Auf der Suche nach dem Neuen im Alten

Kategorien: Gender, Lernen

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21. Juni 2015, 19:24 Uhr   8 Kommentare

1 libertär (27.06.2015, 18:53 Uhr)

@Stefan Meretz:
Würdest du die Folien bitte als PDF hochladen? Ich konnte sie so nicht anzeigen lassen.

Als ich deinen Vortrag angehört habe, habe ich manchmal gedacht: Wo bin ich denn hier gelandet? Einige Thesen wie jene von der Existenz der Arterhaltung oder des Patriarchats sind wirklich indiskutabel, weil längst widerlegt. Da deine übrigen Thesen auch darauf fußen, dürften die ebenso Murks sein. Zur Widerlegung des Patriarchats siehe „Das Patriarchat“ von Heike Diefenbach.

2 Stefan Meretz (29.06.2015, 10:59 Uhr)

@libertär: Der Begriff Arterhaltung wie ich ihn verwende hat nichts mit Konrad Lorenz oder einen angenommenen Altruismus der Individuen zu tun, sondern kommt aus der Kritischen Psychologie, siehe die analytische Ebene der Population: http://grundlegung.de/artikel/2-1-der-vorpsychische-lebensprozess/

Steile These: Die Herrschaftsform des Patriarchats existiert nicht? Dafür müsstest du Argumente bringen (die Quelle kenne ich nicht).

PDF ist da, auch die Quelle als ODP

3 Benni (29.06.2015, 18:15 Uhr)

Was ist eigentlich mit Asexualität? Die kommt da nich vor, oder?

4 Stefan Meretz (29.06.2015, 18:22 Uhr)

@Benni: Indirekt auf der letzten Folie als „Nicht-“ Liebesweise (hier hätte ich allerdings nochmal zwischen Liebe und Sex unterscheiden können, was ich aber nicht tat).

5 libertär (29.06.2015, 19:21 Uhr)

@Stefan Meretz: Danke für PDF und ODP. Ich hatte zur Arterhaltung schon in der „Grundlegung“ nachgesehen, dort aber keine Definition von Arterhaltung gefunden, weshalb ich davon ausgegangen bin, dass Holzkamp den Begriff in der üblichen Bedeutung verwendet. Vielleicht wird es klarer, wenn ich in deiner Einführung in die Grundlegung lese. Oder vielleicht möchte auch jemand hier eine Definition posten. Falls damit nur die Gen-Replikation und damit Konstruktion neuer Vehikel gemeint sein sollte, kann man das auch genau so sagen. Mit der Erhaltung der Art (oder sonstiger Gruppen) hat das nämlich absolut nichts zu tun. Damit führt man seine Leser nur in die Irre.

Steile These: Die Herrschaftsform des Patriarchats existiert nicht? Dafür müsstest du Argumente bringen (die Quelle kenne ich nicht).

Du kannst die Quelle ja lesen. Da stehen die Argumente drin. Generell ist es natürlich schwierig, die Nichtexistenz von etwas nachzuweisen. Da die Existenz des Patriarchats von seinen „Fans“ immer nur behauptet und durch nichts belegt wird, kann man getrost von seiner Nichtexistenz ausgehen. Wenn jemand eine Existenzbehauptung aufstellt, ist derjenige doch in der Bringschuld für Argumente. Von der Wahrheit aller jemals getätigten Behauptungen auszugehen, für die es keinen Beweis und auch kein Gegenargument gibt, wäre sehr irrational. So geht Wissenschaft nicht.

@Benni: Ich schätze mal, eine Theorie wie die kritische Psychologie will zunächst die Normalfälle erklären, was ja schon schwer genug ist. Bei solchen Randerscheinungen, wie z.B. auch Objektsexualität, ist schließlich selbst die herkömmliche Psychologie noch ganz am Anfang. Wenn ich Stefan richtig verstanden habe, soll Polyamorie explizit nicht als Vorgabe gedacht sein, der sich alle Menschen möglichst annähern sollen, sondern nur als ein Beziehungsschema gleichberechtigt neben anderen existieren. Selbst gewählte Partnerlosigkeit ist also immer eine Option. Wie mit unfreiwilliger Partnerlosigkeit und Vereinsamung umzugehen ist, wäre eine spannende Frage, die sich hier gleich anschließt.

6 Silke (29.06.2015, 21:56 Uhr)

Hi Stefan,
sehr instruktiv. Danke!
Mir fielen spontan die Zo’é ein, die IMHO leben, was unter einer polyamoren vorkapitalistischen Lebensweise zu verstehen ist. http://www.survivalinternational.de/indigene/zoe/
Von dort aus kannst Du weitersuchen, falls Du sie noch nicht kennst (vermute aber, sie gehören zum Standardbeispiel der einschlägigen Literatur, die ich wiederum nicht kenne.)

Den Begriff der „internalisierten Selbstherrschaft“ erschließe ich mir durch die irrige Kopplung der Idee der Autonomie mit der des isolierten Individuums. Dann kann ja eigentlich nichts anderes rauskommen.

Dann gefiel mir noch der Gedanke von Polyamorie als Haltung… da kam z.B. die Möglichkeit herein, auch monogame Beziehung nicht-emotional-restriktiv (sondern eher emotional exuberant) zu leben. Soll’s geben ;-). Also irgendwie scheint mir der Erklärungsansatz zu monokausal.  

7 Timo Ollech (06.07.2015, 23:11 Uhr)

Schon mal mit Beziehungsanarchie beschäftigt? Das würde ich als klar emanzipatorisch einordnen.

8 Stefan Meretz (07.07.2015, 07:51 Uhr)

@timo: Ja. BA würde ich als eine Variante der PA sehen. Die Nichtkategorisierung von Beziehungen geht sicherlich mehr in Richtung Entnormierung. Das sehe ich aber auch als Teil von Diskursen in der PA.

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