frauen in Wissenschaft, Mathematik und Technologie entsteht. Wir müssen die Existenz von und Motivationen hinter diesen männlichen Geek-Vorurteilen erkennen, um wirklich die Feindseligkeit gegen die Vorstellung von weiblichen Geeks in Angriff zu nehmen.</p>
<p>[1] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Geek">Geek</a>: hier benutzt als Person mit großem Interesse an Wissenschaft und Technologie.</p>
<p>[2] Maskulinität: hier benutzt im Sinne einer überlegenen Männlichkeit (auch: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Maskulinismus">Maskulinismus</a>).</p>
<p>[3] <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jock">Jock</a>: hier benutzt als dominanter Mainstream-Mann.</p>
<p style="text-align: center;">* * *</p>
<p>[Nachfolgend noch ein <a href="http://geekfeminism.org/2010/07/07/male-geeks-reclaim-masculinity-at-the-expense-of-female-geeks/#comment-5969">Kommentar</a> von <a href="http://geekstudies.org/">Jason T</a> zu diesem Artikel.]</p>
<p>Es gibt in der Tat einige Studien, die darauf hinweisen, dass männliche Geeks den Begriff »Geek« benutzen, um sich Maskulinität in wechselnden/nicht-hegemonialen Formen anzueignen &#8212; und es gibt auch einige interessante Arbeiten, die darauf hinweisen, dass weibliche Geeks und Nerds solche Begriffe in ähnlicher Weise in Hinsicht auf Feminität benutzt haben. (Siehe Lori Kendalls und  Mary Bucholtz’ Arbeiten für einige der letzteren.)</p>
<p>Ich habe definitiv das Phänomen, das du beschreibst, in meiner eigenen Forschung über Geeks (über die ich kürzlich eine Dissertation in einem Kommunikationsprogramm abgeschlossen habe) erlebt. Es ist extrem wichtig, darauf hinzuweisen und Geeks Futter für das Nachdenken zu bieten.</p>
<p>Dennoch würde ich nicht notwendiger Weise sagen, dass diese Herangehensweise an die Geek-Identität unter den Männern »typisch« ist für die Population, mit der ich im Allgemeinen zu tun habe, eingeschlossen qualitative Studien, sowohl persönlich wie online. Für <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Slashdot">Slashdot</a> scheint es in hohem Maße repräsentativ zu sein, und im Allgemeinen ist es online sichtbarer als personal, aber Slashdot != Geektum. (außerdem denk dran, dass Kommentare auf Slashdot, die vehement und intelligent frauenfeindlichen Perspektiven widersprechen, oft vergleichsweise hoch bewertet werden im Vergleich zu solchen, die klar sexistisch sind, was den Schluss schwierig macht, dass Slashdot-Nutzer entsprechend einer bestimmten Perspektive konsistent Bewertungen abgeben.)</p>
<p>Persönlich denke ich, dass es kurzschlüssig wäre anzunehmen, dass die meisten Geek-Versuche, die Normen hegemonialer Maskulinität zu unterlaufen, bedeuten, dass Mitglieder anderer Gender-Identitäten ausgegrenzt oder unterdrückt werden. Ich finde die Feindschaft vieler selbst ernannter Geeks gegenüber »Jocks« im Allgemeinen sehr nervend (gelinde gesagt), habe aber auch viele Männer erlebt, die ihre Geek-Identität auf eine Weise konzeptualisieren, Aggression und Konkurrenz gegenüber Frauen zurückzuweisen und Verspieltheit und Intellektualität als Qualitäten wertzuschätzen, die jedem offenstehen sollten, während kindische/sexuelle Stigmas abgelehnt werden. Kein_e Forscher_in, den/die ich kenne, hat harte Zahlen darüber vorgelegt, welche Proportionen zwischen selbst erklärten feministischen und egalitäten Geeks versus ignoranten und sexistischen Geeks bestehen, aber ich würde schätzen, dass die ersteren in nicht so unbeträchtlicher Zahl vorkommen, um die letzteren als »typisch« zu bezeichnen. Die ignoranten und sexistischen Geeks sind im Internet definitiv laut, aber es bleibt schwierig zu sagen, ob das so ist, weil deren tatsächliche Zahl auf diese Weise sichtbar wird oder weil Kommentar-Threads und Foren unverhältnismäßig oft sozial inakzeptable Meinungen anziehen, denen die Leute nicht entkommen können, in dem sie sagen »IRL« [im wirklichen Leben].</p>
