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»Kapitalismus aufheben« — Bonuskapitel

Das Buch »Kapitalismus aufheben. Eine Einladung, über Utopie neu nachzudenken« von Simon Sutterlütti und Stefan Meretz ist im VSA-Verlag erschienen und online auf der Website commonism.us verfügbar. Die Kapitel können hier auf keimform.de einzeln diskutiert werden. Hier geht es um das Bonuskapitel, das nur online erscheint:

Bestehende Transformationskonzepte

In dem Bonuskapitel (PDF) setzen wir uns mit anderen Transformationskonzepten auseinander. An diese selbst ernannten Transformationskonzepte gehen wir zunächst ohne Vordefinition heran und versuchen sie in ihrer Argumentation zu verstehen — um dann zu schauen, ob sie den transformatorischen Anspruch auch erfüllen können. Wir haben drei sehr unterschiedliche Konzepte beispielhaft untersucht. Unsere Kriterien für die Auswahl waren sehr grob: Wir wollen ein eher staatsbasiertes, ein eher marktbasiertes und ein Mischmodell mit explizit sozialistischer Ausrichtung auswählen. So fiel unsere Wahl auf:

  1. den Bericht „Welt im Wandel. Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen
    (WBGU) der Bundesregierung;
  2. das Kapitel „Transformationsstrategien und Wandlungsprozesse“ des Buchs „Kapitalismus und dann?“, das von der Akademie Solidarische Ökonomie herausgegeben wurde;
  3. das Buch „Reale Utopien. Wege aus dem Kapitalismus“ von Erik Olin Wright, das die Ergebnisse des über zehnjährigen Real Utopias Project zusammenfasst.

Kategorien: Commons, Theorie

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1. August 2018, 07:02 Uhr   2 Kommentare

1 Werner Richter (02.08.2018, 15:50 Uhr)

Da zum Buch bereits ein Gespräch auf tp zu lesen war, dort die Aufforderung zur Kommentierung hier zu finden ist und das Nachlesen der Kommentare im tp-Forum selbst dem Hartgesottensten nicht zumutbar, hier mein Kommentar mit Fragestellung von dort:
Aufhebung, was?

Zunächst sei erkennbar an den Meinungen, daß nur ein geringer
Teil begreift, was da eigentlich vorgestellt wird. Die alten
Argumente aus alten Zeiten mit ihrer begrenzten
Einsichtsmöglichkeit sprechen Bände. Kulmination: Das sei keine
Wissenschaft. Kann nur von jemandem kommen, für den Wissenschaft
sich nur in engen vorherbestimmten Grenzen bewegen darf, etwa in
mathematischen, also Algorithmen, die ja schon an sich Grenzen
sind, aber deshalb tatsächlich keine Wissenschaft ist.
Schätze den Autor, seine Arbeit, seine keimform sehr. Da ist im
Text eine unwesentliche, vielleicht ungewollte Bezeichnung:

Wir können den Kapitalismus nicht einfach abschaffen oder
überwinden, sondern müssen ihn aufheben. Aufhebung hat drei
Elemente: Bewahrung, Bruch und Weiterentwicklung. Einige
seiner Elemente wie z.B. die globale Vernetzung werden wir
bewahren können, andere wie erzwungene
Tätigkeiten für einen fremden Zweck, Arbeit genannt
,
werden wir beenden müssen…

Lohnarbeit wäre richtig
gewesen. Das nur am Rande.
Ich hoffe nicht, daß Stefan Meretz hinter seine früheren
Erkenntnisse zurück gefallen ist, nach denen die Aufhebung des
Kapitalismus über eine neue, von Beginn an andere
Produktionsweise, die nicht in Umwandlung bzw. andersgerichtete
Fortsetzung vorhandener zu suchen wäre (dazu sein Beitrag
„Commonismus statt Sozialismus“ in „Aufhebung des Kapitalismus“,
Masch Hamburg, 2015). In den Darlegungen, das Buch kenne ich
noch nicht, vielleicht macht es diesen Hinweis überflüssig,
drehen sich alle Abhandlungen ausschließlich auf der Ebene der
zwischenmenschlichen Beziehungen ohne Berücksichtigung der
wichtigsten, indirekten, aber alles entscheidenden Beziehungen
in allen Warenwirtschaftssystemen, dem Wertverhältnis. Ohne
dessen Aufhebung kann es keine Aufhebung des Kapitalismus geben.
Deshalb bedürfte es unweigerlich der Analyse des Wertes und
seiner Wirkungsweisen in der Formulierung des Weges in eine
andere Gesellschaft auf Basis völlig neuer
Produktionsbeziehungen, die die Bedürfnisse bedienen sollen.
Nehme er sich doch dazu wieder mal Heinrich Harbach, mit dem er
schon zusammen arbeitete, und Dieter Wolf sowie die Neuheit „Das
Kapital 1.5 Die Wertform“ vor. Das würde ihn vor einer
idealistisch geprägten Theorieentwicklung bewahren können.Es wäre zu wünschen, diese Basisbeziehung Wert, auch unter dem Aspekt der Arbeit von Dieter Wolf
https://www.degruyter.com/view/j/zksp.2017.4.issue-1-2/zksp-2017-0010/zksp-2017-0010.xml
in die Diskussion einzubeziehen. Ansonsten sind Diskussionen über Erscheinungsformen, weniger über zum Wesen, zu befürchten.

2 Simon Sutterlütti (09.08.2018, 12:18 Uhr)

Hallo Werner, Keine Angst, in dem Buch geht es noch immer deutlich (hoffen wir) um die Aufhebung des Wertverhältnisses und nicht bloß um Versuche des interpersonal-zwischenmenschlichen entkommens … wir bleiben einer fundierte Kapitalismuskritik treu 😉

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