Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

Kategorie: Arbeit & Freiheit

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Vortrag in Münster: Wirtschaft jenseits von Erwerbsarbeit und Verwertungslogik

Beitragen statt tauschenAuf Einladung des ver.di-Erwerbslosenausschusses werde ich in zehn Tagen in Münster vortragen. Hier der Ankündigungstext:

Ideen zu einer Wirtschaft jenseits von Erwerbsarbeit und Verwertungslogik

Am Donnerstag, dem 18. Juni, um 19:30 Uhr lädt der Erwerbslosenausschuss des ver.di-Bezirks Münsterland zu Vortrag und Diskussion mit Christian Siefkes in die Stadtbücherei Münster ein (Alter Steinweg 11). Kooperationspartner der Veranstaltung sind der ver.di-Ortsverein Münster, die DGB-Jugend Münsterland und der Fachhochschul-AStA Münster-Steinfurt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

Für den Berliner Autor und Software-Entwickler Christian Siefkes liegen in der gegenwärtigen computergestützten Technikentwicklung Potenziale, die zu einer emanzipatorischen Umwidmung der Produktionsverhältnisse nützlich sein könnten. Im Spannungsfeld von Computertechnologie und Gesellschaftstheorie beschäftigt sich Siefkes in seinen Publikationen mit einer möglichen nachkapitalistischen Zukunft, in der Erwerbsarbeit und Verwertungslogik keine Rolle mehr spielen. Produziert wird hier nicht um des Geldes willen, sondern die Menschen tun dies in „commonsbasierter Peer-Produktion“ für sich selbst und zum gegenseitigen Nutzen ihrer Arbeit.

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

8. Juni 2015, 08:36 Uhr   Kommentieren

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Wie kommt das Neue in die Welt?

Sturm auf die Tuilerien (königliche Residenz) 1792 während der Französischen Revolution (Gemälde von Jean Duplessi-Bertaux, gemeinfrei, URL: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Jacques_Bertaux_-_Prise_du_palais_des_Tuileries_-_1793.jpg)(Voriger Artikel: Was muss sich ändern, damit alles anders werden kann?)

Eine umfassende Kritik der kapitalistischen Logik sieht sich zwangsläufig mit einer doppelten Frage konfrontiert:

  1. Was wäre die Alternative?
  2. Wie kann sich diese Alternative durchsetzen?

Die Frage nach der Alternative …

Von der an Marx orientierten Kritik wird gerne schon die erste Frage zurückgewiesen mit einem Argument, das die Gruppe [pæris] (2010) wie folgt zusammengefasst hat:

Wir wissen doch von Adorno, dass man sich von der befreiten Gesellschaft kein Bild machen soll: Über die Negation des Negativen hinauszugehen bedeutet, den Kommunismus in Vorstellungen zu kleiden, die durch das bestehende Negative (Kapitalismus usw.) bedingt sind.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

25. Mai 2015, 08:00 Uhr   14 Kommentare

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Solidarische Landwirtschaft – Keimzelle einer neuen Form gemeinschaftlichen Wirtschaftens

http://rotebeete.org/wp-content/themes/rotebeete/images/rotebeeteheader_notxt_flipped.png

Ein Freund von mir aus der Gemüsekooperative RoteBeete in Leipzig (rotebeete.org) hat das Verhältnis von CSAs oder Solidarische Landwirtschaft zur herrschenden kapitalistischen Vergesellschaftung reflektiert. Hier das Ergebnis. Mehr zu dem Thema findet ihr unter

http://keimform.de/author/jhc/

Ich bin Karl, Gärtner in der solidarischen Gemüsekooperative RoteBeete in Sehlis bei Leipzig. Der Artikel ist der Versuch meine wichtigsten Erfahrungen, Einschätzungen, aber auch Befürchtungen zu der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland zu bündeln.