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		<title>Productive pigs and unproductive children</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Jul 2010 17:45:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[Deutsche Version] In our economy-driven society it is taken for granted, that it is »the economy« which produces the societally necessary goods. However, this is not the case, which can be impressively shown by looking into official statistics. The german Federal Statistical Office has carried out two »time usage surveys«, one in 1991/92 and one [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/07/paid_unpaid_labor.png"><img class="left" title="Paid and unpaid labor (click to enlarge)" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/07/paid_unpaid_labor-300x190.png" alt="" width="300" height="190" align="left" hspace="8" /></a>[<a href="http://www.keimform.de/2010/produktive-schweine-und-unproduktive-kinder/">Deutsche Version</a>]</p>
<p>In our economy-driven society it is taken for granted, that it is »the economy« which produces the societally necessary goods. However, this is not the case, which can be impressively shown by looking into official statistics.</p>
<p>The german Federal Statistical Office has carried out two »time usage surveys«, one in 1991/92 and one in 2001/02, by which it was determined what time people use for what kind of activity. In a preface of a booklet presenting the results the secretary being responsible at that time wrote:</p>
<blockquote><p><em>The fact, that quality of life in our society especially needs those works, which are not paid and not taken into account by national economy statistics&#8212;like housekeeping, child education, civil engagement, and honorary works&#8212;this fact is vividly and highly visible presented by this survey.</em></p></blockquote>
<p>Before judging the survey&#8212;in contrast to the secretary ending her preface with the cited sentence&#8212;some results will be presented previously. I will focus on data concerning paid and unpaid labor. Unpaid labor apply to all household activities (so called household production), and care and support as well as honorary activities.</p>
<p>The illustration shown above (click to enlarge) shows the year-volume of unpaid and paid labor, in each case for the period of the first and second survey. By calculating the proportions of labor being entirely necessary in society, one gets a fraction of approx. <strong>63%</strong> unpaid and <strong>37%</strong> paid labor for both periods (with a minimal shift towards paid labor).</p>
<p>However, the home-to-office times had been reported separately. If adding these efforts to unpaid labor (which usually should be the case: although necessary for gainful employment no money is received for it), one gets a fraction of approx. <strong>65.5%</strong> unpaid and <strong>34.5%</strong> paid labor. All in all one can assume a relationship of <strong>two third of unpaid labor</strong> to <strong>one third of paid labor</strong>.</p>
<p>Furthermore, if one thinks of the findings of Karl Marx, that the value of the labor power is determined by the costs to re-/build it, then aspects separated by the survey like <em>regeneration</em> (free time, recreation, media usage) and <em>continuing education</em> had to be included as well. However, since the survey is a time based study, monetary costs cannot be determined.</p>
