Auf der Suche nach dem Neuen im Alten
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Weitere Gedanken zu den Freund*innen

In den letzten Beiträgen habe ich mich mit dem Text der Freund*innen auseinandergesetzt. Wenn ich gute Texte lese, dann bringen die mich selbst weiter zum Nachdenken, darum hier zwei Gedankenbewegungen die aus dem Lesen und Reflexion hervorgingen. Sie sind sehr kurz und eher als Diskussionsanstoß gedacht. Die eine betrifft das Verhältnis von Utopietheorie und transformierender Praxis, der andere die utopische-inhaltliche Frage wer, wo im Commonismus Entscheidungen fällt.

Utopie – Produkt der Gedanken oder der Bewegung?

Da die freie Gesellschaft nicht durch die Entwicklungsgesetze der Geschichte verbürgt ist, wird sie nicht von der Bewegung automatisch hervorgebracht. Das Verhältnis von Bewegung und freier Vergesellschaftung ist problematisch und darum notwendiges Feld von Reflexion und Theorie. Aber die Utopietheorie der Freund*innen durchzieht der Unmut einer Verselbständigung der Theorie. Sie sorgen sich um eine Theorie, welche sich von der Praxis entfernt, diese zurücklässt, im schlimmsten Fall zu ihrem Hemmnis wird, wenn sie der Praxis eine falsche Richtung empfiehlt oder gar vorschreibt. Gleichzeitig wäre es jedoch eher positiv würde sich die Theorie von einer Praxis entfernen, welche die falschen Wege beschreitet. Einige Fragen treten aus diesem Verhältnis hervor: Bedarf die Theorie der Praxis als Grundlage? Falls ja, wie ist deren Verhältnis zu bestimmen? Was ist hier der Stellenwert von Theorie/von Praxis? Wann wir die Theorie praxisferne Reflexion, was Engels als Utopismus kritisierte? Macht dies die Theorie falsch, oder nur tendenziell uneinlösbar?

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Commons, Theorie

7. September 2018, 09:30 Uhr   27 Kommentare

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Konsequenter Aufbauprozess: still pending

Vorheriger Artikel: keimform.de/2018/eine-verstaendigung-ueber-die-grundzuege-einer-klassenlosen-gesellschaft-ist-allemal-sinnvoll/

Wie auch bei der Diskussion der Utopie, kann ich auch bei der Transformationstheorie vielen Elementen zustimmen. Die Freund*innen sprechen sich gegen Staatseroberung aus und betonen die Bedeutung einer sozial(revolutionär)en Bewegung welche nicht nur erobert und zerstört, sondern welche es schafft in dem Transformationsprozess sich die Produktion anzueignen, „materielle Bedürfnisse zu befriedigen und bereits im Moment der Erhebung andere menschliche Beziehungen aufscheinen zu lassen“ (43). So weit so gut. Vorstellbar ist die Transformation als „wilde Bewegung der Besetzungen (41), welche aneignend das Eigentum praktisch hinterfragt und die Gesellschaft und die Produktion Schritt für Schritt erobert. Wichtiger Absetzpunkt ist hierbei eine gradualistische Transformationstheorie.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

6. September 2018, 13:46 Uhr   3 Kommentare

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„Eine Verständigung über die Grundzüge einer klassenlosen Gesellschaft [ist] allemal sinnvoll…“

„Genau wie ein linker Realismus, der Momente der schlechten Realität fortschreibt, ist ein Scheinradikalismus zurückzuweisen, der sich in der Feier von isolierten Revolten ergeht, maximale Zerstörung predigt und zur Frage nach einer anderen Gesellschaft nur Phrasen über die totale Freiheit des Einzelnen auf Lager hat“ (32)

Ich kann es nur immer wieder erfreulich nennen: Linksradikale die über Utopie nachdenken. Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft haben in ihrem Text Umrisse der Weltcommune einiges zu Utopietheorie und Utopieinhalt geschrieben.[1] Dieser Artikel möchte sich kritisch-solidarisch damit auseinandersetzen. Spannend ist der Text der Freund*innen insofern, als er wohl wieder ein gutes Beispiel dafür gibt was geschieht, wenn Linksradikale beginnen über Utopie nachzudenken: Viel Spannendes, und – wie könnte es anders sein – etwas Seltsames. Ich möchte zuerst mit ihrer Utopietheorie (Wie über Utopie nachdenken?) anfangen und mich dann dem Inhalt ihrer Utopie zuwenden.