  1. Prinzipien einer solidarischen Landwirtschaft
  2. Warum Solawis keine kapitalistischen Unternehmen sind
  3. Zukunft – Warum die Solawis sich schon jetzt mit möglichen und wahrscheinlichen Bedrohungsszenarien auseinandersetzen sollten

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Eigentumsfragen, Praxis-Reflexionen

21. Mai 2015, 09:31 Uhr   3 Kommentare

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Wert und produktive Arbeit

Fischmarkt in Washington, D.C. (Foto von Bien Stephenson, CC-BY, URL: http://en.wikipedia.org/wiki/File:Wash_fish_market.jpg – zum Vergrößern klicken)Zu meinen Artikeln zur Verwertungskrise (1, 2) habe ich Feedback und Kritik erhalten. Ein besonders umstrittener Punkt, zu dem es Zustimmung, aber auch sowohl grundsätzliche wie Detail-Kritik gab, war die Abgrenzung der „produktiven Arbeit“, die zur Kapitalverwertung beiträgt, von anderer Arbeit, die zwar auch eindeutig für die Verwertung notwendig ist, aber gemäß der Marx’schen Konzeption nicht als produktiv gilt.

Die radikalste Kritik kam dabei von einem Kommentator namens ricardo (z.B. 1, 2), der den Unterschied zwischen produktiver und notwendiger Arbeit komplett bestreitet – er betrachtet alle vom Kapital bezahlte und für die Kapitalverwertung notwendige Arbeit als produktiv. Da ich früher selbst mit dieser Konzeption geliebäugelt habe, hat mich das veranlasst, den Unterschied zwischen „produktiv“ und „notwendig für die Kapitalverwertung“ nochmal kritisch zu prüfen. Im Ergebnis bin ich zu dem Schluss gekommen, dass dieser von Marx gemachte Unterschied zu Recht besteht und will im Folgenden darlegen, warum.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

21. Mai 2015, 08:36 Uhr   35 Kommentare

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Eine Idee für den Übergang

Fertige und unfertige Brücke (in Berlin-Moabit)Während hier auf keimform seit Jahren Überlegungen zur postkapitalistischen Gesellschaft angestellt werden, ist ein Punkt eher selten diskutiert worden: wie genau der Übergang in eine solche Gesellschaft aussehen könnte. Zwar wurde mit Hilfe des Fünfschritt-Modells der Kritischen Psychologie der Systemwechsel in abstrakt-kategorialer Form beschrieben, es bleibt aber offen, welche konkreten Veränderungen dafür nötig sind (abgesehen von einem allgemeinen Anwachsen der Peer-Produktion).

Wie kommen wir also dorthin, wo wir hinwollen? Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Theorie

17. Mai 2015, 07:08 Uhr   37 Kommentare

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Was muss sich ändern, damit alles anders werden kann?

Gemälde von Wenzel Hablik: Große bunte utopische Bauten (gemeinfrei, URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Wenzel_Hablik_Gro%C3%9Fe_bunte_utopische_Bauten.jpg )Die Kritik am Kapitalismus kann an vielen Punkten ansetzen. Einige wesentliche Aspekte habe ich in Der alte Marx und die Probleme des Kapitalismus zusammengetragen. Zudem basiert der Kapitalismus auf der systematischen Herstellung und Ausnutzung von Zwangslagen, was zweifellos kein schöner Zug ist. Und es gibt noch viele weitere gute Gründe, den Kapitalismus überwinden zu wollen.

Alle diese Aspekte sind grundsätzlich berechtigt und relevant. Für die Frage nach der Möglichkeit einer gesellschaftlichen Transformation über den Kapitalismus hinaus sehe ich aber das Problem, dass bei so vielen Einzelpunkten leicht das Wesentliche aus dem Blick geraten kann: Was genau muss sich eigentlich ändern, damit „alles anders werden kann“, sprich damit die spezifische kapitalistische Logik durch eine andere ersetzt wird?

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

4. Mai 2015, 08:12 Uhr   21 Kommentare

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Glücklich sein (nicht nur) am 1. Mai

Als ich fünf war, hat meine Mutter mir immer gesagt,
dass es das Wichtigste im Leben sei, glücklich zu sein.