<p>Also assisting times for persons needing care are rather underestimated, because »the permanent on-call duty« (Schäfer) is not incorporated. Etc. More points could be mentioned more and more generally <em>questioning the treatment of activities of life as being »labor«</em>&#8212;and not only the fact, whether they are paid or not.</p>
<p>It is funny that the analysis of the survey data tries to calculate the »value« of the unpaid labor. An after tax payment of 6 Euro (1991/92) and 7 Euro (2001/02) respectively is assumed. By adding usual social services the amounts could be doubled. If one is doing calculations already then all pass through used-up and long-lasting goods have to be comprised, too. Finally one ends up with a »household enterprise«, which could be compared with a »normal« business company. Its GDP (gross domestic product) proportion is about 43% and 40% respectively. Calculating base is the after tax payment mentioned above for the »household enterprise«. If one inserts pre-tax earnings or average production wages instead, this would lead to completely different results which means, that numerical games based on monetary values are basically pointless.</p>
<p>What does it mean when twice as much of necessary activities in a society are done unpaid than paid?</p>
<p>First, one should accept the fact, <em>that</em> this is the case! The »economy« is&#8212;in terms of time&#8212;not the most important sphere of societally necessary activities. At the same time its logics are totally dominant: Only what pays off will be done economically, will be exploited. In this logics no exploitation means misfortune, poverty, exclusion, crash.</p>
<p>The »non-economy« is the other side of the »economy« in a double sense: Without its contributions »economy« would not be possible. »Non-economy« catches all those activities which have to be done but are not exploitable. At the same time it is the pool of potentially exploitable »worthless« things: More and more activities are graped by the logics of exploitation and formed by its image (e.g. commercialized care activities which are scaled by minutes, whereas human attention remains an alien task).</p>
<p>Finally, it is not astonishing, that both fields are structured by gender (the survey analyzes the »non-economy« in respect of gender specificity): the »female non-economy« is opposed by a »male economy«. Here we find the same general relation of exploitation and not-yet-exploited: What is currently not the case can emerge in the future. Or the other way around: Whose labor power is exploitable, is allowed to do the physical and psychic clean-up in the split-off »non-sphere«.</p>
<p>The economist <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_List">Friedrich List</a> already knew:</p>
<blockquote><p><em>Who rears pigs is a productive, who rears children is an unproductive member of society.</em></p></blockquote>
<p>Exactly there we are yet today.</p>
<p><strong>Literature</strong></p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02 (german)</p>
<p>D. Schäfer, Unbezahlte Arbeit und Haushaltsproduktion im Zeitvergleich, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Alltag in Deutschland. Analyse zur Zeitverwendung, Forum der Bundesstatistik, Band 43, 2004, S. 247-273 (german).</p>
<p>Sources online: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/WirtschaftsrechnungenZeitbudgets/Zeitbudgeterhebung/content75/InfoZeitbudget,templateId=renderPrint.psml">time usage survey (german: Zeitbudgeterhebung)</a></p>