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Kategorien: Arbeit & Freiheit, Theorie

5. September 2018, 17:37 Uhr   10 Kommentare

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Ist Kapitalismus ohne Klassen möglich?

Disclaimer: Dieser Text ist ein Diskussionstext. Ich möchte hier nicht eine klare Meinung darstellen und glaube nicht, dass meine Analyse präzise ist, aber ich finde die Frage spannend und der Artikel soll quasi ein Aufschlag zur Diskussion sein.

Wir hatten bei dem letzten Treffen der Commons-Theorie-Gruppe eine Diskussion zu eben dieser Frage. Dieser Text möchte diese Fragen noch einmal explizit stellen und etwas (aber bloß ein bisschen) bearbeiten. Wichtig ist für mich diese Diskussion, weil die Utopie einer Marktwirtschaft ohne Klassen (und ohne andere Exklusionsverhältnisse wie Sexismus, Staatsbürgerschaft, Rassismus, etc.) oft als eine nicht-kapitalistische Zielgesellschaft ohne Verwertungszwang verhandelt wird. Nachdem eine staatliche Plan-Gesellschaft ihr Versprechen im Laufe des 20. Jh. nicht gehalten hat, haben sich selbst kritische Linke immer mehr mit dem Gedanken angefreundet, dass Markt und Tausch auch in einer (zumindest viel) freie(re)n Gesellschaft weiter benötigt sind um Komplexität und globale Arbeitsteilung zu erhalten. Die konsequente Frage ist dann: In welchem Rahmen muss sich Markt und Tausch bewegen um keinen Verwertungszwang zu bilden, oder zumindest um nicht mehr so destruktiv zu wirken. Die Abschaffung von Klassen, als eine der zentralen Linie der Ungerechtigkeit, ist oft Teil dieser Utopien einer Genossenschafts-Marktwirtschaft, eines Marktsozialismus, etc. Dieser Text stellt nun die Frage: Ist nicht auch ein Kapitalismus ohne Klassen denkbar? Und somit: Führt eine Abschaffung der Klassen aus dem Kapitalismus? Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Theorie

10. Juli 2018, 21:05 Uhr   39 Kommentare

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Notizen zur Veränderung der Gesellschaftsform

Wenn wir über den Übergang von Kapitalismus zum Commonismus nachdenken, kommt neben all den Schwierigkeiten der Bestimmung des Ziels zusätzlich noch die Schwierigkeit hinzu, die Änderung der Gesellschaftsform zu denken. Die einzige Änderung dieser Art, von der wir eine leise Ahnung haben, ist die Entstehung des Kapitalismus. Ich möchte hier versuchen, diese noch einmal nachzuzeichnen, um daraus (hoffentlich) Einsichten in die Veränderung hin zum Commonismus zu gewinnen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Commons, Theorie

9. Oktober 2017, 18:51 Uhr   43 Kommentare

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Der Commonismus ist kein WG-Plenum (II)

Wider den Unmittelbarismus

Dieser Text ist eine Fortsetzung. Im ersten Text wurde versucht die grundlegenden Begriffe von Interpersonalität–Transpersonalität, Vermittlung und Gesellschaft zu entwickeln. In diesem Text soll die spezifische Qualität der commonistischen Vermittlung – dem Commoning – betrachtet werden.

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Kategorien: Commons, Theorie

12. September 2017, 07:45 Uhr   13 Kommentare

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Der Commonismus ist kein WG-Plenum (I)

Gesellschaft und Vermittlung

Wenn wir über die freie Gesellschaft sprechen, so treffen wir häufig eine Denkgewohnheit, welche sich meist mit einer (berechtigten) Müdigkeit und Sorge verbindet: Der Commonismus müsse doch wie ein großes Plenum funktionieren oder zumindest voll von diesen Plena sein.

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Kategorien: Commons, Theorie

8. September 2017, 11:43 Uhr   32 Kommentare

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Adornos Utopie

Wenn man sich nicht ganz bei Adorno verliest, wird man viele Stellen bei dem Verteidiger des Bilderverbots finden, die zu jener Einstellung kaum zu passen scheinen. Jedoch schon in der Minima Moralia spricht er von „Fluchtlinien“ (2003b:180), die benannt werde können. Sein Bilderverbot scheint sich eher auf konkretes „Auspinseln“ zu beziehen, so im Gespräch mit Bloch:

Der folgende Text möchte einige der utopischen Fluchtlinien Adornos untersuchen. Vollständigen Artikel lesen »

Kategorien: Theorie

9. Juni 2016, 08:24 Uhr   14 Kommentare