Als ich in die Schule kam,
baten sie mich aufzuschreiben,
was ich später einmal werden möchte.
Ich schrieb auf: „Glücklich“.

Sie sagten mir, ich hätte die Frage nicht richtig verstanden,
und ich antwortete ihnen,
dass sie das Leben nicht richtig verstanden hätten.

John Lennon

Kategorien: Arbeit & Freiheit

1. Mai 2015, 06:43 Uhr   1 Kommentar

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Nieder mit der Arbeit!

Wie wir jeden Tag Verhältnisse herstellen, die uns unfrei machen. Ein Vortrag aus Anlass des 1. Mai von Lothar Galow-Bergemann.

 

Bald ist es wieder mal so weit: die einen feiern den „Tag der Arbeit“, die andern gar den „Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse“. Doch wie kritisch auch immer sie sich wähnen mögen – sie stehen den herrschenden Verhältnissen näher, als sie glauben. Denn wie die ganze Gesellschaft pflegen sie ein inniges Liebesverhältnis zu einem der größten Übel unserer Zeit: zur Arbeit.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Medientipp

29. April 2015, 17:08 Uhr   1 Kommentar

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Die stigmergische Zukunft

neues deutschlandVon Sabine Nuss

[Erschienen am 11.04.2015 im neues deutschland.]

3D-Drucker in der Küche und eine Welt ohne Geld: über das Potenzial neuer Technologien für die Revolutionierung der Produktionsverhältnisse.

«Tea. Earl Grey. Hot». So lautete das Kommando, mit dem Captain Jean-Luc Picard in Raumschiff Enterprise regelmäßig seinen Tee bei einem sogenannten Replikator bestellte. Dieses schrankhohe Gerät war eine Art Kopiermaschine. Es konnte jeden in seiner atomaren Struktur vorher erfassten Gegenstand herstellen. Wenn nicht gerade aufgrund eines Systemfehlers eine Orchidee statt einer dampfenden Teetasse aus dem Replikator plumpste, stand da binnen weniger Sekunden das Lieblingsheißgetränk des Captains.

Mit der Entwicklung von 3D-Druckern scheinen uns Replikatoren heutzutage nicht mehr ganz so fiktional wie noch in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Im Gegenteil: Auf dem Videoportal youtube finden sich zahlreiche Filme, die zeigen, wie 3D-Drucker dreidimensionale Gegenstände schichtweise aufbauen: von Gipsfiguren über Kunststoff-Trillerpfeifen bis hin zu Pizza oder gestrickten Schals – es wird eifrig mit diesen Geräten experimentiert. Aber kann man damit auch eine neue Gesellschaft ausdrucken?

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

15. April 2015, 07:03 Uhr   1 Kommentar

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Geht dem Kapitalismus die Arbeit aus? (Teil 2)

Smog in der Hauptstadt Südkoreas, wo der Kapitalismus noch brummt (Foto von Craig Nagy, CC-BY-SA, URL: https://www.flickr.com/photos/nagy/4336948)[Teil 1]

Entwicklung nach geschätzter Arbeitsproduktivität gewichtet

Lohoff und Trenkle (2012: 98ff) weisen in diesem Kontext darauf hin, dass produktive Arbeiter in Niedriglohnländern pro Kopf tendenziell weniger Wert produzieren als in Hochlohnländern, weil sie zumeist nicht auf dem „Stand der Technik“ produzieren, also mehr als die gesellschaftlich nötige Arbeitszeit leisten. Vielleicht lagert ein Unternehmen seine Produktion nach Asien oder Osteuropa aus und beschäftigt anschließend dreimal so viele Angestellte pro Einzelstück wie vorher, zahlt aber unterm Strich aufgrund der geringeren Lohnkosten und des Einsatzes von weniger konstantem Kapital weniger als zuvor. Dann ist der Wert seiner Waren dadurch nicht gestiegen, auch wenn in jede Ware mehr Arbeitszeit einfließt als zuvor.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Feindbeobachtung, Theorie

26. März 2015, 08:19 Uhr   18 Kommentare