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		<title>Produktive Schweine und unproduktive Kinder</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 13:42:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[[English version] In unser wirtschaftsdominierten Gesellschaft gilt es als selbstverständlich, dass es im wesentlichen „die Wirtschaft“ sei, die die gesellschaftlich notwendigen Güter produziere. Dem ist jedoch nicht so. Durch einen Blick in die offiziellen Statistiken können wir uns davon eindrucksvoll überzeugen. Das Statistische Bundesamt hat 1991/92 und 2001/02 jeweils eine Zeitbudgetstudie durchgeführt, in der ermittelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/07/bezahlte_unbezahlte_arbeit.png"><img class="left" title="Bezahlte und unbezahlte Arbeit (Klicken zum vergrößern)" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/07/bezahlte_unbezahlte_arbeit-300x190.png" alt="" width="300" height="190" align="left" hspace="8" /></a>[<a href="http://www.keimform.de/2010/productive-pigs-and-unproductive-children/">English version</a>]</p>
<p>In unser wirtschaftsdominierten Gesellschaft gilt es als selbstverständlich, dass es im wesentlichen „die Wirtschaft“ sei, die die gesellschaftlich notwendigen Güter produziere. Dem ist jedoch nicht so. Durch einen Blick in die offiziellen Statistiken können wir uns davon eindrucksvoll überzeugen.</p>
<p>Das Statistische Bundesamt hat 1991/92 und 2001/02 jeweils eine Zeitbudgetstudie durchgeführt, in der ermittelt wurde, welche Zeit Menschen für welche Tätigkeit verwenden. Im Vorwort einer Broschüre zu den Ergebnissen der letzten Studie schreibt die seinerzeit zuständige Ministerin:</p>
<blockquote><p><em>Dass zur Lebensqualität in unserer Gesellschaft gerade diejenigen Arbeiten gehören, die nicht bezahlt werden und somit nicht in die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen eingehen – also Arbeiten im Haushalt, die Kindererziehung, das bürgerschaftliche Engagement und Ehrenamt – das führt diese Untersuchung plastisch und unübersehbar vor Augen.</em></p></blockquote>
<p>Bevor ich – im Gegensatz zur Ministerin, die mit dem zitierten Satz ihr Vorwort beendet – die Studie bewerten will, seien zunächst einmal einige Ergebnisse vorgestellt. Ich beschränke mich auf die Daten zur bezahlten und unbezahlten Arbeit. Als unbezahlte Arbeit gelten alle Tätigkeiten im Haushalt (die sog. Haushaltsproduktion), Pflege- und Betreuungs- sowie ehrenamtliche Tätigkeiten.</p>
<p>Die oben dargestellte Grafik (Klicken zum vergrößern) zeigt das Jahresvolumen der unbezahlten und bezahlten Arbeit jeweils für den Zeitraum der ersten und zweiten Studie. Berechnet man die jeweiligen Anteile an der insgesamt notwendigen Arbeit, so ergibt sich für beide Zeiträume ein Anteil von ca. <strong>63%</strong> unbezahlter und <strong>37%</strong> bezahlter Arbeit (mit minimaler Verschiebung in Richtung bezahlter Arbeit).</p>
<p>Die Wegezeiten zur Erwerbsarbeit wurden allerdings extra ausgewiesen. Rechnet man diese zur unbezahlten Arbeit (was in der Regel der Fall sein dürfte: obwohl für die Erwerbsarbeit erforderlich, gibt‘s dafür kein Geld), dann ergibt sich ein Anteil von ca. <strong>65,5%</strong> unbezahlter und <strong>34,5%</strong> bezahlter Arbeit. Insgesamt kann man also von einem Verhältnis von <strong>zwei Dritteln unbezahlter Arbeit</strong> und <strong>einem Drittel bezahlter Arbeit</strong> ausgehen.</p>
<p>Denkt man darüber hinaus an die Erkenntnis von Karl Marx, nach der sich der Wert der Ware Arbeitskraft durch die Kosten zu ihrer Wieder-/Herstellung bestimmt, dann wären die in der Studie separierten Bereiche der <em>Regeneration</em> (Freizeit, Erholung, Mediennutzung) und der <em>Weiter-/Bildung</em> ebenfalls mit einzubeziehen. Da es sich bei der Studie um eine Zeituntersuchung handelt, lassen sich jedoch insgesamt die monetären Kosten nicht bestimmen.</p>
<p>Auch die Betreuungszeiten bei pflegebedürftigen Personen sind eher unterschätzt, da „der ständige Bereitschaftsdienst“ (Schäfer) nicht mit berücksichtigt ist. Etc. Weitere Punkte ließen sich anführen, die jedoch immer mehr dazu führen, dass die <em>Behandlung von Lebenstätigkeiten als „Arbeit“ generell fragwürdig</em> wird und nicht nur die Tatsache, ob sie bezahlt sind oder nicht.</p>
<p>In der Studie wird dann lustiger Weise der Versuch unternommen, den „Wert“ der unbezahlten Arbeit auszurechnen. Angenommen wird eine Netto-Vergütung von 6 Euro (1991/92) bzw. 7 Euro (2001/02), rechnet man übliche Sozialleistungen hinzu, verdoppeln sich die Beträge. Ist man schon beim Rechnen, dann muss man auch die durchlaufenden vernutzten und die langlebigen Gebrauchsgüter einbeziehen. Am Ende landet man schließlich beim „Haushaltsunternehmen“, das man mit „normalen“ Wirtschaftsunternehmen vergleichen könne. Ihr Anteil am BIP (Bruttoinlandsprodukt) beträgt 43% bzw. 40%. Berechnungsbasis ist die o.g. Netto-Vergütung für das „Haushaltsunternehmen“. Setzt man hier Bruttolöhne oder etwa durchschnittliche Produktionslöhne ein, ergäben sich ganz andere Zahlen – womit die Zahlenspielerei auf Basis monetärer Werte generell witzlos wird.</p>
<p>Was bedeutet es, wenn doppelt so viele gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten unbezahlt wie bezahlt erledigt werden?</p>
<p>Zunächst einmal sollte man sich die Tatsache klar machen, <em>dass</em> dem so ist. Die „Wirtschaft“ ist – zeitlich gesehen – nicht der wichtigste Bereich der gesellschaftlich-notwendigen Tätigkeiten. Gleichzeitig ist ihre Logik total dominant: Nur was sich rechnet, wird auch wirtschaftlich gemacht, sprich: verwertet. Keine Verwertung bedeutet Unglück, Armut, Ausgrenzung, Absturz.</p>
<p>Die „Nicht-Wirtschaft“ ist in doppelter Hinsicht die andere Seite der „Wirtschaft“: Ohne sie ginge „Wirtschaft“ nicht. Sie fängt all jene Tätigkeiten auf, die erledigt werden müssen, sich aber nicht verwerten lassen. Gleichzeitig ist sie Pool des potenziell „in Wert“ zu setzenden „Wertlosen“: Immer mehr Tätigkeiten werden von der Verwertungslogik erfasst und nach ihrem Bild formiert (vgl. die Pflegetätigkeiten, die nach Minuten skaliert werden, in der menschliche Zuwendung hingegen ein Fremdwort sein muss).</p>
<p>Es verwundert schließlich nicht, dass die beiden Bereiche geschlechtlich strukturiert sind (der Bereich der „Nicht-Wirtschaft“ wird in der Studie auf ihre Geschlechtsspezifik untersucht): Die „weibliche Nicht-Wirtschaft“ steht der „männlichen Wirtschaft“ gegenüber. Doch auch hier verhält es sich wie mit dem generellen Verhältnis von Verwertung und noch nicht Verwertetem: Was nicht ist, kann noch werden. Und andersherum: Wessen Arbeitskraft als nicht mehr verwertbar gilt, darf im abgespaltenen „Nicht-Bereich“ die physischen und psychischen Aufräumarbeiten erledigen.</p>
<p>Schon der Ökonom <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_List">Friedrich List</a> wusste:</p>
<blockquote><p><em>Wer Schweine erzieht ist ein produktives, wer Kinder erzieht ein unproduktives Mitglied der Gesellschaft.</em></p></blockquote>
<p>Exakt dort stehen wir heute noch.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), Wo bleibt die Zeit? Die Zeitverwendung der Bevölkerung in Deutschland 2001/02</p>
<p>D. Schäfer, Unbezahlte Arbeit und Haushaltsproduktion im Zeitvergleich, in: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Alltag in Deutschland. Analyse zur Zeitverwendung, Forum der Bundesstatistik, Band 43, 2004, S. 247-273.</p>
<p>Quellen online: <a href="http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/WirtschaftsrechnungenZeitbudgets/Zeitbudgeterhebung/content75/InfoZeitbudget,templateId=renderPrint.psml">Zeitbudgeterhebung</a></p>
<p>[Update: 2012/13 sollte die nächste Studie durchgeführt werden, Ergebnisse werden für 2015 erwartet]</p>
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		<title>Subjektfundierte Hegemonietheorie</title>
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		<pubDate>Sat, 01 May 2010 06:37:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Friederike Habermann, u.a. Autorin des Buches »Halbinseln gegen den Strom«, stellt in einer offenen Sommeruni ihre Diss vor, die unter dem Titel »Der homo oeconomicus und das Andere« als Buch erschienen ist. Ausgangspunkt ihrer subjektfundierten Hegemonietheorie ist die Einsicht: Letztlich sind alle Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben – und es geht darum, sie alle umzuwerfen. Nur wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="left" title="Friederike Habermann: Der homo oeconomicus und das Andere" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/05/homo-oeconomicus.gif" alt="" hspace="8" width="140" height="207" align="left" />Friederike Habermann, u.a. Autorin des Buches <a href="http://www.keimform.de/2009/09/22/halbinseln-gegen-den-strom/">»Halbinseln gegen den Strom«</a>, stellt in einer <a href="http://www.streifzuege.org/2010/offene-sommeruni" class="broken_link">offenen Sommeruni</a> ihre Diss vor, die unter dem Titel »Der homo oeconomicus und das Andere« als <a href="http://www.trend.infopartisan.net/trd0209/t340209.html">Buch</a> erschienen ist. Ausgangspunkt ihrer subjektfundierten Hegemonietheorie ist die Einsicht:</p>
<blockquote><p><em>Letztlich sind alle Herrschaftsverhältnisse miteinander verwoben – und es geht darum, sie alle umzuwerfen.</em></p></blockquote>
<p>Nur <a href="http://www.linksnet.de/de/artikel/24006">wie angehen</a>? Mit einem Baukasten marxistischer und postmoderner Theorieansätze: Michel Foucaults Gouver­ne­mentalität, Antonio Gramscis Hegemonietheorie, Jacques Derridas Poststrukturalismus, dem Postmarxismus von Ernesto Laclau &amp; Chantal Mouffe sowie dem Post­feminismus von Judith Butler und dem Postkolonialismus von Gayatri C. Spivak.</p>
<p>Termin: 1. bis 6. August. Mehr Infos <a href="http://www.streifzuege.org/2010/offene-sommeruni" class="broken_link">hier</a>.</p>
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		<title>Bechdel-Test</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Apr 2010 13:52:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>StefanMz</dc:creator>
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		<description><![CDATA[DE: Die Comic-Zeichnerin Alison Bechdel hat (in einem Comic) einen simplen Test erfunden. Es geht um die Frage, ob und wie Frauen in Filmen vorkommen. Filme erfüllen den Bechdel-Test, wenn sie drei Kriterien genügen: Mindestens zwei (namentlich genannte) Frauen kommen in dem Film vor. Sie reden miteinander &#8230; &#8230; über ein anderes Thema als einen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>DE</strong>: Die Comic-Zeichnerin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alison_Bechdel">Alison Bechdel</a> hat (in einem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Dykes_to_Watch_Out_For">Comic</a>) einen simplen Test erfunden. Es geht um die Frage, ob und wie Frauen in Filmen vorkommen. Filme erfüllen den Bechdel-Test, wenn sie drei Kriterien genügen:</p>
<ol>
<li>Mindestens zwei (namentlich genannte) Frauen kommen in dem Film vor.</li>
<li>Sie reden miteinander &#8230;</li>
<li>&#8230; über ein anderes Thema als einen Mann.</li>
</ol>
<p>Nur wenige Filme bestehen den <a href="http://bechdel.nullium.net/">Test</a>. Denn »mehr Frau« ist dem männlichen, weißen, heterosexuellen Zielpublikum echt nicht <a href="http://thehathorlegacy.com/why-film-schools-teach-screenwriters-not-to-pass-the-bechdel-test/">zuzumuten</a>. Der Test sagt übrigens nichts über die Qualität des Films aus. [<a href="http://hanhaiwen.wordpress.com/2010/03/29/der-bechdel-test/">via</a>]</p>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="549" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/bLF6sAAMb4s" frameborder="0" allowFullScreen="true"> </iframe></p>
<p><strong>EN</strong>: Cartoonist <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Alison_Bechdel">Alison Bechtel</a> has created a simple test (in a <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dykes_to_Watch_Out_For">comic strip</a>). It is about the question if and how women occur in movies. Movies pass the Bechdel test, if they satisfy three requirements:</p>
<ol>
<li>At least two (named) women appear in the movie.</li>
<li>They talk to each other &#8230;</li>
<li>&#8230; about something besides a man.</li>
</ol>
<p>Only few movies pass the <a href="http://bechdel.nullium.net/">test</a>. Because the male, white, and heterosexual target audience can really not be <a href="http://thehathorlegacy.com/why-film-schools-teach-screenwriters-not-to-pass-the-bechdel-test/">faced</a> with »more woman«. Btw, the test does not say anything about the quality of the movie.</p>
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		<title>George Clooney als homo oeconomicus in der Krise</title>
		<link>http://keimform.de/2010/george-clooney-als-homo-oeconomicus-in-der-krise/</link>
		<comments>http://keimform.de/2010/george-clooney-als-homo-oeconomicus-in-der-krise/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 28 Feb 2010 15:31:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Benni Bärmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Feindbeobachtung]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
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		<description><![CDATA[Gestern habe ich &#8220;up in the air&#8221; gesehen. Ein Film, der mich ähnlich ratlos hinterlassen hat, wie Antje, wenn auch aus anderen Gründen. (Spoilerwarnung: Wer den Film noch sehen mag und nicht mit Spoilern leben kann, sollte vielleicht nicht weiterlesen). Ich glaube zunächst mal im Gegensatz zu Antje, dass es in dem Film nicht primär [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern habe ich <a href="http://www.imdb.com/title/tt1193138/">&#8220;up in the air&#8221;</a> gesehen. Ein Film, der mich ähnlich ratlos hinterlassen hat, wie <a href="http://antjeschrupp.com/2010/02/13/%E2%80%9Ei%E2%80%99m-just-like-you-only-with-a-vagina%E2%80%9D/">Antje</a>, wenn auch aus anderen Gründen. (Spoilerwarnung: Wer den Film noch sehen mag und nicht mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spoiler_%28Medien%29">Spoilern</a> leben kann, sollte vielleicht nicht weiterlesen).</p>
<p><iframe title="YouTube video player" class="youtube-player" type="text/html" width="549" height="339" src="http://www.youtube.com/embed/0YiBj6l8-Ms" frameborder="0" allowFullScreen="true"> </iframe></p>
<p>Ich glaube zunächst mal im Gegensatz zu Antje, dass es in dem Film nicht primär darum geht ein Role-Modell zu installieren (was einen natürlich nicht daran hindern muss, eins in dem Film zu suchen). Es ist wohl eher der Versuch das Krisen-Trauma zu verarbeiten. Was ist denn jetzt mit dem <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/American_Dream">American Dream</a> wo der so offensichtlich einen vor den Bug gekriegt hat? Diese Frage will der Film bearbeiten. Deswegen wird er auch für so viele Oskars nominiert, was mir ansonsten völlig unverständlich wäre, weil das künstlerisch ein völlig durchschnittlicher Film ist. Aber er nimmt eine gesellschaftliche Funktion war. Dass er an dieser Aufgabe scheitert, wundert nicht weiter, denn die Gesellschaft als Ganzes scheitert ja auch daran. Doch genau aus diesem Scheitern können wir vielleicht etwas lernen.</p>
<p>Ryan ist die übertriebene Karikatur des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Homo_oeconomicus">homo oeconomicus</a>. Er zelebriert seine Bindungslosigkeit und hält Vorträge darüber, wie man sich von allen Bindungen befreien kann. Er lebt davon Leute zu feuern und kriegt deshalb in der Krise noch extra viel Arbeit. Der Film versucht nun zunächst in klassischer Hollywoodmanier das Gegenteil zu diesem Lebensmodell zu installieren, das Lieblingsthema von Hollywood seit Jahrzehnten: Die <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Family_values">Family Values</a>. Das wird dann zunächst etwas gebrochen, weil Ryans auserwählte dummerweise schon eine Familie hat. Er selbst begibt sich am Schluss also auch wieder in seine Bindungslosigkeit, aber die von ihm gefeuerten beteuern uns, dass sie ja so glücklich über den Rückhalt ihrer Familien sind, und dass das ja das einzig wichtige im Leben ist. Ausgenommen, die eine gefeuerte, die sich umgebracht hat, die hatte wohl keine Familie &#8211; zumindest ist im Film nicht von einer die Rede.</p>
<p>Am Ende bleibt nur Ratlosigkeit zurück. Sowohl beim Zuschauer als auch bei Ryan. Da wird nichts aufgelöst. Es ist einfach so, dass er mangels Alternative so weiter macht wie bisher auch wenn er inzwischen gelernt hat, dass das Leben als homo oeconomicus nicht wirklich trägt. Damit spiegelt der Film genau die gesellschaftliche Situation in der wir uns befinden: Alle wissen, dass der Neoliberalismus gescheitert ist, es muss noch irgendetwas anderes geben, nur das klassische abgespaltene Andere der &#8220;Family Values&#8221; kann es nicht mehr sein. Die sind auch unwiderbringlich verloren. Das Festhalten an diesen Werten wirkt ebenso verzweifelt und ratlos wie das Festhalten am homo oeconomicus. Also wird weitergemacht wie bisher. Ryan sammelt weiter Bonusmeilen und die FED senkt die Zinsen und den Banken schiebt man das Geld in den Arsch. Was soll man auch sonst tun? Davon hat dieser Film ebenso wenig eine Ahnung wie die Gesellschaft als Ganzes. Ist das zu dokumentieren schon ein Verdienst?</p>
<p><a href="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/02/homooekonomicus.gif"><img class="left" title="homooekonomicus" src="http://www.keimform.de/wp-content/uploads/2010/02/homooekonomicus.gif" alt="" width="140" height="207" /></a>Nun lese ich gerade Friederikes Buch &#8220;<a href="http://www.nomos-shop.de/productview.aspx?product=9926&#038;toc=111">Der homo oeconomicus und das Andere</a>&#8221; in dem erklärt wird, wie diese beiden Welten zusammen hängen und wie sie historisch gemeinsam entstanden sind. Ich bin noch ganz am Anfang aber ich hoffe doch, dass das Buch mir mehr zu bieten hat als der ratlose Film. In der Einleitung hat sie sich auf jeden Fall schon mal viel vorgenommen:</p>
<blockquote><p>&#8220;In dieser Arbeit möchte ich</p>
<ul>
<li>die Möglichkeiten eines subjekttheoretisch fundierten Hegemoniebegriffs aufzeigen</li>
<li>die Entstehung und Bedeutung des <em>homo oeconomicus</em> als hegemoniales Ideal und die damit verbundenen Abspaltungen wirtschaftstheoretisch herausarbeiten</li>
<li>die Konstruktion von Zweigeschlechtlichkeit und &#8220;Rassen&#8221; historisch in ihrer Interaktion zum bürgerlichen Subjekt verfolgen</li>
<li>empirisch und theoretisch auf das Verwobensein von nicht nur Ökonomie und Identitäten, sondern aller Machtverhältnisse verweisen</li>
<li>auf dieser Analyse theoretische und politische Perspektiven aufbauen.&#8221;</li>
</ul>
</blockquote>
<p>Verdammt viele dicke Bretter will sie da bohren auf nur 320 Seiten. Ich bin gespannt.</p></blockquote>
<p><em>Fortsetzung folgt (vielleicht)</em></p>
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		</item>
	</channel>
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